LOGINKapitel 30:_LILITH POV_Der Beton ist kalt an meinem Rücken.Block C. Einheit 4. Zelle 12. 2:14 Uhr.Tasha schnarcht. Das Waschbecken tropft. Alle 14 Sekunden.Eigentlich dürfte ich nicht daran denken.Im Hausrecht steht: _Konzentrieren Sie sich auf die Gegenwart. Resozialisierung. Nach vorn blicken._Aber mein Kopf macht nicht mehr, was man ihm sagt. Nicht um 2:14 Uhr.Und heute Nacht geht er zurück.---_Mit 6. Mercer House. Winter._Das Haus war groß. Zu groß.Weiße Säulen. Schwarze Tür. Eine Einfahrt, für die man drei Minuten gebraucht hat.Mein Vater nannte es „eine Anlage“. Meine Mutter nannte es „Zuhause&ld
Kapitel 29:_WILLIAMS POV_Das Board-Meeting begann an einem Donnerstag um neun Uhr.Um viertel nach neun dachte ich schon an Pfannkuchen.Nicht an die Sorte, über die man in der Firma redet. Nicht an dieses „Lass uns in Q3 nochmal auf die Prognosen schauen“-Gerede.Ich dachte an die angebrannten, schiefen Dinger, die Aurora auf ihrem Hochstuhlbrett verschmiert. An die Sorte, die Katelyn macht und dabei schief singt.Daniel hat es als Erster gemerkt.„Du hörst gar nicht zu“, sagte er und beugte sich zu mir rüber.„Doch, ich höre zu“, sagte ich.„Du guckst auf deine Uhr.“„Alte Gewohnheit.“Der CFO redete über Expansion. Neue Büros. Neue Üb
Kapitel 28:_KATELYN POV_Der Babyphone knistert um 2:17 Uhr.Kein Schrei. Nur ein Geräusch. Ein kleines Schnaufen. Als würde sie träumen.Ich setze mich schon auf, bevor Williams sich überhaupt umdrehen kann.„Ich geh zu ihr“, flüstere ich.Er brummt, mit einem Arm über den Augen. „Liebe dich.“„Ich dich auch.“Ich gehe barfuß den Flur entlang. Das Haus liegt im Dunkeln, nur das Mond-Nachtlicht in Auroras Zimmer wirft einen schwachen Schein.Sie ist jetzt 14 Monate alt. Lockiges Haar klebt ihr schweißnass an der Stirn. Ein Söckchen an, das andere fehlt, wie immer.Als sie mich sieht, lächelt sie. Dieses ganze-Körper-Lächeln, das direkt aus ihren Augen ko
Kapitel 27:_LILITH POV_Das Erste, was dir niemand über das Gefängnis sagt, ist der Geruch. Nicht dieser Film-Geruch. Nicht Schweiß und Bleichmittel. Es ist Metall. Kaltes Metall und alte Farbe und darunter noch etwas, wie nasses Papier, das zu lange irgendwo gelegen hat. Es setzt sich in die Haare. In die Klamotten. Hinten in den Rachen. Das Zweite, was dir niemand sagt, ist, wie laut die Stille sein kann. Ich sitze auf einer dünnen Matratze, die ein Bett sein soll. Mein Rücken lehnt an Beton, der aussieht wie die Farbe alter Zähne. Die Zelle ist zwei mal zweieinhalb Meter. Ich hab sie mit den Augen ausgemessen, in dem Moment, in dem sie die Tür hinter mir zugeschlagen haben. Ein Bett. Eine Toilette ohne Deckel. Ein Waschbecken, das alle 14 Sekunden tropft. Ich hab’s gezählt. 20 Jahre. Die ersten 10 ohne Bewährung. Der Richter hat es vorgelesen, als wäre es eine Einkaufsliste. Lilith Mercer. Schuldig in allen Anklagepunkten. Betrug. Unterschlagung. Verschwörung. Be
Kapitel 26:*KATELYN POV*Die Nachricht kam um 9:03 Uhr an einem Dienstag. Ich weiß das, weil mein Handy anging und einfach nicht mehr aufgehört hat zu vibrieren. Lilith Mercer. In allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Betrug. Unterschlagung. Verschwörung. Beihilfe. 20 Jahre. Die ersten 10 ohne Möglichkeit auf Bewährung. Auf jedem Bildschirm im Land lief die gleiche Schlagzeile: _WILLIAMS CORP WHISTLEBLOWER-PROZESS ENDET MIT SCHULDIGEM URTEIL._ Und darunter, kleiner gedruckt: _Katelyn Vance als Hauptzeugin genannt._Ich stand in der Küche mit einer Tasse Kaffee, die längst kalt geworden war. Williams war oben bei Aurora. Das Haus war noch immer ruhig. Genau die Art von Ruhe, die wir uns in Kapitel 25 verdient hatten. Mein Daumen schwebte über dem Display. Ein Jahr lang war Lilith der Schatten in jedem Raum gewesen. Die Frau, die in Vorstandssitzungen gelächelt und Papiere unterschrieben hatte, mit denen sie Leute fertiggemacht hat. Die Frau, die mir gesagt hat, ich
Kapitel 25:*KATELYN POV*Der letzte Karton kam um 16:42 Uhr vom Wagen. Ich weiß das, weil ich auf die Uhr gesehen habe. Alte Gewohnheit. Aber diesmal habe ich nicht noch einmal nachgesehen. Das Haus lag eine Stunde außerhalb der Stadt, hinter der letzten Ausfahrt, an der uns früher noch die Werbetafeln von Williams Corp verfolgt hatten. Kein Glas, keine Portiers. Nur Stein, Holz und ein Tor, das mit einem schweren, endgültigen Klicken hinter uns zufiel. Weit weg von der alten Unternehmenswelt. Weit weg von Victor. Weit weg von allem, bei dem ich früher zusammengezuckt bin. „Wer hatte die Idee mit der Veranda rund ums Haus?“, fragte Williams und trug Auroras Babyschale die Stufen hoch. „Ich“, sagte ich. Und ich meinte es auch so. Drinnen roch es nach Farbe und Kiefernholz. Die Dielen knarrten. Die Fenster waren viel zu groß und ließen viel zu viel Licht herein. Es gab eine Küche mit blau gesprungenen Fliesen und einen Garten, der direkt in die Bäume überging. Im Vergle







