LOGINDas Erste, was Carla spürte, war das Gewicht. Es war kein Schmerz — nur ein seltsames Gefühl, in etwas zu versinken, das zu weich, zu warm war, als sei der Körper noch zwischen Schlaf und Wachsein gefangen. Sie versuchte die Augen zu öffnen, schaffte es aber beim ersten Versuch nicht. Der Körper wirkte schwer, sehr schwer. Sie atmete tief durch und versuchte es erneut — diesmal gelang es.Die Decke des Zimmers erschien vor ihren Augen, und sie starrte einige Sekunden verwirrt darauf. Sie war zu Hause, in dem Zimmer, das sie mit Alexei teilte. Das Licht war gedämpft, und die Vorhänge waren teilweise geschlossen, sodass nur ein Streifen Helligkeit den Raum durchquerte. Sie drehte den Kopf und fand Alexei neben dem Bett sitzen, noch angezogen, den Rücken an die Kopfstütze gelehnt, die Arme verschränkt und die Augen fest auf sie gerichtet.Sobald er merkte, dass sie aufgewacht war, löste er die Arme.— Hallo. — Die Stimme kam leise, beladen mit zurückgehaltener Erleichterung.— Hallo… —
Louise wurde in eines der Gästezimmer der Villa Rurik geführt. Der Bodyguard öffnete die Tür und wartete, bis sie eintrat — die Geste unpersönlich.— Sie können hier bleiben. — Die Stimme war neutral, ohne Drohung.Sie schaute in das Zimmer, überrascht. Es war zu komfortabel für eine Gefangene. Ein großes Bett, ein Sessel am Fenster, ein eigenes Bad und ein kleiner Beistelltisch. Kein vergittertes Fenster, keine Kette, keine Handschellen. Doch Louise wusste, dass das keine Freiheit bedeutete — es bedeutete nur, dass Alexei sie nicht gefährlich genug für extreme Maßnahmen hielt.Der Bodyguard legte ihr Handy auf den Tisch, und sie schaute auf das Gerät.— Darf ich es behalten?— Das hat Herr Rurik so bestimmt. — antwortete der Mann, bevor er ging.Die Tür schloss sich, und Louise blieb einige Sekunden regungslos. Erst dann schaute sie auf die eigene Hand — die Finger waren noch geschwollen und bläulich, taten sehr weh. Sie hatte gesehen, wie sie während des Verhörs gebrochen und wieder
Der Verhörraum der Villa Rurik wurde nicht oft genutzt — Alexei mochte es nicht, Probleme ins Haus zu bringen. Doch jene Nacht war anders.Die Frau saß vor dem Tisch, die Hände hinter dem Stuhl gefesselt. Es gab keine Krankenhausmitarbeiter mehr, keine belebten Flure, keine offenen Türen. Hier hatte sie nirgendwohin zu schauen, um Hilfe zu suchen. Alexei trat allein ein und schloss die Tür hinter sich, und das Klicken des Schlosses wirkte viel lauter, als es sollte.Sie hob den Blick, das Gesicht blass.— Wo sind wir?Alexei ging zum Tisch und legte eine Akte darauf.— In meinem Haus.Sie schluckte schwer, die Finger schlossen sich fest.— Warum? Warum haben Sie mich hierher gebracht?— Weil Sie meine Gefährtin in einem Krankenhaus betäubt haben. — Alexei zog den Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. — Und ich lasse so etwas normalerweise nicht durchgehen.Die Frau wandte den Blick ab, und Alexei stützte die Ellbogen auf den Tisch.— Also fangen wir von vorn an. — Er öffnete die
Alexei ließ die Frau erst, als er sicher war, dass sie das Krankenhaus nicht verlassen konnte, ohne dass jemand es merkte, und ging zu Carla. Er fand sie in einem der Beobachtungszimmer, umgeben von einem medizinischen Team. Sie schlief weiter, das Gesicht gelassen, der Atem gleichmäßig, und für einen Augenblick spürte Alexei, wie sich die Brust mit einer Mischung aus Erleichterung und Wut zusammenzog. Erleichterung, weil sie lebte, Wut, weil jemand es gewagt hatte, sie anzufassen.— Geht es ihr gut? — Die Frage kam schärfer, als er beabsichtigt hatte.Eine der Ärztinnen hob den Blick von der Akte, der Ausdruck professionell.— Sie ist stabil. Die Vitalwerte sind normal, und es gibt keine Anzeichen neurologischer Komplikationen.— Was ist passiert? Was hat man ihr gegeben?— Sie wurde sediert. Jemand hat intravenös eine sedierende Substanz verabreicht.Alexeis Finger schlossen sich langsam an der Seite des Körpers, doch seine Stimme blieb kontrolliert, beinahe kalt.— Irgendeine sch
Alexei ging den Flur an ihrer Seite entlang, ohne ein Wort zu sagen. Die Frau hielt die Arme eng am Körper und versuchte ruhig zu wirken, doch die Anspannung in ihren Schultern war für jeden offensichtlich, der zu beobachten wusste. Es waren noch Mitarbeiter unterwegs. Krankenschwestern, die in Räume hinein- und hinausgingen, Ärzte, die die Flure durchquerten, Menschen, die sich unterhielten. Alles funktionierte weiter normal, und das hätte beruhigend sein sollen. Für sie vielleicht. Für Alexei war es nur praktisch.Seit dem Moment, als er an jenem Morgen das Krankenhaus betreten hatte, hatte er alles beobachtet: die Räume, die Türen, die Flure, die Ausgänge, die toten Winkel, die Kameras, die Positionen der Sicherheit, wer wem antwortete. Er kannte diesen Ort besser, als sie sich vorstellte — nicht, weil er dort arbeitete, sondern weil Carla dort arbeitete, und weil Alexei nach der Entführung Carla nie wieder an einen Ort ließ, den er nicht kannte.Er blieb vor einer Tür stehen.
Carla war erschöpft. Es war nicht nur die gewöhnliche Müdigkeit einer langen Schicht — die letzten Tage waren zu schwer gewesen, und ihr Körper schien endlich alles einzufordern, was sie ignoriert hatte. Sie betrat den Ruheraum in Begleitung der Kollegin und legte die Tasche auf einen Stuhl, die Schultern hängend.— Ich will nur ein paar Minuten schlafen. Bevor die Schicht mich wieder verschlingt.— Dann schlaf. — antwortete die Frau mit einem sanften Lächeln. — Ich bleibe hier und wecke dich, wenn es Zeit ist.Carla nickte, ohne zu hinterfragen. Es gab keinen Grund dazu — sie kannte jene Frau lange genug, um ihr zu vertrauen. Sie hatten Schichten, Gespräche, schlechten Kaffee und endlose Stunden in diesem Krankenhaus geteilt. Sie war nur eine Kollegin, eine Freundin, jemand, dem Carla nie hätte misstrauen müssen.— Du bist wirklich sehr müde. — kommentierte die Frau und beobachtete Carlas blasses Gesicht.— Bin ich. — Carla setzte sich auf das Sofa und legte den Kopf an die Lehne,
Die Fahrt zum Hauptsitz von Rurik Motors verlief in absolutem Schweigen. Die Stadt pulsierte draußen, gleichgültig gegenüber dem Sturm, der in ihm wirbelte.Dmitry hielt eine Hand fest am Lenkrad und die andere am Kinn, die Augen auf die Straße gerichtet, doch der Verstand weit weg. Er musste sich
Dmitry öffnete die Augen und wusste, dass er nicht mehr in der wachen Welt war.Es war nicht das erste Mal.Dieser luxuriöse Saal, von alter Architektur und stillem Prunk, hatte ihn schon einmal aufgenommen. Ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit, vielleicht. Oder eine ätherische Ebene, die nur an
„Das wird ein Problem, Alpha.“Der Lykaner murmelte in seinem Kopf, die Stimme leise, schleppend, wie eine durch die Zähne gezischte Warnung.Dmitry antwortete nicht. Er bewegte dezent sein Handgelenk und schaute auf die Uhr, als wolle er sich daran erinnern, dass die Zeit noch Regeln gehorchte. Es
Der große Konferenzsaal von Rurik Motors strahlte Erhabenheit aus. Die Glasfenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, boten eine privilegierte Aussicht auf die Stadt Moskau, während der ovale Tisch aus dunklem Holz das Zentrum des Raumes beherrschte. Das schwarze Leder der Stühle, der dezente G







