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Author: Obaida
last update publish date: 2026-08-24 15:21:43

3***

„Ich bin jetzt Ari Clark, euer Cousin mütterlicherseits, der Sohn von Tante Cora.“

Doch schon im nächsten Augenblick wurde aus unserem Spiel bitterer Ernst.

Rafe und Jesse schulterten ihre Rucksäcke, und wir machten uns auf den Weg zur Alpha-Akademie – jener gewaltigen, befestigten Burg, die hoch oben auf den Klippen thronte.

Ich schluckte und starrte zu dem riesigen Gebäude hinauf. Eine leichte Gänsehaut überlief mich.

„Es ist kalt hier“, murmelte ich, obwohl wir noch mitten im Spätsommer waren.

Jesse grinste und zwinkerte mir zu.

„Du wirst schon warm werden. Übrigens, siehst du den Hügel dort, Cousin?“

Ich folgte seinem Blick und entdeckte einige heiße Quellen, aus denen leichter Dampf aufstieg.

„Wenn dir zu kalt wird, werfen wir dich einfach hinein.“

Ich wollte Jesse gerade meinen Ellbogen in den Bauch rammen, doch er wich geschickt aus und lachte.

In meinem Magen breitete sich ein nervöses Kribbeln aus, aber wir gingen weiter.

Konnte ich das wirklich durchziehen?

Jesse kam näher, stieß spielerisch mit seiner Schulter gegen meine und flüsterte:

„Hör auf, dir darüber den Kopf zu zerbrechen.“

Ich zog eine Grimasse und wünschte mir insgeheim, ich wäre ein paar Zentimeter größer.

„Du versuchst gerade, Probleme zu lösen, mit denen du noch gar nicht konfrontiert wurdest. Entspann dich einfach.“

Rafe warf uns beim Aufstieg einen scharfen Blick zu und murmelte sarkastisch:

„Typische Jesse-Weisheiten … völlig nutzlos, weil wir jetzt echte Probleme haben, um die wir uns kümmern müssen. Zum Beispiel die Tatsache, dass Ari Clark keine vernünftige Identität besitzt. Und dass er – du weißt schon – weibliche Körperteile hat. Außerdem ist er ziemlich klein und steht kurz davor, von einer Horde riesiger Wölfe zusammengeschlagen zu werden.“

„Hey!“

Empört stieß ich Rafe gegen die Schulter.

Na gut – er rührte sich keinen Millimeter. Damit hatte er seinen Punkt wohl eindrucksvoll bewiesen.

„Ich könnte euch beide gleichzeitig fertig machen! Zweifelt jetzt bloß nicht an meinen Fähigkeiten!“

Rafe blieb stehen. Seine Schultern sanken ein wenig, und als er sprach, war seine Stimme plötzlich vollkommen ernst.

„Meinst du das wirklich, Irene? Denk genau darüber nach, was du hier sagst. Willst du einfach nur vor deinem idiotischen Verlobten davonlaufen? Oder willst du wirklich an der Alpha-Akademie trainieren?“

Mein Gesichtsausdruck veränderte sich.

Er hatte recht.

Bis zu diesem Moment hatte ich mich vor allem vom Adrenalin treiben lassen. Ich blieb stehen, hob den Kopf und betrachtete die gewaltige Festung hoch oben auf dem Kliff.

Während ich darüber nachdachte, kehrten all die Erinnerungen zurück an das, was mir nur deshalb verwehrt worden war, weil ich ein Mädchen und eine Prinzessin war.

Hockeyunterricht.

Waffentraining.

Die langen Gespräche mit meinem Vater und meinem Onkel Roger über Kriegsstrategien.

Alles Dinge, die als „Jungensachen“ galten.

Für mich waren sie jedoch tausend Erinnerungen an Türen, die sich vor mir geschlossen hatten. Immer wieder hatten sie mich daran erinnert, dass ich andere Fähigkeiten erlernen musste.

Weil ich ein Mädchen war.

Weil ich … eine Prinzessin war.

Doch jetzt konnte ich keine Prinzessin mehr sein.

Zumindest so lange nicht, bis sich die Lage beruhigte und Edward und seine Familie unser Land wieder verließen, nachdem der Vertrag sicher unterzeichnet worden war.

Und das würde lange dauern.

Sehr lange.

Und plötzlich, zum ersten Mal seit meinem achten Lebensjahr, spürte ich, wie die Last des Prinzessinnentitels von meinen Schultern fiel.

Zum ersten Mal fühlte ich mich vollkommen frei.

Frei, zu tun, was ich wollte, ohne dass jemand mir Grenzen setzte.

Und tief in meinem Inneren wusste ich instinktiv, was ich wirklich wollte.

Meine Wölfin hob ihre roségoldene Schnauze zum Himmel und ließ ein leises Heulen erklingen. Es erfüllte mich mit Mut, als würde sie mir zuflüstern:

**Sag es ihnen.**

Ich wandte mich wieder meinem Bruder und meinem Cousin zu.

„Ich will das.“

Meine Stimme war ruhig, aber entschlossen.

„Wenn mir diese Möglichkeit schon früher offen gestanden hätte, hätte ich sie für mich gewählt. Und jetzt, da sie es tut …“

Ich nickte fest.

„Ich will es, Rafe. Ich will hier sein.“

Ich ließ den Blick durch den Raum wandern, während ich die umgeschlagenen Ärmel meiner Militäruniform zurechtrückte. Mein Haar war sorgfältig unter der Mütze verstaut.

Ich konnte nicht anders, als die Jungen in der Kaserne fasziniert zu beobachten. Jeder von ihnen schien seine eigene Welt mit sich herumzutragen.

Natürlich war ich nicht zum ersten Mal von Männern umgeben.

Aber so viele von ihnen auf einmal durch die Türen strömen zu sehen …

Das war etwas völlig anderes.

Ich meine, ein bisschen geflirtet hatte ich schon.

Edward hatte mich vor der Hochzeit einige Male geküsst, meistens nur, um die Presse zufriedenzustellen.

Aber abgesehen davon …

Nun ja.

Ich war eine Prinzessin.

Eigentlich war es nur logisch, dass ich ein ziemlich behütetes Leben geführt hatte, oder?

Jeder Mann, der mir näherkommen wollte, musste erst an meinem riesigen, überfürsorglichen Vater, dem König, vorbeikommen.

Nur wenige waren bereit gewesen, sich darauf einzulassen.

Jetzt wurde ich beinahe verlegen, während ich mich umsah.

All diese jungen Männer waren unglaublich fit. Bei jedem einzelnen hatte man das Gefühl, als hätte er wochenlang trainiert, bevor er sich überhaupt an der Alpha-Akademie beworben hatte – als wären sie vom ersten Tag an bereit gewesen.

Und ich musste zugeben …

Der Anblick hatte etwas von einem unwiderstehlichen Buffet.

Einige Männer zogen meine Aufmerksamkeit besonders auf sich.

Da war zum Beispiel ein großer Blonder, der sich auf dem Bett gegenüber niedergelassen hatte. Sein markantes Kinn wirkte, als wäre es aus Diamant gemeißelt worden.

Und dann war da Luca Grant mitten im Raum.

Mein Gott, er gab tatsächlich Autogramme!

Er sah genauso gut aus wie im Fernsehen – vielleicht sogar noch besser in Wirklichkeit.

Dann entdeckte ich einen anderen Jungen.

Er war schüchtern, hatte dunkles Haar, das ihm über die Augen fiel, und wirkte düster, während er die anderen beobachtete.

Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Typ wie er interessieren könnte.

Aber jetzt …

musste ich mir eingestehen, dass ich mich auf eine seltsame Weise zu ihm hingezogen fühlte.

Rafe warf seine Sachen auf das Bett neben Jesses und klatschte dann so unvermittelt in die Hände, dass ich zusammenzuckte. Dabei deutete er auf das obere Bett.

„Hoch mit dir“, befahl er mit dröhnender Stimme und riss mich damit aus meinen Gedanken.

„Was?“, fragte ich verblüfft.

Er setzte ein übertrieben breites Lächeln auf und klopfte auf die obere Matratze, sodass seine Worte keiner weiteren Erklärung bedurften.

„Du schläfst hier oben. So kann ich dich die ganze Zeit im Auge behalten … und nur damit das klar ist: Ich verpasse dir einen Klaps, wenn du zu offensichtlich jeden einzelnen der Männer anstarrst, die jetzt deine Kameraden sind und nicht bloß hübsche Dekoration.“

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