Se connecterKapitel 4:
`Die Mappe, die Victor auf seinem Schreibtisch liegen gelassen hatte, war ein Köder, und Katelyn hätte sie fast direkt zurück ins sichere Haus gebracht.`
Die Suite war kalt, als Lisa eintrat. Hier war sie Katelyn. Neues Gesicht. Neuer Name. Neues Schweigen.
Victor stand am Fenster. Mit dem Rücken zu ihr.
„Du bist zurückgekommen“, sagte er, ohne sich umzudrehen.
„Katelyn“ schloss die Tür. „Du hast gesagt, gleiche Zeit.“
Er drehte sich um. Seine Augen waren scharf. Nicht warm. Abschätzend.
„Ich habe letztes Mal etwas ausgelassen“, sagte er. „Auf dem Schreibtisch. Hast du es gesehen?“
Lisa hielt ihr Gesicht regungslos. „Ich nehme nicht, was mir nicht gegeben wird.“
Victor ging zu seinem Schreibtisch. Eine schwarze Ledermappe lag dort. Sterling-Wappen. Ungeöffnet.
„Dann macht es dir nichts aus, sie jetzt mitzunehmen“, sagte er. „Interne Notizen. Du hast gesagt, du bist hier, um zuzuschauen. Schau dir das an.“
Lisa bewegte sich nicht darauf zu. „Warum jetzt?“
„Weil Männer wie ich Frauen nicht vertrauen, die nur zuschauen“, sagte Victor. „Wir testen sie.“
Sashas Regel war in ihrem Kopf. Keine Akten. Keine Taschen. Kein Papier.
Lisa lächelte. Klein. Kontrolliert. „Ich bin nicht wegen deiner Bücher hier, Mr. Sterling. Ich bin wegen dir hier.“
Das hasste er. Sie konnte es sehen. Männer wie er mussten sich in Kontrolle fühlen. Wenn jemand nicht beeindruckt war, drängten sie härter.
„Nimm sie“, sagte er. „Oder geh.“
Lisa schaute auf die Mappe. Dann auf ihn. „Ich gehe.“
Sie drehte sich zur Tür.
„Warte“, sagte er.
Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um.
„Du bist anders“, sagte er. „Du bist nicht zusammengezuckt. Du hast nicht gegriffen. Das bedeutet, du bist entweder leichtsinnig oder hast einen Plan.“
Lisa drehte sich nun um. „Vielleicht beides.“
Sie ging.
__ __ __
*Sicheres Haus. 02:17 Uhr.*
Sasha stand bereits, als Lisa eintrat.
„Leere Hände“, sagte Lisa, bevor Sasha sprechen konnte. Sie hob beide Handflächen. „Keine Mappe. Keine Tasche. Kein Papier.“
Sasha scannte sie mit einem Detektor. Nichts piepte.
„Gut“, sagte Sasha. „Was ist passiert?“
„Er hat mich getestet“, sagte Lisa. „Er hat eine Mappe liegen lassen. Sagte, es seien interne Notizen. Hat mir gesagt, ich soll sie nehmen.“
Sashas Kiefer spannte sich an. „Köder.“
„Genau“, sagte Lisa. „Wenn ich sie genommen hätte, hätte er gewusst, dass ich nicht nur Katelyn bin.“
Sasha setzte sich. „Er ist nicht dumm.“
„Nein“, sagte Lisa. „Und er ist Liliths Vater. Er würde nie gegen sie arbeiten.“
Sasha nickte. „Also schützt er seine Tochter, statt uns zu helfen. Er kennt dich nicht. Er kennt das Baby nicht. Für ihn bist du nur Katelyn, die versucht, ihm nahe zu kommen.“
Lisa atmete aus. „Das macht ihn gefährlicher. Er wird alles Ungewöhnliche direkt an Lilith melden.“
Sasha schrieb es auf. „Also hören wir auf, nach Akten zu drängen. Wir drängen aufs Reden. Er redet, wenn er wütend oder stolz ist. Mach ihn stolz auf Katelyn.“
Lisa setzte sich schwerfällig. „Ich hätte sie fast genommen. Ich wollte Beweise.“
„Beweise bringen dich um“, sagte Sasha. „Katelyn hält dich am Leben.“
Sashas Telefon summte. Sie schaute auf den Bildschirm. Ihr Gesicht veränderte sich.
„Was?“, fragte Lisa.
Sasha drehte das Telefon.
Unbekannte Nummer.
`Sie wissen, dass Katelyn nicht die ist, die sie vorgibt.`
Lisa wurde kalt.
„Es ist dieselbe Nummer“, sagte Sasha. „Die, die Williams nach der Hochzeit bekommen hat.“
Lisa starrte darauf. Sie wissen, dass Katelyn nicht die ist, die sie vorgibt.
Nicht Victors Ton. Zu sauber. Zu sicher.
„Lilith“, sagte Lisa.
„Oder jemand, der beide Seiten beobachtet“, sagte Sasha.
Lisa stand zu schnell auf. Der Raum kippte. „Wissen sie vom Baby?“
„Wir wissen es nicht“, sagte Sasha. „Aber wir müssen jetzt davon ausgehen.“
Lisa ging ins Nebenzimmer. Das Baby schlief in einem Stubenwagen. Kleine Fäuste geballt. Sicheres Haus. Verbände an der Wand. Das neue Gesicht auf der Kommode.
Sie berührte die Decke.
„Ich sollte tot sein“, flüsterte sie. „Das war der Vorteil.“
Sasha kam hinter sie. „Das ist es immer noch. Wenn sie Katelyn verdächtigen, sind sie nachlässig. Wenn sie Lisa kennen, sind sie gnadenlos.“
Lisa drehte sich um. „Dann gehen wir klüger vor.“
Das Telefon summte erneut. Dieselbe Nummer.
`Er sucht nach dir, Lisa.`
Lisas Blut gefror. Nicht Katelyn. Lisa.
„Er weiß es“, sagte sie.
„Williams“, sagte Sasha.
Lisa schloss die Augen. Gott. Er sucht nach mir.
Sie erinnerte sich an die Gasse. Die Gestalt am Ende. Groß. Breite Schultern. Sie hatte gedacht, er sei es. Sasha hatte gesagt, niemand sei gekommen.
Vielleicht war er doch da. Vielleicht zu spät.
Das Telefon summte ein drittes Mal.
`Warte.`
Lisa schaute Sasha an.
„Nicht“, sagte Sasha schnell. „Antworte nicht. Wenn das Williams ist, kann Lilith es zurückverfolgen. Wenn das Lilith ist, will sie, dass du in Panik gerätst.“
Lisas Daumen schwebte darüber.
Warte.
Ein Wort. Von ihm. Oder an ihn.
Sie sperrte das Telefon und legte es mit dem Bildschirm nach unten.
„Ich antworte nicht“, sagte sie. „Noch nicht.“
Sasha nickte. „Gutes Mädchen.“
Aber Lisas Herz raste. Denn zum ersten Mal seit der Gasse suchte jemand, der ihren echten Namen kannte.
Und wenn Williams suchte, war er nah.
Zu nah.
__ __ __
*Kingston-Anwesen. Dieselbe Nacht.*
Williams saß in seinem Büro. Der Hochzeitsanzug war noch an. Jacke aus. Krawatte locker. Der Ring an seinem Finger fühlte sich an wie eine Last, die er nicht gewählt hatte.
Liliths Stimme war vor einer Stunde den Flur hinunter verhallt. Williams. Kommst du ins Bett?
Er hatte nicht geantwortet.
Er konnte nicht.
Auf dem Schreibtisch leuchteten drei Dinge. Ein Laptop. Ein unberührtes Glas Whiskey. Sein Telefon.
Das Telefon zeigte eine gelöschte Nachricht.
`Sie lebt.`
Er hatte sie in der Hochzeitsnacht gelöscht. Er löschte sie jede Nacht seitdem.
Aber er hatte das Video nicht gelöscht.
Er drückte Play.
*Sicherheitsfeed. Gassenkamera 03. Vor zwei Wochen. 01:42 Uhr.*
Regen. Dunkel. Eine enge Gasse hinter einer geschlossenen Klinik.
Zwei Männer zerrten eine dritte Person zwischen sich. Die dritte Figur war schlaff. Kopf gesenkt. Nasses Haar.
Ein riesiger Mann mit schwarzer Maske. Einige Schläger. Und ein weiterer Mann, den Williams nicht kannte.
Sie ließen sie nahe bei einem Müllcontainer fallen. Der Mann in der schwarzen Maske trat sie einmal. Sagte etwas. Dann gingen beide Männer weg.
Die Gasse war zwanzig Sekunden leer.
Dann trat eine vierte Figur vom anderen Ende ein.
Groß. Breite Schultern. Nasse Jacke.
Die Figur blieb stehen. Schaute hinunter.
Die Kamera war hoch. Der Regen war stark. Das Gesicht war verschwommen. Keine Merkmale. Keine Klarheit. Nur Form und Bewegung.
Aber die Art, wie die Figur stand. Wie der Kopf sich neigte. Das Zögern, bevor sie wegging.
Williams’ Brust zog sich zusammen.
Er hatte dieses Zögern hundertmal gesehen. In Sitzungssälen. Auf Parkplätzen. Im Dunkeln vor Lisas Wohnung.
Er drückte Pause.
Die Figur auf dem Bildschirm war nicht klar. Konnte es nicht sein. Die Gasse war vor dem sicheren Haus passiert. Vor der Operation. Vor Katelyn.
Lisa hatte noch kein neues Gesicht. Sie hatte noch nichts.
Das war sie. Davor.
Gott, flüsterte er.
Er lehnte sich zurück. Seine Hände zitterten.
„ Könnte das wirklich ein Zeichen oder ein Hinweis sein, was könnte das bedeuten“
Die Gasse sagte etwas anderes. Jemand war gekommen. Jemand hatte sie gesehen.
Und hatte sie dort liegen lassen.
Warum?
Das Glas klirrte, als er es abstellte.
Sein Telefon summte.
Lilith.
`Wo bist du.`
Er antwortete nicht.
Er spulte erneut zurück.
Figur tritt ein. Bleibt stehen. Schaut hinunter. Geht weg.
Verschwommen. Unklar. Aber es sah aus wie sie.
Sein Telefon summte erneut.
Unbekannte Nummer.
Lisa`
Er atmete nicht.
Er schaute auf die Nachricht. Dann auf den Bildschirm.
Er tippte. „Wer ist da?“.
Keine Antwort.
Er tippte. Wo ist sie?
Keine Antwort.
Er löschte beide.
Lilith erschien im Türrahmen.
Immer noch am Arbeiten, fragte sie.
Williams schloss den Laptop. Ja.
Sie kam herein. Setzte sich auf seinen Schreibtisch. Du bist distanziert.
Ich bin fokussiert, sagte er.
Du lügst, sagte sie. Mir. Dir selbst.
Er schaute sie an. Was willst du, Lilith.
Ihr Lächeln war dünn. Ich will, dass du anwesend bist. Ich will, dass du loyal bist. Ich will, dass du aufhörst, Geistern nachzujagen.
Das tue ich nicht, sagte er.
Dann beweise es, sagte sie. Geh heute Nacht zu meinem Vater. Sorg dafür, dass er dir vertraut. Er ist misstrauisch gegenüber neuen Leuten um ihn herum. Er hat eine Frau namens Katelyn erwähnt.
Williams erstarrte.
Katelyn, wiederholte er.
Ja, sagte Lilith. Sie kommt ihm nahe. Finde heraus, wer sie ist. Wenn sie eine Bedrohung für uns ist, entferne sie.
Sie ging.
Williams öffnete den Laptop wieder.
Sterling-Akten. CFO. Schmiergeld. Aufnahmen.
Und Gassenkamera 03.
Man schickte ihn, um die Frau zu untersuchen, die jede Nacht seinen Namen in ihrem Kopf trug.
Wenn Katelyn Lisa war, würde Victor sie niemals preisgeben. Er vergötterte Lilith. Er würde ihre Tochter um jeden Preis schützen.
Wenn Katelyn nicht Lisa war, jagte er einem Geist hinterher.
Er nahm sein Telefon.
Kein gespeicherter Kontakt für die unbekannte Nummer.
Er tippte ein Wort.
`Warte.`
Er drückte Senden.
__ __ __
*Sterling-Suite. 23:47 Uhr.*
Victor war allein. Trank. Keine Musik. Keine Gäste.
Die Tür öffnete sich.
Williams.
Victor stand nicht auf. Liliths Ehemann.
Williams schloss die Tür. Deine Tochter hat mich geschickt.
Victor lachte. Natürlich hat sie das. Sie ist beschützend.
Sie macht sich Sorgen wegen Katelyn, sagte Williams.
Victors Gesicht wurde weich, als er den Namen hörte. „Katelyn“, sagte er. „Sie ist anders. Sie will mein Geld nicht. Sie schaut zu. Sie hört zu.“
Williams musterte ihn. Du magst sie.
„Sie erinnert mich an meine Tochter, als sie jung war“, sagte Victor. „Scharf. Still. Sie zuckt nicht zusammen.“
Williams sagte nichts.
Victor lehnte sich vor. „Lilith denkt, sie sei eine Bedrohung. Das ist sie nicht. Sie ist einfach eine Frau, die gesehen werden will.“
„Sie könnte gefährlich sein“, sagte Williams.
„Das könnte sie“, sagte Victor. „Aber sie arbeitet nicht gegen meine Tochter. Niemand fasst Lilith an. Nicht, solange ich atme.“
Williams’ Telefon summte in seiner Tasche.
Unbekannte Nummer.
`Warte.`
Er bewegte sich nicht.
Victor sah es. Etwas stimmt nicht.
Williams trat zurück. Wir sind fertig.
Victor runzelte die Stirn. „Du bist nicht wegen Geschäften hier. Du bist wegen ihr hier.“
Williams ging.
Er drängte Victor nicht.
Er erwähnte Lisa nicht.
__ __ __
*Sicheres Haus. 00:14 Uhr.*
Lisas Telefon summte.
Dieselbe Nummer.
`Warte.`
Sie starrte darauf.
Sasha sah es. Nicht.
Lisas Daumen schwebte.
Er war bei Victor, sagte sie. Genau jetzt.
Woher weißt du das, fragte Sasha.
Weil er „warte“ gesagt hat, sagte Lisa. Und Lilith hat ihm gesagt, er soll Katelyn überprüfen.
Sasha packte ihr Handgelenk. Wenn du antwortest, enttarnst du Katelyn. Wenn du hingehst, enttarnst du dich selbst.
Lisa schaute zum Baby. Schlafend. Sicher. Vorerst.
Sie legte das Telefon weg.
Ich antworte nicht, sagte sie. Noch nicht.
Aber ihr Herz pochte.
Denn Williams war geschickt worden, um Katelyn zu untersuchen.
Und Victor vergötterte Lilith. Er würde sie niemals verraten.
Das bedeutete, Williams war allein damit.
Und er war nah.
Zu nah.
Kapitel 37:_DANIELS SICHT_Das Auto war schon zwanzig Minuten unterwegs, bevor mir aufgefallen ist, wie fest ich das Lenkrad gehalten habe, und ich habe mir eingeredet, dass es daran liegt, dass ich schlecht geschlafen habe und nicht daran, dass sich irgendwas in der Luft verändert hat, in dem Moment, in dem wir Millerton hinter uns gelassen haben.Katelyn saß auf dem Beifahrersitz mit Evelyn, die in der Trage an ihrer Brust geschlafen hat, die wir in der Woche gekauft haben, in der sie geboren wurde, und die Stille im Auto war nicht die Art von Ruhe, die gut tut, weil sie voll war mit allem, was wir nicht gesagt haben.Die Nachricht war um 6:47 Uhr gekommen, fünf Minuten nachdem wir losgefahren sind, und obwohl Katelyn sie mir nicht sofort gezeigt hat, habe ich gesehen, wie sich ihr Gesicht verändert hat, als sie draufgeschaut hat, und ich habe gesehen, wie ihr Daumen über dem Display gez&o
Kapitel 36: _LILITHS SICHT_Die Nachricht ging um 6:42 Uhr raus. Ich habe auf den Bildschirm gestarrt, bis unter der Nachricht _Zugestellt_ stand, und ich habe nicht geatmet, bis der Zeitstempel fest da war. Mit der anderen Hand habe ich Kaffee in den angeschlagenen Becher gegossen, den ich immer links auf dem Schreibtisch stehen habe, und ich habe kein einziges Mal vom Handy weggeschaut. Es kam keine Antwort. Genau das hatte ich erwartet. Eine Antwort hätte bedeutet, dass Williams noch die Kontrolle hat, und ich brauchte, dass er glaubt, er hätte sie nicht mehr.Es ging nicht um ein Gespräch. Es ging darum, Bewegung reinzubringen. Es ging darum, Williams und Katelyn aus ihrem ruhigen Haus in der Old Mill Road rauszutreiben, bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnten, was es heißt zu fliehen. Angst funktioniert am besten, wenn sie in kleinen Stücken kommt und sich Schicht für Schicht zu einer Mauer auftürmt.Ich habe die Tasse abgestellt und die Akte zu mir gezoge
Kapitel 35:_KATELYNS SICHT_Der erste warme Tag im April riecht nach feuchter Erde und neuen Blättern.Es ist 9:14 Uhr.Evelyn ist neun Monate und einen Tag alt.Sie zieht sich am Couchtisch hoch und lässt absichtlich Dinge fallen, um zu sehen, ob wir sie aufheben.Williams telefoniert im Gästezimmer. Tür zu.Ich falte Wäsche auf dem Sofa.Das Telefon klingelt.Nicht das Handy in der Schublade.Das Festnetz.Wir haben es im Februar installieren lassen. „Für Notfälle“, hat Williams gesagt. „Für Mrs. Alden.“Es klingelt fast nie.Ich will nicht rangehen.Dann klingelt es nochmal.
Kapitel 34:_KATELYNS SICHT_Das Haus riecht jetzt nach Rosmarin.Es ist 6:52 Uhr.Ende September. Die Luft, die durchs offene Fenster kommt, ist kühl genug für einen Pullover.Williams steht draußen mit Evelyn auf dem Arm und gießt den Ahorn.Sie ist acht Monate und vier Tage alt.Sie zieht sich am Zaun hoch. Sie sagt „da“, wenn sie Vögel sieht.Sie hat einen Zahn. Unten links.Irgendwann um den vierten Monat herum haben wir aufgehört, die stillen Tage zu zählen.Das Telefon liegt im Schrank.Die Schlösser haben wir im Juli einmal kontrolliert und seitdem nie wieder.Keine Anwälte von Mercer Holdings.Keine Presse.&n
Kapitel 33:_LILITHS SICHT_Das Waschbecken tropft um 3:06 Uhr.14 Sekunden.Ich bin wach.Ich bin wach, seit Block C mir beigebracht hat, dass Schlaf ein Luxus ist für Leute, die den Raum nicht beobachten müssen.Heute ist Dienstag.Dienstag bedeutet Wäscherei.Dienstag bedeutet das dritte Buch.Ich falte die neue Decke, die Marisol mir gegeben hat, und lege sie ans Fußende meiner Pritsche. Dunkelblau. Dick. Bezahlung dafür, dass die Zahlen stimmen.Tasha schläft noch. Sie schnarcht einmal, dreht sich um und wird wieder still.Ich nicht.Ich stehe auf. Der Beton ist kalt durch meine Socken.Ich setze mich an den kleinen Tisch und hole das Papier unte
Kapitel 32:_KATELYNS SICHT_Es ist 7:14 Uhr.Sonne fällt durch die Küchenfenster, Staub tanzt im Licht.Williams steht am Herd, in dem alten Flanellhemd, das ich ihm vor drei Jahren wegwerfen wollte, und Mehl klebt an seinen Händen.Unsere Tochter schläft im Stubenwagen neben dem Tisch.Sie ist drei Monate und elf Tage alt.Wir haben ihr noch keinen Namen gegeben.Nicht, weil wir uns nicht entscheiden konnten.Sondern weil wir auf einen Tag gewartet haben, der sich danach anfühlt.Und heute fühlt es sich so an.„Heute passiert nichts“, sagt Williams, ohne vom Herd aufzusehen, als hätte er meine Gedanken gelesen.„Nichts“, sage ich.&nbs







