ログインDas Café war belebt. Touristen, die Espresso tranken, Einheimische, die Zeitung lasen, das ständige Summen französischer Unterhaltungen, das sich mit dem Lärm des Straßenverkehrs mischte.
Ich sass an einem Tisch am Fenster, Vincent neben mir, meine Hände um eine Tasse Kaffee geschlossen, die ich nicht angerührt hatte.
13:58 Uhr.
Noch zwei Minuten, bis Silas eintraf.
Noch zwei Minuten, bis sich alles veränderte.
"All
Die Galerie war all das, was ich mir unter Paris vorgestellt hatte, bevor ich tatsächlich hier lebte.Hohe Decken, weiße Wände, Champagnergläser, die das Licht einfingen, und Menschen, die so gekleidet waren, als wären sie aufgewacht und sähen ganz ohne Anstrengung teuer aus. Ich strich mit der Hand über die Vorderseite meines smaragdgrünen Kleides, die Seide kühl unter meinen Fingern, und erinnerte mich zum vierten Mal an diesem Abend daran, dass ich hierher gehörte. Ich war die Freundin von Vincent Caruso. Ich war eine Studentin an der Sorbonne. Ich hatte 50.000 € auf einem Bankkonto liegen. Ich gehörte genau hierher."Hör auf zu zappeln", sagte Vincent leise, seine Hand fand den unteren Teil meines Rückens, warm durch die Seide hindurch. Er beugte sich so nah heran, dass sein Atem mein Ohr streifte. "Du siehst umwerfend aus, mon cœur. Umwerfender als alles an diesen Wänden.""Sa
Das Café nahe der Sorbonne war vollgepackt mit Studenten. Ich saß an meinem gewohnten Ecktisch, den Laptop geöffnet, Lehrbücher um mich herum verstreut, und versuchte, einen Essay über die Kunstgeschichte der Renaissance zu beenden.Vincent hatte mir geholfen, mich für das Frühjahrssemester einzuschreiben. Er hatte ein paar Strippen gezogen, Gefallen eingefordert und es mir ermöglicht, in Paris tatsächlich zur Uni zu gehen. Eine echte Uni. Kurse, die ich belegen wollte. Ein Leben, das ich gewählt hatte.Mein Telefon vibrierte. Vincent.Vincent: Abendessen um 8? Es gibt ein neues Restaurant im Marais, das ich ausprobieren möchte.Ich: Perfekt. Ich bin hier um 7 fertig.Vincent: Wie kommst du mit dem Essay voran?Ich: Langsam. Es stellt sich heraus, dass französische Kunstgeschichtsprofessoren noch anspruchsvoller sind als amerikanische.Vincent: Du schaffst das schon. Das tust du immer. Ich liebe dich.Ich: Ich liebe dich auch.Ich legte mein Telefon weg und wandte mich wieder meinem E
Ich wachte im Sonnenlicht auf, das durch mir fremde Fenster strömte, und spürte Vincents Arm um meine Taille.Einen Moment lang lag ich einfach nur da und verarbeitete alles. Die letzte Nacht war wirklich geschehen. Ich hatte mit Vincent geschlafen. Ich hatte ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Ich hatte mich entschieden zu bleiben.Heilige Scheiße.Vincent regte sich hinter mir und zog mich näher heran. Sein Mund fand meine Schulter und drückte einen sanften Kuss darauf."Morgen", murmelte er, seine Stimme rauchig vom Schlaf."Morgen.""Bereust du es?"Ich dachte darüber nach. Dachte wirklich darüber nach. "Nein. Du?""Nicht im Entferntesten." Er drehte mich zu sich um. Seine Haare waren zerzaust, seine Augen noch schwer vom Schlaf, und er sah absolut perfekt aus. "Wie fühlst du dich?""Mordsmäßig verängstigt. Aber sicher. Macht das Sinn?""Vollkommenen Sinn."
Ich küsste ihn.Und die Welt stand still.Vincent erstarrte für eine halbe Sekunde, als könne er gar nicht glauben, dass das wirklich geschah. Dann schloss sich seine Hand fest um meine Taille und er erwiderte den Kuss.Nicht sanft, nicht geduldig, nicht einmal auf diese vorsichtige, kontrollierte Art, die ich erwartet hatte.Vincent gab mir alles, was er aufgestaut hatte.Verzweifelt. Hungrig. Er verschlang mich, als hätte er sich so lange zurückgehalten, dass er es nun, da er die Erlaubnis hatte, nicht mehr bändigen konnte.Sein Mund bewegte sich mit einer Intensität gegen meinen, die meine Knie schwach werden ließ. Ich krallte mich in sein Hemd, zog ihn näher, und er stieß ein tiefes Geräusch in seiner Kehle aus, das Hitze durch meinen gesamten Körper jagen ließ.Gott, er schmeckte so gut. Anders als Julian. Anders als Silas. Einfach nach Vincent. Wein und Kaffee und etwas einzigartig Eigenem. Er schmeckte verdammt gut.Seine Hand glitt meinen Rücken hinauf, verfing sich in meinen
Ich lief stundenlang umher.Kein Ziel. Kein Plan. Ich bewegte mich einfach durch Paris, während meine Gedanken sich im Kreis drehten.Silas' Worte hallten immer wieder in meinem Kopf nach. Ich liebe dich. Das wird sich nicht ändern, nur weil du gehst.Julians Stimme von gestern. Ich kann das nicht ohne dich.Vincents leise Ehrlichkeit. Ich bin in dich verliebt.Drei Männer. Drei verschiedene Formen von Liebe. Drei unmögliche Entscheidungen.Ich fand mich in einem kleinen Park wieder, setzte mich auf eine Bank und holte mein Telefon heraus. Ich starrte auf die Banking-App, die fünfzigtausend Dollar anzeigte, die ich nicht erarbeitet hatte – Geld, das eigentlich meine Freiheit erkaufen sollte, aber irgendwie alles nur noch komplizierter machte.Mein Telefon vibrierte. Eine Textnachricht von einer unbekannten Nummer.Unbekannt: Hier ist Thomas. Mr. Kingston hat mich gebeten sicherzustellen, dass Sie
"Nein?", wiederholte Silas."Nein. Ich komme nicht nach Hause. Nicht heute. Vielleicht nie wieder."Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. "Wegen ihm?" Er sah Vincent an. "Weil er dich davon überzeugt hat, dass Freiheit mit ihm besser ist als Sicherheit mit mir?""Weil ich eine Woche ohne deine Kontrolle gelebt habe und endlich wieder atmen kann. Vincent hat mich von gar nichts überzeugt. Er hat mir nur Raum gegeben, um mich daran zu erinnern, wer ich bin.""Und wer bist du, Elena?" Silas' Stimme war jetzt kalt. "Ohne mich. Ohne Julian. Ohne das Leben, das wir dir gegeben haben. Wer bist du?"Ich sah ihm in die Augen. "Das finde ich immer noch heraus. Aber ich weiß, dass ich nicht mehr dein Eigentum bin."Silas stand abrupt auf. Sein Stuhl scharrte über den Boden. "Das ist ein Fehler. Du wirfst alles weg, was wir aufgebaut haben, für irgendeine Fantasie von Unabhängigkeit, die nicht anhalten wird. Vincents Wohlstand, sein Lebensstil, seine Geduld mit dir, das alles ist an Bedingungen






