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Kapitel 5

Marlene
Doch Sophia blieb ruhig: „Seien Sie beruhigt. Mit Julian ist es vorbei. Aber da ich in Zukunft die Familie Winter übernehmen werde, sollte meine Ehe stabil sein. Am besten wähle ich jemanden, den ich zumindest nicht verabscheue.“

Ihre Mutter war dagegen, dass sie mit Julian zusammen war.

Einerseits missbilligte sie, dass Sophia wegen Gefühlen den Verstand verlor. Andererseits war die Familie Hartmann ein Konkurrent der Familie Winter.

Auch wenn die Hartmanns nicht an die Winters herankamen – sie blieben Gegner.

Tatsächlich hatte ihre Mutter bei der Heirat nicht viel Kontrollbedürfnis und zeigte sich bei vielen Dingen weniger besorgt um Sophia als um Elena.

Ihre Mutter musterte Sophia mit scharfem Blick.

„In Ordnung“, sagte sie. „Du darfst selbst wählen. Aber eine Wette ist eine Wette, Sophia. Enttäusch mich nicht.“

Sophia nickte.

Ihre Mutter hatte noch zu tun und ging nach oben.

Im Wohnzimmer blieben nur Elena und Sophia zurück.

Obwohl sie nominell Schwestern waren, standen sie sich nicht sonderlich nahe.

Elena ließ absichtlich das teure Armband, das ihre Mutter für sie ersteigert hatte, durch ihre Finger gleiten, und höhnte: „Sophia, du glaubst doch nicht ernsthaft, dass du jemanden Besseren als Sebastian finden kannst, oder? Der ganze Kreis weiß, dass du dich wegen Julian erniedrigt hast. Glaubst du wirklich, irgendjemand will dich noch heiraten?“

Die Familien Winter und Hartmann bewegten sich in unterschiedlichen Kreisen.

Aber in Karlsheim wussten viele, dass Sophia mit anderen Männern etwas hatte. Hinter vorgehaltener Hand wurde heftig darüber getratscht.

Sophia warf Elena nur einen kurzen Blick zu.

Für diese Schwester empfand sie eigentlich nichts.

Als Sebastian damals die Verlobung auflöste, war sie sogar insgeheim erleichtert gewesen.

Nur warum Elena ihr gegenüber stets feindselig war, verstand sie nicht.

„Sebastian Fischer?“

Sophia hob eine Augenbraue und lachte spöttisch: „Wenn du ihn magst, behalt ihn. Aber ich hab gehört, er treibt's privat ziemlich bunt. Pass auf, dass er regelmäßig zum Gesundheitscheck geht, Elena.“

„Du –“

Elenas Brust hob und senkte sich vor Wut.

Sie wusste genau, wo der Unterschied zwischen ihr und Sophia lag.

Dass ihre Mutter zu Sophia streng, sie selbst aber verwöhnt hatte – das kam nur daher, dass größere Erwartungen auch höhere Anforderungen bedeuteten.

Aber warum?

Warum durfte Sophia die Familie Winter erben?

Und sie nicht?

Nur weil sie eine Adoptivtochter war?

Während sie Sophias Rücken nachblickte, glühten Elenas Augen vor Verbitterung.

Doch Sophia hatte keine Zeit für Elenas Stimmungen.

Als ihre Freunde von ihrer Situation hörten, waren alle begierig darauf, ihr potenzielle Heiratskandidaten vorzustellen.

Drei Tage lang traf Sophia sich mit etlichen Männern.

Doch keiner weckte ihr Interesse.

Gerade als sie gehen wollte, hörte sie in der Ferne Claras Stimme.

„Sophia? Was für ein Zufall.“

Sie hakte sich bei Julian unter, trug jetzt teure Designerklamotten.

Ihre Züge waren wie immer sanft und brav.

Julian an ihrer Seite runzelte die Stirn, als er Sophia sah.

Sie schien anders als früher.

Perfektes Make-up, rote Lippen, schwarzes Haar, die Augen lässig und gleichgültig, selbstbewusst und ungebunden.

Kein bisschen wie früher.

„Was machst du hier?“

Julian verdrängte den Gedanken und fragte kühl.

Dieses Restaurant war nur für Mitglieder.

Jemand wie Sophia konnte hier unmöglich Mitglied sein.

Sophia verzog amüsiert die Lippen: „Warum sollte ich nicht hier sein können?“

„Arbeitest du hier?“ Clara lachte leise, mitleidig: „Das Gehalt hier ist zwar gut, aber als Uni-Absolventin hätte ich nicht gedacht, dass Sie wegen Geld hier als Kellnerin arbeiten würden.“

„Was ist denn schlimm an Kellnerin?“ Sophias Blick streifte Claras Kleidung im Wert von mehreren Tausend Euro, ihre Stimme beiläufig: „Selbst verdientes Geld ist immer besser, als von einem Mann abhängig zu sein.“

Claras Gesicht wurde blass. Sie biss sich auf die Lippe, sichtlich gekränkt.

Doch Julian reagierte angewidert: „Was ist daran falsch, dass ich meiner Frau Geld gebe? Als wir uns trennten, bot ich dir 100.000 Euro Entschädigung, aber du hast abgelehnt. Sophia, mit so einem Benehmen bist du hier fehl am Platz.“

Mit kalter Miene rief er den Manager herbei. Clara stand still daneben und beobachtete Sophia mit scheinbar braver Miene.

Sophias Blick ruhte auf den beiden.

Plötzlich fand sie es absurd.

Wäre sie wirklich eine arme Uni-Absolventin, würde Julians Verhalten ihr die Arbeit kosten und ihr ohnehin karges Leben noch härter machen.

Clara, die das am besten nachvollziehen konnte, sah nur kalt zu, wie Julian ihr Schwierigkeiten bereitete.

Erste große Liebe hin oder her – so beeindruckend war sie auch nicht.

Schnell kam der Manager.

„Diese Kellnerin hat ein unmögliches Benehmen. Ich denke nicht, dass sie hier weiter arbeiten sollte.“

Julian sprach eisig.

Doch der Manager war perplex. Er erklärte hastig: „Sie irren sich. Frau Winter ist Premium-Mitglied hier, keine Kellnerin.“

„Was?“

Julian war verblüfft, seine Stirn gerunzelt, völlig ungläubig.

Wie konnte Sophia sich eine Mitgliedschaft hier leisten?

Früher konnte sie sich nicht mal Straßensnacks leisten, aß beim Obst nur die billigen Reste. Wie konnte sie Premium-Mitglied sein?

Sie war wirklich skrupellos und plante alles bis ins Detail, nur um seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Julians Verachtung erreichte ihren Höhepunkt.

„Sophia, was willst du eigentlich? Willst du mich unbedingt zurück? Stellst du mir nach?“

Sophia hob den Blick, ihre roten Lippen formten zwei Worte: „Vollidiot.“

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