공유

Kapitel Zwei

작가: Dorcas
last update 게시일: 2026-09-16 20:01:03

Die Tage nach meinem neunzehnten Geburtstag vergingen in einer seltsamen, schwebenden Stille.

Ich bewegte mich mit sorgfältiger Aufmerksamkeit durch das Crowley-Haus, als könnten die Wände selbst das zweite Leben spüren, das nun vollständig in mir wach war. Das Morgenlicht fiel in denselben Mustern über die Holzböden wie immer. Der Duft von Kaffee und Toast stieg zur gleichen Stunde aus der Küche auf. Die Schritte meiner Mutter blieben leise und gemessen. Und doch fühlte sich alles geschärft an, durchzogen von dem Wissen, dass ich nicht mehr nur das Mädchen war, das in diesen Räumen aufgewachsen war.

Ich begann früher aufzustehen als der Rest des Haushalts. In der grauen Stunde vor der Dämmerung stand ich am Fenster meines Zimmers und beobachtete, wie die ersten dünnen Lichtstreifen die Dächer der Stadt berührten. Veyra breitete sich unter mir in vertrauten Schichten aus Glas und Beton aus, der ferne Hafen ein dumpfes Silberband am Horizont. Die Stadt wirkte gewöhnlich, unverändert, während das Gewicht eines anderen Lebens schwer hinter meinen Rippen lag.

Nach dem Frühstück kehrte ich in mein Zimmer zurück und schloss die Tür ab. Dort, in der Privatsphäre von vier Wänden, rief ich das Feuer so, wie ich es seit zwei Jahren tat. Es antwortete sogleich – warm, uralt und vollkommen gehorsam. Ein schmales Band aus Flammen stieg aus meiner offenen Handfläche auf und wand sich um meine Finger, ohne zu brennen. Ich formte es zu einer schmalen Klinge aus Licht, dann zu einer weichen Kugel, die über meiner Hand schwebte, und löste es mit einem einzigen Gedanken auf. Die Kontrolle kam mir jetzt leicht. Mit siebzehn war die Kraft in einem Moment roher Emotion zum ersten Mal hervorgebrochen und hatte beinahe die Vorhänge in Brand gesetzt. Seitdem hatte ich heimlich geübt, bis das Feuer sich wie eine Verlängerung meines Willens bewegte.

Meine Mutter bemerkte die Veränderung an mir nach dem Geburtstag, auch wenn sie die Ursache nicht benennen konnte. Mehr als einmal erwischte ich sie dabei, wie sie mich über den Tisch oder vom Türrahmen des Wohnzimmers aus beobachtete, ihr Ausdruck nachdenklich und leicht beunruhigt. Sie drängte nie. Die Warnung des Sehers hatte beiden Eltern eine behutsame Zurückhaltung in Bezug auf meine Natur gelehrt. Sie wussten, dass Feuer unter meiner Haut lebte. Sie wussten nicht, dass dasselbe Feuer bereits einmal im Tod erloschen und mit voller Erinnerung zurückgekehrt war.

Mein Vater sprach in diesen Tagen oft von der Akademie. Der neue Dozent, sagte er, stamme aus einer einflussreichen Familie und werde die fortgeschrittenen Studenten in Geschichte, Strategie und politischer Theorie unterrichten. Als er den Nachnamen Huxley erwähnte, zog sich etwas in meiner Brust für einen kurzen, scharfen Moment zusammen. Der Name klang wie eine ferne Glocke, wie ein halb erinnerter Ton aus einem Traum, doch ich konnte nicht sagen, warum. Ich behielt mein Gesicht ruhig und sagte nichts.

Am dritten Nachmittag ging ich allein durch den kleinen Garten hinter dem Haus. Die Luft roch nach feuchter Erde und den letzten Sommerpflanzen. Ich blieb neben der Holzbank stehen, auf der meine Mutter manchmal saß, und legte die Hände auf die Lehne. Fragmente des vorherigen Lebens stiegen ohne Vorwarnung auf – steinerne Mauern, der Geruch von Regen auf Blut, die Hand eines Mannes, die sich um die meine schloss – doch ich drängte sie hinunter. Dieses Leben verlangte Gegenwart.

An diesem Abend, nachdem das Haus zur Ruhe gekommen war, saß ich am Fenster und hatte nur den weichen Schein meines Handybildschirms als Licht. Ich dachte über den Weg nach, der vor mir lag. In drei Tagen würde ich an der Akademie beginnen. Ich würde in einem Hörsaal sitzen und dem begegnen, was dort auf mich wartete. Die vollen Erinnerungen an meinen Tod und das Leben davor brannten klar in mir, doch viele Fragen blieben unbeantwortet. Ich wusste nicht, wie viel von der Vergangenheit in dieser Welt noch lebte oder was ich mit dem Wissen anfangen sollte, das ich nun trug.

In dieser Nacht schlief ich wenig. Als der Schlaf kam, brachte er keine klaren Träume des vorherigen Lebens, nur eine weite und wachsame Dunkelheit. Ich erwachte erneut vor der Dämmerung und kleidete mich mit bedächtiger Sorgfalt, wählte dunkle Jeans und ein schlichtes schwarzes Oberteil, das sowohl den Erwartungen der Akademie als auch meinem eigenen Bedürfnis nach Zurückhaltung entsprach. Ich band mein langes, tiefrotes Haar zu einem tiefen Pferdeschwanz und ließ den vertrauten Stirnrunzeln ins Gesicht treten. Weichheit blieb ein Luxus, den ich mir noch nicht leisten konnte.

Beim Frühstück erinnerte mich mein Vater an die letzten Absprachen. Er würde mich am ersten Morgen zur Akademie fahren, oder ich könnte den Zug nehmen, wenn ich es vorzog. Meine Mutter griff über den Tisch und legte kurz ihre Hand auf die meine. Die Berührung war warm und flüchtig.

„Du warst immer vorsichtig“, sagte sie leise. „Bleib es.“

Ich nickte. Es gab nichts anderes, was ich ihr sicher anbieten konnte.

Die verbleibenden zwei Tage vergingen in derselben gemessenen Stille. Ich setzte meine private Übung mit dem Feuer fort, nicht um Kontrolle zu lernen, sondern um die Schärfe zu erhalten. Ich konnte inzwischen eine Flamme erzeugen, die nicht größer war als die einer Kerze, oder einen ganzen Raum mit kontrollierter Hitze füllen und sie im Raum eines Atemzugs wieder auflösen. Die Kraft gehörte mir vollständig.

Am letzten Abend stand ich erneut am Fenster und beobachtete, wie die Lichter von Veyra eines nach dem anderen am dunkelnden Horizont entzündet wurden. Die Stadt wirkte friedlich, gewöhnlich, ahnungslos gegenüber dem zweiten Leben, das still in einem ihrer Häuser brannte.

Ich lehnte die Stirn gegen das kühle Glas und ließ das Gewicht der zurückgekehrten Erinnerungen sich setzen. Ich wusste noch nicht, was die Zukunft bereithielt oder wie die Vergangenheit sie formen würde. Ich wusste nur, dass ich mit offenen Augen und bereiter Kraft in die Akademie gehen würde.

Das Feuer unter meiner Haut sank zu seinem vertrauten niedrigen Brennen – geduldig, stetig und wartend.

Morgen würden sich die Tore der Akademie öffnen.

Morgen konnte sich alles ändern.

이 작품을 무료로 읽으실 수 있습니다
QR 코드를 스캔하여 앱을 다운로드하세요

최신 챕터

  • FUNKE DES ZWEITEN LEBENS    Kapitel Fünf

    Später an demselben Nachmittag nach dem Verlassen der Bibliothek ging ich zum Studentenzentrum, wo sich das Licht bereits verändert hatte und die Morgensonne nun tiefer stand und längere Schatten über die Wege warf, während Studenten in lockeren Gruppen umhergingen, einige mit Kaffee in der Hand, andere über verspätete Aufgaben sprechend, und ich hielt mich am ruhigeren Rand des Weges, die Tasche über der Schulter, den Ausdruck ruhig.Ich fand einen leeren Tisch im zweiten Stock in der Nähe eines großen Fensters, das auf den östlichen Rasen hinausblickte, stellte meine Tasche ab und holte das Notizbuch hervor, das ich für private Gedanken statt für den Unterricht verwendete, da die Seminarmitschriften bereits in der Bibliothek erledigt waren und ich einfach einen stillen Ort brauchte, um zu sitzen und den Morgen in mir zur Ruhe kommen zu lassen, während die gewöhnlichen Geräusche des Campus hinter dem Glas weitergingen.Ich saß erst seit wenigen Minuten da, die leere Seite vor mir auf

  • FUNKE DES ZWEITEN LEBENS    Kapitel Vier

    Die Bibliothekstüren glitten mit einem leisen hydraulischen Seufzer auf, als ich eintrat.Kühle Luft strömte mir ins Gesicht und brachte den leichten Duft von Papier, poliertem Holz und der restlichen Wärme zu vieler gleichzeitig laufender Laptops mit sich. Die Haupthalle dehnte sich nach oben in zwei Ebenen von Regalen aus, so still, dass das Kratzen von Stiften und das leise Summen eines Druckers deutlich durch den Raum trugen. Studenten saßen an langen Tischen mit leuchtenden Bildschirmen, Ohrstöpsel im Ohr, die Gesichter vom blauweißen Licht ihrer Geräte erhellt. Einige blickten auf, als ich eintrat, und kehrten dann zu ihrer Arbeit zurück. Ich fand einen leeren Tisch in der Nähe der Rückwand, stellte meine Tasche ab und zog mein Notizbuch heraus.Die Seminarmitschriften mussten geordnet werden. Professor Huxleys Vorlesung war mit scharfer Präzision vorangeschritten, und meine Handschrift hatte Mühe gehabt, Schritt zu halten. Ich begann, die Punkte in eine klarere Struktur zu brin

