LOGINELISE
Ich drehe mich um und schlage ihn, wieder, diesmal stärker, ohne nachzudenken, ohne mich zurückzuhalten, mit allem, was mir an gebrochener Klarheit bleibt, all dem Zorn, der wie eine schwarze Welle aus meinem Inneren aufsteigt, all der Scham, die ich mich weigere zu benennen, aber die ich an meiner Haut kleben fühle wie einen zweiten Schweiß, all diesem Brennen zwischen meinen Oberschenkeln, immer noch da, immer noch lebendig, immer noch sein.
Der Schlag knallt in der Luft wie ein Donnerschlag in einem Raum, der zu eng ist, um die Stille, den Schock, die Erinnerung zu fassen, und meine Finger vibrieren, stechen, brennen, als wollten sie das, was sie berührt, empfangen, erlaubt hatten, ausstoßen.
— Arschloch.
Er weicht einen halben Schritt zurück, gerade genug, um den Anschein zu erwecken, getroffen worden zu sein, aber nicht genug, um loszulassen, nicht genug, um sich zu entschuldigen, nein, nicht er, nicht Marcus, er lächelt, er wagt es, noch zu lächeln, dieses arrogante, triumphierende, fast zärtliche Grinsen in seiner Grausamkeit, und ich hasse ihn, aber dieses Lächeln verfolgt mich bereits.
Er lacht, verdammter Mist, er lacht, dieses tiefe, raue, warme Lachen, das mir den Bauch zusammenzieht, als wüsste es schon alle Mechanismen, alle Schwächen, alle Abkürzungen, dieses Lachen, das aus ihm entweicht wie ein zufriedenes Seufzen nach dem Sturm, dieses Lachen, das mich mehr erniedrigt als alles andere.
— Im Ernst, du schlägst mich nach dem? Du hast wie eine Furie gekommen, Élise, du hast jede verdammte Sekunde genossen.
Ich möchte schreien, ihn erneut schlagen, ihn beißen, ihn aus meinem Blickfeld, aus meinem Gedächtnis, aus meinem Körper verschwinden lassen, aber ich bewege mich nicht, ich bin wie erstarrt, zitternd, brennend vor Zorn und Verwirrung, zitternd, weil ich immer noch das Echo seiner Hände auf meiner Haut spüre, seinen Atem in meinem Nacken, seine Hüften gegen meine, zitternd vor diesem unerträglichen Schmutz, der an meiner Seele klebt und den ich ihm nicht zuschreiben kann, weil er von mir kommt.
— Du hast mich genommen, als ich schwach war, spucke ich, die Worte scharf, schneidend, die Zähne zusammengebissen, du wusstest es, du wusstest, dass ich am Ende war, dass ich allein war, ausgebrannt, dass ich brechen würde, und du hast mich benutzt.
Es gibt eine Stille, eine echte, nicht die, die dem Lachen oder dem Schlag vorausgeht, nein, eine dichtere, schwerere Stille, wie ein Stillstand der Zeit, und in dieser Stille sehe ich seinen Blick sich ändern, kaum, ein Schatten, eine Anspannung in seinem Kiefer, ein härterer Glanz in seinen Augen, ein Flüstern in seinen Zügen, und ich weiß, dass ich ins Schwarze getroffen habe, dass ich gerade an der Stelle gekratzt habe, die auch bei ihm juckt.
— Schwach? Im Ernst? Ist das deine Version?
Er tritt langsam, gefährlich näher, als wollte er den Aufprall hinauszögern, als würde er mit mir spielen, mit dem, was von meinen Abwehrmechanismen, meinem Stolz, meiner Würde übrig bleibt, und ich weiche zurück, oder ich versuche es, aber der Tisch steht da, hart, kalt, brutal gegen meinen Rücken, und ich fühle mich gefangen, exponiert, gegen meinen Willen diesem Blick ausgeliefert, der mich mehr verbrennt als seine Hände.
Er ist direkt vor mir, ganz nah, zu nah, sein Oberkörper noch nackt, noch warm, seine Arme ausgestreckt wie Bedrohungen, die bereit sind, sich zu schließen, und seine Augen, mein Gott, seine Augen, bohren sich in meine wie wenn er eine Wahrheit gewaltsam aus mir reißen wollte.
— Ich habe dich genommen, weil du mich wolltest, weil dein Blick lauter schrie als deine Stimme, weil dein Körper lauter verlangte als deine Worte leugneten, weil du brennend warst, Élise, und hofftest, dass ich komme, um dich zu löschen oder zu entflammen, egal, solange ich dich erreiche.
Ich atme tief, zu tief, falsch, mein Atem bricht wie meine Gedanken, und jedes Wort, das er sagt, rammt mir einen Nagel in den Bauch, dort, wo ich immer noch versuche, den Orgasmus zum Schweigen zu bringen, dort, wo ich mich immer noch zu überzeugen versuche, dass es nichts war, dass ich es nicht wollte.
— Du hast mich gekratzt, geschnauft, ohne es zu sagen gefleht, du hast gegen mich vibriert, als würdest du versuchen, dich selbst loszureißen, und jetzt willst du mir das Etikett des Monsters anheften? Das kommt dir gelegen, hm, zu glauben, dass du das Opfer warst, dass du keine Wahl hattest, dass ich dich genommen habe, während du es warst, die mich eingeladen hat, hereinzukommen.
Er senkt den Blick, zu meinen Oberschenkeln, und ich spüre das Rot in mein Gesicht steigen, ich presse die Beine zusammen, ohne es zu merken, und ich hasse mich dafür, für diese verspätete, nutzlose, schuldige Verteidigung.
Seine Augen wandern langsamer zurück, und ich fühle seinen Blick wie einen unsichtbaren Finger auf meiner Haut, auf meiner Brust, die sich immer noch zu schnell hebt, auf meinem Mund, den ich beiße, um nicht zu schreien.
— Du hast vor Verlangen getropft, Prinzessin, und jetzt willst du mir weismachen, dass du überrascht wurdest? Du warst schon auf den Knien in deinem Kopf, als ich dich berührt habe, also hör auf zu lügen, vor allem dir selbst.
Ich schließe für einen Moment die Augen, ich möchte in dieser Sekunde verschwinden, mich verflüssigen, mich auslöschen, aber ich bleibe hier, verankert in dieser Realität, die mich aufschlitzt.
Ich ziehe mich hastig an, meine Bewegungen sind verschwommen, meine Finger zittern an den Knöpfen, ich ziehe mein Hemd hoch, als würde ich eine zu schnell geschlossene Wunde wieder öffnen, mein Rock ist zerknittert, alles ist falsch, alles ist schmutzig, und meine Brüste verraten mich erneut, geschwollen, empfindlich, gedemütigt von ihrer eigenen Erinnerung.
Er sieht mich an, immer noch, er blinzelt nicht, er bewegt sich nicht, er hält mich mit seinen Augen wie mit einem unsichtbaren Gewehr im Visier.
— Willst du wissen, was ich bin, Élise? flüstert er, leiser, langsamer, mit einer fast schmerzhaften Intensität, ich bin der Mann, den du ohne ein Wort, ohne zu bremsen, ohne zu widerstehen in dich gelassen hast, der Mann, den du ohne ein Wort gerufen hast, der Mann, den du jetzt verleugnen willst, weil er dich an den Teil von dir erinnert, den du verachtest.
Ich sehe ihn an, ich fixiere ihn, ich verbrenne ihn mit der wenigen Kraft, die mir bleibt, aber er weicht nicht zurück, er wankt nicht, er ist hier, verankert, und ich schwanke.
— Du verlierst den Halt und tust so, als hättest du die Kontrolle, aber tief in dir weißt du ganz genau, dass du mich willst, und dass es dich auffrisst, weil ich alles bin, was du nicht lieben willst: brutal, wahr, lebendig, außerhalb der Regeln.
— Ich schwöre dir, Marcus, wenn du noch ein Wort sagst, dann...
— Was wirst du tun, hm? Wirst du mich wieder schlagen? Mach weiter, schlag zu, es ändert nichts daran, wer wir sind, was wir getan haben, was du willst, immer noch hier, sofort, trotz dir, trotz allem.
Er kommt näher, noch näher, so nah, dass ich ihn beißen könnte, so nah, dass ich seinen Atem auf meinen Lippen spüre.
— Oder wirst du mich küssen, wie zuvor, als ob du bräuchtest, dass ich dich zerstöre, um dich lebendig zu fühlen, als ob du mich brauchst, um dich daran zu erinnern, dass du noch einen Körper, ein Herz, einen verdammten Wunsch hast.
Seine Worte durchbohren mich, durchdringen mich, lassen mich offen, und ich schließe die Augen, und ich hasse ihn, und ich will ihn.
— Du lügst, Élise, du lügst mir, du lügst dir selbst, und das frisst dich von innen auf.
Ich schlage ihn.
Ein drittes Mal.
Das gewalttätigste.
Das aufrichtigste.
Der Klang knallt wie ein Urteil.
Er bleibt da.
Und ich auch.
Ich bewege mich nicht.
Ich gehe nicht weg.
Ich bleibe.
Und das ist das Schlimmste.
ManonEr gibt einen Laut von sich, der zugleich ein Lachen und ein Knurren ist. Sein Mund wandert über meinen Hals, meine Schlüsselbeine, meine Brüste und zeichnet einen Pfad aus brennenden Küssen, leichten Bissen, die versprechen, morgen zu Erinnerungen auf meiner Haut zu werden. Seine Hände erforschen, entdecken jede Kurve, jeden Muskel wieder, den er aus technischer Sicht so gut kennt, den er jetzt aber unter dem Blickwinkel der Lust kennenlernt. Er findet die Spannungspunkte, löscht sie mit handwerklicher Präzision aus und verwandelt den Schmerz der Athletin in die Ekstase der Frau.Als seine Hand zwischen meine Schenkel gleitet, findet er meine Wärme, meine Feuchtigkeit, meine offensichtliche Bereitschaft für ihn. Ein Knurren männlicher Befriedigung entweicht ihm.— Du bist bereit für mich, stellt er fest, sein Finger zeichnet einen langsamen, quälenden Kreis.— Immer, keuche ich. Ich war es immer.Seine Erkundung ist methodisch, unerbittlich, wie sein Training. Er lernt meine Re
ManonDie Tür meiner Wohnung schließt sich mit einem dumpfen Klicken und isoliert die ganze Welt. Plötzlich ist die Stille absolut, schwer von all den unausgesprochenen Worten, all den zurückgehaltenen Begierden. Wir stehen im schmalen Eingang, noch eingehüllt in die Ausdünstungen des Wettkampfs – das Talkum, der kalte Schweiß, das abflauende Adrenalin. Aber darunter steigt eine neue Energie auf, primitiv, elektrisch.Alex ist da, einen Schritt von mir entfernt. Er hat meine Tasche abgestellt, sie lehnt an der Wand wie ein Überbleibsel eines vergangenen Lebens. Er sieht mich nicht mehr als Trainer an, als Stratege. Er sieht mich als Mann an. Und dieser Blick ist eine Entkleidung, eine langsame und vollständige Inbesitznahme. Das Eis ist geschmolzen und hat der Glut Platz gemacht, die vom ersten Tag an schwelte.— Bist du sicher?, fragt er, seine Stimme rau in der Stille.Die Frage ist kein Zögern. Es ist eine letzte Hommage an die Regeln, ein letzter Respekt für den zurückgelegten Weg
ManonDer Tag X ist da.Er hat nicht die Farbe großer Ereignisse. Keine heroische Sonne, kein azurblauer Himmel. Es ist ein grauer Tag, blass, von absoluter Neutralität. Als ob das Universum den Atem anhielte.In der Halle der nationalen Qualifikationen ist die Luft kalt, übermäßig klimatisiert. Sie riecht nach Desinfektionsmittel, Angst und Talkum. Ich bin in meiner Vor-Wettkampf-Blase, ziehe meine Riemchen über meine bereits geschundenen Hände, spüre die Blicke der anderen Athleten, der Trainer, der Kampfrichter. Aber ich sehe nur einen Fixpunkt, einen Anker in diesem Meer der Angst: Alex.Er ist ein paar Meter entfernt, nahe am Rand der Bodenfläche, gekleidet in seine Traineruniform – Poloshirt des Verbandes, schwarze Hose. Er konsultiert seine Notizen, aber seine Augen, wenn er sie hebt, weichen nicht von mir. Sie haben nichts mehr von dem Sturm der Turnhalle, von der verschlingenden Leidenschaft unseres Bruchpunkts. Sie sind klar, kalt, professionell. Ein Schutzwall aus Eis. Und
ManonEr zerbricht.Mit einem Laut, der zugleich ein Wimmern und ein Brüllen ist, nimmt er Besitz von meinem Mund. Der Kuss hat nichts Sanftes. Es ist eine Inbesitznahme, ein Verschlingen. Es sind Monate der Frustration, des unterdrückten Verlangens, die sich in einem Zusammenprall von Lippen, Zungen, Zähnen befreien. Seine Hände wandern meinen Rücken hinauf, vergraben sich in meinen Haaren, halten mich gefangen an ihm. Ich antworte mit derselben Wildheit, meine Hände krallen sich in die Baumwolle seines Trägershirts, klammern sich an seine Schultern wie an einen Rettungsring in einem reißenden Strom.Wir sind zwei Naturgewalten, die aufeinandertreffen, sich nähren. Der Geschmack von Schweiß, von Salz, von ihm, überwältigt mich. Der Geruch unserer erregten Körper vermischt sich, berauscht. Wir taumeln, immer noch umschlungen, und mein Rücken prallt gegen den Stützbalken des Stufenbarrens. Das kalte Metall auf meiner brennenden Haut, sein brennender Körper auf meinem. Es ist ein verrüc
ManonDer Sommer ist auf seinem Höhepunkt und wird zu einem tropischen Dampfbad, von dem die Turnhalle keine Erholung bietet. Die Luft ist unbewegt, gesättigt mit dem beißenden Geruch von warmem Kolophonium, von Schweiß, der auf den Matten trocknet, und von etwas anderem, Animalischem, Urzeitlichem, das wir nicht benennen, das aber von unseren zum Zerreißen gespannten Körpern ausgeht.Die Qualifikation ist in zwei Wochen. Der Countdown ist ein obsessives Ticken in meinem Kopf, in jeder Zelle meines Körpers. Das Training hat ein Maß an Grausamkeit erreicht, das nur Alex erdenken kann. Es ist Verfeinerung bis an die Grenze des Bruchs, des Muskels und des Willens, bis zum Äußersten getrieben. Und durch all das hindurch hat sich die Anziehung zwischen uns, anstatt sich zu verflüchtigen, konzentriert, verfeinert, ist zu einer weißglühenden Stahlklinge geworden.Heute ist die letzte große Vorbereitungseinheit vor Beginn des Wettkampfzyklus. Die Erschöpfung ist so groß, dass meine Knochen vo
ManonDer Druck wird spürbar, ein Schraubstock, der sich mit jedem vergehenden Tag enger um unsere Schläfen legt. Die nationalen Qualifikationen rücken näher, ein düsterer Berg am Horizont unseres Lebens. Es ist die erste wirkliche Etappe, die erste entscheidende Hürde auf dem Weg zu den Spielen. Selbst die Luft in der Turnhalle scheint sich zu verdichten, geladen mit nervöser Elektrizität.Alex ist konzentrierter, fordernder denn je. Der Vorfall auf dem Schwebebalken, die fleischliche Spannung, die unsere professionelle Hülle hatte aufbrechen lassen, scheint unter einer dickeren Eisschicht versiegelt worden zu sein. Er ist wieder die Maschine geworden, der kalte Analytiker. Aber ich weiß es. Ich spüre den Unterschied. Seine Kälte ist nicht mehr natürlich. Sie ist fabriziert, aufrechterhalten durch eine übermenschliche Anstrengung des Willens. Seine Korrekturen sind noch knapper, seine Berührungen noch schneller und unpersönlicher, als wäre meine Haut radioaktiv geworden. Er vermeidet
ÉLISEDie Augusthitze hat sich in die Abendschwüle verwandelt. Kaum zu Hause, bin ich unter eine brennend heiße Dusche geschlüpft und habe meine Haut gerieben, als könnte ich den Staub der Baustelle abwaschen, als könnte ich auch… ihn abwaschen. Ich habe ein schlichtes, schwarzes Kleid angezogen, g
ÉLISEDer Kies knirscht unter meinen Absätzen, während ich die Baustelle überquere. Die Sonne brennt schon stark für einen Augustmorgen. Die Luft riecht nach heißem Beton, Staub und Schweiß – dieser Mix, der mir fast vertraut geworden ist.Ich halte den Kopf hoch, gehe sicher, obwohl alles in mir s
MARCUSIch schlafe nicht.Ich habe seit… ihr nicht wirklich geschlafen.Seit ihren Nägeln in meinem Rücken, ihrem keuchenden Mund, ihrem Blick, der in meinen versenkt war, als sie auf mir kam, als ob die Welt zusammenbrechen würde.Und seit ihrer Ohrfeige, die mich brutaler geweckt hat als alles an
ÉLISEDie Sonne sank langsam hinter die Zedern und ließ ein bernsteinfarbenes Licht im Wohnzimmer zurück. Ich hatte den Tisch gedeckt, ohne wirklich darüber nachzudenken, aus Reflex: feines Geschirr, Weingläser, Leinenservietten gefaltet in den Tellern. Alles war zu sauber, zu ordentlich, wie immer



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