LOGINKaylas POV
Das Geräusch des Regens ist das Erste, das ich höre, als ich die Augen öffne.
Es ist Morgen, doch die Welt draußen wirkt grau. Die Vorhänge sind nur halb zugezogen und lassen einen schmalen Lichtstreifen herein, der über den Tisch fällt — die Teller von letzter Nacht noch immer unberührt, das Weinglas halb leer, die geöffnete Schmuckschachtel wie eine Wunde, die sich nicht schließen lässt.
Mein Kopf pocht von den Tränen und dem Wein. Mein Hals fühlt sich trocken an, meine Brust schwer. Ich richte mich langsam vom Sofa auf, mein Nacken schmerzt vom Schlafen dort.
Das Haus riecht schwach nach Parfüm und Reue.
Ich gehe in die Küche, gieße mir ein Glas Wasser ein und versuche zu atmen, doch jede Ecke dieses Hauses erinnert mich an letzte Nacht. Die Kerzen, das Essen, die Stille — alles fühlt sich erdrückend an.
Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Es ist schon nach neun.
Adrian ist immer noch nicht nach Hause gekommen.
Der Gedanke daran lässt mein Herz schmerzen. Ich greife nach meinem Handy und hoffe — törichterweise — auf eine Nachricht, einen Anruf, eine Entschuldigung. Nichts.
Nur Leere.
Ich starre auf seinen Kontaktnamen, „Adrian“, und für einen Moment bin ich kurz davor, das Herz neben seinem Namen zu löschen. Stattdessen umklammere ich mein Handy fester und schnappe mir meine Autoschlüssel.
Wenn er nicht nach Hause kommt, dann gehe ich eben zu ihm.
Ich brauche Antworten.
Die Stadt wirkt kalt, ausgewaschen vom Regen. Mein Spiegelbild im Autofenster sieht aus wie das einer Fremden — geschwollene Augen, hastig zusammengebundene Haare, ein Ausdruck irgendwo zwischen Erschöpfung und Wut.
Als ich schließlich auf den Parkplatz von Ward International fahre, zittern meine Hände. Das hohe Glasgebäude ragt arrogant unter dem bewölkten Himmel empor, wie ein Denkmal für Adrians Erfolg.
Der Wachmann am Eingang erkennt mich sofort und nickt höflich. „Guten Morgen, Mrs. Ward.“
„Morgen“, antworte ich leise und zwinge mich zu einem Lächeln, während ich auf meinem üblichen Platz parke.
Drinnen summt das Gebäude vor Leben … Mitarbeiter laufen zügig umher, Telefone klingeln, Drucker rattern. Alle wirken geschniegelt, konzentriert und effizient. Sie lächeln mich höflich an, als ich aus dem Aufzug steige, doch ich höre das Flüstern, während ich vorbeigehe.
Weiß sie es? Sie sieht aufgebracht aus. Er war wieder bei ihr.
Ich rede mir ein, dass ich mir das nur einbilde. Das muss es sein.
Adrians Büro befindet sich im obersten Stockwerk. Die Fahrt mit dem Aufzug fühlt sich endlos an. Ich umklammere meine Tasche fester und versuche, ruhig zu atmen. Als sich die Türen öffnen, schlägt mir der vertraute Duft von teurem Parfüm und poliertem Marmor entgegen.
Die Empfangsdame — eine junge Frau, die ich nicht kenne — sieht überrascht aus, als sie mich bemerkt.
„Mrs. Ward … guten Morgen. Mr. Ward ist—“
„Ich weiß, wo er ist“, sage ich leise und gehe an ihr vorbei, bevor sie den Satz beenden kann.
Der Flur aus Glas ist still, gesäumt von Fotografien von Adrian bei Geschäftsveranstaltungen, wie er Politikern die Hand schüttelt und für Kameras lächelt. Der Mann auf diesen Bildern sieht perfekt aus, mächtig, unantastbar.
Aber ich kenne den Mann hinter diesem Lächeln.
Ich greife nach der Türklinke seines Büros, zögere für einen kurzen Moment und stoße die Tür auf.
Und alles in mir erstarrt.
Da sind sie.
Adrian und jemand, den ich an jedem einzelnen Teil ihres Körpers erkennen würde … Vivian.
Sie sitzt auf seinem Schreibtisch, ihr langes Haar fällt über ihre Schultern, ihre Lippen auf seinen. Seine Hand liegt an ihrer Taille und zieht sie näher zu sich, als wäre es das Natürlichste der Welt.
Für einen Moment kann ich nicht atmen. Nicht denken. Mich nicht bewegen.
Das Geräusch der sich schließenden Tür hinter mir lässt sie beide herumfahren.
Vivian erstarrt zuerst. Ihre Augen weiten sich, ein kurzer Anflug von Schuld huscht über ihr Gesicht, bevor er etwas Schärferem, Überheblicherem weicht. Adrian richtet ruhig seine Krawatte, sein Gesichtsausdruck bleibt kalt und unlesbar.
Die Luft fühlt sich schwer an, als würde die Welt selbst mich verspotten.
Meine Stimme kommt schließlich hervor — klein und zerbrochen. „Adrian?“
Er zuckt nicht einmal zusammen. Bewegt sich nicht auf mich zu. Sieht nicht einmal schuldig aus.
Vivian gleitet vom Schreibtisch herunter, ihre Lippen verziehen sich zu einem leichten Grinsen. „Du hättest vorher anrufen sollen, Kayla. Einfach ohne anzuklopfen hereinzukommen ist nicht gerade höflich.“
Ihr Ton schneidet wie Glas.
Ich sehe Adrian an und warte — bete — dass er es abstreitet, irgendetwas sagt, egal was. Aber er starrt mich nur mit leeren Augen an.
„Nach allem …“, flüstere ich mit zitternder Stimme. „Du hast sie hierhergebracht? In dein Büro?“
Adrian atmet langsam aus und lehnt sich gegen den Schreibtisch. „Kayla, lass uns keine Szene machen. Du solltest nicht hier sein.“
Die Worte treffen mich härter als jede Ohrfeige.
„Ich sollte nicht hier sein?“, wiederhole ich, während sich mein Herz schmerzhaft zusammenzieht. „Das ist deine Firma, Adrian. Und ich bin deine Ehefrau!“
Vivian lacht leise vor sich hin. „Ehefrau? Das ist ein großzügiger Titel für jemanden, der die letzten Jahre kaum mehr als ein Schatten war.“
Ich drehe mich zu ihr um, meine Wut überlagert den Schmerz. „Du warst meine beste Freundin, Vivian. Ich habe dir vertraut.“
Ihr Lächeln verschwindet nicht. „Und ihm hast du auch vertraut, oder? Schau, wie das ausgegangen ist.“
Etwas in mir zerbricht endgültig.
Ich sehe Adrian wieder an und hoffe — immer noch hoffe ich — einen Blick auf den Mann zu erhaschen, den ich geheiratet habe. Doch seine Augen sind hart wie Stahl. Seine Stimme kälter als der Regen draußen.
„Das funktioniert nicht mehr, Kayla“, sagt er tonlos. „Du und ich … wir wissen beide schon länger, dass es vorbei ist.“
Mir wird schwindelig. „Du beendest unsere Ehe wegen ihr?“
Er schüttelt den Kopf. „Mach das nicht zu ihrer Sache. Es geht um uns. Darum, dass ich nicht weiter so tun kann, als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht ist.“
„So tun als ob?“ Meine Stimme bricht. „Du hast nur so getan, Adrian. Ich habe für uns gekämpft!“
Die Stille zieht sich endlos hin, schwer und erdrückend.
Schließlich nimmt er eine Mappe von seinem Schreibtisch, schiebt ein Dokument darüber und sagt, ohne mir in die Augen zu sehen: „Mein Anwalt wird dir bis Ende der Woche die Scheidungspapiere schicken. Ich denke, das ist das Beste für uns beide.“
Die Welt verschwimmt. Mein Herzschlag hämmert in meinen Ohren, jeder Schlag lauter als der vorherige.
Vivian steht jetzt neben ihm, ihre Hand ruht beiläufig auf seinem Arm — als würde sie Anspruch auf etwas erheben, das einmal mir gehörte. Ihr Lächeln ist ein Sieg, getarnt als Mitgefühl.
„Nimm es nicht persönlich, Kayla“, sagt sie sanft. „Manche Menschen … wachsen einfach aus der Liebe heraus.“
Ich will schreien. Weinen. Etwas zerstören. Doch alles, was ich tun kann, ist dort zu stehen und die zwei Menschen anzustarren, die mich zerstört haben. Den einen habe ich geliebt. Der anderen habe ich vertraut.
Schließlich bewegen sich meine Beine, aber meine Stimme ist verschwunden. Ich drehe mich um und gehe hinaus, jeder Schritt schwerer als der davor. Das Büro fühlt sich jetzt kälter an, jede Wand scheint mir meine Demütigung entgegenzuflüstern.
Die Empfangsdame senkt den Blick, als ich an ihr vorbeigehe. Die Aufzugtüren schließen sich hinter mir mit einem endgültigen, hallenden Geräusch, das sich wie das Ende von allem anfühlt.
Als ich die Lobby erreiche, brechen die Tränen, die ich zurückgehalten habe, endlich hervor — lautlos und unaufhaltsam. Ich trete hinaus in den Regen, ohne mich darum zu kümmern, dass er meine Kleidung, meine Haare und meine Haut durchnässt.
Vielleicht ist der Regen bessere Gesellschaft als die Menschen, die mich verraten haben.
Ich stehe lange dort und beobachte die vorbeifahrenden Autos, während mein Kopf vollkommen leer ist.
Dann legt sich langsam eine seltsame Ruhe über mich … die Art von Ruhe, die nach einem Schmerz kommt, der so tief ist, dass nichts außer Taubheit zurückbleibt.
Vielleicht zerbricht ein Mensch genau so … leise, ohne dass es jemand bemerkt.
Doch tief in mir beginnt sich etwas anderes zu regen … Wut.
Adrian hat mir mein Herz genommen.
Vivian hat mir mein Vertrauen genommen.
Und beide zusammen haben mir meinen Frieden geraubt.
Kaylas POVMeine Handfläche lag noch immer auf Ashtons Brust, als ich mich zur Tür drehte. Mein Herz schlug so laut, dass es sich anfühlte, als würde sein Pochen von den Wänden meines Büros widerhallen.Und dann sah ich ihn.Steven.Er stand am Eingang meines Büros. In einer Hand hielt er eine Einkaufstüte, während die andere steif an seiner Seite hing. Sein Gesicht war auf eine Weise verzerrt, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte.Es war nicht nur Wut.Es war Verrat. Verletzung. Und kaum unterdrückte Rage.Für einen Moment sagte niemand etwas.Die Stille war erdrückend.Mein Magen sackte so heftig ab, dass es sich anfühlte, als wäre der Boden unter meinen Füßen verschwunden.„Steven …“, stieß ich sofort hervor und trat von Ashton weg, als hätte ich mich verbrannt. „Es ist nicht das, wonach es aussieht.“Ashton bewegte sich nicht.Tatsächlich hatte er sogar die Dreistigkeit zu grinsen.Stevens Blick wanderte von mir zu Ashton, und die Temperatur im Raum schien um mehrere Grad zu si
Kaylas POVIch war gerade dabei, die dritte Überarbeitung des Vertrags durchzugehen, als draußen vor meiner Bürotür Lärm entstand.Zuerst ignorierte ich ihn. Brooks Atelier war an den meisten Tagen lebhaft, und es war nicht ungewöhnlich, dass Stimmen vor Aufregung über eine neue Lieferung oder wegen einer Meinungsverschiedenheit über Designdetails lauter wurden. Ich tippte weiter und hielt meine Augen auf den Laptopbildschirm gerichtet, während ich Zahlen in der Tabelle korrigierte, die Maya mir zuvor weitergeleitet hatte.Dann wurden die Stimmen lauter.Nicht aus Aufregung, wie ich zunächst angenommen hatte, sondern eher aufgebracht.Ich hielt inne, die Finger schwebten über der Tastatur.Ich konnte die genauen Worte nicht verstehen, aber ich erkannte Mayas Stimme. Es war nicht ihre übliche ruhige, organisierte Stimme. Sie klang bestimmt. Verteidigend.Bevor ich aufstehen konnte, um nachzusehen, was los war, wurde meine Bürotür so heftig aufgerissen, dass sie gegen die Wand krachte.
Kaylas POVDas schrille Klingeln meines Telefons riss mich so abrupt aus dem Schlaf, dass ich für einen Moment nicht einmal wusste, wo ich war. Ich stöhnte leise und drehte mich um, während meine Hand blind über den Nachttisch tastete, auf der Suche nach meinem Handy. Die Vorhänge waren noch zugezogen, und durch die Ränder drang schwaches Morgenlicht, das einen blassen Schimmer über den Raum warf.Endlich bekam ich das Handy zu fassen und kniff die Augen zusammen, als ich auf den Bildschirm sah.Maya.Ich seufzte und fragte mich, warum sie so früh anrief.Ich warf einen schnellen Blick neben mich.Steven war nicht im Bett.Die Bettdecke auf seiner Seite war leicht zerknittert, aber kalt, als wäre er schon seit einiger Zeit weg.Ich setzte mich sofort auf und nahm den Anruf entgegen.„Maya?“„Kayla!“ Ihre Stimme klang scharf und dringend. „Bitte sag mir, dass du schon unterwegs bist.“Ich blinzelte und versuchte noch immer, meine Gedanken zu sammeln.„Unterwegs wohin?“Am anderen Ende
Kaylas POVMrs. Francescas Gesicht blieb auf dem Bildschirm unverändert, während ihre scharfen Augen zwischen Steven und mir hin und her wanderten, als könnte sie hinter das sehen, was wir ihr zeigten. Der Raum fühlte sich unter ihrem Blick plötzlich kleiner an. Steven stand neben mir, doch zwischen uns lag eine Distanz, die zu Beginn des Abends noch nicht da gewesen war. Ich konnte sie spüren, selbst ohne ihn anzusehen.Keiner von uns sagte etwas.Ich konnte das leise Ticken der Uhr an der Wand hören und das sanfte Summen der Klimaanlage. Stevens Handy stand vor uns und lehnte an einer Lampe auf dem Nachttisch. Mrs. Francesca verschränkte leicht die Arme und wartete offensichtlich darauf, dass einer von uns endlich etwas sagte.Die Stille zog sich länger hin, als sie sollte.Schließlich seufzte sie.„Ich kann nicht die ganze Nacht hier sitzen und euch beide anstarren“, sagte sie ruhig, doch ihre Stimme war bestimmt. „Entweder ihr fangt jetzt an zu reden, oder ich beende diesen Anruf
Ashtons POVIch saß noch lange allein in meinem Büro, nachdem alle gegangen waren.Das Gebäude war still. Eine solche Stille, die gegen die Ohren drückt und einen zwingt, seine eigenen Gedanken zu hören, ob man will oder nicht. Die Lichter waren gedimmt, aber ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, sie auszuschalten. Ich starrte auf dieselbe Stelle auf meinem Schreibtisch, ohne sie wirklich wahrzunehmen.Stevens Stimme hallte immer wieder in meinem Kopf wider.„Wir sind zusammen.“Die Art, wie er es gesagt hatte. Ruhig. Sicher. Und beinahe stolz.Ich biss die Zähne zusammen bei dem Gedanken, dass Kayla mit ihm zusammen war.Nicht, dass sie sich nur gelegentlich trafen. Nicht, dass sie verwirrt war. Nicht, dass sie „herausfanden, was sie wollten“.Sie waren tatsächlich zusammen.Der Gedanke fühlte sich an wie etwas Scharfes, das langsam über meine Brust gezogen wurde.„Wie konnte sie so schnell über mich hinwegkommen? Oder war sie vielleicht gar nicht über mich hinweg? Vielleicht hatte s
Kaylas POVDie Nachmittagssonne erstreckte sich über die Glaswände meines Büros und warf lange Spiegelungen auf meinen Schreibtisch.Ich starrte seit fast fünf Minuten auf dasselbe Dokument, ohne auch nur eine einzige Zeile gelesen zu haben.Mein Verstand weigerte sich heute einfach, mitzumachen.Es klopfte, bevor sich die Tür öffnete und Maya hereinkam. Sie hielt einen Stapel Akten dicht an ihre Brust gedrückt.„Du gehst ihnen aus dem Weg“, sagte sie und legte sie ordentlich vor mir ab.Ich seufzte. „Ich hatte gehofft, sie würden verschwinden.“„Sie vermehren sich, wenn man sie ignoriert.“Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück.„Das klingt wie eine Drohung. Bedrohst du mich?“Sie lächelte wissend.„Das ist einfach Erfahrung, Kayla …“Mein Handy vibrierte auf dem Schreibtisch. Ich warf einen beiläufigen Blick darauf und sah eine Nachricht von ihm.Steven: Abendessen heute? Nach der Arbeit.Ich bemerkte erst, dass ich lächelte, als Maya wieder sprach.„Du strahlst.“Sofort setzte ich
Kayla POVDas Steak war schon vor zwei Stunden kalt geworden. Die Kerzen, die ich voller Vorfreude angezündet hatte, brannten jetzt nur noch schwach und ungleichmäßig, während das Wachs wie Tränen auf die weiße Tischdecke tropfte.Der Wein stand unberührt neben zwei Kristallgläsern, und die Rosen,
Kaylas POVVier Jahre später.Manchmal frage ich mich, ob die Frau, die ich einmal war, mich heute überhaupt wiedererkennen würde.Damals war ich weich … immer wartend, hoffend, verzeihend. Jetzt bin ich Stahl unter Seide. Immer noch freundlich, aber niemals mehr naiv.Die Welt hat mich einmal zers
Kaylas POVIch habe in dieser Nacht nicht geschlafen.Egal, wie fest ich die Augen schloss, das Geräusch von Vivians Körper, der auf den Boden aufschlug, hallte immer wieder in meinem Kopf nach — immer und immer wieder.Das Haus war jetzt still, aber diese Stille war kein Frieden. Sie war eine Stra
Kaylas POVDer Himmel war bereits dunkel, als ich nach Hause kam.Der Regen hatte seit dem Morgen nicht aufgehört. Jetzt fiel er noch stärker, als würden die Himmel selbst mich verspotten. Meine Kleidung war durchnässt, meine Haare klebten an meinem Gesicht, als ich taumelnd ins Haus trat und die T







