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Kapitel 4

Author: Eternity
Am letzten Nachmittag vor den Herbstferien wartete Dads anthrazitfarbener Bentley vor der Schule.

Drei Koffer mit Monogramm füllten den offenen Kofferraum. Mom rückte Sofias Schal zurecht, während Dad ihr Tablet trug, das sie im Unterricht vergessen hatte. Alle drei lachten, bis sie mich sahen.

Mom stellte sich vor die Autotür. »Du verträgst zu viel Sonne doch nicht. Bermuda wäre ohnehin nichts für dich. Es wäre viel sinnvoller, wenn du in den Ferien hierbleibst und an deinen Bewerbungen arbeitest.«

Dad entriegelte weder das Auto noch bat er den Fahrer, meine Tasche zu nehmen. Sie hielten mich für eine Bittstellerin, die noch eine Einladung ergattern wollte.

»Ich fliege nicht mit. Mein Essenskonto wurde gestern gesperrt. Moms Anteil an meinem Lebensunterhalt ist nicht eingegangen.«

Erleichterung huschte über ihr Gesicht. Sie kramte in ihrer Handtasche. »Wir sind spät dran für den Flughafen. Victor, schick ihr fürs Erste etwas.«

Dad rührte sich nicht. »Es ist dein Schuljahr.«

»Sie ist auch deine Tochter.«

»Letzten Monat habe ich ihre Prüfungsgebühren bezahlt. Du kannst mir nicht ständig jede Rechnung aufhalsen.«

Vor den Pförtnern, den Fahrern und vorbeigehenden Schülern sprachen sie über mich wie über eine Rechnung, die an die falsche Adresse geschickt worden war.

Sofia suchte in ihrer Handtasche nach ihren Ohrhörern. Stattdessen fiel ein schwarzes Lederetui heraus, und ein neuer Autoschlüssel sprang über das Pflaster.

Auf der anderen Seite der Auffahrt stand ein weißer Porsche mit einer champagnerfarbenen Schleife.

Sofia hob das Etui hastig auf. »Mom und Dad haben ihn mir als Belohnung gekauft. Das hat überhaupt nichts mit dir zu tun.«

Dads Gereiztheit verschwand. »Ihr Notendurchschnitt ist um null Komma null drei gestiegen. Harte Arbeit verdient Anerkennung.«

Ich sah nicht zu dem Wagen. »Was ist mit deinem Platz in der Jahrgangsrangliste passiert, Sofia?«

Ihr Lächeln erstarrte.

Mom antwortete an ihrer Stelle. »Ranglisten sind nicht alles. Sie hat anspruchsvollere Kurse gewählt.«

»Filmanalyse und Veranstaltungsplanung? Wie sehen ihre Noten in den Kernfächern aus?«

»Emilia.« Moms Stimme wurde kalt. »Musst du ihr jeden glücklichen Moment verderben?«

Die öffentliche Bestenliste erzählte die wahre Geschichte. Zusatzpunkte in Veranstaltungsplanung hatten Sofias Notendurchschnitt angehoben, während ihre Noten in allen drei Kernfächern gefallen waren. In der Rangliste war sie von Platz achtunddreißig auf Platz vierundvierzig abgerutscht.

Sie verstanden das Zeugnis ganz genau. Wenn Sofia eine Belohnung brauchte, ließ sich jede Zahl als Fortschritt darstellen.

Dad verschränkte die Arme. »Wenn du so besessen von Noten bist, kümmere dich um deine eigenen. Ist dein Ergebnis in höherer Mathematik nicht von hundert auf siebenundneunzig Punkte gefallen?«

Es war die schwierigste Prüfung gewesen, die St. Gabriel seit fünf Jahren gestellt hatte. Der Klassendurchschnitt lag bei einundsiebzig, und Ms. Harper hatte eine Kopie meiner Arbeit an die mathematische Gesellschaft des Bundesstaats geschickt.

Dad erinnerte sich nur an die drei Punkte, die ich verloren hatte.

»Kennst du meinen Platz in der Jahrgangsrangliste?«, fragte ich.

Er runzelte die Stirn, als wäre die Frage sinnlos.

Mom stieg in den Bentley. »Genug. Wärst du auch nur halb so reif, wie Sofia immer behauptet, würdest du uns nicht wegen Geld hinterherlaufen, während wir versuchen, unseren Flug zu erreichen. Ich kümmere mich darum, wenn wir gelandet sind.«

Bevor sich die Tür schloss, hörte ich sie murmeln: »Jedes Mal, wenn ich sie sehe, hält sie die Hand auf.«

Am nächsten Tag war mein Essenskonto noch immer gesperrt. Ich schrieb Mom zweimal. Sie antwortete nicht, stellte aber neun Fotos von Sofia auf einer Privatyacht online.

Dads Assistent übermittelte mir seine Antwort: [Bitte wenden Sie sich im laufenden Schuljahr an Ms. DeLuca.]

Schließlich schob Maya mir ihre Essenskarte hin. Als ich sie ablehnte, kaufte sie zwei Abendessen und tat so, als hätte die Cafeteria die Bestellungen verwechselt.

Um zehn Uhr abends fiel Mom die Überweisung wieder ein.

Währenddessen fragte Dad im Familienchat, ob Sofia Tabletten gegen Reisekrankheit und genügend Sonnencreme eingepackt hatte. Mom schickte ein Dutzend Antworten.

Sie erinnerten sich daran, dass Sofia keine Milchprodukte vertrug, wussten, auf welchem Kissen sie schlief, und vergaßen auch die zwanzig Minuten nicht, in denen ihr einmal auf See übel gewesen war.

Sie waren nicht vergesslich. Sie waren durchaus in der Lage, Verantwortung zu übernehmen.

Sie liebten nur mich nicht.

Seit ich mir das eingestanden hatte, schlief ich besser als seit Jahren.

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