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Maya stand mitten im lauten Designraum. Heute war ihr zwanzigster Geburtstag, doch sie empfand keine Freude. Sie hatte große Träume, ihr eigenes Modelabel zu gründen. Doch im Moment war sie nur eine überarbeitete, mittellose Studentin. Ihr wütender Chef drückte ihr eine schwarze Samtjacke auf einem Holzbügel in die Hand.
„Bring das sofort in die Penthouse-Suite“, befahl er. „Sie gehört Julian Vance, also mach bloß keinen Fehler.“ Julian Vance war der reichste Chef der ganzen Stadt. Ihm gehörte das riesige Gebäude, und jeder fürchtete sein kaltes Temperament. Maya schnappte sich die dunkle Jacke und ihren heißen Kaffee. Sie verließ das geschäftige Studio und ging zum gläsernen Aufzug. Eine Minute später öffneten sich die Metalltüren im obersten Stockwerk. Maya trat in einen langen Flur aus weißem Marmor. Sie hielt die Jacke hoch, damit sie nicht auf den sauberen Boden fiel. Sie bog um die scharfe Ecke und prallte gegen eine massive Wand. Doch es war gar keine Wand, sondern ein großer Mann. Der heiße Kaffee spritzte ihr in einem breiten Schwall aus der Hand. Die dunkle Flüssigkeit hatte sein weißes Hemd ruiniert.
Auch die teure graue Weste, die er heute trug, war tief durchnässt. Maya taumelte zurück und blickte fassungslos und stumm auf. Der Mann vor ihr war groß und sehr gutaussehend. Er hatte dichtes, dunkles Haar und eisblaue, zornige Augen. Er blickte auf den großen braunen Fleck auf seiner breiten Brust. Dann sah er ihr mit glühender Wut direkt ins Gesicht.
„Was hast du mir angetan?“, fragte er mit leiser Stimme. Sein Tonfall war so kalt, dass er Wasser zu hartem Eis hätte gefrieren lassen. Maya spürte einen Anflug von Angst.
Doch sie unterdrückte ihn und weigerte sich, jetzt Schwäche zu zeigen. Sie ließ sich bei der Arbeit niemals Schwäche anmerken.
„Ich habe meinen Kaffee verschüttet“, sagte sie und hielt das Kinn hoch.
„Das sieht doch jeder“, erwiderte er giftig. „Wirst du dich dafür entschuldigen, dass du meine teure, maßgeschneiderte Kleidung ruiniert hast?“
Maya kniff die Augen zusammen, als sie seinen arroganten und fordernden Tonfall hörte.
„Sie sind zuerst in mich hineingerannt“, sagte sie zu dem unhöflichen Chef. „Sie kamen viel zu schnell um die Ecke gerast wie ein außer Kontrolle geratener Zug.“
Er funkelte sie an.
Der Mann starrte sie an, als wäre sie eine verrückte Fremde. Niemand hatte es je gewagt, so forsch mit ihm zu sprechen.
„Wissen Sie, wer ich bin?“, fragte er und trat einen Schritt auf sie zu.
„Sie sind jemand, der ein neues, sauberes Hemd braucht“, sagte sie.
Sie drückte ihm die schwarze Samtjacke in seine großen, angespannten Hände.
„Hier ist Ihr maßgeschneiderter Anzug, genau so, wie mein fieser Chef es verlangt hat.“
Sie drehte sich um und ging von dem unhöflichen, gutaussehenden Mann weg.
„Warten Sie einen Moment“, rief er ihr nach und packte ihren nackten Arm.
Er hielt sie fest. Sein Griff war fest, aber nicht so fest, dass es ihr wirklich wehtat. Maya betrachtete seine Hand an ihrem Arm und runzelte nachdenklich die Stirn.
„Lass mich sofort los!“, warnte sie ihn mit einem flammenden Blick. Er ließ seine Hand sinken, trat aber direkt in ihren persönlichen, kleinen Raum.
„Sie schulden mir zehntausend Dollar für dieses Designerhemd“, sagte er mit lässiger Stimme.
Maya stockte der Atem, und sie hustete mehrmals heftig.
„Zehntausend Dollar für ein langweiliges weißes Hemd!“, schrie sie voller Wut. „Sie sind heute wohl völlig von Sinnen, mein Herr.“
„Ich habe heute nicht einmal zehn Dollar auf meinem leeren Konto.“ Der Mann neigte den Kopf und musterte ihr schönes, junges, wütend rotes Gesicht. Ihm fielen ihre billigen Kleider und ihr wuscheliges, dunkelbraunes, kurzes Haar auf.
„Dann werden Sie arbeiten, um Ihre enormen Schulden abzubezahlen“, erklärte er unmissverständlich.
