เข้าสู่ระบบAnna Der Tag zieht sich langsam hin. Man hat mich in ein etwas helleres Zimmer verlegt. Die Wände sind cremefarben, auf einem Regal steht eine kleine Plastikpflanze. Ein verzweifelter Versuch, den Ort lebendig wirken zu lassen. Aber es bleibt ein Krankenhaus. Ein Ort, an dem alles kippen kann. Ein Ort, an dem man die Herzschläge zählt, die Tränen, die Abwesenheiten. Ein Ort, an dem sich Leben und Tod streifen, ohne Vorwarnung. Das Licht zeichnet Schatten auf den Boden. Eine fahrbare Trage quietscht im Flur. Louis ist hinausgegangen, um einen Kaffee zu holen. Ich bin allein, zum ersten Mal seit gestern. Und alles kommt zurück. Der Schmerz. Die Angst. Dieser schwebende Moment, in dem ich glaubte, dass alles zusammenbricht. Die erstickten Schreie der Krankenschwestern. Der Schwindel. Das Gefühl, aus meinem eigenen Körper zu gleiten.
Anna Das Krankenhaus riecht nach Desinfektionsmittel, Angst und rasenden Herzschlägen. Jeder Schritt hallt wider in diesem zu weißen, zu sauberen Flur. Da sind Schritte, ersticktes Stöhnen, eine weinende Stimme hinter einem Vorhang. Aber ich, ich höre nur eines: das dumpfe Summen meiner Angst. Ich drücke Louis' Hand so fest, dass meine Finger taub sind. Aber ich kann nicht loslassen. Ich kann jetzt nicht loslassen. Er ist hier. Bei mir. Und wenn ich loslasse, werde ich zusammenbrechen. Louis „Es wird alles gut", murmele ich. „Ich bin hier." Anna Ich nicke, automatisch. Aber es stimmt nicht. Es geht nicht gut. Ich spüre die Krämpfe noch. Diesen dumpfen, fremden Schmerz, der in meinem Bauch zieht. Jede Minute, die wir warten, ist eine Bedrohung. Jede Sekunde ein in der Schwebe hängendes Urteil. Ist er noch da?
Anna Der Spiegel wirft mir ein Bild zurück, das ich nicht erkenne. Ein zertrümmertes Spiegelbild. Haare zerzaust. Wange rot. Lippen zitternd. Ich sehe aus wie eine Frau, die verloren hat. Aber tief in mir schreit noch etwas. Und plötzlich, dieser Schmerz. Dumpf. Unerwartet. Schneidend. Er ergreift mich im Bauch wie eine unsichtbare Hand, die herauszureißen sucht, was ich in mir verberge. Ich krümme mich, unterdrücke einen Schrei. Meine Finger krallen sich in den Rand des Waschbeckens. „Nein, nein, nein…" Das Wort kommt von selbst. Ich denke es nicht. Es ist ein Gebet. Ein Flehen. Eine verzweifelte Beschwörung. Ich schließe die Augen, atme langsam ein, als könnte allein der Akt des Atmens die Angst zurückdrängen. Aber sie klammert sich fest. Sie kriecht in meinen Eingeweiden. Sie p
Camille Ich stelle zwei Schüsseln auf den Tisch. Eine absurde Geste, übernommen aus einer nunmehr hinfälligen Routine. Ich mache mir nicht einmal die Mühe zu prüfen, welche für ihn bestimmt war. Das hat nicht mehr die geringste Bedeutung. Louis bleibt stumm. Er setzt sich. Er knabbert kaum. Seine Gesten sind langsam. Sein Blick ausweichend. Er kaut ohne Appetit. Sein Atem ist diskret, fast ausgelöscht. Ich beobachte ihn, ohne ihn wirklich anzusehen. Anna betritt die Küche mit der Präzision einer Schauspielerin, die die Bühne betritt. Das trockene Klacken ihrer Absätze, die Makellosigkeit ihrer gebügelten Bluse, ihr tadellos hochgestecktes Haar: Alles an ihr verrät eine Form von Kontrolle. Ist sie bereit, um Verzeihung zu bitten? Oder zu fliehen? Sie nimmt mir gegenüber Platz. Ihr Parfüm ist betörend. Oder bin ich es, die überempfindli
CamilleIch wähle die Nummer, ohne zu zittern.Es ist seltsam, diese Beherrschung, die ich plötzlich wiederfinde. Wie ein alter Mantel, den man verloren glaubte, vergessen auf einem Dachboden. Sie kehrt zurück. Sie legt sich um meine Schultern. Sie hält mich aufrecht, eisig.Die Leitung klingelt. Einmal. Zweimal. Dreimal.Dann seine Stimme, trocken, autoritär:„Camille? Es ist spät."„Ich weiß."Schweigen. Er wartet. Er weiß, dass ich nicht ohne Grund anrufe. Ich war nie impulsiv. Nicht bei ihm. Bei niemandem, übrigens.Ich bin diese Art von Frau, die man für fügsam hält, weil sie schweigt. Bis das Schweigen zur Waffe wird.Ich betrachte den Schatten der Dachluke, dort oben, wohin Louis sich geflüchtet hat, mit seiner Geliebten, mit seiner Reue, mit seiner Flucht.Das Bett ist noch warm. Die Wände hallen noch wider von ihrem Geflüster.„Ich wollte, dass Sie der Erste sind, der es erfährt."„Was erfährt?"Meine Stimme ist ruhig. Ruhiger, als sie je war. Ich spreche die Worte aus, wie m
Louis Ich gehe durch den leeren Flur. Meine Schritte hallen, schwer, gedämpft vom zu dicken Teppich, den zu sauberen Wänden, den zu präsenten Erinnerungen. Alles hier erstickt mich. Ich habe zwei Frauen in diesem Raum zurückgelassen, und ich bin wie immer gegangen, unfähig, dem standzuhalten, was ich verursacht habe. Zwei Frauen, die ich mit meinem Schweigen, meinen Fluchten, meinen nie getroffenen Entscheidungen verletzt habe. Zwei Versionen meines Scheiterns. Zwei Spiegel, in denen ich mich nicht mehr erkenne. Ich öffne die Tür zu meinem Arbeitszimmer. Der Geruch von Leder, gewachstem Holz, alten Büchern verursacht mir Übelkeit. Jeder Gegenstand hier klagt mich an. Jedes Ding ist an seinem Platz, perfekt aufgeräumt, als ob das Chaos es nie gewagt hätte, sich hier einzunisten. Aber das ist falsch. Das Chaos, das bin ich. Ich setze mich. Meine Hände zittern. Ich öffne eine Schublade. Ein Brief, nie abgeschickt. Für Camille. Geschrieben an einem Abend, als der Wein nicht genügte, u
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr







