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Author: Fireflies
last update publish date: 2026-07-03 22:14:51

Lyra

Zwei Jahre später

Nach zwei Jahren hatte ich mein Schicksal schließlich akzeptiert.

In diesen zwei Jahren hatte ich dieses Zimmer kein einziges Mal verlassen. Nicht ein einziges Mal.

Er hatte es ernst gemeint, als er sagte, dass ich den Raum nicht verlassen dürfe.

Jeden Tag stand ich am Fenster, starrte hinaus und sehnte mich nach meiner Freiheit. Ich wartete darauf, endlich wieder draußen sein zu dürfen.

Als Elin mich das letzte Mal besucht hatte, erzählte sie mir, dass er allen gesagt hatte, ich sei krank und müsse mich ausruhen. Außerdem behauptete er, ich würde es lieben, in meinem Zimmer zu bleiben, und das sei etwas, das er respektiere.

Ich wusste nicht mehr, wen ich mehr hassen sollte – ihn oder mich selbst.

Mein Vater musste geglaubt haben, Draven sei ein guter Mann.

Doch mein Vater hatte sich geirrt.

Aber das Problem war: Ich durfte nicht sprechen.

Wie hätte ich meinem Vater jemals sagen können, was wirklich geschah?

Und selbst wenn er es gewusst hätte …

Hätte er mich von hier weggeholt?

Die schmerzhafte Antwort lautete:

Nein.

Meinem Vater war es egal, ob ich glücklich oder unglücklich war.

Er wollte nur, dass ich schön aussah.

Das war alles.

Selbst nach der Ohrfeige sah ich noch immer aus wie eine Göttin von unwirklicher Schönheit.

Und nachdem ich nun zwei Jahre lang im Haus eingesperrt gewesen war …

… war ich sogar noch schöner geworden.

„Uff …“

Ich atmete schwer, während ich den Berg betrachtete, den ich durch mein Fenster sehen konnte.

Ich blickte noch immer hinaus, als ich hörte, wie sich die Tür öffnete.

Ich dachte, es wäre Elin.

Sie brachte mir immer das Essen.

Manchmal kam sie auch, um mein Zimmer zu putzen oder mich anzuziehen.

Danach ging sie wieder.

Deshalb drehte ich mich nicht vom Fenster weg.

„Meine Frau.“

Als ich diese Worte hörte, drehte ich mich um.

Alpha Draven stand an der Tür.

Mit großen Augen starrte ich ihn an.

Langsam ging er auf mich zu.

Ich erhob mich vom Fensterplatz und trat ebenfalls auf ihn zu.

Mit einer Geste fragte ich ihn, ob ich etwas für ihn tun könne.

Doch er verstand mich nicht.

„Komm mit mir“, sagte er.

Ich nickte.

Er nahm meine Hände in seine.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Es war das erste Mal, dass mich jemand so hielt.

Ich wusste nicht warum, aber ich glaubte …

… vielleicht hatte er nach diesen zwei Jahren endlich erkannt, dass ich liebenswert war.

Er führte mich aus meinem Zimmer hinaus in den Flur.

Der Gang war dunkel, fast wie ein unterirdischer Tunnel, der zu meinem Zimmer führte.

Als wir schließlich wieder das obere Stockwerk erreichten, führte er mich weiter hinaus, direkt vor das Schloss.

Ich konnte die Dienstmädchen flüstern hören.

„Sie ist sogar noch schöner geworden.“

„Was für ein wunderschönes Paar. Sie passen perfekt zusammen.“

„Er muss sie wirklich lieben.“

Ich konnte nicht verhindern, dass ich errötete.

Er liebt mich …

Ich wusste, dass ich töricht war.

Aber was, wenn er mich endlich liebte?

Vielleicht … ganz sicher sogar.

Wir gingen stundenlang, doch für mich fühlte es sich wie wenige Sekunden an. Zwei Jahre lang war ich nicht mehr draußen gewesen.

Als die sanfte Brise über meine Haut strich, lächelte ich.

Und dieses Lächeln war nicht gespielt.

Es war echt.

Ich atmete die frische Luft tief ein, während ich hinter ihm herging.

Endlich stand ich wieder unter dem offenen Himmel.

Mein Lächeln war strahlender als je zuvor.

„Lyra.“

Er sprach meinen Namen.

Seit unserer Hochzeit hatte er kaum mit mir gesprochen, und wenn doch, hatte er mich immer nur „Ehefrau“ genannt.

Nie bei meinem Namen.

Doch ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber.

„Das hier ist der Garten“, sagte er.

„Du kannst jederzeit hierherkommen. Er gehört ganz dir.“

Ich lächelte.

Er hatte mir ein Geschenk gemacht …

Ich erinnerte mich daran, wie die Dienstmädchen im Haus meines Vaters immer gesagt hatten, dass ein Ehemann seiner Frau nach einem Streit ein Geschenk mache, um sich zu entschuldigen.

„Mein Bruder kehrt morgen in den Palast zurück. Außerdem werden viele Älteste anwesend sein. Das ganze Königreich wird voller Menschen sein, und du wirst im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stehen. Sieh nicht traurig aus. Ich will, dass jeder Wolf weiß, dass du meine Luna bist.“

Zuerst verstand ich nicht, was er meinte.

Dann umschloss er meine Hände plötzlich so fest, dass ich glaubte, sie würden brennen.

„Glaub bloß nicht, dass ich dich aus Mitleid herausgelassen habe“, sagte er mit kalter Stimme.

„Ich habe dich nur herausgelassen, weil es langsam verdächtig wirkt, dass seit zwei Jahren niemand dein Gesicht gesehen hat. Und wenn Alpha Kael erfährt, dass ich dich geschlagen habe, werde ich dieses dumme Dienstmädchen von dir töten.“

Was war gerade passiert?

Ich versuchte noch immer, seine Worte zu begreifen, als ich eine Stimme hörte.

„Alpha Draven, was macht Ihr hier?“, fragte Lady Selene.

Sofort ließ er meine Hände los, als würde ich ihn anwidern.

„Nichts. Ich habe sie nur zurechtgewiesen. Du weißt doch, Ace kommt morgen zurück. Die Leute werden bereits misstrauisch, und manche glauben sogar, dass ich sie gar nicht wirklich geheiratet habe. Also muss ich ihnen zeigen, dass ich sie gewonnen habe und dass ich immer der mächtigste Alpha sein werde“, sagte er leise zu ihr.

„Gut. Jetzt, wo du ihr den Garten gezeigt hast, können wir gehen.“

Nicht einmal eines Blickes würdigte er mich.

Dann ging er gemeinsam mit ihr davon.

Ich blieb regungslos stehen.

Verwirrt.

Ich fühlte mich unendlich dumm.

Ich wusste doch, dass er mich niemals als Frau ansehen würde.

Warum machte ich mir also immer wieder solche törichten Hoffnungen?

Aber wen kümmerte das schon …

Das Wichtigste war, dass ich endlich wieder frei war.

Sein Bruder kommt morgen zurück.

Bedeutete das, dass auch Lady Selenes Ehemann zurückkehren würde?

Ich fragte mich, wie er sich fühlen würde, wenn er herausfände, dass seine Frau in seinen eigenen Bruder verliebt war.

„Lady Lyra!“

Elin kam auf mich zugelaufen.

„Ich dachte schon, Ihr wärt weggelaufen. Aber die Dienstmädchen haben mir erzählt, dass der Alpha Euch hierhergeführt hat“, sagte sie außer Atem.

„Elin …“, sagte ich.

Meine Stimme war noch immer etwas rau, doch meine Neugier brannte lichterloh.

Ich wollte unbedingt etwas über Lady Selenes Ehemann erfahren.

---

„Was?“, rief ich überrascht.

Wir saßen inzwischen auf meinem Bett, die Tür zu meinem Zimmer fest verschlossen. Ich wusste, dass es gefährlich war, im Garten zu sprechen. Wenn irgendjemand herausfand, dass ich sprechen konnte, würde mein Vater mich töten. Deshalb waren wir schnell in mein Zimmer zurückgekehrt.

„Du meinst… ihr Ehemann ist tot?“, fragte ich fassungslos.

„Ja. Das haben jedenfalls die Dienstmädchen erzählt.“

„Und wer ist dann Ace?“, fragte ich.

„Keine Ahnung. Ich bin noch neu im Rudel, deshalb weiß ich nicht, wer Ace ist“, antwortete sie.

„Gut. Du kannst jetzt gehen. Aber sorge dafür, dass niemand erfährt, dass ich sprechen kann. Sonst wird mein Vater uns beide töten“, warnte ich sie.

Nachdem sie gegangen war, ließ ich mich auf das Bett fallen.

„Ace …“, murmelte ich.

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie einen solchen Namen gehört.

Und zu denken, dass mein Ehemann einen Bruder hatte.

---

Ich hatte völlig vergessen, dass heute der Tag war, an dem der Bruder meines Mannes zurückkehrte.

Als ich den Flur auf dem Weg zum Garten erreichte, herrschte überall hektisches Treiben. Die Dienstmädchen liefen geschäftig von einem Ort zum anderen.

Ich wollte mit Elin gehen, doch sie war nicht im Flur, als ich mein Zimmer verließ. Also beschloss ich, allein loszugehen.

Ich war gerade dabei, die Schlosstüren zu erreichen, als ich Elin im Speisesaal entdeckte, wo sie den Tisch vorbereitete.

Sofort erschien ein Lächeln auf meinem Gesicht, und ich lief auf sie zu.

Doch ich achtete nicht darauf, wohin ich ging, und stieß mit einer Dienstmagd zusammen, die es ebenfalls eilig hatte.

Ich versuchte verzweifelt, mein Gleichgewicht zu halten.

Ich darf nicht hinfallen.

Wenn ich mich verletzte, würde ich für weitere Jahre in meinem Zimmer eingesperrt werden.

Ich kämpfte darum, nicht zu stürzen.

Aus dem Augenwinkel sah ich Elin auf mich zulaufen.

Doch ich glaubte, es sei bereits zu spät.

Also schloss ich die Augen und bereitete mich auf den Aufprall vor.

Doch er kam nicht.

Was…?, fragte ich mich verwundert.

Dann spürte ich Hände an meiner Taille.

Hat Elin mich aufgefangen?, dachte ich.

Doch nein.

Diese Hände gehörten nicht Elin.

Diese Person roch nach Holz und Wald.

Und dieser Duft war unglaublich beruhigend.

Langsam öffnete ich die Augen, um zu sehen, wer mich festhielt.

…

Mir verschlug es die Sprache.

Zwar war ich es gewohnt zu schweigen, doch diesmal war es etwas völlig anderes.

Es war ein Mann.

Und er blickte mir direkt in die Seele.

Sein Gesicht war atemberaubend schön.

Ich kannte nur wenig von der Welt, doch ein Gesicht wie seines hatte ich noch nie gesehen.

Seine Augen hatten die Farbe eines stürmischen grauen Himmels, und sein dunkles Haar war wild und ungezähmt.

Am liebsten hätte ich meine Finger hindurchgleiten lassen.

Doch was meine Aufmerksamkeit am meisten fesselte, war die Narbe, die sich über seine Augenbraue zog.

Unbewusst hob ich meine Hand und strich sanft über die Narbe.

Er wirkte nicht verärgert.

Er hielt mich nicht auf.

Stattdessen sah er mich an, als versuche er, etwas zu begreifen.

Vielleicht Verwirrung.

„Ähem.“

Das Räuspern ließ mich zusammenzucken.

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich mich noch immer in seinen Armen befand.

Er stieß mich nicht von sich, als wäre ich etwas Abstoßendes.

Im Gegenteil.

Er half mir behutsam, wieder auf die Beine zu kommen.

Erst als er sicher war, dass ich fest stand, trat er einen Schritt zurück.

Ich schämte mich so sehr.

Wie konnte ich einen Mann so anstarren, der nicht mein Ehemann war?

Verlegen senkte ich den Blick auf meine Füße.

Doch ich spürte weiterhin seine Augen auf mir.

Das machte meine Verlegenheit nur noch größer.

Dann trat er wieder auf mich zu.

Mit einem Finger hob er sanft mein Kinn an.

Er schenkte mir erneut diesen durchdringenden Blick.

„Ace. Und du?“, fragte er.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Seine Stimme klang wie der Himmel selbst.

Doch ich vermutete, dass der Mond es nie gut mit mir meinte.

„Sie kann nicht sprechen, Ace. Sie ist stumm und Dravens Luna“, sagte Selene.

In diesem Moment hasste ich sie.

Doch ihre Worte waren wahr.

Ich war die Ehefrau seines Bruders.

Ich war seine Luna.

„Selene“, sagte er mit unverhohlener Feindseligkeit.

Ich war verwirrt.

Hasste er sie genauso wie ich?

Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, eilte Elin zu mir.

„Lady Lyra, kommt. Wir müssen gehen“, sagte sie.

Ich nickte.

Doch selbst als ich mich entfernte, konnte ich seinen Blick noch immer auf mir spüren.

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