MasukDies ist eine Gestaltwandler-Welt, in der Drachen, Lykaner und Menschen in getrennten Regionen nebeneinander existieren. Drachen und Lykaner können menschliche Gestalt annehmen. Seit Jahrhunderten befinden sich Drachen und Lykaner im Krieg miteinander. Später griffen die Menschen ein und übernahmen die Rolle von Vermittlern. Deshalb erließ die Mondgöttin ein Gesetz, das besagt, dass die Könige der Lykaner und Drachen sich mit menschlichen Frauen paaren müssen, um die Entstehung mächtiger Hybriden zu verhindern. Eine Prophezeiung sagt voraus, dass eine menschliche Frau beide Völker durch ihr Kind vereinen wird.
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„Mutter, bitte! Mutter, tu das nicht. Ich flehe dich an, bitte!“ bettelte ich und klammerte mich an ihr Bein, während ich mich weigerte loszulassen. Meine Augen brannten von den Tränen, die unaufhörlich über meine Wangen liefen. Meine Brust fühlte sich so eng an, dass jeder Atemzug meine Lungen schmerzte, und mein Herz schlug schwer, als würde meine Brust es zerquetschen. Trotzdem versuchte ich weiterzusprechen, obwohl jedes Wort meine Kehle verbrannte und schmerzvolle Stöße durch meinen Körper jagte.
„Lass mich los, du dummes Mädchen!“, schrie meine Mutter und trat mehrmals auf meine Hände. „Du bist eine Schande für diese Familie. Nach allem, was ich als deine Mutter für dich getan habe, gehorchst du mir immer noch nicht. Du bleibst herzlos und boshaft. So ein Kind kann ich nicht länger unter meinem Dach dulden.“
Sie packte mich am Kragen meines Hemdes und riss so heftig daran, dass meine Fingernägel ihre Haut zerkratzten, als sie mich von ihren Beinen losriss. Dann schlug sie mir mit voller Wucht ins Gesicht und riss mir das Hemd vom Leib.
„Verschwinde aus meinem Haus, du Monster!“
Sie griff nach dem Koffer auf dem Boden und schleuderte ihn nach mir. Ich hob den Kopf nicht schnell genug. Der Koffer traf mich am Kopf und schleuderte mich auf das raue Pflaster vor dem Haus.
Vor meinen Augen zerbrach die Welt in tausend Scherben. Etwas Warmes lief über meine Stirn und tropfte auf den Boden unter mir. Meine Sicht verschwamm, und die glühende Hitze dieses Nachmittags fühlte sich plötzlich eiskalt an.
Mit zitternden Fingern streckte ich meine Hand nach dem verschwimmenden Bild meiner Mutter aus und flüsterte:
„Ich werde es tun. Ich werde... ich werde Vianne ersetzen. Ich werde... mein Leben an ihrer Stelle riskieren. Bitte... bitte lass mich nicht hier zurück. Bitte verlass mich nicht. Ich bin doch auch deine Tochter.“
Langsam verschwanden die Lichter, und Dunkelheit legte sich über meine Augen. Im letzten Augenblick, bevor ich das Bewusstsein verlor, sah ich, wie meine Mutter sich umdrehte und ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen. Sie hatte mich gehört – dessen war ich mir sicher.
Ich war Gott weiß wie lange bewusstlos. Jedenfalls lange genug, damit meine Mutter eine Krankenschwester holen und meine Wunden versorgen konnte. Als ich wieder aufwachte, waren alle Narben verschwunden.
Ich stellte mich vor den Schminktisch und betrachtete den nackten Körper vor mir. Alle Striemen der Peitsche, alle Schnitte, Blutergüsse und Verletzungen – alles war verschwunden. Fast so, als hätte das Mädchen, das sein ganzes Leben misshandelt und geschlagen worden war, nie existiert.
„Warum stehst du noch da? Zieh das an und beeil dich. Der Konvoi des Drachenkönigs wird jeden Moment hier sein. Er darf keinen Verdacht schöpfen.“
Meine Mutter bellte den Befehl mit gedämpfter Stimme.
Ich nickte und hob die Dessous auf, die sie mir zugeworfen hatte. Ich betrachtete das kleine Stück Stoff in meinen Händen. Ein bitteres Lächeln erschien auf meinen Lippen, gefolgt von einer einzelnen Träne.
„Du bist so erbärmlich, Vienna“, sagte ich leise zu mir selbst. „Du weißt... du weißt genau, was passieren wird, wenn du Vianne in ihrer Hochzeitsnacht ersetzt. Du weißt, was geschieht, wenn du dich diesem Biest als Bettgefährtin anbietest. Aber du wirst trotzdem nicht umkehren, weil du so schwach bist. Sie reden ständig davon, dass du für das büßen sollst, was du deiner Schwester als Kind angetan hast. Aber tief in deinem Inneren weißt du... nichts, was du tust, wird in ihren Augen jemals genug sein.“
„Vienna!“
Der Schrei meiner Mutter riss mich aus meinen Gedanken.
„Es... es tut mir leid. Ich beeile mich.“
Ungeschickt zog ich das kleine Kleidungsstück an. Selbst nachdem ich es angezogen hatte, fühlte ich mich noch immer nackt.
Meine Mutter half mir anschließend in das Kleid. Da ich deutlich schlanker war als Vianne, stopfte sie an mehreren Stellen Polster hinein. Danach übergab sie mich dem Consigliere des Drachenkönigs – mit einem strahlenden, blendenden Lächeln.
Als die Kutsche losfuhr, richtete ich meinen Blick auf das Haus und beobachtete durch das Fenster, wie es immer kleiner wurde.
Ich würde niemals hierher zurückkehren.
Denn heute Nacht würde ich sterben.
Die Menschen im Königreich Medalicia hatten eine uralte Tradition. Immer wenn ein Drachenkönig aus dem Drachenkönigreich Saltore gekrönt werden sollte, nahm er in der Nacht vor seiner Krönung eine menschliche Gefährtin zu sich.
Das Problem war nicht das Ritual selbst.
Das Problem war, dass der Drache eines zukünftigen Königs genau in jener Nacht vollständig erwachte – in derselben Nacht, in der er seiner Gefährtin begegnete. Gelang es ihm nicht, die Bindung mit ihr einzugehen, würde er sie töten.
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MITTERNACHT
DIE DRACHENBURG
Ich zog die Knie an meine Brust und vergrub mein Gesicht in den Armen, während ich mich langsam wiegte wie ein Kind in einer Wiege.
„Ich bin bereit. Ich bin bereit. Ich bin bereit“, sang ich die Worte immer wieder vor mich hin, als wären sie eine Beschwörung, die mir den Mut schenken könnte, der mir fehlte.
Ich versuchte, mich an die Geschichten der Mädchen zu erinnern, die diese Nacht überlebt hatten. Für einen kurzen Moment fühlte sich der Gedanke an sie wie ein Glas kaltes Wasser an, das die Angst in mir löschte.
Doch in dem Augenblick, als die Tür knarrend aufging, verschwand jede Hoffnung.
Mein Herz setzte aus. Ein Zittern durchlief meinen ganzen Körper, ein Zeichen dafür, dass die Angst mit voller Wucht zurückkehrte.
Langsam hob ich den Kopf und richtete meinen Blick auf die Tür.
Dort stand eine Drachenmagd.
Ihre blauen, schlangenartigen Augen blickten mich ausdruckslos an. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Regung.
„Er ist bereit für dich.“
Sie öffnete die Tür weiter.
Ich erhob mich und trat in den Flur hinaus.
Sie hakte ihren Arm in meinen ein. Ihr Griff war nicht besonders fest, und doch fühlte es sich an, als würde sie mich hinter sich her zerren, statt mich freiwillig gehen zu lassen.
Wir bogen in einen langen Korridor ein.
Im selben Augenblick zerriss ein markerschütterndes Brüllen die Stille.
Mein Herz machte einen Satz, und ich taumelte erschrocken zurück.
Die Drachin packte meinen Arm fester und riss mich wieder nach vorne.
Ich verzog schmerzhaft das Gesicht.
„Benimm dich, Mensch“, fauchte sie mit unverhohlener Verachtung.
Zum ersten Mal zeigte sich eine Regung in ihrem Gesicht.
Es war blanke Geringschätzung.
Als würde sie meine Angst verabscheuen.
Als sollte ich stolz darauf sein, gleich zu sterben.
„D... da... das ist doch nicht... e... er... oder?“
Sie verdrehte die Augen und stieß meinen zitternden Körper nach vorne.
Der Korridor war so dunkel, dass ich die Augen zusammenkneifen musste, um überhaupt etwas erkennen zu können.
Als wir näher kamen, tauchten drei Gestalten aus der Dunkelheit auf.
Eine von ihnen hielt bereits eine Tür geöffnet.
Sobald wir davor stehen blieben, ließ die Drachin meinen Arm los und deutete auf den Eingang.
„Geh hinein.“
Ich blickte in den Raum.
Er lag vollkommen im Dunkeln.
Ich schluckte schwer.
„Los rein, du Feigling!“, bellte jemand.
Im nächsten Moment traf mich ein harter Tritt mitten in den Rücken.
Ich verlor den Halt und stürzte zu Boden.
Die Tür fiel mit einem lauten Knall hinter mir ins Schloss.
Hastig versuchte ich aufzustehen.
Genau in diesem Moment hörte ich es.
Das Brüllen des Ungeheuers.
Es erfüllte den ganzen Raum und ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
In Panik sprang ich auf die Beine, riss verzweifelt am Türgriff und schrie:
„Lasst mich raus! Lasst mich raus! Bitte... lasst mich raus!“
Niemand kam.
Meine schwachen Beine gaben nach.
Ich sank auf die Knie, eine Hand noch immer am Türgriff.
Ich zitterte am ganzen Körper, weinte und lehnte meine Stirn immer wieder gegen die Tür.
Hinter mir erklang ein tiefes Grollen.
Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
Der Drachenkönig...
Das Monster...
Er war mit mir in diesem dunklen Raum.
Doch ich wusste nicht, wo genau.
Der Saal war riesig, und ich konnte nichts erkennen.
Meine Hand glitt vom Türgriff und fiel kraftlos auf meinen Schoß.
Vor Schmerz verzog sich mein Gesicht.
Mein Rücken brannte.
Eigentlich schmerzte mein ganzer Körper.
Langsam drehte ich mich um, setzte mich auf den Boden und lehnte den Rücken gegen die Tür, während ich den Kopf hob.
Plötzlich entwich mir ein bitteres Lachen.
Ich wischte mir die Träne von der Wange.
„Wenn du mich töten willst... dann tu es endlich. Es ist mir völlig egal. Ich bin müde... so unendlich müde. Müde davon, ständig gegen alle und gegen alles kämpfen zu müssen.“
Da knackten die Dielen.
Langsam.
Schwer.
Etwas Großes kam direkt auf mich zu.
Wie ein wütender, blutdürstiger Drache.
Ich schloss die Augen und biss mir so fest auf die Lippen, dass ich Blut schmeckte.
Die Schritte kamen direkt vor mir zum Stehen.
Plötzlich spürte ich kalte Hände, die sich um meinen Hals legten.
Ich schnappte nach Luft. Meine Finger zuckten, doch ich brachte den Mut nicht auf, ihn zu berühren.
Er hob mich mühelos vom Boden hoch. Meine Füße baumelten in der Luft.
Das Knurren verstummte für einige Sekunden.
Dann hörte ich etwas anderes.
Seine Stimme.
„Hast du denn keine Angst vor mir?“
Langsam öffneten sich meine Lippen. Sie zitterten noch immer.
Ich holte tief Luft und murmelte:
„Nein... Ich meine... du... du kannst nicht schlimmer sein als all die anderen Menschen in meinem Leben.“
Die Worte schmeckten bitter auf meiner Zunge.
„Ich könnte dich töten.“
„Dann sollte ich dir wohl danken. Wenigstens bist du gnädig genug, mich von meinem Elend zu erlösen.“
Er schwieg.
Statt mit Worten antwortete er mit seinen Händen.
Seine langen, kräftigen Finger strichen sanft durch mein Haar und schoben es aus meinem Gesicht. Anschließend glitten sie über meine Lippen.
Er zog mich näher an sich.
Sein Atem streifte die Haut an meinem Hals.
Ich erschauerte wegen der eisigen Kälte seines Atems.
Er schnupperte an meinem Haar und ließ ein tiefes, überraschend sanftes Knurren hören.
„Du duftest wie nasse Rosen in einem Garten an einem Frühlingsmorgen. Ich frage mich, wie du aussiehst.“
Er schnippte mit den Fingern.
Wie aus dem Nichts erschien eine kleine Kerzenflamme, die über seinem Zeigefinger schwebte.
Er hielt sie vor mein Gesicht und betrachtete mich.
Er selbst blieb weiterhin im Schatten verborgen.
Ich konnte ihn nicht sehen.
„Du bist wunderschön.“
Seine Stimme wurde leiser.
„Ich will dich.“
In dem Augenblick, als mein Fuß über den unebenen Stein schrammte, richtete sich die Aufmerksamkeit des Drachenkönigs auf etwas anderes. Nicht, weil er mich vergessen hatte, sondern weil das Monster bereits zum Angriff übergegangen war. Sein gewaltiger Körper schoss mit erschreckender Geschwindigkeit durch den dichten Rauch. Die riesigen Klauen griffen nach seiner Kehle, während sich sein Maul weit genug öffnete, um einen ausgewachsenen Mann zu verschlingen. Der Drachenkönig reagierte ohne den geringsten Augenblick des Zögerns. Mit nur einer Hand packte er das Vorderbein der Bestie, drehte seinen Körper blitzschnell und nutzte die Wucht ihres eigenen Angriffs gegen sie. Das monströse Wesen krachte mit einem ohrenbetäubenden Knall gegen die Gefängnismauer. Der uralte Stein zerbarst unter der Gewalt des Aufpralls, und dichte Staubwolken verschlangen den gesamten Korridor, während lose Ketten von der Decke wild gegeneinanderschlugen. Noch bevor das Monster sich wieder aufrichten konnte,
Der Blick der goldenen Augen blieb regungslos auf mich gerichtet. Ich hielt den Atem an und konnte nicht erkennen, ob sie einem weiteren Gefangenen oder einer Kreatur gehörten, die tief unter dem Palast lauerte. Ketten rasselten leise, bevor eine große Gestalt in den schwachen Lichtschein trat, der durch das schmale Fenster hoch oben fiel. Seine Kleidung war zerrissen, schwere eiserne Fesseln mit leuchtenden Runen umschlossen seine Handgelenke, und silbernes Haar fiel ihm wirr ins Gesicht. Er wirkte erschöpft, doch gleichzeitig ging eine gefährliche Aura von ihm aus. Seine Augen musterten mich aufmerksam, bevor sich ein schwaches Lächeln auf seine Lippen legte. „Also haben sie sich tatsächlich dazu entschieden, die Gefährtin des Drachenkönigs unter dem Palast einzusperren.“ Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Du weißt, wer ich bin?“ fragte ich vorsichtig. Er lachte trocken. „Der ganze Palast weiß es. Sie wissen nur nicht, dass sie die falsche Frau eingesperrt haben.“ Er lehnte sich ge
VIANNE„Was hast du gesagt?“ Meine Augen weiteten sich, als ich seine Worte hörte. Doch ich war überzeugt, mich verhört zu haben, also fragte ich noch einmal nach.„Ich will dich, Mensch.“ Er ließ mich langsam hinunter, bis meine Füße den Boden berührten, und ließ mich dann los. Meine Knie zitterten. Ich griff zur Seite, um mich irgendwo festzuhalten, doch meine Hände fanden nur Luft. Ich kippte zur Seite.Sofort fing er mich auf und zog mich in seine Arme. Ich keuchte schmerzhaft auf. Ich war auf meiner Seite gelandet. Mutter hatte mich heute genau dort getreten.„Habe ich dir wehgetan?“ Seine Stimme klang beinahe erschrocken.Ich spürte, wie sich seine Arme von hinten um mich legten. Mein Rücken ruhte gegen seine Brust, während die Dunkelheit uns umhüllte. Unsere Atemzüge verschmolzen miteinander, und es fühlte sich an, als würde ein Funke überspringen. Mit jedem Atemzug wurde mir heißer. Sein Körper, sein Herzschlag, die Wärme seiner Haut – all das entfachte etwas tief in mir, etwa
VIENNA„Mutter, bitte! Mutter, tu das nicht. Ich flehe dich an, bitte!“ bettelte ich und klammerte mich an ihr Bein, während ich mich weigerte loszulassen. Meine Augen brannten von den Tränen, die unaufhörlich über meine Wangen liefen. Meine Brust fühlte sich so eng an, dass jeder Atemzug meine Lungen schmerzte, und mein Herz schlug schwer, als würde meine Brust es zerquetschen. Trotzdem versuchte ich weiterzusprechen, obwohl jedes Wort meine Kehle verbrannte und schmerzvolle Stöße durch meinen Körper jagte.„Lass mich los, du dummes Mädchen!“, schrie meine Mutter und trat mehrmals auf meine Hände. „Du bist eine Schande für diese Familie. Nach allem, was ich als deine Mutter für dich getan habe, gehorchst du mir immer noch nicht. Du bleibst herzlos und boshaft. So ein Kind kann ich nicht länger unter meinem Dach dulden.“Sie packte mich am Kragen meines Hemdes und riss so heftig daran, dass meine Fingernägel ihre Haut zerkratzten, als sie mich von ihren Beinen losriss. Dann schlug sie