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Die Regeln

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 05:43:17

Der laute Feueralarm ertönte unaufhörlich im weißen Flur. Julian zuckte heute nicht einmal bei dem ohrenbetäubenden Lärm zusammen. Er starrte Maya nur mit seinen kalten blauen Augen an. Mayas Herz hämmerte ihr bis zum Hals. Sie wollte vor diesem mächtigen, reichen Mann fliehen.

Doch sein massiger Körper versperrte ihr den einzigen Fluchtweg. Sicherheitsleute in dunklen Anzügen stürmten aus dem Aufzug. Sie blieben stehen, als sie den mächtigen Boss dort stehen sahen. Ein großer Wachmann ging schnell auf den wütenden Boss zu. Der Wachmann blickte auf den verschütteten Kaffee und schnappte laut nach Luft.

Julian hob die Hand, um den besorgten, großen Wachmann zu beruhigen. Er versicherte ihm, dass alles in Ordnung sei. Nach einigen kurzen, angespannten Minuten verstummte der Alarm. Die plötzliche Stille verstärkte die angespannte Atmosphäre noch. Maya verschränkte die Arme vor der Brust und richtete sich auf.

Sie weigerte sich, diesem reichen Tyrannen ihre Unsicherheit spüren zu lassen. Er wollte sie zu einer Scheinehe zwingen. Sie hatte große Träume, und ein falscher Ehemann war nichts für sie. Doch die Angst vor dem Gefängnis jagte ihr einen Schrecken ein. Er hatte die Macht, ihr Leben im Nu zu zerstören.

Julian deutete auf eine schwere Holztür in der Nähe. Er befahl ihr, ihm in sein riesiges Büro zu folgen. Maya ging hinter ihm her und betrachtete seine breiten Schultern. Der verschüttete Kaffeefleck sah aus wie ein dunkler, hässlicher Stern. Sie war ein wenig stolz darauf, ihn verursacht zu haben.

Das große Büro war kalt und farblos. Es hatte graue Wände und einen riesigen schwarzen Glastisch. Er ließ sich mit einer gewissen Macht in einen großen Ledersessel fallen. Er musterte sie wie ein Raubtier seine Beute. Maya holte tief Luft und hob das Kinn.

Sie weigerte sich, sich vor ihm auf den Stuhl zu setzen. Sie wollte aufrecht stehen und ihre wahre Stärke zeigen. Er zog einen dicken Ordner aus einer Schublade und lächelte. Es war ein kaltes Lächeln, das ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Er warf den Ordner auf die glatte, schwarze Tischplatte.

„Das ist der Vertrag für unsere Scheinehe. Du unterschreibst ihn sofort, sonst gibt es Ärger mit der Polizei.“ Er richtete einen silbernen Stift wie eine Waffe auf sie. Maya starrte auf die weißen Seiten mit der winzigen Schrift. Sie brauchte ihre eigenen Regeln, wenn sie dieses Papier unterschrieb.

Sie legte die Hände flach auf den Schreibtisch und funkelte ihn an. „Wenn ich diesem irren Spiel zustimme, will ich auch etwas. Meine Schulden für das Hemd müssen endgültig beglichen sein. Und du gibst mir Geld für meine Firmengründung.“ Er beugte sich vor und verschränkte die Finger am Kinn.

„Du bist nicht in der Position, jetzt Forderungen zu stellen.“ Sein Tonfall ließ heute keine Diskussion zu. Maya lachte leise auf, ein hohles Geräusch, das im Raum widerhallte. „Du brauchst mich genauso sehr wie ich dich. Deine reiche Familie wird dich zwingen, jemanden noch Schlimmeren zu heiraten.“

Julian kniff die Augen zusammen und tippte einmal mit dem Stift. Er hasste es, dass sie mit ihrer Einschätzung der arrangierten Ehe recht hatte. Seine Eltern wollten, dass er eine langweilige, hochnäsige Society-Lady heiratete. Dieses zornige Fashion-Girl war die perfekte Tarnung für ihn. Niemand würde jemals Verdacht schöpfen, dass ihre Ehe nur vorgetäuscht war.

„Na schön, ich begleiche deine lächerlichen Schulden und stelle dir das Geld zur Verfügung. Aber du musst dich strikt an die Regeln in diesem Ordner halten. Regel eins: Du wohnst in meinem großen Haus. Regel zwei: Du lächelst für die eifrigen Kameras. Regel drei: Kein Küssen oder Anfassen ohne triftigen Grund.“

Maya schnaubte und riss ihm den silbernen Stift aus der Hand. „Ich würde lieber eine widerliche Kröte küssen als dich.“ Mit Nachdruck kritzelte sie ihren Namen in die letzte Zeile. Julian beobachtete ihre feurige Energie und spürte eine seltsame Anziehungskraft. Er hatte noch nie eine Frau mit so viel Temperament getroffen.

„Gut, wir haben eine grundsätzliche Vereinbarung. Du packst deine billigen Taschen heute Abend, nachdem du gegangen bist. Mein Fahrer holt dich morgen früh ab.“ Maya ignorierte seinen unhöflichen Kommentar über ihre abgenutzten Taschen. Sie bekam das Startkapital für ihr Modelabel.

Dieses Geld war der einzige Grund, warum sie das Papier unterschrieben hatte. Sie drehte sich um und ging auf die große Holztür zu. Gerade als sie den schweren Messinggriff berührte, sprach er sie an. „Warte, da ist noch etwas, was du heute unbedingt wissen musst.“ Maya erstarrte und drehte den Kopf zu ihm.

„Wir gehen morgen Abend zusammen auf einen großen, eleganten Ball. Du wirst ein Kleid tragen, das ich dir kaufe. Du musst vor den anderen Gästen wie die Frau eines Milliardärs aussehen.“ Maya spürte, wie ihr Blut unter ihrer angespannten Haut kochte. „Niemand schreibt mir vor, was ich anziehe.

Ich bin Modedesignerin und entwerfe meine Kleidung selbst. Ich werde mein maßgeschneidertes Kleid auf dem Ball tragen.“ Julian stand auf und ging um den großen schwarzen Schreibtisch herum. Er blieb nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht stehen und blickte nach unten. Seine blauen Augen blitzten mit einer dunklen Warnung vor Gefahr auf.

„Du trägst das Kleid, das ich dir gebe, oder du bist ruiniert. Unser Vertrag besagt, dass du die Rolle der Ehefrau spielen musst. Ein billiges, selbstgenähtes Kleid würde mich vor meinen Kollegen blamieren.“ Maya schlug ihm ohne zu zögern ins Gesicht. Der laute Knall hallte wie Donner in dem stillen Raum wider.

Julian berührte seine rote Wange, und seine Augen wurden schwarz. Er packte ihr Handgelenk fest und zog sie an sich. Sie keuchte auf, als ihre Brust gegen seine harte Brustwand prallte. „Tu das nie wieder, sonst wirst du es bereuen.“ Er flüsterte Worte, die ihr einen kalten Schauer über den Rücken jagten.

Sie versuchte, sich loszureißen, doch er hielt sie fest. „Nenn meine Kunst nie wieder billig“, zischte sie. Da bemerkte sie, dass die Tür offen stand und jemand davorstand. Eine Frau in einem roten Kleid stieß einen lauten Schrei aus und starrte sie an. Julian drehte den Kopf, und sein Kinn klappte herunter.

„Wer ist diese atemberaubende, fremde Frau?“

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