MasukSelene, die Tochter eines mächtigen Alphas, opferte alles für die Liebe: ihren Titel, ihr Rudel und das Erbe ihrer Familie. Sie formte den schwachen, ehrgeizigen Jake zu einem wahren Anführer und verhalf ihm mit verbotenen Mitteln zum Sieg über den Alpha-Thron des Shadowwood-Rudels. Doch am Tag seiner Krönung folgt der ultimative Verrat. Statt Selene zu seiner Luna zu ernennen, wählt Jake eine hochgeborene Wölfin, demütigt Selene vor den Augen des gesamten Rudels und lässt sie wie Abfall über die Grenze werfen. Gebrochen und sterbend im kalten Wald stolpert Selene über einen tödlich verwundeten Fremden: Caleb. Mit letzter Kraft rettet sie sein Leben, ohne zu ahnen, dass sie damit das Schicksal des gesamten Reiches verändert. Denn während Jake ohne Selenes Hilfe vor dem Ruin steht, erwacht zwischen Selene und dem geheimnisvollen Caleb eine dunkle, unaufhaltsame Anziehungkraft...
Lihat lebih banyakSelenes Perspektive
Ich habe eine Krone für einen Jungen aufgegeben, der nichts hatte.
Als ich der Silvermoon-Meute den Rücken kehrte, ließ ich nicht nur einen Titel hinter mir. Ich ließ Marmorhallen, weiche Seidenbettwäsche und einen Vater zurück, dessen Stimme Stein zerbrechen konnte. „Er ist ein dreckiger Streuner, Selene“, hatte mein Vater gebrüllt, während seine Aura mich so fest auf den Boden drückte, dass meine Knie beinahe krachten. „Er wird dich mit in den Schlamm ziehen.“
Ich habe meinen Kopf damals stolz erhoben gehalten, und ich hielt ihn auch jetzt aufrecht.
Ich habe alles geopfert – meinen Rang, die Macht meiner Familie, das einzige Zuhause, das ich je gekannt hatte –, weil sie sich irrten. Heute, im Staub der Kampfarena der Shadowwood-Meute, würde Jake es ihnen allen beweisen. Er würde den Platz des Alphas einnehmen, und morgen würde er mich zu seiner Luna krönen.
Die Menge rund um die Arena knurrte und jubelte – eine Wand aus heißem Atem und dem Geruch von Eisen und Kupfer. Schweiß lief mir unter der schweren Wolle meines Umhangs den Rücken hinunter. Ich zog die Kapuze tiefer in mein Gesicht und schrumpfte in den Schatten einer gewaltigen Kiefer am Rande der Lichtung. Wenn mich jemand als die Tochter von Alpha Sterling erkennen würde, wäre das ganze Spiel vorbei, bevor der erste Tropfen Blut den Boden berührte.
Die Shadowwood-Meute war verzweifelt. Seit ihr alter Alpha vor drei Wochen gestorben war, braute sich Chaos zusammen. Sie brauchten einen Anführer, aber sie hatten nur zwei Anwärter: Jake, einen niedrigrangigen Krieger mit mehr Ehrgeiz als Können, und Darius.
Darius war ein Monster. Breitbschultrig, narbenübersät aus echten Schlachten und entsprungen aus einer Linie von Vollstreckern. In einem fairen Kampf würde Darius Jake in weniger als zwei Minuten die Kehle herausreißen. Er war schneller, schwerer und besaß diese art von skrupellosem Instinkt, den man nicht lehren konnte.
Zum Glück für Jake hatte ich nie vor, Darius einen fairen Kampf zu liefern.
Mein Daumen strich über das kleine, leere Glasfläschchen, das tief in meiner Tasche steckte. Ein paar Tropfen Tollkirschenwurzel, gemischt mit Eisenhut-Extrakt. Nicht genug, um zu töten – ein dead Anwärter würde eine Untersuchung nach sich ziehen. Gerade genug, um seine Gelenke zu entzünden, seine Sicht zu trüben und seine Lungen brennen zu lassen, als würde er flüssiges Feuer atmen.
Auf der anderen Seite der Arena legte Darius den Kopf nach hinten und trank die letzten Tropfen aus seiner eisernen Feldflasche. Mein Magen zog sich dunkel und eng zusammen, als er die leere Flasche seinem Zweiten zustieß. Das Gift arbeitete sich bereits durch seine Adern.
Es ist für uns, erinnerte ich mich selbst und ballte die Fäuste, bis sich meine Nägel in die Handflächen bohrten. Ich habe mein ganzes Leben für Jake geopfert. Ich werde nicht zulassen, dass er jetzt verliert.
Ein tiefes, dröhnendes Grollen hallte durch die Bäume, als der Älteste der Meute den eisernen Kriegsgong schlug.
Der Kampf hatte begonnen.
Jake verschwendete keine Sekunde. Knochen krachten und brachen in schneller Abfolge, als er seinen Körper gewaltsam in die Verwandlung zwang. Ein schlanker, rotbrauner Wolf brach durch seine Haut und landete schwer auf allen vieren. Er sträubte das Fell, die Zähne geflechtet, begierig darauf, sich zu beweisen.
Darius verwandelte sich einen Herzschlag später. Für die Menge sah es wie Selbstbewusstsein aus – ein erfahrener Krieger, der sich Zeit ließ. Aber ich sah das subtile Zittern in seinen Vorderbeinen, als sein massiver schwarzer Wolf auftauchte. Die leichte Trübung in seinen goldenen Augen.
Das Gift schlug Wurzeln.
Darius griff zuerst an. Selbst geschwächt bewegte sich sein schwarzer Wolf wie ein stürzender Berg. Er krachte mit einem dumpfen, schweren Knall direkt in Jakes Seite, der mir schon beim Zusehen den Atem raubte.
Jake stieß ein scharfes Jaulen aus und rutschte durch den Dreck, während schwarze Klauen über seine Rippen rissen. Blut, hell und metallisch, spritzte auf die trockenen Blätter.
Die Menge brach in wildes Hohngelächter aus.
„Mach ihn fertig, Darius!“ „Schick den Streuner zurück in den Zwinger!“
Jake rappelte sich mühsam auf, keuchte schwer, während der Dreck in seinem verfilzten Fell klebte. Er blickte für den Bruchteil einer Sekunde an den Rand der Arena – zu mir. Ich rührte mich nicht, aber ich hielt seinen Blick durch die Dunkelheit meiner Kapuze. Steh auf, dachte ich entschlossen. Ich habe mir beim Training mit dir nicht die Knochen gebrochen, damit du im Dreck stirbst.
Er schüttelte den Schmerz ab und umkreiste seinen Gegner. Darius setzte erneut zum Sprung an und zielte mit einem brutalen Schnappen nach Jakes Hals.
In einem normalen Kampf hätten sich diese Kiefer um Jakes Kehle geschlossen. Aber heute verschätzte sich Darius um zwei Zoll. Sein Hinterbein knickte ein – nur der Bruchteil einer Sekunde Verzögerung, aber es reichte.
Jake duckte sich unter den massiven schwarzen Kiefern hindurch und drehte seinen kleineren Körper mit der Beweglichkeit, die ich ihm in unseren mitternächtlichen Trainingsstunden eingeprügelt hatte. Seine Reißzähne gruben sich tief in Darius’ Hinterlauf.
Darius stieß ein gedämpftes Brüllen voller Wut aus und schüttelte sein Bein heftig, um Jake abzuschütteln. Aber er keuchte zu schwer. Seine Zunge hing aus dem Maul, dunkler Schaum bildete sich an den Mundwinkeln. Er schüttelte den Kopf, um seine verschwommene Sicht zu klären, aber der Eisenhut zehrte von innen heraus an seiner Ausdauer.
Das Jubeln der Menge geriet ins Stocken und wandelte sich in verwirrtes Murmeln.
„Was ist los mit Darius?“, murmelte ein männlicher Wolf neben mir und lehnte sich über das hölzerne Absperrgitter. „Er wirkt... langsam.“
„Er wird müde“, antwortete eine Wölfin ungläubig. „Sieh ihn dir an!“
Jake gab ihm keine Zeit zur Erholung. Da er spürte, wie der Riese wankte, setzte Jake nach. Er tanzte um Darius’ langsame, schwere Hiebe herum, versetzte ihm oberflächliche Bisse an den Schultern und zermürbte ihn mit tausend kleinen Schnitten.
Darius stolperte. Seine schweren schwarzen Pfoten rutschten in seinem eigenen Blut aus. Er warf sein gesamtes Gewicht in einen letzten, verzweifelten Versuch, Jake unter sich zu begraben, doch seine Beine versagten mitten im Schritt. Er krachte mit einem knochenerschütternden Knall in den Dreck.
Bevor Darius sich umdrehen konnte, war Jake auf ihm.
Jakes Kiefer schlossen sich um den dicken Nacken des schwarzen Wolfes und drückten seine Kehle in den Staub. Er zog den Griff gerade so fest an, dass er dem schwarzen Wolf die Luft abschnitt, und knurrte eine tiefe, gutturale Warnung, die durch den Boden vibrierte.
Darius zappelte, seine Klauen kratzten nutzlos im Dreck. Aber sein Körper weigerte sich, ihm zu gehorchen. Seine Brust hob und senkte sich stoßweise, seine Augen rollten nach hinten, und schließlich... mit einem elenden, qualvollen Fiepen... wurde er still.
Er ergab sich.
Stille legte sich wie eine schwere Decke über die Lichtung. Drei lange Sekunden lang atmete niemand.
Dann trat der Älteste vor und hob seinen Stab. „Der Kampf ist vorbei! Ehrt den neuen Alpha von Shadowwood!“
Die Arena explodierte in einem Schock und wildem Jubel.
Jake ließ seinen Griff los und trat zurück. Er stieß ein triumphierendes Heulen aus, das von den umliegenden Bergen widerhallte. Knochen krachten und Haut heilte, als er sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte. Er stand aufrecht da, mit freier Brust, das Blut wie Kriegsbemalung auf seiner Haut verschmiert.
Ich lehnte mich an die raue Rinde der Kiefer zurück und ließ einen langen, erzitternden Atemzug entweichen. Mein Herz hämmerte so fest gegen meine Rippen, dass es wehtat.
Er hatte es geschafft.
Er stand in der Mitte des Rings und sonnte sich im Lob der Krieger, die ihn gestern noch verspottet hatten. Morgen, bei der offiziellen Zeremonie, würde er das Meutenband annehmen. Er würde seinen Platz an der Spitze des Tisches einnehmen.
Und dann würde er mich zu seiner Luna erklären.
Ein sanftes, ehrliches Lächeln stahl sich unter dem Schatten meiner Kapuze auf mein Gesicht. Die Blaue Flecken auf meinen Knöcheln, die schlaflosen Nächte, das Risiko, einen hohen Krieger zu vergiften – es war alles wert gewesen. Mein Vater hatte Jake einen Niemand genannt. Er hatte gesagt, ich würde mein Leben für einen pathetischen Traum wegwerfen.
Sieh ihn dir jetzt an, Vater, dachte ich, während mir Tränen der Erleichterung in die Augen stiegen und ich zusal, wie Jake seine Fäuste für die jubelnde Menge erhob. Er ist ein Alpha. Und ich habe ihn dazu gemacht.
Selenes PerspektiveDer kalte Herbstregen peitschte gegen die dicken Glas-Mosaike der Festung und hinterließ nasse Spuren, die wie eisige Tränen über die Scheiben liefen.Ich stand am Rand des weiten Trainingsplatzes im Innenhof der Felsenfestung. Der Geruch von nassem Leder, feuchtem Schlamm und erhitztem Eisen hing schwer in der kühlen Luft. Überall um mich herum trainierten Calebs Krieger – kräftige, vernarbte Gestalten, deren Schwerter und Äxte mit metallischem Klirren aufeinandertrafen. Hier gab es keine pompösen Seidenbanner oder vergoldeten Bogen wie im Silvermoon-Rudel. Alles hier war auf reine, kompromisslose Funktion und Tödlichkeit ausgelegt.Ein schwerer, dunkler Wollmantel lag um meine Schultern, den Martha mir gegeben hatte. Der Stoff war zwar rau, beruhigte jedoch meine zitternde Haut vor dem schneidenden Wind.Schwere Schritte näherten sich von hinten auf dem nassen Pflaster. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war. Die mächtige, beruhigende Welle sein
Selenes PerspektiveDer süßlich-bittere Geruch von brennendem Fichtenholz und scharfem Thymian war das Erste, was meine Sinne durchdrang.Ich schlug die Augen auf, aber meine Sicht war noch schwer und verschwommen. Mein Kopf pochte in einem hämmernden Rhythmus – eine grausame Erinnerung an den Feuer-Whiskey, den ich auf Jakes Krönungsbühne hinuntergeschlungen hatte. Doch als meine Finger über den Stoff unter mir strich, spürte ich nicht den gefrorenen Schlamm des neutralen Landes, sondern die raue, wohltuende Wärme dicker Bärenpelze.Ich lag in einem gewaltigen Bett aus dunklem Eichenholz. Die hohen, ungeglätteten Steinwände des Raumes strahlten eine kühle, uralte Schwerfälligkeit aus. Durch die schmalen Schießscharten-Fenster drang das fahle, graue Licht des morgendlichen Nebels und tanzte in den aufsteigenden Rauchfäden des Kaminfeuers.Die Erinnerungen der letzten Nacht stürzten wie eine Flutwelle auf mich ein.Jakes grausam kaltes Lachen. Die blutroten Bänder des Shadowwood-Rudels
Jakes Perspektive Ich saß hoch oben auf dem geschnitzten hölzernen Alpha-Thron im großen Saal, meine Knöchel wurden weiß, während sich meine Finger in die polierten Armlehnen krallten. Ich lauschte den Nachrichten, die überbracht wurden, und spürte, wie das Blut vollständig aus meinem Gesicht wich. „Der Kampf muss wiederholt werden“, verkündete der Oberste Älteste, seine Stimme hallte mit tiefer, unerschütterlicher Autorität von den Steinwänden wider. „Ich war während des zeremoniellen Kampfes vor drei Tagen nicht anwesend, und wir haben nun stichhaltige Gründe zu der Annahme, dass Darius durch Einmischung von außen schwer geschwächt war.“ Ich spürte, wie mein Magen in ein Loch aus Eis stürzte. Meine Handflächen wurden feucht, und ich hatte Mühe, meine Brust vor den zusehenden Kriegern ruhig steigen und fallen zu lassen. „Ein... ein Rückkampf?“, wiederholte ich. Meine Stimme klang dünn, kaum über einem verzweifelten Flüstern. „Ja“, sagte der Oberste Älteste bestimmt und ve
Calebs PerspektiveSchmerz. Das war das Erste, was ich spürte, als ich die Augen öffnete.Es war ein dumpfes Pochen im Hinterkopf, begleitet vom anhaltenden metallischen Geschmack von Kupfer auf meiner Zunge. Doch als ich tief Durchatmete, wurde mir klar, dass etwas völlig anders war. Die brennende Qual in meiner Brust und meinem Bein – sie schmerzte nicht mehr.Ich bewegte mein Bein leicht unter den schweren Wolldecken und wartete auf den scharfen, reißenden Schmerz der Klauen der Bestie, die mich letzte Nacht beinahe ausgeweidet hätte. Da war keiner.Ich runzelte die Stirn und richtete mich auf, bis ich auf der Kante des großen Holzbettes saß. Das Letzte, woran ich mich klar erinnern konnte, war, wie ich nahe der Grenze an einem Baum zusammengebrochen war, während mein Blut unter mir im Schlamm sickerte. Ich hatte eine gewaltige Menge Blut verloren, und als die Kälte in meine Knochen kroch, war ich sicher gewesen, dass ich nicht überleben würde, bis meine Späher mich fanden.Aber da











