INICIAR SESIÓNKapitel 128Zwanzig MinutenJONATHAN (Perspektive)Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Alarm um eine Brandschutzübung. Jemand hatte im zweiten Stock einen Hebel betätigt. Entweder war es Zufall, oder jemand wollte, dass vierzig Beamte auf die falsche Tür starrten.Okoro glaubte ebenso wenig an Zufälle wie ich. Sie nahm die Treppen im Zweierschritt, das Handy ans Ohr gepresst, und bellte Befehle in einem Tonfall, den ich so noch nie von ihr gehört hatte. „Verriegeln Sie den Ostausgang. Rufen Sie die Kamerabilder aller Türen auf dieser Etage ab. Nein, *jetzt*.“ Catalina und ich folgten ihr auf den Flur, wo uniformierte Mitarbeiter die Leute mit der müden Geduld einer Übung, die sie schon hundertmal absolviert hatten, in Richtung Empfangshalle dirigierten.Der Sicherheitsraum war ein fensterloser Kasten hinter der Rezeption; die Wände waren übersät mit Monitoren. Ein Techniker in Hemdsärmeln erhob sich halb, als Okoro hereinkam, und setzte sich wieder, als sie auf seinen Stu
Kapitel 127Wem Okoro Rechenschaft schuldetJONATHAN (Perspektive)Ich folgte ihr nicht sofort. Ein paar Sekunden lang stand ich mit dem Kaffee, der in meiner Hand allmählich kalt wurde, auf dem Flur, lauschte dem Klackern ihrer Absätze, das in Richtung Treppenhaus verklang, und redete mir ein, es sei nichts Besonderes. Eine Ermittlerin, die einem Vorgesetzten Bericht erstattete. Ein Routineanruf.Doch die Nachricht leuchtete noch immer auf meinem Handy, und „Sir“ ist ein seltsames Wort für einen Vorgesetzten, den man seit drei Wochen beeindrucken will.Ich stellte die Tasse auf ein Fensterbrett und folgte ihr.Die Tür zum Treppenhaus fiel gerade ins Schloss, als ich sie erreichte. Ich fing sie mit zwei Fingern ab, bevor sie einrastete, und schlüpfte hindurch, wobei ich meine Schritte auf dem Beton leise hielt. Okoro befand sich ein Stockwerk unter mir; sie stand mit dem Rücken zum Geländer, und ihre Stimme drang flach und hallend – wie es in Treppenhäusern üblich ist – den Schacht hi
Kapitel 126Das TestamentJONATHAN (Perspektive)Detective Inspector Okoro ließ sich Zeit. Sie stand in der nassen Gasse, die geöffnete Akte auf ihren Unterarm gestützt, und ließ die Stille wirken; innerhalb weniger Sekunden begriff ich, dass sie ihre berufliche Laufbahn unter Menschen verbracht hatte, die redeten, nur um Gesprächspausen zu füllen.„Ich erkläre Ihnen kurz die Lage“, sagte sie. „Vor drei Wochen reichte Harold Alderidges Anwalt eine Änderung bezüglich des Begünstigten eines privaten Trusts ein. Die Änderung wurde unter Verschluss gehalten – was ungewöhnlich ist. Zwei Tage später erstattete derselbe Anwalt anonym Anzeige gegen Unbekannt wegen Urkundenfälschung und Erpressung. Deshalb wurde die Abteilung für Finanzkriminalität auf eine Familie aufmerksam, die uns zuvor nie negativ aufgefallen war.“ Sie blätterte um. „Heute Morgen rief Mr. Reyes beim Notruf an und meldete, dass vier Personen einen Tresorraum betraten, in dem eine automatische Löschanlage installiert war. A
Kapitel 125Die Tür unter der TürJONATHAN (Perspektive)Die Stange bog sich, bevor die Naht nachgab.Catalina warf ihr ganzes Gewicht dagegen, ihre Stiefel rutschten auf dem Beton, und ich legte meine Hände neben ihre an den Stahl und zog. Irgendetwas tief in der Wand kreischte – ein Geräusch wie ein rostiges Tor im Sturm –, und ein handbreites Stück der Platte schwang nach außen, an einem Scharnier, das sich seit vierzig Jahren nicht mehr bewegt hatte.Staub quoll aus dem Spalt. Dahinter tat sich ein schwarzes Rechteck auf, und mir schlug ein Geruch entgegen, den ich aus meiner Kindheit kannte: feuchter Stein und alte Rohre.„Es ist echt“, keuchte Catalina. „Es ist ein Tunnel.“*Zwanzig Minuten*, sagte die Decke.Die Kälte aus den Lüftungsschächten nahm zu. Es war noch nicht das Gas, wie mir klar wurde. Der Raum wurde leergepumpt; die Luft wurde in einem langsamen, stetigen Sog abgezogen. Mein Kopf schmerzte, als würde sich ein enges Band um meine Stirn ziehen, und Elena lehnte mit
Kapitel 124Der Bruder, den niemand beerdigteJONATHAN (Perspektive)Drei volle Sekunden lang herrschte vollkommene Dunkelheit. Ich hörte Atemgeräusche, das Scharren von Stoff, das Rutschen eines Schuhs auf Beton. Dann klickte Catalinas Taschenlampe an und warf einen weißen Lichtkegel auf die Stahlschubladen, und die Stimme aus dem Lautsprecher sprach erneut – angenehm und ohne Eile.„Bitte verschwende die Batterien nicht. Du wirst sie noch brauchen.“„Julian“, sagte Vivienne. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch.„Hallo, Viv.“ Echte Wärme schwang darin mit, und genau das war das Schlimmste daran. „Du warst sechs. Du hattest einen Stoffhasen, dem ein Ohr fehlte. Du hast mit ihm unter dem Kinn geschlafen. Ich habe dich oft durch das Fenster des Kinderzimmers beobachtet und gedacht: Sie ist die Einzige in diesem Haus, die nicht weiß, was wir sind.“„Du bist tot“, sagte sie. „Sie haben dich beerdigt.“„Sie haben eine Kiste mit Sand beerdigt, Liebes. Papa war schon immer sparsam mit se
Kapitel 123Der Mann, der weggelaufen warJONATHAN (Perspektive)Die Schritte verstummten. Niemand im Tresorraum wagte zu atmen.Dann tauchte eine Hand am Rand der Stahltür auf – blass und zitternd –, und ein Mann stolperte mit erhobenen Armen ins Licht. Er trug keine Kopfbedeckung, war unrasiert, sein Hemd war am Kragen zerrissen und ein Auge war halb zugeschwollen. Der rechte Ärmel war bis zum Ellbogen hochgeschoben, und an der Innenseite seines Handgelenks sah ich im Lichtkegel von Catalinas Taschenlampe drei kleine blaue Striche.„Daniel“, sagte Vivienne.Sie sprach den Namen aus wie jemand, der etwas benennt, das er im Dunkeln gefunden hat. Ich spürte, wie sie sich neben mir bewegte und dann innehielt, als hätte ihr eigener Körper ihr den Dienst versagt.„Nicht“, sagte Daniel heiser. „Bitte. Ich bin unbewaffnet. Ich bin nicht hier, um irgendjemandem wehzutun.“ Sein gesundes Auge suchte mich, huschte dann aber sofort wieder weg. „Ich versuche schon seit zwei Tagen, Sie zu finden,
Kapitel 5Catalina„Gehen Sie zurück und lassen Sie mich herein. Nur sie kann mich richtig verarzten.“„Boss, Ihr Vater hat uns strenge Anweisungen gegeben. Sie dürfen diesen Flügel nicht ohne Catalinas Erlaubnis betreten.“„Ich bin immer noch der Boss dieses Anwesens. Gehen Sie mir aus dem Weg, be
Kapitel 4Catalina„Catalina? Bitte öffne deine Augen. Sieh mich einfach an. Versuch, dich zu konzentrieren.“Ich öffnete die Augen. Das Erste, was ich sah, war eine blendend weiße Decke. Das gleichmäßige Piepen eines Herzmonitors hallte laut in dem kleinen Zimmer wider. Ich drehte den Kopf leicht
Kapitel 3Catalina„Sie werden nicht schneller zurückkommen, Madam, wenn Sie auf und ab gehen.“Ich blieb stehen und sah Marco an, den Chef der Hauswache. „Ich kann nicht einfach auf dem Sofa sitzen, Marco. Was, wenn der Hinterhalt sie verfolgt hat? Was, wenn Rodrigo gerade mitten im Kreuzfeuer ste
Kapitel 1Catalina„Du musst sofort zum Anwesen kommen, Catalina. Sie lebt.“„Was?“, platzte es aus mir heraus, bevor ich es verhindern konnte. Wer lebte?„Deine Schwester, sie lebt.“Die Stimme meines Vaters klang durch den Telefonlautsprecher so sanft wie seit drei Jahren nicht mehr. Er wartete n







