LOGINVor Henrik lagen gut ein Dutzend verschiedene Fläschchen. Die Chance, ausgerechnet das richtige zu erwischen, war zum Verzweifeln gering. Ebenso gut konnte er darauf hoffen, eine halbe Million Euro im Lotto zu gewinnen.„Herr Wolfhardt, wir haben keine Zeit mehr …“, drängte Sven mit leiser, nüchterner Stimme. „Wenn Sie gar nichts versuchen und Frau Sommer stirbt, werden Sie es hinterher nur noch mehr bereuen.“Hatte er weniger zu bereuen, wenn er ihr das falsche Mittel gab?Der Gedanke quälte Henrik. Trotzdem zwang er sich, einen klaren Kopf zu bewahren, und wählte ein blaues Fläschchen. Yuna mochte diese Farbe.„Yuna … Das ist deine Glücksfarbe … Auch heute bringt sie dir Glück, nicht wahr?“Henrik öffnete das Fläschchen. Ein herber Arzneigeruch stieg daraus auf.Er biss die Zähne zusammen. Schließlich fasste er einen Entschluss und schüttete sich selbst eine Pille in den Mund.„Herr Wolfhardt?!“ Sven wurde vor Schreck kreidebleich. „Warum nehmen Sie das selbst? Es kann Gift sein!“He
„Lassen Sie los“, sagte Silas jetzt kalt.Henrik ließ nicht locker. Er riss den Kopf hoch und stieß Silas mit voller Wucht die Stirn ins Gesicht.Aus dieser Nähe konnte Silas nicht ganz ausweichen. Der Stoß riss seinen Kopf zur Seite. Etwas Blut sickerte ihm aus dem Mundwinkel.Silas’ Blick verfinsterte sich.Im nächsten Moment flog Henrik quer durch den Raum und krachte auf einen Tisch am anderen Ende. Das Holz zerbarst, und er stürzte zu Boden. Wieder spuckte er Blut.Silas trat zu ihm und sah auf ihn hinab. „Ist es das wert? Für eine Frau, die Sie nicht liebt?“Henrik lag bäuchlings am Boden. Ihm tat jeder Knochen im Leib weh. Mühsam hob er den Kopf. Auf einem niedrigen Tisch in Silas’ Nähe stand ein schwarzer Medikamentenkoffer.Das war der Koffer! Darin musste das Mittel sein, das Yuna retten konnte.Henrik antwortete nicht auf die Frage. Er stemmte sich vom Boden hoch und kam schwankend auf die Beine.Silas hob überrascht eine Augenbraue. Nach seinen Schlägen kamen nur die wenigs
Sven trat gegen die Tür. Mit einem Krachen flog sie auf.Das große Zimmer bekam sonst viel Tageslicht, doch die zugezogenen Vorhänge ließen kaum Licht herein.Silas stand in einem langen, dunklen Gewand am Fenster. Sein Gesicht war so ausdruckslos wie das einer Statue.„Herr Wolfhardt“, sagte er tonlos. „Wollen Sie sich umbringen lassen?“Henrik erwiderte nichts. Er gab den Männern hinter sich ein Handzeichen, und die Leibwächter stürmten ins Zimmer.Die ersten fünf Männer wurden wieder hinausgeschleudert, noch bevor sie überhaupt erkennen konnten, wie Silas sich bewegte. Mit dumpfen Schlägen prallten sie gegen die Wand und rutschten zu Boden. Keiner kam wieder auf die Beine.Henrik stutzte. Silas war viel zu schnell.„Weiter!“, befahl Henrik mit zusammengebissenen Zähnen.Die nächste Gruppe stürmte hinein.Diesmal sah Henrik genau, was geschah. Blitzschnell schlug Silas dem vordersten Mann mit der flachen Hand gegen die Brust. Das Krachen brechender Knochen war deutlich zu hören.Glei
„Halt den Mund!“Henrik trat Chiara unvermittelt mit voller Wucht. Sie konnte nicht ausweichen und stürzte zu Boden.Sie lag bäuchlings da und spuckte Blut. Trotzdem lachte sie weiter, völlig außer sich. Tränen verschmierten ihr ganzes Gesicht.„Henrik, Yuna stirbt … Du hast sie getötet …“ Sie lachte wieder auf.„Nein … Nein …“Er stürzte zurück zum Bett und nahm Yuna mit zitternden Händen in die Arme. Noch immer quoll Blut aus ihrem Mund. Das warme, klebrige Blut färbte seine Hände, seine Ärmel und die ganze Vorderseite seiner Kleidung rot.„Yuna … Yuna!“Henrik schrie ihren Namen, bis seine Stimme fast versagte. Er verlor beinahe den Verstand.Mühsam öffnete Yuna die Augen. Sein schmerzverzerrtes Gesicht erfüllte sie nur mit Abscheu. Seiner Dummheit verdankte sie diese Qualen. Und jetzt spielte er ihr auch noch Mitgefühl vor!„Krankenhaus … Bring mich … schnell … ins Krankenhaus …“Endlich begriff er. Hastig löste Henrik die Ketten und hob Yuna in die Arme. Er wollte aus dem Zimmer s
„Das führt zu nichts. Egal, was ich sage oder tue, du willst mich nicht mehr. Daran kann ich nichts ändern.“Henrik lächelte gequält, doch seine Stimme blieb ruhig. „Ich weiß, dass du Zeit gewinnen willst. Du wartest darauf, dass Adrian dich rettet. Aber ich warte genauso darauf, dass du mir das Leben rettest. Yuna, verzeih mir dieses eine Mal, dass ich nur an mich denke. Später mache ich alles wieder gut.“Er packte ihr Kinn. Sein Griff war so fest, dass sie sich nicht losreißen konnte.„Sei brav. Trink es. Dann fangen Liebe und Hass noch einmal von vorn an.“Yuna stieß einen erstickten Laut aus. Henrik drückte ihr den kalten Rand des Fläschchens gegen die Lippen und goss ihr die bittere Flüssigkeit gewaltsam in den Mund.Sie wehrte sich verzweifelt, die Ketten rasselten. Trotzdem rann ihr das Mittel die Kehle hinunter.Henrik ließ los und sah sie erwartungsvoll an.„Schlaf ein bisschen, Liebling“, sagte er leise. In seinem Gesicht stand eine beinahe ehrfürchtige Freude. „Wenn du aufw
Henrik saß am Bettrand und sah zärtlich auf sie hinab. Sein Blick verriet die Freude über einen kostbaren, endlich wiedergefundenen Schatz.Yuna empfand nur Ekel.Als sie an den Ketten um ihre Handgelenke zerrte, klirrte das Metall hell. In dem stillen Zimmer klang das Geräusch besonders schrill.„Henrik, lass mich sofort frei, wenn du am Leben bleiben willst!“Sein Lächeln erstarrte kurz. Dann kehrte die beinahe krankhafte Zärtlichkeit in sein Gesicht zurück. Henrik streckte die Hand aus, um ihre Wange zu berühren.„Yuna …“Sie riss den Kopf zur Seite. Ihr Blick verriet unverhohlenen Ekel vor seiner Nähe.Seine Hand verharrte in der Luft. Dann ballte er sie zur Faust und zog sie langsam zurück.„Adrian kann mir nur deinetwegen drohen. Du stehst bedingungslos zu ihm. Für ihn bist du bereit, mit mir zusammen zu sterben. Ich habe Angst, dir wehzutun, Yuna. Nur deshalb habe ich zugesehen, wie er dich mir weggenommen hat.“Henrik sah sie mit glühendem Blick an. „Jetzt ist alles anders, Yun
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol







