LOGINMit diesen Worten brachte Liane die anderen nur noch mehr gegen Yuna auf.Die meisten hatten Yuna noch nie gesehen. Trotzdem schlugen ihr in der ganzen Familie bereits Ablehnung und Abscheu entgegen. Selbst ihre leibliche Mutter sagte kein Wort zu ihrer Verteidigung.Beate wurde blass vor Zorn. Mit zusammengebissenen Zähnen sagte sie: „Das geht zu weit, Frau Sommer. Ich werde diesen Leuten –“„Nicht nötig.“ Yuna wandte den Blick ab. Ruhig fügte sie hinzu: „Bringen Sie mich zur Matriarchin, Frau Werner.“Die Matriarchin war die mächtigste Person im Haus Hohenfels. Ihr Wort war Gesetz. Es hatte mehr Gewicht als jede noch so hitzige Rechtfertigung.Beate sah sie anerkennend an. „Ich bringe Sie hin.“Doch gerade als Yuna gehen wollte, wurde jemand auf sie aufmerksam.„He, wer steht denn da neben Frau Werner? Wie kommen Fremde hierher?“Alle Köpfe drehten sich zu Yuna und Adrian. Den vermeintlichen Eindringlingen schlugen Misstrauen und offene Feindseligkeit entgegen.„Frau Werner, unsere R
„Liane.“ Die Frau runzelte besorgt die Stirn. „Weißt du, wie kostbar diese Pille ist? Es gibt nur drei davon. Die Matriarchin hat sie dir gegeben, damit sie dich im Notfall rettet. Sie ist deine Lebensversicherung. Natürlich tut mir das Kind leid. Aber deine Sicherheit geht über alles. Bitte, hör auf mich. Mach mir nicht solche Sorgen.“„Mama …“ Liane lächelte sanft. Ihre Stimme klang bittend, fast kindlich. „Du musst dir keine Sorgen machen. Ich bin doch immer bei dir. Da kann mir nichts passieren. Eigentlich brauche ich die Pille gar nicht. Wenn ich den Jungen nicht rette, kann ich heute Nacht womöglich vor Kummer nicht schlafen. Du willst doch nicht, dass ich so leide?“Die Frau runzelte die Stirn noch stärker. „Aber …“„Mama, du verstehst mich doch am besten. Bitte, halte mich nicht auf. Ich verspreche dir, gesund zu bleiben. Mir wird nichts passieren. Ich werde mein Leben lang bei dir sein.“Der Bitte ihrer geliebten Tochter konnte die Frau schließlich nicht widerstehen. Sie schlo
Daneben lagen ein paar Fleischstücke. Von welchen Organen sie stammten, war nicht zu erkennen.Der Junge rührte sich nicht. Sein Brustkorb hob sich kaum noch.Ein junges Paar kniete neben ihm. Die Mutter weinte so heftig, dass sie sich kaum aufrecht halten konnte. Der Vater warf sich flehend immer wieder vor den Ältesten nieder. Seine Stirn schlug dabei hörbar auf den Boden.„Oberster Ältester, Sie haben doch eine Regenerationspille! Bitte, retten Sie mein Kind damit! Ich werde Ihnen mein Leben lang dienen!“Vor der Menge standen mehrere alte Männer mit weißem Haar und weißen Bärten. Der oberste Älteste blickte mit ernster Miene auf das Kind hinab. Erst nach langem Schweigen sagte er bedächtig: „Im ganzen Haus Hohenfels gibt es nur drei Regenerationspillen. Meine muss ich für den Fall aufheben, dass mein eigenes Leben in Gefahr gerät.“Er hielt kurz inne, dann wandte er den Blick ab. „Ich möchte Ihrem Sohn helfen. Aber diese Pille ist unersetzlich. Wenn ich sie verwende, bekomme ich ke
Je weiter sie in die Eiswüste vordrangen, desto mehr tiefe Spalten taten sich vor ihnen auf, deren Grund nicht zu erkennen war. Das Gelände war so gefährlich, dass selbst erfahrene Expeditionen hier umkehren mussten.Ihr Fahrzeug fuhr weiter. Der Fahrer lenkte es mit hoher Geschwindigkeit durch die schmalen Passagen zwischen den Spalten. Manchmal brach das Eis am Rand unmittelbar hinter ihnen weg. Die einstürzenden Massen jagten ihnen wie eine Lawine nach.Bei diesem Anblick schlug Yunas Herz bis zum Hals.Sie durchquerten eine gefährliche Schlucht nach der anderen. Dann fuhr der Wagen plötzlich hinab in eine verborgene Eisschlucht. Über ihnen erhoben sich zwei dicht beieinanderstehende Berge aus Eis. Die gewaltigen Eismassen drohten jeden Moment einzustürzen. Yuna wurde beklommen zumute.Ihre Neugier wuchs. Wo lebten die Hohenfels eigentlich? Hier gab es nichts, was man zum Leben brauchte. Wie überlebten sie in dieser eisigen Einöde? Wohnten sie tief in einer Schlucht in Häusern aus E
Beate lächelte. Dabei vertieften sich die Falten in ihrem Gesicht.„Wir nehmen von Kindheit an eigens hergestellte Mittel ein, Frau Sommer. Sie stärken unseren Körper. Dass uns Hitze oder Kälte nichts anhaben können, ist erst der Anfang.“Yuna machte große Augen. Bei diesen extremen Minustemperaturen trug Beate nur ein dünnes Kleid. Das war ein Wunder der Medizin. Es erklärte, warum die Hohenfels hier im hohen Norden leben konnten, wo sich sonst niemand hinwagte. Mit einer solchen Heilkunst konnten sie sich das erlauben.„Kann ich dieses Mittel auch nehmen?“, fragte Yuna interessiert. „Wie lange dauert es, bis es wirkt?“Beate sah sie liebevoll an. „Bei uns nimmt es jeder von klein auf. Die Wirkung entfaltet sich allmählich. Bei Erwachsenen haben wir es noch nicht versucht. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Wenn wir angekommen sind, kümmern sich unsere besten Ärzte gemeinsam um Sie.“„Ihre besten Ärzte kümmern sich alle zusammen um meine Gesundheit?“ Yuna lachte. „Danach bin ich besti
Drei Tage später erreichten sie die Sankt-Brendan-Insel am nördlichen Polarkreis.Der Ort war winzig. Ein paar Dutzend Holzhäuser standen verstreut auf dem gefrorenen Boden, die Dächer unter einer dicken Schneedecke. Die eisige Luft brannte in der Lunge. Beim Ausatmen bildeten sich in der eisigen Luft weiße Atemwolken.An der einzigen Straße brannte in einigen Läden trübes Licht. Dort gab es gefrorenen Fisch, Felle und Winterausrüstung zu kaufen. Gelegentlich eilten Einheimische in dicken Fellmänteln vorbei.Beate führte die Gruppe zu einem kleinen Holzhaus. Warmes, gelbes Licht schimmerte durch die Fenster. Weißer Rauch stieg aus dem Schornstein.Beate wandte sich an Nathan. Ihre Stimme war höflich, ließ aber keinen Widerspruch zu. „Herr Evers, Außenstehende dürfen das Gebiet der Hohenfels nicht betreten. Sie bleiben vorerst hier.“Er runzelte die Stirn. „Ich muss Frau Sommer begleiten.“„Das ist unsere Regel.“ Beate blieb freundlich, gab aber kein Stück nach. „Wir leben seit tausend
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta







