LOGIN4***
Die nächsten zwei Stunden würden … zu einem lebendigen Crashkurs in der Welt der Jungs werden.
Ich saß auf meinem Bett und ließ den Blick voller Staunen durch den Raum wandern. Mehr als hundert junge Männer waren hier untergebracht, und während der gesamten Auswahlphase würden wir alle zusammenleben. Wenn wir Glück hatten und bestanden, würden wir später in die Burg umziehen – dort waren die Schlafsäle ruhiger und boten deutlich mehr Privatsphäre.
Aber ehrlich gesagt?
Bis dahin war ich einfach nur aufgeregt.
Die Stimmung hier war völlig anders als alles, was ich bisher kannte. Überall wurde hemmungslos gelacht, Rufe hallten durch jeden Winkel, und bereits zwei handfeste Prügeleien waren ausgebrochen. Dazu kamen unzählige Armdrück-Wettkämpfe.
Mädchen?
Wir lächelten einander an, beobachteten uns mit sanfter Zurückhaltung, und am Ende eines Wettstreits flossen vielleicht ein paar zarte Tränen.
Hier dagegen war alles unkomplizierter – und wesentlich lauter.
Ein kräftiger Händedruck, ein Schlag auf den Rücken und ein herzhaftes Lachen reichten aus, um aus Fremden innerhalb weniger Augenblicke Freunde zu machen.
Doch plötzlich lief einer der Männer direkt an mir vorbei – lediglich in Unterwäsche.
Ein Anblick, gegen den ich grundsätzlich nichts einzuwenden hatte.
Doch meine Augen weiteten sich, als er völlig ungeniert die Hand in seine Unterwäsche schob und sich an seinen Hoden kratzte, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt und keiner weiteren Beachtung wert.
Ich erstarrte.
Und genau in diesem Moment wurde mir klar, dass ich eine vollkommen andere Welt betreten hatte.
Eine laute, freche und hemmungslose Welt.
Und ich würde lernen müssen, in ihr zurechtzukommen.
Ganz gleich, was es mich kostete.
Jesse sagte es plötzlich, und ich fuhr sofort von meinem Platz hoch. Er war mühelos auf Rafs Bett geklettert und stützte sein Gewicht darauf, während er die Arme über die Kante meines Bettes hängen ließ. Mit seinem verschmitzten, spielerischen Lächeln sah er mich an.
„Na, was meinst du, Cousine? Bereust du deine Entscheidung inzwischen?“
Ich ließ den Blick noch immer staunend durch den Raum schweifen, bevor ich leise murmelte, während meine Stimme deutlich von Verwunderung erfüllt war:
„Die Jungs … sie sind wirklich eine ganz andere Art von Menschen.“
Jesse beugte sich ein wenig zu mir. In seinen Augen lag ein amüsiertes Funkeln, während er meine unverhohlene Faszination beobachtete. Dann flüsterte er lachend:
„Ich glaube, unsere kleine verwöhnte Prinzessin mag das.“
Trotz meiner Verlegenheit musste ich lachen. Schnell legte ich einen Finger an die Lippen und bedeutete ihm, still zu sein.
„Sag es Raf nicht“, flüsterte ich. Ich wusste nur zu gut, dass mein Bruder – genau wie mein Vater – nichts anderes kannte als übertriebene Fürsorge.
Jesse zwinkerte mir zu und flüsterte selbstsicher:
„Dein Geheimnis ist bei mir sicher. Versuch einfach … etwas jungenhafter zu wirken, okay? Du sitzt da wie eine hübsche kleine Schleiereule und starrst mit diesen großen Augen alles um dich herum an.“
Ich holte tief Luft und musste mir eingestehen, dass er vielleicht recht hatte. Zögernd veränderte ich meine Haltung, richtete den Rücken ein wenig auf und nahm eine lockerere Sitzhaltung ein, in dem Versuch, die Zurückhaltung abzulegen, die mich sofort verriet.
„Ist das besser?“, murmelte ich leise.
Dann musste ich über mich selbst lachen. Es wirkte viel seltsamer und gekünstelter, als ich erwartet hatte.
Jesses Grinsen wurde breiter.
„Du musst nur vor den anderen ein bisschen mehr am Hintern kratzen. Lass die Leute ruhig sehen, wie du rülpst.“
Ich erstarrte für einen Moment und starrte ihn fassungslos an.
„Auf keinen Fall.“
Jesse lachte leise. Dann streckte er mir seinen Arm entgegen, hob das Handgelenk und sagte mit geheimnisvoller Stimme:
„Hier.“
Ich zog die Augenbrauen zusammen und tippte mit den Fingern gegen seine geschlossene Faust, in der Erwartung, dass er darin etwas Kleines versteckte.
„Was?“, fragte ich verwirrt.
Er schüttelte lachend den Kopf und bedeutete mir, näher zu kommen. Vorsichtig beugte ich mich zu ihm, doch noch bevor ich begriff, was er vorhatte, bewegte er sich blitzschnell. Er strich mit seinem Handgelenk über die Seiten meines Halses und anschließend über meine Handgelenke – schnell, präzise und beiläufig.
Ich wich ein wenig zurück und runzelte verwirrt die Stirn.
„Und wozu soll das gut sein?“
Er rückte näher zu mir und senkte die Stimme zu einem Flüstern.
„Duftspuren. Manchmal riechst du nach einem Mädchen. Das wird den Geruch ein wenig überdecken oder ihn zumindest weniger auffällig machen.“
Meine Augen weiteten sich.
„Aber … dann rieche ich doch nach dir, oder?“
Er zuckte gleichgültig mit den Schultern, als wäre das völlig unwichtig.
„Wir sind Cousin und Cousine. Niemand wird etwas bemerken. Und selbst wenn … es wird ihnen egal sein.“
„Oh …“, murmelte ich.
Dann lehnte ich mich gegen mein Bett und beobachtete, wie er mit einer geschmeidigen Bewegung auf den Boden sprang und sich sofort in ein schnelles Gespräch mit einem blonden Jungen vertiefte, der gerade gekommen war, um sich Raf vorzustellen.
Nie zuvor war mir der Gedanke gekommen, dass mein eigener Geruch mich verraten könnte.
Der Gedanke verunsicherte mich mehr, als ich erwartet hatte.
Was könnte mich sonst noch verraten?
Wie viele winzige Kleinigkeiten konnten mich entlarven, ohne dass ich es überhaupt bemerkte?
Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen und einen klaren Plan aufzustellen, doch der Raum füllte sich immer weiter mit Menschen, bis allein das Denken zu einer beinahe unmöglichen Aufgabe wurde.
Mir blieb nichts anderes übrig, als zu beobachten.
Ich beobachtete sie aufmerksam – ihre Bewegungen, die Art, wie sie standen, lachten und miteinander sprachen. Ich versuchte, mir jedes Detail einzuprägen und mich ihnen so weit wie möglich anzupassen.
Schon bald hatten sie sich alle miteinander vermischt, als würden sie sich seit Jahren kennen. Selbstsicher bewegten sie sich durch den Raum, räumten ihre Sachen aus, stellten sich einander vor, und ihre Stimmen vermischten sich zu einem lebhaften Chaos.
Und ich?
Ich versuchte lediglich, meinen Platz zwischen ihnen zu finden … ohne aufzufallen.
Genau deshalb durchfuhr mich plötzlich ein unangenehmes Gefühl, als sich mein Kopf wie von selbst nach links drehte und meine Augen hektisch zwischen den Gesichtern suchten, denn …
Ich schwöre, gerade hatte ich den unglaublichsten Duft meines ganzen Lebens wahrgenommen.
Meine Wölfin erwachte mit einer Wucht in mir, die mich völlig überrumpelte. Sie, die sich normalerweise so still verhielt, dass ich beinahe vergaß, dass sie überhaupt existierte, war plötzlich hellwach. Angespannt und aufmerksam, als wäre sie durch einen unwiderstehlichen Ruf geweckt worden.
In meinem Kopf flüsterte sie mit scharfer, entschlossener Stimme:
„Hol ihn dir.“
Dann trieb sie mich unerbittlich an, zwang mich, mich zu bewegen und nach ihm zu suchen.
„Geh … such ihn … du musst … er gehört zu uns.“
„Was?!“
Das Wort entfuhr mir unwillkürlich viel zu laut. Erschrocken setzte ich mich kerzengerade auf, während sich Angst in meiner Brust ausbreitete.
Trotzdem hob ich erneut die Nase.
Und beinahe stöhnte ich vor überwältigender Empfindung auf, als dieser Duft wieder über mich hinwegströmte.
Dieser Duft …
Er war einfach unwiderstehlich.
Eine intensive Mischung aus Zitrusfrüchten und Bergamotte, vermischt mit einer geheimnisvollen Wärme, die mich an einen nassen Gehweg erinnerte, der unter der sengenden Sommersonne dampfte, dazu eine kaum wahrnehmbare Note von Aprikose und Mandel.
Ein lebendiger, pulsierender Duft, als würde er meinen Namen rufen.
In diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, dass etwas in mir zerbrach.
Ein echter Bruch, beinahe greifbar.
Als würde eine unsichtbare Kraft meine Seele neu ordnen, alles auslöschen, was ich bisher gekannt hatte, und all meine Wünsche, all meine Ziele … auf ein einziges Wesen ausrichten.
Auf ihn.
Auf ihn allein.
„Mein Gefährte!“, heulte meine Wölfin in meinem Inneren auf.
Ihre Stimme war von einer beinahe wahnsinnigen Ekstase erfüllt. Sie tanzte vor Freude, als hätte sie endlich gefunden, wonach sie so lange gesucht hatte.
„Los! Steh auf! Such ihn – mein Gefährte! Mein Gefährte! Mein Gefährte!“
Mein Atem ging schneller. Ich presste meinen Körper gegen das Kissen, als könnte ich damit die Explosion aufhalten, die in meinem Inneren tobte …
Doch jetzt wusste ich es.
Ich wusste es mit einer Gewissheit, die mir bis in die Knochen drang und keinen Zweifel zuließ.
Mein Gefährte …
war hier.
Doch während ich mich mit wachsender Panik im Raum umsah, spürte ich etwas anderes … etwas vollkommen anderes … das sich seinen Weg zu mir bahnte.
Diesmal entwich meinen Lippen ein deutlich hörbares Stöhnen. Meine Unterlippe begann unkontrolliert zu zittern, während meine Kräfte plötzlich nachließen und ich auf mein Kissen sank, als hätte ich innerlich das Gleichgewicht verloren. Ich schloss die Augen fest, als könnte ich auf diese Weise fliehen … doch der Duft überrollte mich trotzdem.
Ein anderer Duft.
Tiefer … schwerer … gefährlicher.
Warme Haut, durchzogen von einem Hauch Whisky, aus dem eine Hitze aufstieg, die an glühende Kohlen erinnerte. Dazu die scharfe Note von Kiefernnadeln in einer eisigen Nacht, in der selbst die Luft beinahe gefror.
Mein Körper bebte heftig.
Zu meinem Entsetzen zerbrach noch etwas in mir – auf eine völlig andere Weise. Tiefer. Erschütternder. Es riss mich bis in die Grundfesten meiner Seele, ließ meine Schultern zittern, als würde meine Seele in zwei entgegengesetzte Richtungen gezogen.
Denn … der andere war noch immer da.
Und dieser hier … ebenfalls.
Beide waren hier.
Beide Verbindungen pochten nun in meinem Inneren. Jede rief mich mit ihrer eigenen Stimme, trieb mich an, zog mich zu sich … verlangte von mir, auf sie zuzulaufen.
Doch in zwei vollkommen entgegengesetzte Richtungen.
Übelkeit stieg plötzlich in meinem Magen auf. Mein Kopf begann sich heftig zu drehen, als hätte die Schwerkraft ihre Bedeutung verloren, als würde die Welt gleichzeitig versuchen, mir Norden und Süden zu zeigen. Mein innerer Kompass war völlig außer Kontrolle geraten … er drehte sich unaufhörlich und war unfähig, eine Richtung zu wählen.
Ich hob beide Hände an meine Schläfen und presste sie fest dagegen, während mir erneut ein leises Stöhnen entwich … verzweifelt bemüht, angesichts dieser Spaltung, die mich innerlich zerriss, nicht den Verstand zu verlieren.
„Ari …“, sagte Raf, als er an mein Bett trat und sich leicht zu mir hinunterbeugte. Seine Augen suchten mit unverhohlener Sorge mein Gesicht ab. „Geht es dir gut?“
Doch ich antwortete nicht.
Meine Augen waren fest geschlossen. Ich klammerte mich an mein Schweigen und versuchte, den tobenden Lärm in meinem Inneren zum Verstummen zu bringen – diese wahnsinnige Stimme, die einfach nicht aufhören wollte.
Meine Wölfin.
Sie raste in mir hin und her, völlig außer sich. Sie hüpfte vor kindlicher Freude herum, drehte sich voller ungeduldiger Erregung um sich selbst, die Zunge beinahe aus dem Maul hängend vor lauter Aufregung.
**Steh auf!** drängte sie mich unablässig, während ihre Zähne vor nervöser Freude klapperten. **Geh … such sie! Sofort!**
„Was?!“, schrie ich erschrocken in meinem Inneren. *Das ist Wahnsinn … wir können nicht – wir sind verkleidet!*
Doch sie hörte mir nicht zu.
**Los!** Ihr Befehl klang diesmal scharf und unerbittlich.
Und plötzlich fand ich mich gegen meinen Willen aufrecht sitzend wieder. Meine Augen rissen auf, als hätte eine unsichtbare Kraft mich von meinem Platz hochgerissen.
**Geh und such sie! Wir müssen unsere Gefährten treffen!**
Ich hob den Kopf und ließ den Blick verzweifelt durch den Raum schweifen.
Doch überall herrschte Chaos.
Gesichter. Stimmen. Körper, die sich in alle Richtungen bewegten.
Ich wusste, dass sie hier waren.
Ich konnte sie spüren.
Aber … wer waren sie?
„Im Ernst, Ari …“, sagte Raf und betrachtete mich aus nächster Nähe. Seine Stimme klang zunehmend besorgt. „Du bist kreidebleich … geht es dir gut?“
Langsam drehte ich den Kopf zu ihm. Mein Blick war verstört, während mein Atem immer schneller und unkontrollierter ging.
Hinter ihm hatte sich Jesse zu uns umgedreht. Sein Gesicht war von Verwirrung und Sorge gezeichnet, während er mich schweigend beobachtete.
Ich öffnete den Mund und suchte verzweifelt nach irgendeinem Wort – nach irgendetwas, woran ich mich festhalten, womit ich ihre Hilfe erflehen konnte …
Doch bevor ich auch nur einen Laut hervorbringen konnte, hallte plötzlich ein scharfer Klatscher durch die Mitte des Raumes und prallte wie ein Donnerschlag von den Wänden wider.
Im selben Augenblick drehten wir uns alle dorthin.
Eine schwere, erdrückende Stille senkte sich über den Raum.
Alle Blicke richteten sich auf den Leiter der Akademie, der dort mit strenger, unbeweglicher Haltung stand, flankiert von vier Unteroffizieren.
Er war ein kräftig gebauter Mann mit harten, von tiefen Falten gezeichneten Gesichtszügen. Ein Gesicht, das seit vielen Jahren kein Lächeln mehr gekannt hatte … und es wahrscheinlich auch niemals wieder kennenlernen würde.
Doch ich hatte nicht die Möglichkeit, mich auf ihn zu konzentrieren.
Mein Kopf drehte sich noch immer heftig, und der Boden unter meinen Füßen fühlte sich alles andere als stabil an.
Ich zwang mich, standzuhalten. Versuchte, meinen Blick nach vorn zu richten und dieses außer Kontrolle geratene Gefühl zu unterdrücken, das mich in alle Richtungen zog, während mein Körper verzweifelt versuchte, sich daran anzupassen.
Ich durfte nicht nachgeben.
Nicht dem Chaos um mich herum.
Und auch nicht dieser verrückten Stimme in meinem Inneren …
Meine Wölfin heulte noch immer erbarmungslos. Sie flehte, drängte und trieb mich beinahe in den Wahnsinn:
Ich sollte gehen … sie finden … ihnen hinterherlaufen … diese Uniform auf der Stelle zerreißen und—
Meine Gedanken brachen abrupt ab, als sich der Blick des Hauptmanns in uns bohrte.
Scharf.
Wütend.
Als wäre unser persönliches Chaos eine unverzeihliche Beleidigung.
Dann sagte er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete:
„Hinein mit euch. Es ist Zeit für eure erste Prüfung.“
**Kapitel 10**Jesse grinste noch immer und unterdrückte ein leises Lachen.„Ari ist einfach nur neugierig, Raff“, sagte er mit einem verschmitzten Unterton. Er ließ den Blick kurz durch den Raum wandern, um sicherzugehen, dass niemand etwas bemerkt hatte. Doch die Schlange vor den Duschkabinen war leer, und alle anderen waren viel zu beschäftigt, um sich um uns zu kümmern. „Sie hat bisher ein ziemlich abgeschottetes Leben geführt.“„Und sie wird auch weiterhin ein abgeschottetes Leben führen“, fauchte Raff.Zuerst sah er Jesse an, dann mich.„Ich meine das ernst, Ari. Das ist kein …“Er stockte kurz und suchte nach den richtigen Worten.Jesse beugte sich mit einem verschmitzten Grinsen zu ihm.„Ein Fleischmarkt?“Sofort schoss mir die Hitze ins Gesicht.„Na schön“, sagte Raff scharf. Er machte noch einen Schritt auf mich zu, während das Rauschen der Duschen allmählich wieder lauter wurde.Er packte meinen Arm, beugte sich zu mir und flüsterte mir mit einer tiefen, eindringlichen Stim
**Kapitel 9**„Einhundertzwanzig …“, stöhnte ich leise und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Allein diese Zahl fühlte sich an, als hätte sie mir meinen Traum in einem einzigen Augenblick aus den Händen gerissen und zwischen meinen Fingern zerfallen lassen.Jesse trat näher, legte einen Arm um meine Schultern und drückte sie sanft. Seine Geste war still, aber beruhigend.„Mach dir keine Sorgen, Ari“, flüsterte er. „Wir werden dich richtig trainieren. Heute war einfach ein schlechter Tag. Außerdem haben sie noch nicht einmal getestet, was du wirklich kannst.“„Er hat recht“, sagte Raff ruhig.Ich hob langsam den Kopf. Sein ernster Blick ruhte auf mir. Für einen Moment wusste ich nicht, was ich mit diesem Gefühl anfangen sollte, das sich in mir ausbreitete. Dieser Blick erinnerte mich so sehr an meinen Vater – diese Mischung aus strenger Wachsamkeit und einer Zuneigung, über die man nicht sprach.„Wir bringen dich schnell auf ein anderes Niveau, Ari“, fuhr er gelassen fort. „Du brauc
Kapitel 8„Zwei … das ist schon viel besser“, murmelte meine Wölfin verspielt, während ich irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein festhing. Ihre Worte schienen sich wie verwirrende, verführerische Fäden durch meinen benommenen Kopf zu ziehen.„Stehst du jetzt endlich auf?!“Ich fuhr hoch. Raphs Gesicht tauchte über dem Bettrand auf, die Stirn genervt gerunzelt.„Im Ernst, Ari! Die Glocke hat vor zehn Minuten geläutet. Ich verstehe nicht, wie du immer noch schlafen kannst!“Ich blinzelte ihn träge an. Meine Laune war im Keller, mein Kopf schwer. Bitter fragte ich mich, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er nur zwei Stunden Schlaf bekommen hätte … nach einem ganzen Tag voller Schläge und Erschöpfung.Aber Raph war wie immer nicht bereit, auf eine Antwort zu warten. Er verdrehte die Augen, sprang leichtfüßig auf den Boden und machte sich daran, seinen Tag zu beginnen, als wäre nichts geschehen.Bei mir war es nicht so einfach.Nachdem ich gestern Nacht in mein Bett zurückgekehrt war, hat
**Kapitel 7**Luka legte den Kopf leicht schief und musterte seinen Gegenüber von oben bis unten.„Warte mal … Woher wissen wir eigentlich, dass wir nach demselben Mädchen suchen?“Mein Herz machte einen Satz. Ich bewegte mich noch vorsichtiger im Wasser und glitt tiefer in den Schatten, als könnte ich mit der Dunkelheit verschmelzen. Jede noch so kleine dunkle Ecke kam mir plötzlich wie ein möglicher Zufluchtsort vor.Oh Gott … Wenn der Mond doch nur hinter den Mauern der Akademie verschwinden und mich für ein paar Minuten im Dunkeln lassen würde!„Sei nicht albern, Luka“, knurrte der größere Mann und machte einen weiteren Schritt nach vorn. Allein seine Erscheinung schien den Raum enger werden zu lassen. „Glaubst du wirklich, dass in den Unterkünften der Anwärter an der Alpha-Akademie zwei Mädchen herumstreifen?“Luka zuckte mit den Schultern. Seine Stimme klang gelassen, doch in seinem Blick lag eine Spur Herausforderung.„Schon gut. Ich verstehe, worauf du hinauswillst …“Trotz de
Kapitel 6Mitten in der Nacht wachte ich von einem leisen Stöhnen auf, das sich schmerzhaft zwischen meinen Lippen hindurchzwängte. Jeder Muskel in meinem Körper fühlte sich steif und erschöpft an, und mein Gesicht pochte unangenehm.Vorsichtig hob ich die Hand und tastete nach meiner Nase. Sie hatte sich tatsächlich erstaunlich gut erholt – die Heilungskräfte eines Wolfes waren wirklich unglaublich schnell. Doch die Schwellung war noch immer so stark, dass ich nicht einmal die einfachsten Gerüche wahrnehmen konnte.Als ich mich aufsetzte, wurde mir allerdings etwas viel Unangenehmeres bewusst.Ich sah furchtbar aus.Mein Körper war mit einer klebrigen Mischung aus Schweiß und Blut bedeckt, und mein Anblick war so abstoßend, dass ich angewidert die Zunge herausstreckte, während ich mich musterte. Ich konnte kaum glauben, dass ich in diesem Zustand eingeschlafen war.Gott … wie groß mussten die Schmerzen gewesen sein, wenn ich nicht einmal mehr bemerkt hatte, wie ich aussah?„Sehr groß
## Kapitel 5„Jetzt ist die Auslese an der Reihe.“Die Stimme des Kommandanten schnitt scharf über den Platz. Ärger schwang darin mit, während sein Blick voller unverhohlener Verachtung über uns hinwegstrich.„Ihr tragt immer noch Grau – die Farbe der Anwärter. Das Schwarz, die Farbe der Akademie, habt ihr euch noch nicht verdient. Und am Ende der zweiten Woche werden die schwächsten zwanzig Prozent von euch aussortiert.“Er ließ die Worte einen Moment lang wirken, bevor er mit eisiger Ruhe fortfuhr:„Nehmt diese Warnung ernst … sofern ihr überhaupt das Zeug dazu habt, hier zu bleiben.“Sein Blick streifte uns nur kurz, doch allein das genügte, um mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Dann donnerte seine Stimme über den gesamten Platz.„Der heutige Test prüft, was ihr hier unbedingt braucht: körperliche Stärke. Raf Sinclair! Kenny Dexterin! In den Ring – wer den anderen zuerst zu Boden bringt, gewinnt!“Ein leises Raunen ging durch die Reihen.Die Akademie, die sich ständig i