„Ich habe bereits einen Job!“, entgegnete sie dem arroganten reichen Mann. „Ich nähe Kleidung für einen Chef, der mich ständig anbrüllt.“
„Sie arbeiten jetzt für mich“, sagte er mit einem kalten, finsteren Lächeln.
Er zog eine dicke, weiße, saubere und schwere Karte hervor.
Er hielt sie ihr aus seiner großen, sauberen Hand hin. Maya betrachtete die Karte und sah einen bekannten, markanten Namen deutlich lesbar darauf gedruckt. Julian Vance, Geschäftsführer von Vance Global Giant Industries und Wealth Holdings. Maya spürte, wie ihr der Magen umdrehte. Sie hatte gerade den mächtigsten Mann der Großstadt beleidigt. Und seine teure, maßgeschneiderte Kleidung ruiniert. Mit einem einzigen Anruf konnte er ihr Leben zerstören.
„Was soll ich denn für Sie tun?“
„Ich bin Modestudentin, keine Büroangestellte.“ Julian lächelte wieder, und diesmal wirkte sein Lächeln wie eine gefährliche Falle.
„Ich brauche keine Assistentin“, sagte er mit tiefer, dunkler Stimme. „Ich brauche eine Scheinehefrau, um meine wahnsinnig reiche, hochnäsige Familie hinters Licht zu führen.“ Maya starrte ihn fassungslos an und lachte scharf auf.
„Ich soll ab heute so tun, als wäre ich mit dir verheiratet? Du bist verrückt und arrogant, da gehe ich lieber ins Gefängnis.“ Julian kam noch einen Schritt näher, bis er sie überragte.
„Wenn Sie mein großzügiges Angebot ablehnen, können wir Ihnen Gefängnis einräumen. Ich habe den Polizeichef dieser Stadt und die Richter in der Hand. Sie haben bis morgen früh Zeit, meinen strengen Vertrag zu unterschreiben.“
Maya ballte die Fäuste und blickte ihm in seine kalten, stechenden blauen Augen. Sie saß in einem Teufelskreis fest, aus dem es kein Entrinnen gab. Sie sah sein selbstgefälliges Gesicht an und fasste einen kühnen, waghalsigen Entschluss.
„Na schön, ich werde Ihre Scheinehefrau sein“, zischte sie dem arroganten Mann zu. „Aber ich habe meine eigenen, strengen Regeln.“
Julian lächelte, genau in dem Moment, als der ohrenbetäubende Feueralarm losging.
Das junge Mädchen hielt den Bilderrahmen ruhig in ihren kleinen Händen. Ich starrte auf das sich bewegende Bild im Inneren des Rahmens. Mein eigener erwachsener Körper schwebte in einem hohen Glastank, der mit blassblauer Flüssigkeit gefüllt war. Kabel verbanden meinen Kopf mit einem großen schwarzen Computer über dem Tank. Männer und Frauen in dunkelblauen Kitteln bewegten sich um den Sockel herum und tippten auf flachen, leuchtenden Bildschirmen. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich den Blick zwischen dem lebenden Bild und dem Kind hinter dem schweren Eichenschreibtisch hin und her wandern ließ.„Wer bist du?“, fragte ich mit leiser Stimme. „Warum hast du ein Bild von meinem Körper in einem Tank?“Das Mädchen legte den Rahmen vorsichtig auf den Schreibtisch. Dann nahm sie ihren langen Pinsel wieder in die Hand und tauchte die Spitze in eine Schale mit roter Farbe.„Ich bin das erste Versuchsobjekt“, antwortete sie leise. „Ich war das Kind, das vor vierzig Jahren in den Tan
Die kalte schwarze Tinte verschlang das weiche grüne Gras unter meinen Stiefeln. Das warme Sonnenlicht auf meinem Gesicht wurde grau und fahl. Die freudigen Rufe der befreiten Menschen verklangen zu einem dumpfen Echo. Ich starrte auf die blasse Hand, die sich aus der dunklen Erde erhob. Ihre langen Finger hielten einen dicken Papierumschlag. Frisches rotes Blut tropfte von den Rändern herab und tränkte das helle Papier. Mein Name, Maya, war in dunkelroten Buchstaben auf die Vorderseite geschrieben. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel.Ich wollte den Umschlag nicht berühren. Ich wollte mich umdrehen und mit den anderen den grünen Hügel hinunterlaufen. Ich wollte glauben, dass der lange Albtraum endlich vorbei war. Doch die kalte Hand blieb reglos in der wachsenden Pfütze aus schwarzer Tinte stehen. Die dunkle Flüssigkeit breitete sich langsam aus und erreichte die Spitzen meiner Stiefel. Ich wusste, dass das Ignorieren der Botschaft die Gefahr nicht verschwi
