ログインClaudia unterdrückte ihren Ekel und zog die Holzkiste mit aller Kraft unter die Lüftungsöffnung. Dann stieg sie hinauf und zerrte am Gitter.Es rührte sich nicht.An den Rändern hatte sich im Laufe der Jahre eine dicke Kruste aus Rost, Staub und Schmutz gebildet. Außerdem schien das Gitter von innen blockiert zu sein.„Scheiße!“, fluchte Claudia leise. In ihren Augen loderte Zorn.Es blieb nur, das Gitter gewaltsam herauszuschlagen. Aber das machte viel zu viel Lärm. Die Wachen vor der Tür waren schließlich nicht taub.Claudia runzelte frustriert die Stirn. War alle Mühe umsonst gewesen?„Lösen Sie die Befestigung mit der Schwefelsäure.“ Yuna zeigte erneut auf die Flasche am Boden.Claudia stutzte. Dann begriff sie: Natürlich konnte die Säure helfen. Yuna hatte nicht aus einer verrückten Laune heraus nach einer Flasche Säure verlangt. Sie hatte diesen Schritt längst eingeplant.Für einen Moment fühlte Claudia sich verlegen und ein wenig schuldig. Eben noch hatte sie Yuna für verrückt e
Trotzdem löste Claudia schließlich Yunas Fesseln.Kaum war sie frei, stand Yuna auf. Sie beachtete nicht einmal die Verletzungen, die die Seile hinterlassen hatten. Stattdessen ging sie zu dem Gerümpel nahe dem Säurebecken und schob mit dem Fuß eine noch halbwegs intakte Flasche heraus.„Eure Hoheit, füllen Sie bitte etwas Schwefelsäure in diese Flasche.“Claudia sah erst auf die schmutzige Flasche, dann auf Yuna. Ihre Stirn legte sich in tiefe Falten.Sie musterte Yuna voller Abscheu. „Spinnen Sie? Was wollen Sie mit Schwefelsäure? Den Entführern das Gesicht verätzen? Oder brauchen Sie für den Weg ins Jenseits etwas zu trinken? Ich habe keine Zeit für Ihren Irrsinn.“Claudia drehte sich um und ging zum Ausgang der Fabrik.Yuna sah ihr nach. Sie hielt sie weder auf noch folgte sie ihr, sondern blieb einfach stehen.Wenige Minuten später kam Claudia mit finsterer Miene zurück.Vor jeder Tür standen mehrere voll ausgerüstete Wachen, und auch jedes Fenster wurde bewacht. Es gab keine Mögl
Yuna hob langsam den Blick. „Warum soll ich sterben?“Claudia lachte kurz und verächtlich. Die Antwort überraschte sie kein bisschen. Für sie war Yuna schlicht feige und wollte um jeden Preis am Leben bleiben.Unverhohlene Verachtung lag in ihrem Blick. „Ich hätte es wissen müssen. Jemand wie Sie opfert sich niemals. Sie werden weinen und Adrian anflehen, Sie zu retten. Dabei kümmert es Sie überhaupt nicht, welchen schrecklichen Preis er dafür bezahlt, selbst wenn er daran zugrunde geht! Sie sind egoistisch und feige. Sie denken nur daran, Ihre eigene Haut zu retten. Ich weiß wirklich nicht, was Adrian an Ihnen findet. Sie sind ihn nicht wert.“Yuna blieb trotz des Spotts vollkommen ruhig. Ihr Blick fiel auf die Rückseite von Claudias Stuhllehne.„Sparen Sie sich das Gelaber. Uns läuft die Zeit davon, Claudia. Etwa drei Zentimeter neben Ihrer linken Hand ist das Blech gebrochen. Die Kante ist ziemlich scharf. Reiben Sie das Seil um Ihre Handgelenke daran. Wahrscheinlich können Sie es s
Das Becken war mit einer dickflüssigen, dunkelgelben Flüssigkeit gefüllt.Victor hob einen ausrangierten Eisenstuhl neben sich auf und warf ihn mit einer lässigen Bewegung hinein.Ein schrilles Zischen ertönte.Kaum berührte das Metall die Flüssigkeit, verformte es sich und löste sich vor ihren Augen auf. Dichter Rauch quoll empor. Nach gut zehn Sekunden sanken nur noch ein paar Rückstände auf den Grund des Beckens. Vom Stuhl war nichts Erkennbares mehr übrig.Konzentrierte Schwefelsäure!Yuna stockte der Atem. Auch Claudia sah plötzlich entsetzt aus.Victor wollte Adrian tatsächlich vor diese Wahl stellen.Rettete er Yuna, machte er sich indirekt für Claudias Tod verantwortlich. Dann musste er mit der Rache des Königshauses, der Armee und sogar der Bevölkerung Karsiliens rechnen. Sie alle waren bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.Ein ganzes Land machte dann mit allen Mitteln Jagd auf ihn. Es war ein Kampf auf Leben und Tod.Entschied Adrian sich aus Vernunft für Claudia, spielte auch
Als Yuna die Augen öffnete, pochte ihr Kopf heftig.Instinktiv wollte sie sich an die Schläfe fassen. Doch als sie die Arme bewegte, scheuerten die straffen Fesseln an ihren Handgelenken.Ihre Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden.Yuna war schlagartig hellwach und auf der Hut. Die Benommenheit war verflogen, und selbst die Schmerzen rückten in den Hintergrund.Sie sah auf und musterte rasch ihre Umgebung.Yuna befand sich in der Werkhalle einer stillgelegten Chemiefabrik. Verrostete Maschinen standen kreuz und quer. Hoch über ihr hingen ein paar alte Lampen, die nur mattes, gelbliches Licht verbreiteten. Zwischen den Maschinen flackerten große, verzerrte Schatten.Ein stechender Geruch nach Chemikalien lag in der Luft.Yuna wurde es mulmig.Jetzt erinnerte sie sich: Kurz nach ihrer Ankunft im Café hatte sie einen süßen Duft wahrgenommen. Dann war alles schwarz geworden.Jemand hatte sie entführt. Steckte Claudia dahinter?Kaum kam ihr dieser Gedanke, entdeckte sie die Kronprinze
Auch an Yunas Zimmertür klopfte es.Vor der Tür erklang die freundliche, höfliche Stimme eines Mannes: „Guten Tag, Frau Sommer. Kronprinzessin Claudia hat mich geschickt. Sie möchte Sie im Café sprechen.“…Als Claudia am Café ankam, hielt der Mann am Eingang sie höflich auf.Er verneigte sich und sprach respektvoll, aber bestimmt: „Es tut mir sehr leid, Eure Hoheit. Das Café ist heute exklusiv reserviert. Frau Sommer hat darum gebeten, dass Sie allein hineingehen.“„Unverschämtheit!“ Die Leibwächterin hinter Claudia trat sofort vor. „Die Sicherheit Ihrer Hoheit hat Vorrang! Was fällt dir ein, uns aufzuhalten? Aus dem Weg!“, fuhr sie den Mann an.Er erbleichte vor Schreck und verbeugte sich noch tiefer. Seine Stimme zitterte. „Ich … ich gebe nur ihre Nachricht weiter. Frau Sommer hat ausdrücklich gesagt, dass sie mit Ihnen etwas sehr Vertrauliches besprechen möchte. Da dürfen keine Außenstehenden dabei sein. Falls … falls Sie auf Begleitung bestehen, Eure Hoheit, bleibt es heute eben b
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna







