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Kapitel 6

Author: WILDA BRIGGS
last update publish date: 2026-05-05 15:30:44

Der erste Schnee des neuen Winters fiel in dicken, lautlosen Flocken. Er bedeckte die Wälder von Silbermond wie ein frisches Leichentuch, doch darunter pulsierte das Leben weiter. Das Packhaus stand unverändert, dunkel und massiv gegen den weißen Horizont, aber innen hatte sich alles verändert. Die Hallen hallten nicht mehr von gedämpften Schritten und gesenkten Blicken wider. Stimmen klangen lauter. Lachen mischte sich mit dem Knistern der Feuer. Kinder rannten durch die Gänge, ohne dass jemand sie zurechtwies. Mila hatte darauf bestanden. Kein Kind sollte mehr unsichtbar sein.

Luca stand am Fenster des neuen Alphas gemachs, das früher Viktors gewesen war. Er hatte die schweren Vorhänge entfernt. Jetzt fiel das graue Tageslicht herein und beleuchtete die Narben auf seinem Rücken. Er trug nur eine lockere Hose, barfuß auf dem warmen Fellteppich. Seine Hand ruhte auf dem Fensterbrett, während er hinaussah. Der See lag still da, zugefroren, eine glatte Scheibe aus Eis, die noch immer die Erinnerungen an Blut und Duelle trug.

Mila trat leise hinter ihn. Sie trug eines seiner Hemden, das ihr bis zu den Oberschenkeln reichte. Ihr Haar fiel offen über ihre Schultern, dunkle Strähnen, die im schwachen Licht glänzten. Das Dornenmondmal auf ihrer Schulter schimmerte schwach, als würde es atmen.

„Du starrst schon wieder hinaus“, sagte sie sanft.

Luca drehte sich um. Seine goldenen Augen wurden weich, sobald sie auf ihr ruhten.

„Ich warte.“

„Worauf?“

„Auf den Sturm.“

Sie trat näher. Legte die Hand auf seine Brust, genau über dem Herzen. Es schlug ruhig, stark. Das Band zwischen ihnen vibrierte leicht, ein ständiges, leises Summen, das sie beide beruhigte.

„Er wird kommen“, sagte sie. „Aber nicht heute.“

Luca nahm ihre Hand, führte sie an seine Lippen. Küsste die Innenseite ihres Handgelenks.

„Du klingst sicher.“

„Ich spüre es. Das Band... es flüstert manchmal. Es sagt mir, dass wir noch Zeit haben.“

Er zog sie an sich. Ihre Körper passten perfekt zusammen, als wären sie füreinander geschaffen worden. Vielleicht waren sie das auch.

„Dann nutzen wir die Zeit“, murmelte er gegen ihre Schläfe.

Seine Hände glitten unter das Hemd, streichelten die warme Haut ihres Rückens. Mila seufzte leise, lehnte den Kopf an seine Schulter. Sie liebten sich oft so: langsam, ohne Eile, als wollten sie jede Sekunde auskosten, bevor die Welt wieder zuschlug.

Luca hob sie hoch. Trug sie zum breiten Bett, das mit dicken Fellen belegt war. Legte sie sanft ab. Kniete sich über sie. Seine Finger öffneten Knopf für Knopf das Hemd, bis ihre Brüste frei lagen. Er beugte sich hinunter, küsste die weiche Haut zwischen ihnen, dann nahm er eine Brustwarze in den Mund. Saugte sanft. Mila bog sich ihm entgegen, ein leises Stöhnen entkam ihr.

„Luca...“

Er lächelte gegen ihre Haut.

„Ich liebe es, wenn du meinen Namen so sagst.“

Seine Hand wanderte tiefer. Streichelte ihren Bauch, der sich unter seiner Berührung hob und senkte. Dann tiefer. Zwischen ihre Schenkel. Sie war bereits feucht. Bereit. Immer bereit für ihn.

Er schob zwei Finger in sie hinein. Langsam. Krümmte sie. Fand die Stelle, die sie jedes Mal Sterne sehen ließ. Mila keuchte. Ihre Hüften hoben sich ihm entgegen.

„So schön“, flüsterte er. „So verdammt schön.“

Er bewegte die Finger, während sein Daumen über ihre empfindlichste Stelle kreiste. Mila zitterte. Ihre Hände krallten sich in die Felle.

„Ich will dich“, hauchte sie. „Jetzt.“

Luca zog die Finger heraus. Öffnete seine Hose. Sein Glied sprang frei, hart und schwer. Er positionierte sich zwischen ihren Beinen. Drang langsam ein.

Mila keuchte auf. Noch immer fühlte es sich überwältigend an. Voll. Vollkommen. Er füllte sie aus, dehnte sie, machte sie zu seinem.

Luca begann sich zu bewegen. Tief. Gleichmäßig. Jeder Stoß ein Versprechen. Mila schlang die Beine um seine Hüften. Nahm ihn tiefer auf. Ihre Nägel zogen Spuren über seinen Rücken.

„Härter“, flüsterte sie.

Er gehorchte. Stieß schneller. Tiefer. Das Bett quietschte unter ihnen. Das Feuer im Kamin knisterte lauter, als wollte es mithalten.

Mila spürte den Höhepunkt nahen. Schnell. Stark.

„Luca... ich...“

„Komm mit mir“, knurrte er.

Er richtete sich auf. Hakte ihre Beine über seine Schultern. Drang noch tiefer. Sein Daumen fand wieder ihre Klitoris. Rieb sie hart.

Mila schrie leise auf. Ihr Körper spannte sich an. Dann explodierte sie. Wellen um Wellen von Lust rollten durch sie. Ihre inneren Wände zogen sich um ihn zusammen. Melkten ihn.

Luca brüllte auf. Kam tief in ihr. Heiß. Pulsierend.

Er brach über ihr zusammen. Schwer atmend. Schweißnass.

Mila hielt ihn fest. Strich über seinen Rücken. Beruhigte ihn.

Sie lagen lange so. Verbunden. Schweigend.

Später zog Luca sich zurück. Legte sich neben sie. Zog sie an seine Brust.

„Ich will Kinder mit dir“, sagte er plötzlich leise.

Mila hob den Kopf. Sah ihn an.

„Wirklich?“

„Wirklich. Ich will sehen, wie sie aussehen. Wie sie lachen. Wie sie laufen lernen. Wie sie uns beide in den Wahnsinn treiben.“

Mila lächelte. Tränen brannten in ihren Augen.

„Ich auch.“

Sie legte die Hand auf ihren Bauch.

„Vielleicht schon.“

Luca erstarrte. Dann lächelte er breit. Das echte, seltene Lächeln, das nur sie bekam.

„Wirklich?“

„Ich bin mir nicht sicher. Aber... ich fühle etwas. Etwas Neues.“

Er küsste sie. Lang. Zärtlich.

„Dann warten wir. Und hoffen.“

Der Tag verging ruhig. Mila half in der Küche. Luca trainierte mit den jüngeren Kriegern im Hof. Das Rudel lernte, neu zu vertrauen. Neu zu glauben.

Doch am Abend kam der Bote.

Ein junger Wolf, erschöpft und halb erfroren, stolperte in die große Halle. Schnee klebte in seinem Haar. Blut an seiner Lippe.

Luca und Mila saßen am hohen Tisch. Sie erhoben sich sofort.

„Sprich“, sagte Luca ruhig.

Der Bote keuchte.

„Viktor. Er hat sich mit den Abtrünnigen verbündet. Im Norden. Sie haben das alte Jagdrevier eingenommen. Drei Dörfer überfallen. Menschen getötet. Wölfe gezwungen, sich anzuschließen.“

Stille senkte sich über die Halle.

„Wie viele?“, fragte Mila.

„Mindestens zweihundert. Vielleicht mehr. Sie marschieren. Sie kommen hierher.“

Luca ballte die Fäuste.

„Wann?“

„In drei Tagen. Spätestens vier.“

Mila spürte, wie das Band in ihr vibrierte. Alarm. Gefahr. Aber auch Entschlossenheit.

Luca wandte sich an das versammelte Rudel.

„Wir haben Zeit. Wir bereiten uns vor. Niemand wird gezwungen zu kämpfen. Wer gehen will, kann gehen. Jetzt.“

Niemand ging.

Stattdessen traten sie vor. Einer nach dem anderen.

„Wir stehen zu euch“, sagte ein alter Krieger.

„Bis zum letzten Atemzug“, sagte eine junge Jägerin.

Luca nickte. Seine Stimme war fest.

„Dann lasst uns anfangen.“

Die nächsten Tage waren ein Wirbel aus Vorbereitung.

Mila arbeitete mit den Heilerinnen. Kräuter. Verbände. Salben gegen Silbervergiftung. Sie lernte schnell. Ihre Dornenmondkraft half. Sie berührte Wunden und spürte, wie sie schneller heilten. Nicht vollständig. Aber genug, um den Unterschied zu machen.

Luca trainierte das Rudel. Neue Formationen. Gruppenkämpfe. Verteidigung des Packhauses. Er zeigte ihnen, wie man das Eis nutzte. Wie man Fallen stellte. Wie man den Feind in die Wälder lockte.

Nachts lagen sie wach. Hielten einander fest.

„Wenn es schlimm wird“, flüsterte Mila einmal, „versprich mir, dass du fliehst. Nimm die Kinder. Nimm die Schwachen.“

Luca schüttelte den Kopf.

„Ich lasse dich nicht zurück.“

„Luca...“

„Nein. Wir kämpfen zusammen. Wir sterben zusammen. Oder wir leben zusammen.“

Mila weinte leise.

„Ich will leben.“

„Dann leben wir.“

Am dritten Tag kam der Schnee stärker. Ein Blizzard. Weiße Wand. Der Wind heulte wie ein Rudel hungriger Wölfe.

Und dann hörten sie es.

Das Heulen.

Fern. Aber nah genug.

Das feindliche Rudel näherte sich.

Luca stand auf dem Wehrgang über dem Tor. Mila neben ihm. Beide in Fellmänteln. Waffen an der Seite.

„Sie kommen durch den Sturm“, sagte Luca.

Mila nickte.

„Ich spüre sie.“

Das Band summte. Laut. Drängend.

Plötzlich brach das Heulen ab.

Stille.

Dann ein einzelner Schrei.

Ein Bote trat aus dem Schneesturm. Viktor. Allein. In menschlicher Gestalt. Schwarzer Mantel. Blut im Gesicht.

Er blieb stehen. Fünfzig Meter entfernt.

„Sohn“, rief er.

Luca trat vor.

„Vater.“

„Gib mir das Rudel zurück. Gib mir die Luna. Dann lasse ich euch leben.“

Luca lachte kalt.

„Du hast verloren. Mehrmals. Warum sollte ich dir glauben?“

Viktor lächelte dünn.

„Weil ich etwas habe, das dir wichtig ist.“

Er pfiff.

Aus dem Sturm trat Lin.

Gefesselt. Geknebelt. Augen weit vor Angst.

Mila keuchte auf.

„Lin...“

Luca legte die Hand auf ihre Schulter.

„Ruhig.“

Viktor zog Lin näher.

„Ein Wort von dir, und sie stirbt. Sofort.“

Luca knurrte.

„Lass sie gehen.“

„Erst wenn du kapitulierst.“

Mila trat vor.

„Ich komme.“

Luca packte ihren Arm.

„Nein.“

„Ich muss.“

„Mila...“

Sie sah ihn an. Tränen in den Augen.

„Vertrau mir.“

Luca zögerte. Dann ließ er los.