  • FUNKE DES ZWEITEN LEBENS    Kapitel Drei

    Die Tore der Akademie standen unter einem blassen Morgenhimmel offen.Ich stieg aus dem Auto meines Vaters und richtete den Riemen meiner Tasche auf der Schulter. Der Campus dehnte sich vor mir in klaren Linien aus Glas und hellem Stein, moderne Gebäude erhoben sich zwischen älteren Bäumen, die man offenbar stehen gelassen hatte, als der Ort vor Jahren neu gebaut wurde. Studenten bewegten sich in kleinen Gruppen zu den großen Hörsälen, ihre Stimmen leise in der frühen Luft. Ich behielt meinen Ausdruck ruhig und meine Schritte gleichmäßig. Das Feuer unter meiner Haut ruhte still und bereit, so wie es seit meinem siebzehnten Lebensjahr war, als ich es zum ersten Mal vollständig beherrschte.Mein Vater hatte angeboten, mich hinein begleiten. Ich lehnte höflich ab. Manche Schwellen musste man allein überschreiten.Das Hauptverwaltungsgebäude roch nach polierten Böden und frischem Kaffee. Ich holte meinen Stundenplan am Empfang ab und suchte die Zimmernummer für das fortgeschrittene Semina

  • FUNKE DES ZWEITEN LEBENS    Kapitel Zwei

    Die Tage nach meinem neunzehnten Geburtstag vergingen in einer seltsamen, schwebenden Stille.Ich bewegte mich mit sorgfältiger Aufmerksamkeit durch das Crowley-Haus, als könnten die Wände selbst das zweite Leben spüren, das nun vollständig in mir wach war. Das Morgenlicht fiel in denselben Mustern über die Holzböden wie immer. Der Duft von Kaffee und Toast stieg zur gleichen Stunde aus der Küche auf. Die Schritte meiner Mutter blieben leise und gemessen. Und doch fühlte sich alles geschärft an, durchzogen von dem Wissen, dass ich nicht mehr nur das Mädchen war, das in diesen Räumen aufgewachsen war.Ich begann früher aufzustehen als der Rest des Haushalts. In der grauen Stunde vor der Dämmerung stand ich am Fenster meines Zimmers und beobachtete, wie die ersten dünnen Lichtstreifen die Dächer der Stadt berührten. Veyra breitete sich unter mir in vertrauten Schichten aus Glas und Beton aus, der ferne Hafen ein dumpfes Silberband am Horizont. Die Stadt wirkte gewöhnlich, unverändert, w

  • FUNKE DES ZWEITEN LEBENS    Kapitel Eins

    Die Träume verfolgten mich seit meinem zehnten Lebensjahr.Sie kamen in zerbrochenen Stücken – niemals ganz, niemals klar. Ein Aufblitzen von tiefrotem Haar, das nicht mein eigenes war. Das Geräusch von Donner, der zu nah wirkte, um natürlich zu sein. Die Stimme eines Mannes, die einen Namen rief, den ich nicht erkannte. Kaltes Stein unter meinem Rücken und der plötzliche Geschmack von Blut. Ich wachte mit rasendem Herzen auf und dem verblassenden Gefühl, etwas Unermessliches verloren zu haben, doch bis zum Morgen war das Gefühl wie Nebel zerronnen.Meine Eltern glaubten, es seien lediglich die Alpträume eines empfindsamen Kindes. Ich lernte, sie für mich zu behalten.Am Morgen meines neunzehnten Geburtstags hörten die Träume auf, Fragmente zu sein.Ich erwachte vor der Dämmerung, und das volle Gewicht eines anderen Lebens brach über mich herein. Jeder Augenblick kehrte mit vollkommener Klarheit zurück. Das formelle Fest, bei dem ich zum ersten Mal einen großen, zurückhaltenden Mann m

더보기
좋은 소설을 무료로 찾아 읽어보세요
GoodNovel 앱에서 수많은 인기 소설을 무료로 즐기세요! 마음에 드는 작품을 다운로드하고, 언제 어디서나 편하게 읽을 수 있습니다
앱에서 작품을 무료로 읽어보세요
앱에서 읽으려면 QR 코드를 스캔하세요.
DMCA.com Protection Status