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Kapitel 4: Die Inspektoren

Author: Aria Stark
last update publish date: 2026-07-01 15:06:31

River und Sage POV

"Ich weiß."

"Was zählt sie herunter?"

"Ich weiß es nicht."

Sie sah mich an. Ihre braunen Augen waren unlesbar. Aber ich sah etwas unter der Oberfläche flackern. Etwas wie Hoffnung.

"Lass mich herausfinden," sagte sie. "Lass mich herausfinden, worauf sie herunterzählt. Und dann werde ich dir sagen, wer ich bin."

"Deal."

Sie hielt die Uhr in ihrer Handfläche. Ihre Finger schlossen sich darum. Sie drückte sie an ihre Brust.

"Danke," sagte ich.

"Wofür?"

"Dass du letzte Nacht nicht zu mir kamst. Ich hätte dich dafür gehasst. Ich lerne noch, dich zu hassen."

"Du hasst mich nicht."

"Sag mir nicht, was ich fühle."

"Du hast recht," sagte ich. "Du wirst es mir sagen. Wenn du bereit bist."

Sie lächelte. Es war klein und zögerlich, aber es war da.

"Partner," sagte sie.

"Partner."

---

Die Inspektoren des Vorstands kommen um zwölf.

Sie kommen ohne Warnung - sechs Männer in dunklen Anzügen, mit Aktenkoffern und Klemmbrettern. Sie bewegten sich wie Raubtiere durch das Penthouse und katalogisierten jedes Detail. Die leeren Zimmer. Die getrennten Betten. Die zwei Kaffeetassen, die einander gegenüber auf der Marmorinsel standen. Die Stille, die wie eine Eisfläche zwischen uns hing.

Ich stand im Türrahmen. Meine Hände waren in meinen Taschen. Mein Gesicht verriet nichts.

"Sage," rief ich. "Besuch."

Sie erschien im Flur. Ihr Gesicht war ruhig. Kontrolliert. Sie ging mit gemessenen Schritten auf mich zu, ihre Absätze klickten gegen den Marmorboden. Sie sah aus wie eine Königin. Sie sah aus, als wäre sie bereit für den Krieg.

"Mr. Gallo," sagte der leitende Inspektor. "Mrs. Gallo. Der Vorstand hat uns geschickt, um die Bedingungen von Vertrag #10 zu überprüfen."

"Was überprüfen?" fragte ich.

"Nachweis der Vollziehung."

Sage erstarrte. Nur für einen Moment. Nur ein Flüstern von Zögern.

"Vollziehung," wiederholte sie. "Ihr wollt einen Beweis, dass wir miteinander geschlafen haben?"

"Der Vertrag erfordert einen Erben. Der Vorstand braucht die Gewissheit, dass die Ehe real ist."

"Sie ist real," sagte ich.

"Dann wird es Ihnen nichts ausmachen, wenn wir nachsehen."

Ich trat vor und stellte mich zwischen Sage und den Inspektor.

"Sie werden sie nicht berühren," sagte ich.

"Ich werde sie nicht berühren. Ich werde die Betten überprüfen."

"Die Betten sind sauber."

"Dann haben Sie nichts zu befürchten."

Der Inspektor ging an mir vorbei. Er betrat das Hauptschlafzimmer. Er überprüfte die Laken. Die Kissen. Die leeren Stellen auf beiden Seiten des Bettes. Er fand nichts. Er betrat mein Zimmer. Er fand dieselbe Leere.

"Zwei getrennte Betten," sagte er. "Zwei getrennte Zimmer. Keine Anzeichen gemeinsamer Schlafanordnung."

"Der Vertrag erlaubt getrennte Zimmer," sagt Sage. "Abschnitt 5, Klausel C."

"Der Vertrag erfordert auch einen Erben. Der Vorstand braucht einen Beweis, dass die Ehe voranschreitet."

"Geben Sie uns Zeit."

"Der Vorstand gibt keine Zeit. Der Vorstand gibt Befehle."

Er griff in seinen Aktenkoffer. Er zog ein Dokument heraus. Ich erkannte das Siegel - das Wappen des Vorstands, gestempelt in Gold und Blutrot.

"Überarbeitete Bedingungen," sagte er. "Der Vorstand erwartet innerhalb von sechs Monaten einen Erben. Wenn kein Erbe gezeugt wird, wird die Ehe annulliert. Mrs. Gallo wird zu ihrem Vater zurückgeschickt und Mr. Gallo verliert seine Position als Don."

Ich spürte, wie das Blut aus meinem Gesicht wich. Mein Imperium. Mein Vermächtnis. Mein Leben. All das - alles, was ich opferte, alles, wofür ich tötete - konnte in sechs Monaten weggenommen werden.

"Das könnt ihr nicht tun," sagte ich.

"Ich kann. Ich tue es. Der Vorstand verlangt einen Beweis für eine echte Ehe. Wenn ihr ihn nicht erbringen könnt, werdet ihr beide die Konsequenzen tragen."

Er reichte mir das Dokument. Meine Hände zitterten - ein Zittern, das ich nicht kontrollieren konnte.

"Sechs Monate," sagte er. "Tick-tack."

Er ging hinaus und die anderen Inspektoren folgten.

Die Tür schloss sich und es war Stille. Sage starrte an die Wand. Ihr Gesicht war bleich und ihre Hände zitterten.

"Sechs Monate," flüsterte sie. "Wir haben sechs Monate."

"Ich weiß."

"Das ist eine Falle. Sie wollen uns zerstören."

"Ich weiß."

"Wenn wir keinen Erben zeugen, verlierst du alles. Dein Imperium. Dein Vermächtnis. Dein Leben."

"Marco," sagte ich.

"Marco?"

"Er steckt dahinter. Er arbeitet mit dem Vorstand zusammen. Er will den Thron. Er wird alles tun, um ihn zu bekommen."

Sage drehte sich um und sah mich an. Ihre braunen Augen waren scharf. Berechnend.

"Dann müssen wir ihn schlagen," sagte sie. "Wir müssen vor Ablauf der Frist einen Erben zeugen."

"Wir müssen vorgeben, einen Erben zu zeugen."

Sie starrte mich an. Etwas flackerte in ihren Augen. Etwas, das ich nicht benennen kann.

"Vorgeben," wiederholte sie. "Darum geht es hier. Vorgeben."

"Außer du willst, dass es real ist."

Sie sah mich an. Ihre braunen Augen suchten in meinen. Ich sah die Angst dort. Ich sah Hoffnung. Ich sah die Frau unter der Rüstung, die darum kämpfte, verborgen zu bleiben.

"Ich will nicht, dass es real ist," sagte sie. "Ich kann nicht."

"Dann geben wir vor."

-

Sage POV

"Vorgeben," wiederholte sie.

Sie ging zum Fenster. Sie starrte hinaus auf die Stadt. Ihre Hände pressten sich gegen das Glas.

"Sechs Monate," sagte sie. "Sechs Monate, um uns selbst zu retten."

"Ich weiß."

"Und danach?"

"Danach finden wir es heraus."

Sie drehte sich um und sah mich an. Ihre braunen Augen waren ruhig. Entschlossen.

"Partner," sagte sie.

"Partner."

---

In dieser Nacht saß ich in meinem Zimmer.

Die Uhr lag auf dem Nachttisch. Sie tickte rückwärts. Zählte auf etwas herunter, von dem ich nicht wusste, was es war. Aber ich wusste eines: Sage McCoy wird mich zerstören und ich werde es zulassen. Ich nahm die Uhr hoch. Ich hielt sie an mein Ohr. Das Ticken war leise und stetig - ein Herzschlag in umgekehrter Richtung.

Zeit ist das Einzige, was man nicht kaufen kann, River. Verschwende sie nicht an Dinge, die nicht zählen. Die Stimme meines Großvaters hallte in meinem Kopf wider. Ich habe so viel Zeit verschwendet. Für Pflicht. Für Vermächtnis. Für Angst.

Aber jetzt, zum ersten Mal seit siebzehn Jahren, wollte ich etwas. Ich wollte sie. Ich wollte die Frau, die im blutbefleckten Kleid den Gang entlangging. Die Frau, die Verträge wie Gebete zitierte. Die Frau, die durch die Wand weinte und versuchte, es vor mir zu verbergen.

Ich wollte sie und ich hatte Angst. Denn sie zu wollen bedeutete, die Kontrolle zu verlieren. Bedeutete, die Mauern zu brechen. Bedeutete, der Mann zu werden, vor dem mein Vater mich gewarnt hatte. Aber vielleicht war dieser Mann der, der ich immer sein sollte. Ich drückte die Uhr an meine Brust und schloss die Augen. Sechs Monate, um uns selbst zu retten oder alles zu verlieren.

Ich wusste nicht, was von beidem furchteinflößender war.

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