LOGINLeonardo Ich öffne die Tür, und die Nacht bleibt draußen, geköpft vom trockenen Zuschlagen des Metalls. Drinnen ist die Luft warm, gesättigt mit dem Duft der drei Frauen. Nicht derselbe, niemals. Nadia, die Legitime, riecht nach Honig und kaltem Stein. Asta, mein Glanz, nach poliertem Stahl und Holzfeuer. Fazy… der Schatten. Immer ein Hauch von dunkler Vanille, fast aschig. Der Motor grollt unter meinen Füßen wie ein ungeduldiges Tier. Die Scheinwerfer kratzen über die Straße. Das Auto rollt, und ich bleibe reglos, verankert im Leder meines Sitzes. Jede Vibration des Innenraums, jedes Zittern der Federung ist ein Gebet, das sie mir darbringen. Ich sehe sie nicht sofort an. Ich spüre sie. Sie wissen, dass ich sie spüre. Ich lasse die Stille sich setzen, eine schwere Stille, die wie ein Gewitter im Innenraum anschwillt. Nadia versteift sich. Ihr Atem stockt fast, al
Sofia Das Schwarz hat keine Ränder mehr. Ich weiß nicht mehr, ob meine Lider geschlossen oder geöffnet sind. Alles ist zu einer Masse geworden, einem unbeweglichen Ozean. Die Luft ist knapp, schwer, rau in meinen Lungen. Jeder Atemzug kostet mich einen Splitter Leben. Meine Nägel sind blutig. Meine Fingerglieder zittern. Der Samt hat meine Tränen getrunken, meine Schreie, und jetzt trinkt er mein Blut. Er ist überall. Er klebt an meiner Haut wie ein lebendiges Tier, eine Stoffschlange, die sich um mich windet, um mich langsam zu verdauen. Ich will wieder schreien, aber meine Stimme bricht, erwürgt in meiner Kehle. Und in dieser klebrigen Stille kehrt nur ein einziger Klang unermüdlich wieder: das Zuschlagen des Deckels. Ein trockenes, klares, endgültiges Geräusch. Wie das Urteil eines Gottes. Ich sehe ihn wieder, ich spüre ihn noch immer. Das Zuschlagen meiner Verurteilung.
Sofia Das Geräusch des Deckels hallt noch immer wider, unendlich. Ein Zuschlagen, das kein Geräusch ist, sondern ein Ende. Ein letztes Wort, das die Welt mir zuwirft, bevor das Schweigen mich verschlingt. Das Schwarz ist total. Ein schweres, klebriges Schwarz, das sich nicht damit begnügt, mir das Licht zu verbergen: Es erdrückt mich. Es kriecht in meine Lungen, sickert in meine Poren. Ich sehe nichts, ich erkenne nicht einmal meine Hände, wenn ich sie vor meinem Gesicht bewege. Der Samt klebt an meiner Haut. Zu weich, zu eng. Eine Weichheit, die zur Folter wird, als wäre dieser Stoff geschaffen worden, um mich lebendig zu begraben. Ich schlage. Ich kratze. Meine Nägel knirschen, reißen ab. Das Metall wirft nur ein dumpfes, ersticktes Echo zurück. Keine Hilfe kann mich hören. Ich bin eine Stimme, verloren in einem Grabmal. Die Luft wird bereits knapp. Meine Atemzüge zerbrec
Sofia Valente Die Stille verdichtet sich wie eine Bleiplatte nach seinen Worten. „Und du, Sofia… meine dritte Mätresse." Dritte. Die Zahl hallt wie eine Verurteilung wider. Kein Name. Keine Frau. Kein Mensch. Nur ein Platz in seinem Harem, nummeriert, reduziert, ausgelöscht. Meine Kehle schnürt sich zu. Mein Herz schlägt so heftig, dass ich das Gefühl habe, es wolle aus mir herausspringen. Meine Finger zittern, aber es ist nicht die Angst, die sie bewegt: Es ist die Wut. Eine schwarze, brennende, vulkanische Wut. Leonardo steht vor mir, reglos, seines Sieges gewiss. Seine Arme öffnen sich, als hätte er mich soeben in den Rang einer Auserwählten erhoben. Hinter ihm warten seine Männer, erstarrte Silhouetten, aber ihre Blicke glänzen vor stummer Erwartung. Sie wissen, dass sich ein einzigartiger Augenblick abspielt, ein Bruch im Marmor. Und die Frauen… oh, die Frauen. Sie bilden einen
Sofia Valente Meine Schläfen pochen wie dumpfe Trommeln. Ich weiß nicht mehr, seit wann ich nichts mehr geschluckt habe. Der Hunger hat sich in eine Klinge verwandelt, die unter meinen Rippen steckt, geschärft von jedem Atemzug. Der Durst ist schlimmer noch: ein Brennen, das meine Zunge an meinen Gaumen klebt, das meine Lippen aufreißt, das jedes verschluckte Wort in Schmerz verwandelt. Die Zeit verschwimmt. In Momenten bin ich nicht mehr in diesem Flugzeug, sondern anderswo. Ich glaube, die Stimme meiner Mutter zu hören, ein ersticktes Lachen, das Klirren von Besteck gegen einen Teller. Dann erlischt alles, und es bleibt nur das dumpfe Brummen des Motors, wie ein unsichtbares Monster, das mich von innen verschlingt. Meine Gedanken werden zu Trugbildern. Ich sehe wieder das klare Wasser eines Brunnens, ich strecke die Hand aus, aber da ist nichts. Nur meine zitternden Finger, meine bläulichen Nägel, meine allzu blasse Haut
Sofia Valente Der Hunger verlässt mich nicht. Er pulsiert in meinem Bauch, bohrt in meinen Schläfen, verwirrt meine Gedanken. Aber er bricht mich nicht. Noch nicht. Er macht mich paradoxerweise klarer. Als ob mein Körper verblasste und einem geschärften, schneidenden Bewusstsein Platz machte. Jede Sekunde, die ich durchhalte, jede Weigerung, die ich ausspucke, gibt mir die Kraft zu beobachten. Ich zwinge meine Augen, das glänzende Tablett, das mich foltert, zu verlassen, um mich auf den Raum zu konzentrieren. Der Jet ist nicht riesig, aber jedes Detail zählt. Die Cockpittür ist geschlossen, zweifellos verriegelt. Doch eine Leuchtanzeige blinkt in regelmäßigen Abständen: interne Kommunikation. Die Piloten sprechen mit ihm. Nicht mit mir. Ich bin keine Passagierin. Ich bin ein Paket. Die Luft ist trocken, zu sehr gefiltert, beladen mit dem Geruch von Leder, Desinfektionsmittel und männlichem Parfüm. Sie verbre
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa







