Home / LGBTQ+ / Dreißig Schläge / Kapitel 12 – Tag 12

Share

Kapitel 12 – Tag 12

Author: Brownieee
last update publish date: 2026-09-25 13:30:57

Thomas – Begrenzte dritte Person

Die Sonne war bereits untergegangen. Draußen vor dem Rudelhaus war alles dunkel bis auf die verstreuten Lichter entlang der Wege und das warme Leuchten, das aus den Fenstern des Ballsaals fiel.

Thomas trat ein. Der Raum war voll. Nur Personal, Handler, Trainer, ein paar ältere Wölfe. Keine Klienten. Keine Außenstehenden. Gedämpftes Licht bewegte sich durch den Raum zu leiser Musik.

Er nahm ein Getränk von einem vorbeikommenden Tablett und blieb am Rand des Raumes stehen. Sein Kragen saß etwas höher als sonst. Die Male, die Elias am Tag zuvor hinterlassen hatte, waren noch sichtbar, wenn jemand zu genau hinsah.

Sarah fand ihn, bevor er das Glas zur Hälfte ausgetrunken hatte.

„Thomas.“

Er drehte sich um. „Sarah.“

Sie streckte ihm die rechte Hand entgegen. „Lust auf einen Tanz? Wenigstens so kann ich mich richtig entschuldigen.“

Ein paar Leute in der Nähe warfen Blicke herüber. Ablehnen würde mehr Aufsehen erregen als annehmen. Er stellte das Glas ab und nahm ihre Hand.

Sie bewegten sich in den Kreis der Paare. Die Musik war langsam. Sarah trat näher, als nötig. Ihre Hand lag auf seiner Schulter.

„Ich wollte mit dir reden“, sagte sie.

„Worüber?“

„Über den anderen Tag. Im Büro. Ich war wütend. Ich habe Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen sollen. Über deine Ehe. Über Elias. Es tut mir leid.“

Thomas behielt die Augen auf einen Punkt über ihrer Schulter gerichtet. „Okay.“

„Das ist alles, was du sagst? Okay?“

„Was soll ich sonst sagen?“

„Dass du meine Entschuldigung annimmst. Dass wir nicht weiter umeinander herumlaufen wie Fremde.“ Sie rückte näher. „Ich hasse, wie wir auseinandergegangen sind. Ich hasse, dass du dich von mir zurückziehst.“

„Ich ziehe mich nicht zurück. Ich war nie so nah, wie du es wolltest.“

Ihre Finger zogen sich fester um seine Schulter. „Das stimmt nicht. Wir hatten etwas. Bevor er aufgetaucht ist, hatten wir etwas.“

„Wir hatten Kaffee und Gespräche und dich, die gehofft hat, dass daraus mehr wird.“

„Und du hast es nie unterbunden.“

„Ich habe es auch nie ermutigt.“

Sarah war ein paar Schritte lang still. Die Musik schwoll sanft um sie herum an.

„Dann gib mir eine Chance“, sagte sie. „Nur eine. Diesmal kein Elias, kein Vertrag. Nur wir. So, wie es hätte sein können, wenn er nicht aufgetaucht wäre.“

Thomas hörte für einen halben Moment auf, sich zu bewegen. „Sarah.“

„Bitte.“ Sie neigte das Gesicht hoch. Ihre andere Hand glitt auf seine Brust. „Ich weiß, dass du nichts gespürt hast, als ich dich vorher geküsst habe. Aber das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Menschen ändern ihre Meinung. Gefühle können wachsen, wenn man sie lässt.“

„Ich habe sie nicht darum gebeten zu wachsen.“

„Aber du hast mich nicht davon abgehalten zu hoffen.“ Ihre Stimme sank. „Ich war geduldig. Ich war sanft. Ich habe gewartet, während du mit meinem kleinen Bruder rumgerannt bist, als würde der Rest des Rudels die Male an deinem Hals nicht sehen.“

Thomas’ Kiefer spannte sich. „Vorsichtig.“

„Ich bin ehrlich. Etwas, womit du in letzter Zeit Schwierigkeiten zu haben scheinst.“ Ihre Hand auf seiner Brust bewegte sich etwas tiefer. „Lass mich es nochmal versuchen. Lass mich dir zeigen, wie es sich anfühlen könnte, wenn du mir wirklich eine echte Chance gibst.“

„Sarah.“

„Ein Date. Ein Abend. Kein Elias im Hintergrund. Nur du und ich. Wenn du danach immer noch nichts fühlst, höre ich auf. Ich lasse es.“

Thomas sah sie zum ersten Mal seit Beginn des Tanzes richtig an. „Und wenn ich jetzt Nein sage?“

„Dann weiß ich, dass du es nicht einmal versuchen wolltest.“

Die Musik spielte weiter. Andere Paare bewegten sich um sie herum. Jemand lachte in der Nähe des Getränketisches.

Thomas trat einen Schritt zurück, genug, um den Kontakt ihrer Hand auf seiner Brust zu lösen.

„Tut mir leid“, sagte er. „Ich muss jetzt gehen.“

Sarahs Ausdruck flackerte. „Du meinst es ernst.“

„Ja.“

„Du wählst ihn. Vor allen. Du gehst von mir weg, um zu ihm zu gehen.“

„Ich gehe weg, weil dieses Gespräch vorbei ist.“

„Thomas“

„Genieß den Rest des Abends.“

Er drehte sich um und verließ die Tanzfläche, ohne auf ihre Antwort zu warten. Er sah nicht zurück. Ein paar Mitarbeiter warfen ihm Blicke zu, als er vorbeiging, aber niemand hielt ihn auf. Er stieß die Seitentüren auf und trat in den kühleren Flur, der zum Ausgang führte.

Draußen traf ihm die Nachtluft ins Gesicht. Die Wege waren von niedrigen Lampen beleuchtet. Der Rest des Geländes lag im Dunkeln. Er ging, bis die Musik aus dem Ballsaal hinter ihm verklang, dann zog er sein Handy heraus.

Elias meldete sich beim zweiten Klingeln.

„Hey.“

Thomas’ Stimme kam rauer heraus, als er erwartet hatte. „Ich bin auf dem Weg zu deinem Zimmer. Zieh etwas Sexy für mich an. Oder besser noch, sei nackt.“

Es gab eine kurze Pause am anderen Ende. Dann lachte Elias, tief und warm.

„Das ist mein böser Junge..“

„lol Ich bin einfach nur müde“

„Was ist passiert?“

Thomas atmete aus und fing an, schneller Richtung Parkplatz zu gehen. „Sarah ist passiert. Sie wollte einen Tanz. Dann wollte sie eine Chance.“

Elias war eine Sekunde still. „Und was hast du ihr gesagt?“

„Dass ich gehen muss.“

„Einfach so?“

„Einfach so.“

„Und jetzt kommst du zu mir.“

„Ja, natürlich.“

Wieder eine kurze Pause. Thomas konnte Bewegung auf Elias’ Seite der Leitung hören, das leise Rascheln von Stoff oder vielleicht barfüßige Schritte auf dem Boden.

„Tür ist unverschlossen“, sagte Elias. „Wie lange?“

„Zehn Minuten.“ Thomas schloss sein Auto auf und zog die Tür auf. „Zieh keine Kleidung an.“

„Werde ich auf keinen Fall, Baby“

„Gut.“

„Du klingst angespannt.“

„Ich bin angespannt.“

„Dann beeil dich. Ich warte.“

Thomas setzte sich auf den Fahrersitz, startete den Motor aber noch nicht. „Bist du sicher, dass du allein bist?“

„Der ganze Flur ist still. Alle sind noch auf der Party.“ Elias’ Stimme sank ein wenig. „Einschließlich meiner Schwester, nehme ich an.“

„Ja.“

„Wird sie ein Problem werden?“

„Sie ist es schon.“

Elias machte ein leises Geräusch, das fast ein Lachen war. „Dann komm und nutz mich, um es zu vergessen.“

Thomas drehte schließlich den Schlüssel. Der Motor sprang an. „Ich bin schon unterwegs.“

„Ich lasse das Licht an.“

„Tu es nicht. Lass es dunkel.“

„Bossy heute Abend.“

„Du hast keine Ahnung.“

Es gab noch eine kurze Stille. Dann sprach Elias wieder, weicher.

„Fahr vorsichtig.“

„Werde ich.“

Thomas legte auf, warf das Handy auf den Beifahrersitz und fuhr aus dem Parkplatz, ohne zurück auf die beleuchteten Fenster des Ballsaals zu sehen.

Sarah konnte die Tanzfläche behalten.

Er hatte woanders zu sein.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Dreißig Schläge   Kapitel 13 – Spiegel & Male

    Thomas – Dritte Person BegrenztThomas stieß die Tür auf, ohne anzuklopfen. Das Zimmer war dunkel, abgesehen von dem weichen Licht, das aus dem Badezimmer kam. Elias stand in nichts als schwarzen Briefs neben dem Bett, das Handy in der Hand, und schaute hoch, sobald die Tür zufiel.„Du bist da“, sagte Elias.„Ich hab gesagt, zehn Minuten.“„Du klingst genervt.“„Bin ich.“Elias legte das Handy auf den Nachttisch. „Sarah?“„Sie wollte einen Tanz. Dann wollte sie eine Chance. Dann wollte sie, dass ich so tue, als ob du nicht existierst.“„Und du bist rausgegangen.“„Ich bin rausgegangen.“Elias trat näher. „Komm her.“Thomas bewegte sich zuerst nicht. Sein Kiefer war angespannt, die Schultern trugen immer noch das Gewicht des Ballsaals. Elias schloss den Abstand selbst, die Hände glitten unter Thomas’ Hemd, schoben es hoch und aus.„Rede mit mir“, sagte Elias.„Ich will nicht reden.“„Dann was willst du?“Thomas’ Hände fanden Elias’ Taille und zogen ihn näher zu sich. „Ich will dich.“„

  • Dreißig Schläge   Kapitel 12 – Tag 12

    Thomas – Begrenzte dritte PersonDie Sonne war bereits untergegangen. Draußen vor dem Rudelhaus war alles dunkel bis auf die verstreuten Lichter entlang der Wege und das warme Leuchten, das aus den Fenstern des Ballsaals fiel.Thomas trat ein. Der Raum war voll. Nur Personal, Handler, Trainer, ein paar ältere Wölfe. Keine Klienten. Keine Außenstehenden. Gedämpftes Licht bewegte sich durch den Raum zu leiser Musik.Er nahm ein Getränk von einem vorbeikommenden Tablett und blieb am Rand des Raumes stehen. Sein Kragen saß etwas höher als sonst. Die Male, die Elias am Tag zuvor hinterlassen hatte, waren noch sichtbar, wenn jemand zu genau hinsah.Sarah fand ihn, bevor er das Glas zur Hälfte ausgetrunken hatte.„Thomas.“Er drehte sich um. „Sarah.“Sie streckte ihm die rechte Hand entgegen. „Lust auf einen Tanz? Wenigstens so kann ich mich richtig entschuldigen.“Ein paar Leute in der Nähe warfen Blicke herüber. Ablehnen würde mehr Aufsehen erregen als annehmen. Er stellte das Glas ab und

  • Dreißig Schläge   Kapitel 11 – Tag 11

    Elias – Ich-PerspektiveDie Morgensonne schnitt durch den dünnen Vorhang und legte sich über mein Gesicht. Einen Moment lang lag ich einfach da, Augen halb offen, und ließ die Wärme auf meiner Haut sitzen. Nur das Licht und das langsame Geräusch meines eigenen Atems.Neunzehn Tage.Das Gespräch von gestern spielte immer wieder in meinem Kopf ab. Das Mädchen am Aussichtspunkt. Die Art, wie sie fragte, was nach den zwanzig Tagen passiert. Die Art, wie ich mich selbst sagen hörte, dass ich es mir nicht leisten konnte, mich zu verlieben. Als ich danach da saß und den Fluss beobachtete, merkte ich, wie müde ich davon war, vorsichtig zu sein. Die besten Teile von mir zurückzuhalten, weil die Uhr so laut tickte.Ich wollte die Zeit, die mir blieb, nicht damit verbringen, Angst davor zu haben, zu viel zu fühlen. Ich wollte alles davon spüren. Die Hitze. Das Verlangen. Die Art, wie Thomas mich ansah, als wäre ich etwas, von dem er nicht wegbleiben konnte. Wenn ich ihn am Ende verlassen würde,

