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Kapitel 3

Marlene
Mia hatte ziemlichen Respekt vor ihrem Cousin. Nachdem sie brav eingestiegen war, wagte sie kein Wort zu sagen.

Im Wagen herrschte eine seltsam bedrückende Stille.

Sophias Blick fiel auf den Rosenkranz an Adrians Handgelenk. Es kam ihr irgendwie bekannt vor.

Doch der Alkohol vernebelte ihre Gedanken vollständig.

Nur flüchtig tauchte in ihrem Kopf die Erinnerung auf, wie sie Adrian zum ersten Mal begegnet war.

Nach all den Jahren hatte dieser Mann nichts von seiner Ausstrahlung verloren.

Mias Wohnung lag in der Nähe.

Nachdem Adrian sie nach Hause gebracht hatte, wollte er Sophia zum Hotel fahren.

Im Wagen waren jetzt nur noch die beiden.

Die Stimme des Mannes durchbrach plötzlich die Stille, beiläufig fragend: „Du bleibst in Karlsheim?“

„Ja.“

Sophia zögerte kurz und nickte.

Sie kannte Adrian nicht besonders gut. Nach dieser einen Frage kehrte schnell wieder Stille ein.

Die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Unbemerkt schlief Sophia ein.

Nach einer Weile erklang die tiefe Stimme des Mannes.

„Sophia Winter, wach auf.“

Sophia öffnete die Augen und blickte direkt in seine dunklen, intensiven Augen.

Ihre Blicke trafen sich, und für einen Moment war sie verwirrt: „...Adrian?“

Ihre Stimme klang verschlafen und träge.

Die Autotür öffnete sich, und der Mann beugte sich zur Hälfte in den Wagen. Sein außergewöhnlich attraktives Gesicht war zum Greifen nah.

Er senkte den Blick, seine Züge kühl und klar.

Sein Duft trug die frische Kühle von Zedernholz – angenehm und berauschend.

Genau wie damals in ihrer Jugend, als sein Anblick sie so fasziniert hatte, dass sie ihn nie vergessen konnte.

Sophias rote Lippen verzogen sich zu einem Lächeln: „Du bist wirklich schön.“

Der Alkohol stieg ihr zu Kopf. Sie blinzelte, streckte die Hand aus und legte sie plötzlich um seinen Nacken.

„Lust was zu starten?“

Sie zog die letzten Worte in die Länge, ihre Stimme lässig.

Eindeutig verführerisch.

Adrian schien einen Moment lang erstarrt. Er strich ihr die Strähnen aus dem Gesicht, seine Stimme ruhig: „Du hast zu viel getrunken.“

Sophia spürte ein Kribbeln, ließ aber nicht locker: „Hab ich nicht.“

Sie war zu achtzig Prozent betrunken. In ihrem Kopf wirbelten die Jahre mit Julian und die Familie Winter durcheinander.

Sie war immer die Rebellischste gewesen, die Ungezähmteste.

Doch wegen Julian hatte sie sich angepasst, und wegen dieser Wette würde sie bald bei der Familie Winter gefangen sein.

Das war wohl ihre letzte Chance, die Zügel schleifen zu lassen.

„Adrian, willst du oder nicht?“

Sie rückte näher, ihr seetangschwarzes Haar streifte seine Nasenspitze.

Das Kribbeln breitete sich aus wie ein Virus.

Im nächsten Moment pressten sich kühle Lippen auf ihre. Er umfasste ihre Taille, sein Atem streifte ihren.

„Sophia Winter, bereue es nicht.“

Er biss sanft auf ihre Zungenspitze – ein zugleich zärtlicher und unmissverständlich fordernder Zug.

Beider Atem wurde heißer. Sophias Wimpern zitterten. In seinen Augen sah sie ihr Spiegelbild und jenen Anflug von Verlangen.

Die kühle Zurückhaltung wurde von der Flut der Leidenschaft überwältigt.

Sie spürte plötzlich Durst und erwiderte seinen Kuss noch intensiver.

Im Wagen brandete die Leidenschaft auf.

Feuchte Geräusche erfüllten den Raum.

Diese Sache zwischen Mann und Frau konnte auf eine gewisse Weise extrem süchtig machen.

Vom Auto bis ins Bett.

Als es vorbei war, fühlte sich Sophias Körper wie von Wellen der Taubheit überspült, alle Sinne waren abgestumpft.

Als Sophia aufwachte, schmerzte ihr ganzer Körper.

Sie öffnete die Augen, und die Erinnerungen an die letzte Nacht kehrten Stück für Stück zurück. Ihr Körper versteifte sich leicht.

Sie hatte mit Adrian geschlafen?

Man soll das eigene Nest nicht beschmutzen. Beim Gedanken an Elena fühlte sich alles plötzlich absurd an.

Gerade als sie darüber nachdachte, verstummte abrupt das Geräusch der Dusche im Bad.

„Wach?“

Sophia hob den Blick. Der Mann trug einen Bademantel, sein Körper war straff, Wassertropfen liefen über seinen Bauch – schlank und muskulös.

Ihr Gesicht wurde unerwartet warm.

„Tut mir leid, gestern Nacht hab ich zu viel getrunken.“

Sie entschuldigte sich instinktiv. Adrian hielt inne und kniff seine kühlen Augen zusammen.

Aus irgendeinem Grund klang seine Stimme kälter: „Und weiter?“

Sophia hob ihre Kleider vom Boden auf. Die Spuren auf ihrer Haut waren deutlich sichtbar, doch sie wich Adrians Blick nicht aus. Ihre roten Lippen verzogen sich leicht: „Mia und ich sind immer noch Freundinnen. Also was gestern Nacht angeht, Adrian – das macht dir doch nichts aus, oder?“

Als sie ihn so vertraut mit „Adrian“ anredete, klang ihre Stimme lässig und voller Nachdruck.

Doch vielleicht war sie zu empfindlich.

Sie hatte das Gefühl, dass sein Gesicht nach ihren Worten noch kälter wurde.

Er zündete sich eine Zigarette an, seine dunklen Augen ruhten auf ihr, und er fragte plötzlich beiläufig: „Bist du mit anderen Männern auch so? Zum Beispiel mit diesem Julian Hartmann?“
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