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FUNKE DES ZWEITEN LEBENS
FUNKE DES ZWEITEN LEBENS
작가: Dorcas

Kapitel Eins

작가: Dorcas
last update 게시일: 2026-09-16 19:40:37

Die Träume verfolgten mich seit meinem zehnten Lebensjahr.

Sie kamen in zerbrochenen Stücken – niemals ganz, niemals klar. Ein Aufblitzen von tiefrotem Haar, das nicht mein eigenes war. Das Geräusch von Donner, der zu nah wirkte, um natürlich zu sein. Die Stimme eines Mannes, die einen Namen rief, den ich nicht erkannte. Kaltes Stein unter meinem Rücken und der plötzliche Geschmack von Blut. Ich wachte mit rasendem Herzen auf und dem verblassenden Gefühl, etwas Unermessliches verloren zu haben, doch bis zum Morgen war das Gefühl wie Nebel zerronnen.

Meine Eltern glaubten, es seien lediglich die Alpträume eines empfindsamen Kindes. Ich lernte, sie für mich zu behalten.

Am Morgen meines neunzehnten Geburtstags hörten die Träume auf, Fragmente zu sein.

Ich erwachte vor der Dämmerung, und das volle Gewicht eines anderen Lebens brach über mich herein. Jeder Augenblick kehrte mit vollkommener Klarheit zurück. Das formelle Fest, bei dem ich zum ersten Mal einen großen, zurückhaltenden Mann mit Augen wie tiefes Wasser sah. Die langsame, behutsame Art, wie wir einander kennenlernten. Die stillen Nächte, in denen er seine zurückhaltende Natur nur für mich erweichen ließ. Die wachsende Dunkelheit im Blick meiner Zwillingsschwester. Die Nacht, in der die verstümmelten Hände der Hexe ihre Arbeit beendeten, während Caterina über mir lächelte. Der letzte Aufwall von Macht, als der Mann, den ich liebte, neben mir fiel und seine Hand für einen letzten Herzschlag die meine umschloss, bevor das Licht seine Augen verließ.

Wir waren getötet worden.

Und irgendwie war mir ein zweites Leben geschenkt worden.

Ich setzte mich kerzengerade im Bett auf, der Atem ging schwer, die Hände gegen meine Brust gepresst, als könne ich noch immer die Wunde spüren, die nicht mehr existierte. Die Kammer um mich herum war vertraut – geschnitzte Balken, der dünne Riss in der Nähe des Fensters, der Duft von sauberer Leinwand – und doch fühlte sich alles verändert an durch das Wissen, das nun hinter meinen Augen brannte. Ich war Camilla Crowley, einzige Tochter eines angesehenen Hauses in der Küstenstadt Veyra. Ich war auch die Göttin des Feuers, die auf blutbeflecktem Stein gestorben war.

Draußen schlief die Stadt noch. Sanftes graues Licht berührte die Steindächer und die ferne Linie des Meeres. Ich erhob mich und trat an das Fenster, lehnte die Stirn gegen das kühle Glas. In diesem Leben gab es keine Zwillingsschwester. Caterina war zurückgelassen worden, gefangen vom Gewicht ihrer eigenen Sünden. Das Crowley-Haus hatte nur jemals eine einzige Tochter beherbergt.

Ich kleidete mich mit bedächtiger Ruhe, wählte ein dunkles Gewand und band mein langes, tiefrotes Haar vom Gesicht zurück. Der vertraute Stirnrunzeln setzte sich ins Gesicht. Weichheit hatte keinen Platz in dem, was nun kommen musste.

Unten war meine Mutter bereits wach. Sie blickte vom Tisch auf, als ich eintrat, ihr Ausdruck sanft und zugleich wachsam.

„Du bist früh wach an deinem Geburtstag“, sagte sie. „Hat die Nacht dich beunruhigt?“

„Nur Träume“, antwortete ich.

Sie akzeptierte die Antwort, obwohl ihre Augen einen Moment länger auf meinem Gesicht verweilten als gewöhnlich. Ein Seher hatte meinen Eltern einst gesagt, dass ihr einziges Kind Feuer in sich tragen würde. Sie hatten dieses Geheimnis sorgfältig bewahrt. Die meisten in Veyra glaubten noch immer, ich sei nichts weiter als die Tochter einer angesehenen Familie.

Mein Vater gesellte sich bald zu uns. Das Gespräch wandte sich der Akademie zu. Der neue Lehrer für die fortgeschrittenen Schüler war bestätigt worden, und ich sollte in der kommenden Woche unter seiner Leitung beginnen. Als mein Vater den Namen Huxley aussprach, zog sich etwas tief in meiner Brust mit plötzlicher, scharfer Wiedererkennung zusammen.

Huxley.

Der Nachname gehörte dem Mann, der mit meiner Hand in der seinen gestorben war. Einen Augenblick lang konnte ich nicht atmen. Ich zwang meinen Ausdruck, ruhig zu bleiben, und behielt den Blick auf dem Tisch. Ich wusste noch nicht, ob der Mann, der in diesem Leben diesen Namen trug, dieselbe Seele war. Ich wusste nur, dass der Klang etwas Altes und Verwundetes in mir traf.

Nach dem Morgenessen kehrte ich in meine Kammer zurück und schloss die Tür ab. Mitten im Raum stehend schloss ich die Augen und wandte mich nach innen. Das Feuer antwortete sogleich – warm, uralt und unruhig. Eine schlanke Flamme stieg aus meiner offenen Handfläche auf und wand sich um meine Finger, ohne zu brennen. Ich speiste sie mit Kraft, bis die Luft flimmerte, dann schloss ich die Hand. Die Flamme verschwand.

Ich war immer noch die Göttin des Feuers. In diesem Leben war diese Wahrheit nur innerhalb dieser Mauern bekannt.

Ich saß lange am Fenster und beobachtete, wie die Stadt erwachte. Die Erinnerungen an das vorherige Leben brannten klar und vollständig, doch eine Frage blieb unbeantwortet. War dem Mann, den ich geliebt hatte, ebenfalls eine zweite Chance gegeben worden, oder war ich allein zurückgekehrt? Ich hatte keine Möglichkeit, es zu wissen. Noch nicht.

Dieses Leben war nur der Anfang. Ich würde in die Akademie gehen, wenn die Zeit gekommen war. Ich würde in dem Klassenzimmer des Lehrers namens Huxley sitzen. Und wenn die Augen, die den meinen begegneten, zu derselben Seele gehörten, würde ich es wissen.

Das Feuer unter meiner Haut sank zu einem niedrigen, stetigen Brennen.

Wir waren einmal gestorben.

Ich würde dafür sorgen, dass es nie wieder geschah.

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