Mila ging langsam durch das Tor. Über den Schnee. Auf Viktor zu.

Das feindliche Rudel trat aus dem Sturm. Hunderte Wölfe. Knurrend. Bereit.

Mila blieb stehen. Zehn Meter entfernt.

„Lass sie frei“, sagte sie laut.

Viktor lachte.

„Du bist mutig geworden, Bastardtochter.“

„Ich bin deine Tochter. Und ich bin Luna dieses Rudels.“

Viktor spuckte aus.

„Du bist nichts.“

Mila lächelte. Traurig. Aber stark.

„Dann komm und hol es dir.“

Sie schloss die Augen.

Das Dornenmondmal leuchtete auf. Silbern. Schwarz. Mächtig.

Ein Windstoß fuhr durch die Luft. Nicht der Blizzard. Etwas anderes.

Das Band explodierte.

Kraft floss aus Mila. Durch Luca. Durch das gesamte Rudel.

Jeder spürte es. Stärke. Mut. Einheit.

Luca brüllte auf. Verwandelte sich. Sprang vom Wehrgang.

Das Rudel folgte.

Der Kampf begann.

Es war Chaos. Schnee. Blut. Zähne. Klauen.

Mila rannte zu Lin. Riss die Fesseln entzwei. Zog den Knebel heraus.

„Lauf“, sagte sie.

Lin schüttelte den Kopf.

„Ich kämpfe mit euch.“

Mila nickte.

Zusammen stürzten sie sich ins Getümmel.

Luca kämpfte gegen Viktor. Wolf gegen Wolf. Brutal. Gnadenlos.

Doch diesmal war Luca nicht allein. Das Band nährte ihn. Milas Kraft. Das Rudel.

Viktor spürte es. Er wurde langsamer. Schwächer.

Luca biss zu. Tief. In die Kehle.

Viktor jaulte auf. Verwandelte sich zurück. Lag blutend im Schnee.

Luca stand über ihm.

„Ende.“

Viktor hustete Blut.

„Töte mich.“

Luca schüttelte den Kopf.

„Nein. Du wirst leben. Als Gefangener. Bis du lernst.“

Er wandte sich ab.

Das feindliche Rudel brach. Viele flohen. Andere ergaben sich.

Der Sturm legte sich.

Der Schnee fiel weiter. Sanft jetzt.

Mila fand Luca. Umarmte ihn.

„Es ist vorbei.“

Er küsste sie.

„Für jetzt.“

Lin trat zu ihnen. Umarmte beide.

„Ich bleibe“, sagte sie leise. „Wenn ihr mich wollt.“

Mila lachte unter Tränen.

„Immer.“

Monate später.

Der Frühling kam zögernd. Die Wälder grünten. Blumen brachen durch den letzten Schnee.

Mila stand am See. Hand auf dem Bauch. Er rundete sich bereits sichtbar.

Luca trat hinter sie. Schlang die Arme um sie.

„Unser Sohn“, flüsterte er.

„Oder Tochter.“

„Egal. Er wird geliebt.“

Mila drehte sich um. Küsste ihn.

„Wir alle werden geliebt.“

Das Rudel versammelte sich am Ufer. Ein Fest. Musik. Lachen. Kinder rannten herum.

Lin tanzte mit einem jungen Krieger. Lächelte echt.

Viktor saß in Ketten in einem entfernten Turm. Nicht tot. Aber gebrochen.

Luca hob Mila hoch. Trug sie zurück ins Packhaus.

In ihr Zimmer.

Legte sie sanft ab.

Liebte sie langsam. Zärtlich. Mit all der Liebe, die er in sich trug.

Danach lagen sie da. Haut an Haut.

„Ich bin glücklich“, flüsterte Mila.

„Ich auch.“

Der Mond stieg auf.

Voll.

Silbern.

Dornenbesetzt.

Und das Rudel von Silbermond gedieh.

Stärker.

Freier.

Liebevoller.

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