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Kapitel 4

Author: Ellie💕
last update publish date: 2026-09-14 22:06:25

Die Regeln der Hölle

Elena presste ihre Finger fester um die dicke Mappe, bis sich die Kanten in ihre Handflächen bohrten, während sie aus dem Aufzug stürmte und in die kalte Abendluft vor dem Rossi Tower trat. Der Lärm der Stadt traf sie wie ein Schlag. Hupende Autos, hastige Fußgänger, das entfernte Heulen einer Sirene — doch nichts davon konnte das Dröhnen in ihrem Kopf übertönen.

Sie ging nicht weit. Sie konnte nicht. Ihre Beine fühlten sich zu schwach an.

Sie ließ sich auf eine kalte Metallbank einen Block weiter sinken, ihr Herz raste noch immer, ihr Körper brannte noch von dieser aufgeladenen Begegnung in seinem Büro. Die Mappe lag offen auf ihrem Schoß wie eine giftige Schlange, bereit zuzuschlagen. Mit zitternden Händen zwang sie sich, diesmal jede brutale Klausel richtig zu lesen.

Ausgangssperre: 22 Uhr, es sei denn, sie wird vom Ehemann begleitet.

Keine nicht genehmigten männlichen Freunde. Alle sozialen Interaktionen unterliegen vorheriger Genehmigung.

Muss dauerhaft im Penthouse im Rossi Tower wohnen.

Öffentliche Zuneigung ist erforderlich, wenn die Situation es verlangt. Händchenhalten, körperliche Nähe, Küssen.

Vollständiger Gehorsam gegenüber angemessenen Anweisungen bezüglich Verhalten, Kleidung und Bewegungen.

Hohe finanzielle Strafen für jeden Verstoß. Verlust des gesamten Fünf-Millionen-Dollar-Fonds für Claire, falls sie versucht, den Vertrag vorzeitig zu brechen oder zu kündigen.

Das war keine Ehe. Das war ein verdammter Käfig, eingehüllt in Diamanten und juristische Drohungen.

Wut explodierte in ihrer Brust wie ein Flächenbrand. Dieser Mann wollte sie besitzen. Jeden ihrer Schritte kontrollieren. Sie wie eine Trophäenfrau zur Schau stellen, während sie die perfekte, gehorsame Puppe für seine kostbare Fusion spielte.

„Scheiß drauf“, murmelte sie unter ihrem Atem.

Sie sprang von der Bank auf, die Mappe fest in der Hand, und marschierte direkt zurück in den Rossi Tower. Zu ihrer Überraschung hielten die Sicherheitsleute sie nicht auf. Sie nickten nur und begleiteten sie wieder nach oben, als hätten sie ihre Rückkehr erwartet.

Als sie ohne anzuklopfen wieder in sein Büro platzte, saß Alessandro noch immer hinter seinem massiven Schreibtisch, ruhig, gefasst … und leicht amüsiert, als hätte er genau auf ihre kleine Rebellion gewartet.

„Du arroganter Bastard“, fuhr Elena ihn an und knallte die Mappe mit einem lauten Schlag auf seinen Schreibtisch. „Du erwartest, dass ich diesen Mist unterschreibe? Ausgangssperren? Keine männlichen Freunde? Ich muss dich in der Öffentlichkeit küssen, wann immer dir danach ist? Du willst, dass ich deine gehorsame kleine Hure bin, während du den perfekten Ehemann für deine verdammte Fusion spielst?“

Sandro erhob sich langsam von seinem Stuhl. Ein dunkles, amüsiertes Funkeln blitzte in seinen kalten schwarzen Augen auf. Der Winkel seines Mundes hob sich. Kein richtiges Lächeln, aber genug, um sie gleichzeitig ohrfeigen und küssen zu wollen.

„Ich sehe das Feuer wieder“, murmelte er, seine Stimme tief und rau wie Samt, der über Kies gezogen wird. „Gut. Es wäre schade, ein Lamm einzusperren.“

„Ich bin kein Spielzeug, das du kontrollieren kannst!“, schrie Elena und trat näher, obwohl jeder Instinkt in ihr schrie, zu fliehen. „Ich bin ein Mensch. Ich habe eine Schwester, die mich braucht. Ich habe ein Leben—“

„Du hast nichts außer Schulden und Gefahr“, unterbrach er sie ruhig, während er mit räuberischer Eleganz um den Schreibtisch herumging.

Er bewegte sich auf sie zu. Elena weigerte sich, zurückzuweichen.

Als er schließlich stehen blieb, waren sie kaum dreißig Zentimeter voneinander entfernt. Sein Duft — reiches Sandelholz gemischt mit etwas Dunklerem, Männlicherem — legte sich wie unsichtbare Ketten um sie. Sie konnte den leichten Schatten von Bartstoppeln entlang seines starken Kiefers sehen, die Art, wie sich sein teurer schwarzer Anzug über seine breite Brust und seine kraftvollen Schultern spannte.

„Dein Vater hat nicht nur von uns gestohlen, Elena“, sagte er, seine Stimme sank zu einem gefährlich leisen Flüstern. „Er hat die Rossi-Familie an die Conti-Familie verraten. Ihnen sensible Informationen geliefert. Gute Männer wurden getötet. Dann ist er wie der Feigling, der er war, geflohen. Die Contis warten seitdem auf den perfekten Moment zuzuschlagen — kurz bevor diese Fusion abgeschlossen wird. Sie kennen bereits deinen Namen. Sie wissen von Claire.“

Elena wurde flau im Magen.

„Dich zu heiraten macht dich zu einer Rossi“, fuhr Sandro fort, seine dunklen Augen fest auf ihre gerichtet. „Es schützt dich. Es schützt deine Schwester. Und es gibt mir das stabile, respektable Image, das meine europäischen Partner verlangen. Dieser Vertrag ist Strafe für die Sünden deines Vaters … und gleichzeitig deine Rettung.“

Elena stockte der Atem, als er noch näher trat. Die Hitze, die von seinem Körper ausging, ließ ihre Haut kribbeln.

„Du bist krank“, flüsterte sie, doch ihre Stimme klang heiser und atemlos und verriet sie.

„Vielleicht.“ Sein Blick glitt zu ihren Lippen, roher Hunger blitzte für einen Sekundenbruchteil in seinem Gesicht auf. „Aber ich bin das einzige Monster, das zwischen dir und Menschen steht, die Claire ohne Zögern verletzen würden, um zu bekommen, was sie wollen.“

Die Spannung zwischen ihnen war erstickend. Elena konnte ihren Puls spüren, wie er durch ihren ganzen Körper pochte. Ihr Körper verriet sie völlig. Ihr Geist war ein Chaos aus widersprüchlichen Gedanken.

Sandro hob langsam eine Hand, fast sanft, und strich eine lose Strähne hinter ihr Ohr. Seine Fingerspitzen streiften die empfindliche Haut an ihrem Hals und schickten einen scharfen Stromstoß durch ihren Körper. Sie unterdrückte kaum ein Zittern.

„Du hast vierundzwanzig Stunden“, sagte er, seine Stimme wie dunkler Samt um Stahl gewickelt. „Denk an deine Schwester. Denk an das Leben, das du ihr endlich geben könntest. Denk sehr genau darüber nach, was passiert, wenn du dich von mir abwendest.“

Er beugte sich vor, bis seine Lippen nur Zentimeter von ihrem Ohr entfernt waren, sein warmer Atem strich über ihre Haut.

„Unterschreib, Elena … und deine Schwester lebt.“

Seine Stimme wurde noch tiefer, gefährlich und sündhaft verheißungsvoll.

„Lehn ab … und die Wölfe werden euch beide zerreißen.“

Elena zitterte heftig.

Sie riss die Mappe vom Schreibtisch, drückte sie an ihre Brust wie einen Schild und wandte sich ab, bevor sie etwas wirklich Dummes tat — wie sich an ihn zu lehnen, wie ihre Lippen auf diesen grausamen, schönen Mund zu pressen.

Doch als sie sein Büro an diesem Tag zum zweiten Mal verließ, ihre Beine wackelig und ihr Körper noch immer angespannt, setzte sich eine erschreckende Wahrheit tief in ihr fest:

Sie hatte nicht mehr nur Angst vor Alessandro Rossi.

Sie hatte verzweifelt, gefährlich Angst davor, wie sehr sie ihn wollte.

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