LOGINSasha
Die fünf Tage sind vier geworden, dann drei, dann zwei, und jetzt bleibt nur diese Nacht, die letzte, bevor ich antworten muss, bevor ich meine Seite wählen muss, mein Schicksal, meine Hölle.
Ich schwebe in der Wohnung, die er mir gegeben hat, ganz oben im Gebäude, eine Luxusblase über der Welt. Parkett, das unter meinen nackten Füßen knarrt, bodentiefe Fenster über ganz Paris, ein Bett, so groß, dass ich mich da
SofiaDie Straße windet sich in der schwarzen Nacht, weit weg von den Lichtern der Stadt, zum Anwesen, das Léonardo „das Haus" nennt. Es ist kein Haus. Es ist eine Festung. Sie erhebt sich am Ende einer von Zypressen gesäumten Allee, eine massive, karge Silhouette gegen den Sternenhimmel. Kein Licht empfängt uns, nur die bedrohliche Dunkelheit blinder Fenster.Die Limousine gleitet lautlos vor die Freitreppe. Marco, der uns in einem anderen Wagen vorausgefahren ist, ist bereits da. Er öffnet die Tür. Sein Blick in der Dämmerung ist so hart und undurchdringlich wie die Mauern des Gebäudes. Er streckt eine Hand aus, um mir beim Aussteigen zu helfen. Ich ignoriere sie und steige allein aus, die Falten meines Hochzeitskleides bleiben an der Schwelle hängen.Léonardos Hand liegt auf meinem unteren Rücken, eine Geste, die fürsorglich wirken könnte, aber eine Erinnerung an seinen Besitz ist.— Marco, ist alles in Ordnung?— Ja, Chef. D
LéonardoDann ist er an der Reihe. Er schaut nicht den Zeremonienmeister an. Er schaut mich an.— Ich will sie.Das sind nicht die traditionellen Worte. Es ist eine rohe, persönliche Erklärung. Ich will sie. Nicht „ich will sie heiraten". Ich will sie. Wie man ein Objekt will. Eine Trophäe. Eine Eroberung.Ein Schauer läuft durch die Versammlung. Einige lächeln, finden es romantisch, intensiv. Meine Mutter schluchzt. Ich sehe die Wahrheit in seinen Augen. Es ist der Mann der Dusche. Der eifersüchtige Mann. Der Mann, der seinen Leibwächter schickt, um seine Verlobte zu verfolgen. Es ist eine Erinnerung, mitten in der Zeremonie, an die wahre Natur unserer Verbindung.Der Ringtausch. Der goldene Ring, den er mir an den Finger steckt, ist schwer, mit einem zu großen Diamanten besetzt. Er drückt ins Fleisch und besiegelt den Bruch unter einem Symbol des Luxus.— Sie dürfen die Braut küssen.Er lässt sich nicht bitte
SofiaDer Tag X beginnt nicht mit den sanften Strahlen einer verheißungsvollen Sonne, sondern mit einem fahlen, diffusen Licht, das der Welt jede Farbe zu entziehen scheint. Ich bin seit Stunden wach, liege im Bett, das ich nicht mehr wirklich mit Léonardo teile, und lausche der angespannten Stille der Wohnung. Er hat die Nacht woanders verbracht, „der Tradition wegen", hatte er mit ausdrucksloser Stimme gesagt. Eine Tradition, die allen gelegen kam.Meine Mutter und Camille kommen früh, begleitet von einer Armee von Stylisten, Visagisten, Friseuren. Die Wohnung füllt sich mit gedämpften Geräuschen, Geflüster, dem süßen Parfüm der Haarsprays. Ich werde wie eine Puppe auf einen Hocker vor dem Spiegel des zum Beautysalon umfunktionierten Gästezimmers gesetzt. Man manipuliert mich, berührt mich, verwandelt mich.Das Spiegelbild ist nicht meines. Es ist das einer Braut. Makellos. Perfekt. Eine Porzellanmaske unter einer Kaskade kunstvoll unordentlich
SofiaEr nähert sich nicht. Er postiert sich near der Bar, Arme verschränkt, wird zur Wächterstatue mitten in der vorgetäuschten Orgie. Er ist die verkörperte Erinnerung an die Welt, aus der wir zu entkommen versuchen. Seine Anwesenheit verwandelt das Fest in eine finstere Farce.Camille bemerkt ihn schließlich. Ihr Lachen verstummt jäh. Die Farbe weicht aus ihren Wangen. Sie sieht mich an, die Augen plötzlich riesig, voll einer Panik, die ich nur zu gut verstehe.— Er ist hier, murmelt sie.— Ja.— Warum? Wer hat ihn geschickt?Die Antwort ist offensichtlich. Es gibt nur eine Person, die Marco auf die Spur schicken kann, wie einen Jagdhund.Léonardo weiß es. Und er hat seinen Wächter geschickt.Der Abend ist ruiniert. Der Champagner ist bitter. Die Tänzer wirken plötzlich grotesk, harmlose Marionetten angesichts der stillen, realen Bedrohung, die an der Bar wacht.Camille steht abrupt auf.
SofiaAm Vorabend der Hochzeit ist die Luft selbst wie mit statischer Elektrizität gesättigt. Die Wohnung ist endlich von Kartons und Mustern befreit, verwandelt in eine stille, allzu perfekte Schatulle, bereit für das Chaos von morgen. Die Stille ist schlimmer als der Lärm. Sie lässt zu viel Raum für Gedanken.Meine Mutter ist gegangen, um sich mit meinem Vater im Hotel auszuruhen, erschöpft, aber strahlend. Léonardo ist in seinem Büro eingeschlossen für „letzte Anpassungen", was wahrscheinlich Geschäfte bedeutet, die nichts mit Blumen oder Bändern zu tun haben. Ich bin allein und wandere wie eine verlorene Seele durch die zu großen Räume, das Gewicht des Rings wie ein Eisenring am Finger.Dann taucht Camille auf, wie ein rosa, glitzernder Tornado in der tödlichen Ruhe. Sie trägt ein zu breites Lächeln, einen Schimmer von Verschwörung in den Augen.— Also, Frau Fast-verheiratet! Du denkst doch nicht etwa daran, deinen letzten Abend in F
SofiaCamille hebt den Blick von dem Umschlag, den sie prüft. Ein leichtes Rosa steigt ihr in die Wangen.— Léonardo will, dass alles gesichert ist. Das ist doch normal, oder? Mit seinem Status…— Ich denke nicht an seine Sicherheit.Das Schweigen setzt ein, schwer vom Unausgesprochenen. Sie legt den Umschlag hin.— Sofia… Hör auf, bitte. Ich tue, was du mir gesagt hast. Ich halte Abstand. Wir unterhalten uns, das ist alles. Er ist… interessant.— „Interessant" ist ein Wort, das man für ein abstraktes Gemälde benutzt, Camille. Nicht für einen Mann wie Marco. Er ist gefährlich.— Für wen? Für mich? Weil er groß, stark ist und in der Sicherheit arbeitet? Hast du ihn je gefährlich gesehen? Wirklich?Die Herausforderung in ihrer Stimme verschlägt mir die Sprache. Nein. Ich habe ihn nie handeln sehen. Ich habe nur Vermutungen, Intuitionen, die Kenntnis der Welt, die er repräsentiert. Indizienbeweise, die ic
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr







