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Rivale des Ex-Freundes

Author: Valerie Ray
last update publish date: 2026-09-09 20:57:27

Der unerbittliche Regenguss verwandelte die Stadt in einen schimmernden Schleier. Jeder Tropfen fühlte sich an wie eine kalte Anklage auf Lioras Haut, während sie sich unter der Laterne zusammenkauerte. Ihr Körper zitterte nicht nur vor der Kälte, die ihr in die Knochen kroch, sondern auch vor dem Sturm, der in ihr tobte – die scharfen Kanten des Verrats zerschnitten die zerbrechliche Hoffnung, die sie nur Stunden zuvor mit in Thornes Haus genommen hatte. Der Ring, den sie gewählt hatte, schlicht und doch Symbol einer gemeinsamen Zukunft, fühlte sich nun wie ein höhnisches Gewicht in ihrer Tasche an, sein Versprechen löste sich in der Flut von Tränen auf, die sich mit dem Regenwasser vermischten. Sie presste ihre Stirn gegen die Metallstange, die raue Oberfläche gab ihr Halt, während Schluchzer ihren Körper erschütterten, roh und ungefiltert.

Scheinwerfer durchbrachen die Dunkelheit und krochen neben ihr langsam heran. Das Fenster senkte sich mit einem leisen Surren, und eine Stimme drang aus dem Schatten, vertraut auf eine Weise, die ihr einen Schauer über den Rücken jagte. „Na, na, was haben wir denn da?“ Es war Riven – Thornes Schatten, der Mann, dessen Name allein schon Wut in den Augen ihres ehemaligen Geliebten entfachen konnte. Riven, mit seinem unnachgiebigen Ehrgeiz und seiner stillen Intensität, war stets der Rivale gewesen, den Thorne nicht überstrahlen konnte, eine ständige Erinnerung an verpasste Chancen. Liora hob den Kopf, Tränen rannen ihr über die Wangen, und sah ihm in die Augen. In seinen dunklen Augen, umrahmt von regennassen Wimpern, blitzte unter der Belustigung ein Hauch von Besorgnis auf, als hätte er diesen Moment länger als den Sturm selbst erwartet.

„Dein Freund muss verrückt sein, dich in diesem Regenguss allein zu lassen“, fuhr Riven fort, seine Stimme verband Besorgnis mit einem neckischen Unterton. „Komm, wir bringen dich ins Trockene.“ Er beugte sich über den Sitz, das Licht im Innenraum warf warme Schatten auf seine markanten Gesichtszüge – die definierte Linie seines Kiefers, die subtile Wölbung seiner Lippen, die unausgesprochene Geheimnisse verriet.

Liora zuckte zusammen und schüttelte heftig den Kopf. Strähnen peitschten ihr ins Gesicht wie nutzlose Barrieren. Sie trat zurück auf den pfützenübersäten Bürgersteig, das Wasser spritzte ihr protestierend an die Beine. Der Gedanke, Rivens Hilfe anzunehmen, fühlte sich wie eine weitere Demütigung an; Thorne hatte ihn als Feind dargestellt, als Raubtier, das um ihr Glück kreiste. Doch als der Donner über ihr grollte, schwand ihr Entschluss, die Erschöpfung zog sie wie eine Sogwirkung mit sich.

Ein tiefes Lachen drang aus dem Auto, warm und wohltuend gegen die Kälte der Nacht. Bevor sie weiter zurückweichen konnte, tauchte Riven auf, sein Mantel flatterte im Wind, als er mit zwei Schritten die Distanz überbrückte. Ohne zu zögern, nahm er sie in die Arme, eine Hand stützte ihren Rücken, die andere ihre Knie. Sein Griff war sanft und doch fest, er hob sie mühelos an seine Brust. Sie erstarrte, ihre Handflächen pressten sich gegen den festen Stoff seines Hemdes, sie spürte den gleichmäßigen Schlag seines Herzens darunter. Es war ein Rhythmus, der im Kontrast zum Chaos in ihrem eigenen Leben stand, ein ruhiger Anker im Sturm.

„Lass mich runter“, flüsterte sie, doch ihre Worte klangen kraftlos und verhallten im Regen, als er sie zum Auto trug. Die Tür öffnete sich mit einem Klicken, und er bettete sie auf den Beifahrersitz. Das Leder fühlte sich kühl auf ihrem durchnässten Kleid an. Als er um das Auto herumging und sich hinter das Steuer setzte, zog Liora die Knie an und umarmte sie. Die Verletzlichkeit des Augenblicks drückte wie die sich schließende Tür auf sie ein.

Sie seufzte tief. Die Anspannung ließ in dem geschlossenen Raum, der nach Leder und einem Hauch Sandelholz duftete, etwas nach. Gegen Riven zu kämpfen war immer wie ein Kampf gegen die Flut gewesen – unausweichliche Kapitulation. Er prahlte nicht, sondern startete nur den Motor. Das leise Summen vibrierte durch die Sitze, während er über die glatte Straße fuhr.

Von hinten holte er ein flauschiges Handtuch, dessen Fasern weich und saugfähig waren, und legte es ihr um die Schultern. „Hier“, sagte er nur und richtete es mit den Fingern einen Moment lang zurecht – eine kleine Geste der Fürsorge, die unerwartete Wärme in ihr auslöste.

„Tut mir leid, dass ich dein Auto durchnässt habe“, murmelte Liora leise, während sie sich die tropfenden Haare abtupfte und den Stoff an ihrer Haut klebte. Das Handtuch saugte das überschüssige Wasser auf, doch die Kälte blieb, ein Spiegelbild der emotionalen Erstarrung, die sich über sie legte.

Riven winkte die Entschuldigung mit einer lässigen Handbewegung ab, den Blick auf die Straße gerichtet, aber immer wieder zu ihr wandernd. „So eine Steifheit zwischen uns ist unnötig“, erwiderte er, der forschende Unterton in seiner Stimme von echter Neugier gemildert. „Was hat dich bei diesem Wolkenbruch hierhergeführt? Du wirkst, als hätte sich die ganze Welt gegen dich verschworen.“

Sie wandte den Blick ab und starrte auf das rhythmische Wischen der Scheibenwischer, die Welt draußen verschwamm zu einem Meer aus Neon und Schatten. Das Handtuch wurde ihr Schutzschild, zwischen ihren Fingern verdreht, während Erinnerungen sie überfluteten: Thornes Lachen in gestohlenen Momenten, die Art, wie seine Finger mit gespielter Hingabe ihren Rücken entlanggestrichen hatten. Nun waren diese Erinnerungen verblasst, getrübt vom Bild, wie er mit Elowen verstrickt war, ihr Ring blitzte wie ein Dolch. Stille umhüllte sie, dicht und bedrückend, bis Riven sie brach, seine Worte trafen mit ruhiger Präzision:

„Du hast die Wahrheit über deinen hinterlistigen Partner aufgedeckt, nicht wahr?“

Die Worte trafen sie wie ein Windstoß, ließen sie zusammenzucken, ihr Körper krümmte sich. Der Schmerz kehrte zurück, scharf und unerbittlich, die Demütigung aus dem Schlafzimmer spielte sich in lebhaften Details ab – der kalte Spott in Elowens Augen, Thornes schwache Ausreden, verpackt in familiäre Verpflichtungen. Lioras Atem stockte, Tränen sammelten sich in ihren Wimpern, doch sie wandte sich noch weiter ab und verwehrte ihm den Anblick ihrer Zerbrechlichkeit. In diesem Moment, mit Riven, fühlte sich Offenbarung zu intim an, zu sehr würde sie das Vertrauen preisgeben, das sie ihm so bereitwillig geschenkt hatte.

Das Fahrzeug glitt durch verlassene Alleen, das Tosen des Sturms zu einem fernen Murmeln in ihrem Zufluchtsort gedämpft. Riven respektierte die Stille und ließ sie sich wie eine zarte Brücke zwischen ihnen weben. Liora zog das Handtuch fester um sich und atmete den subtilen Duft ein, der daran haftete – erdige Noten, die Bruchstücke ihrer gemeinsamen Vergangenheit heraufbeschworen, bevor Thorne ihre Welt in Besitz genommen hatte. Damals war Riven bei Zusammenkünften nur flüchtig aufgetaucht, sein Lächeln einen Augenblick zu lange verweilend, Neugierde weckend, die sie aus Loyalität unterdrückt hatte.

Mit jeder Minute wandelte sich die Stille, wurde weniger bedrückend, eher wie ein gemeinsamer Atemzug. Er warf ihr verstohlene Blicke zu, sein Ausdruck nachdenklich, die Kontrollleuchten des Armaturenbretts zeichneten Linien der Empathie auf sein Gesicht. Schließlich sprach er, seine Stimme wie ein sanfter Strom, der sie zurückzog. „Wie wäre es, wenn wir eine Vereinbarung treffen? Etwas, das uns beiden gleichermaßen dient?“

Neugierde durchbrach ihren Nebel, und sie wandte sich ihm zu, ihre Blicke trafen sich im Dämmerlicht. Kein Hauch von Verachtung lag in ihrem Gesicht, nur eine tiefe Konzentration, die ihr Herz schneller schlagen ließ und die Glut einer vergessenen Verbindung neu entfachte. Die Mauern, die sie um sich errichtet hatte, begannen zu bröckeln, die Wunden des Abends verlangten nach Anerkennung, vielleicht sogar nach Heilung auf unerwartete Weise.

„Es würde zwei Monate dauern“, erklärte Riven, sein Tonfall senkte sich zu einem vertraulichen Flüstern, das sie in seinen Bann zog. „Tu so, als gehöre ich dir – teile deine Nähe mit mir. Nutze sie, um ihn zu treffen, lass ihn den Schatz, den er verschwendet hat, vor seinen Augen sehen.“

Das Angebot blieb bestehen, kühn und unverblümt, und entfachte einen Sturm der Gefühle in ihr. Vergeltung lockte, ein Balsam für die erlittene Demütigung, eine Chance, aus den Trümmern der Täuschung die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Doch sich Rivens Umarmung hinzugeben, versprach mehr als Rache; es flüsterte von der Wiederentdeckung einer Berührung, geboren aus gegenseitigem Verständnis, von der Heilung der Brüche in ihrer Seele durch die beständige Gegenwart eines anderen. Der emotionale Abgrund tat sich tief auf – konnte sie ihn mit jemandem überbrücken, der mit ihren vergangenen Schmerzen verbunden war? Sein Blick jedoch bot Trost, eine Verbindung, die in gemeinsamem Groll gegen den Verräter wurzelte.

„Welchen Vorteil ziehst du aus diesem Pakt?“, fragte sie leise im anhaltenden Nieselregen und ergründete mit einem Blick, der nach Aufrichtigkeit suchte, die Tiefe seiner Absicht.

Mit bedächtiger Zärtlichkeit streckte Riven seine Hand aus, seine Fingerspitzen strichen über ihre Kieferlinie, bevor er ihr Kinn umfasste und sie dazu brachte, ihm direkt in die Augen zu sehen. Die Berührung war leicht, ehrfürchtig, sein Handrücken glitt über ihre Lippen in einer Liebkosung, die die letzten Spuren von Kälte vertrieb und ein sanftes Zittern aus erwachendem Bewusstsein weckte. Ihre Blicke verfingen sich, die Luft wurde voller Möglichkeiten – der unverblümten Offenheit, ihre Seele erneut preiszugeben, des Glaubens, sich ihr hinzugeben, der Wärme, die aus der Glut der Zerstörung entstehen konnte.

„Es entspringt einem plötzlichen Drang“, vertraute er ihr an, sein Atem streifte ihre Wange.Der Satz birgt unausgesprochene Tiefen, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Länge

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