  • Dreißig Schläge   Kapitel 10 – Tag 10

    Elias – Begrenzte dritte PersonIn den nächsten zwanzig Tagen wird nichts mehr so sein wie bisher.Elias wälzte diesen Gedanken in seinem Kopf hin und her, während er das Rudelhaus verließ, ohne es jemandem zu sagen. Er nahm den langen Weg, der hinter den Trainingsfeldern entlangführte und der alten Betriebsstraße folgte, bis die Gebäude verschwanden. Die Luft war hier draußen kühler und stiller. Er brauchte die Stille nach den letzten Tagen. Thomas’ Hände, Thomas’ Mund, Thomas’ Stimme, die Dinge sagte, die angefangen hatten, weniger nach Lust und mehr nach etwas Schwererem zu klingen. Es wurde immer schwieriger, die Linien klar zu halten.Er ging, bis seine Beine die Entfernung spürten, dann verlangsamte er in der Nähe eines niedrigen Betonaussichtspunkts, der zum Fluss zeigte. Jemand war schon da.Ein Mädchen in seinem Alter saß am Rand des Betons, Knie angezogen, Rucksack neben sich. Sie warf einen Blick herüber, als seine Schritte näher kamen, dann sah sie wieder aufs Wasser.Elia

  • Dreißig Schläge   Kapitel 9 – Tage 8 & 9

    Thomas – Begrenzte dritte PersonThomas blies einmal in die Pfeife.„Quadrate. Gebt mir Abstand.“Zwanzig Rudelmitglieder verteilten sich auf dem Gras. Die Morgensonne lag bereits warm im Nacken.Elias stand weiter hinten in schwarzen Shorts und einem lockeren Crop-Top. Der Stoff rutschte ständig hoch. Schlanker Bauch. Scharfe Hüftknochen. Die Shorts saßen tief an seiner Taille und spannte sich, sobald er sich bewegte.Thomas räusperte sich. „Kniebeugen. Füße schulterbreit. Kontrolliert den Abstieg.“Er demonstrierte einmal, dann fing er an zu zählen.„Runter. Hoch. Runter..“Seine Augen hafteten ab der dritten Wiederholung an Elias.Elias sank tief und langsam, Knie nach außen, Rücken gerade, Taille rollte, während er absank. Das Crop-Top hob sich höher. Die schwarzen Shorts spannte sich eng über seinen Arsch. Als er hochdrückte, rollten seine Hüften nach vorne in einer glatten, dreckigen Welle.Thomas’ Schwanz zuckte hart in seinen Shorts.‚Scheiße.‘Er schluckte.„Nochmal. Tiefer.“

  • Dreißig Schläge   Kapitel 8 – Tag 7

    Elias – Ich-PerspektiveDie Tür schloss sich mit einem leisen Klick.Ich drehte mich um und sah ihn an.Thomas stand mitten im Raum, als könnte der Boden unter seinen Füßen aufgehen. Sein Shirt war noch halb offen. Die Male an seinem Hals wirkten unter dem Bürolight dunkler. Seine Hände waren zu Fäusten geballt an den Seiten.„Sie ist weg“, sagte ich.Er antwortete nicht.Ich ging langsam auf ihn zu. „Wirst du weiter da stehen oder wirst du mich ansehen?“Seine Augen hoben sich endlich. Da war etwas Raues darin. Wut, Panik, das übrig gebliebene Chaos, das Sarah über ihn ausgeschüttet hatte.„Sie hat gesagt, meine Frau ist gegangen, weil ich sie nicht befriedigen konnte“, sagte er, Stimme tief.„Ich habe es gehört.“„Sie hat gesagt, ich war kalt. Leer.“Ich blieb vor ihm stehen. „Und jetzt fragst du dich, ob sie recht hat.“Er bestritt es nicht.Ich griff hoch und schob ihm das Shirt von den Schultern. Es fiel zu Boden. Meine Hände glitten über seine Brust, über die harten Muskelsträng

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status