Die scharfe goldene Nadel schwebte nur wenige Zentimeter vor meiner Stirn. Ich erstarrte mitten in dem kleinen runden Raum. Mein Herz schlug heftig gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Die klare Flüssigkeit im Glasbehälter wirbelte sanft um das menschliche Gehirn. Tausende winziger Goldfäden pulsierten in einem warmen Licht. Die Stimme aus dem Lautsprecher klang sanft und voller tiefer Liebe. Es war nicht die Stimme der grausamen älteren Frau. Es war nicht die Stimme des Doktors. Es war die Stimme meiner echten Mutter, so wie sie geklungen hatte, bevor die Dunkelheit sie mir genommen hatte.„Beweg dich nicht, mein Kind“, sagte die mütterliche Stimme durch das Lautsprechersystem. „Diese Nadel enthält deine ursprünglichen Erinnerungen. Sie bewahrt die glücklichen Tage, bevor die Maschine unsere Familie auseinandergerissen hat. Lass die goldene Spitze deine Haut berühren. Sie wird deinen umherirrenden Geist wieder mit deinem echten Körper vereinen.“Ich betrachtete die dünne gold
Die riesige eiserne Hand umklammerte uns beide mit ihrem gewaltigen, eiskalten Griff. Die dunklen Metallfinger fühlten sich hart wie massiver Fels an. Ich rang nach Luft, während der Druck meine Rippen zusammenpresste. Neben mir stieß die ältere Maya einen lauten, schmerzvollen Schrei aus. Der Messingschlüssel glitt ihr aus den Fingern und fiel in den dunklen Abgrund unter uns. Wir hingen über dem tiefen Spalt im Glasboden. Weit unter uns drehten sich rote Zahnräder in einem Meer aus glühenden Funken und schwarzem Rauch. Langsam begann die riesige Hand, uns in die finstere Schlucht hinabzuziehen.Ich versuchte verzweifelt, meine Arme aus dem eisernen Griff zu befreien. Der schwere Schraubenschlüssel in meiner Hand prallte gegen den gewaltigen Daumen aus Metall. Ein lauter metallischer Klang hallte durch den riesigen Raum. Doch die gigantische Hand kümmerte sich nicht um meine schwachen Schläge. Unaufhaltsam bewegte sie sich weiter. Ich blickte zu den gewaltigen Säulen hinauf. Aus den
Die Frau mit dem glänzenden Skalpell blickte mich direkt an. In ihren kalten grauen Augen lag keinerlei Wärme. Sie hatte mein Gesicht, doch um ihren Mund zogen sich feine Falten. Sie sah aus wie ich – nur zwanzig Jahre älter. Der riesige Raum war von den durchsichtigen Säulen erfüllt, die ein sanftes blaues Licht ausstrahlten. In der Flüssigkeit schwebten Hunderte Menschen regungslos, mit Kabeln an ihren Köpfen. Ich trat einen Schritt zurück auf den polierten Glasboden. Meine Stiefel erzeugten ein scharfes Klicken, das durch die gewaltige Halle hallte.„Wer bist du diesmal?“, fragte ich sie. Meine Stimme klang klein in der riesigen Halle.Die ältere Frau lachte trocken. Das scharfe Skalpell in ihrer rechten Hand senkte sie nicht.„Ich bin die wahre Maya“, antwortete sie. „Ich bin die Frau, die dieses gesamte System vor dreißig Jahren erschaffen hat. Du bist nur ein neuer junger Klon, der entwickelt wurde, um das Sicherheitsnetz zu testen. David war niemals mein Bruder, und Julian war
Das brennende rote Licht verschlang mein Blickfeld. Der weiche Teppich und der steinerne Kamin verschwanden in der glühenden Hitze. Ich fiel durch einen Strom aus warmroter Flüssigkeit, die sich wie echtes Blut anfühlte. Meine Lungen schnappten nach Luft, doch ich schluckte nur sengende Wärme. Das Lachen des Mannes, der sich David genannt hatte, verklang hoch über mir. Er hatte mein eigenes Vertrauen benutzt, um das Kontrollfeld zu erreichen. Er hatte mich mit einer falschen Kindheitserinnerung getäuscht. Heiße Wut stieg in meiner Brust auf. Ich weigerte mich, ihn dieses letzte Spiel gewinnen zu lassen.Ich trat mit den Beinen und stieß meine Arme durch die rote Strömung. Die Flüssigkeit wurde dünner und heller. Mit einem lauten Platschen durchbrach mein Körper die Oberfläche. Ich stürzte auf einen kalten, harten Boden aus poliertem Beton. Auf dem Bauch liegend hustete ich leuchtend rote Tropfen aus. Sie verwandelten sich in feine Dampfschwaden und lösten sich in der Luft auf. Langsam







