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Kapitel 3

Author: Afterlife Riot
Als wir auf dem Anwesen der Familie Bergmann ankamen, wartete Julians Mutter, Frau Bergmann, bereits erwartungsvoll vor der Tür.

Lilia stieg aus und eilte auf Frau Bergmann zu. Sie hakte sich vertraut bei ihr ein und sagte in schmeichelndem Ton:

„Frau Bergmann! Es ist doch so windig. Warum sind Sie extra rausgekommen? Gehen wir lieber hinein.“

Frau Bergmann lächelte gütig. „Na, weil ich auf dich gewartet habe. Ich habe dafür gesorgt, dass du bei Julian arbeiten kannst. Ich hoffe, er macht es dir nicht allzu schwer. Der Junge ist wirklich schwierig.“

Lilia warf Julian einen Blick zu. Er stand neben ihr und lächelte sanft. Lilias Ohrenspitzen wurden rot.

„Professor Bergmann ist sehr nett. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.“

Lilia und Frau Bergmann machten sich bereits auf den Weg ins Haus. Erst als sie schon fünf Meter gegangen waren, fiel Frau Bergmann etwas ein. Sie drehte sich um. Ihr Blick auf mich war deutlich kühler.

„Clara, du bist ja auch da. Komm rein, sonst frierst du noch.“

Das war alles.

Julian trat neben mich und sah mit gerunzelter Stirn zu mir herunter.

„Schlechte Laune?“

„Nein.“

Ich war einfach nur endlich erleichtert.

Julian presste kurz die Lippen zusammen. „Wenn es bei der Arbeit nicht läuft, dann bring deine schlechte Laune bitte nicht mit nach Hause. Ich habe keine Lust auf jemanden, der den ganzen Tag ein langes Gesicht zieht.“

Meine Hände ballten sich an meinen Seiten zusammen. Meine Handflächen schmerzten.

Wie absurd.

Für einen flüchtigen Moment kam mir der Gedanke: Vielleicht merkt Julian, wie es mir geht.

Ich blieb stehen und sah ihn an. In meinem Blick lag keine Zuneigung mehr, nur noch Ruhe.

„Wenn ich schlechte Laune habe, mache ich, was ich will. Wenn dir das nicht gefällt, sieh weg. Ich bin nicht deine Bedienstete, die dir jederzeit alles recht machen muss.“

Julians Lippen wurden zu einer schmalen Linie. Sein Missfallen stand ihm offen ins Gesicht geschrieben.

„Clara, du bist erwachsen. Wir heiraten bald. Von meiner Frau erwarte ich, dass sie ihre Gefühle im Griff hat.“

Ich schnaubte. „Und wer entspricht deiner Meinung nach diesen Anforderungen?“

Julian schien ernsthaft darüber nachzudenken. Doch ich wusste, dass seine Antwort längst feststand.

„Ganz egal, wer meinen Vorstellungen entspricht – meine Frau wirst nur du. Aber du könntest dir ein Beispiel an Lilia nehmen. Sie hat ihre Gefühle sehr gut unter Kontrolle. Verstehst du?“

Zwei Sekunden lang sah ich Julian fest an. Dann lächelte ich.

„Gut.“

Am Esstisch ließ Frau Bergmann Lilia und Julian rechts und links neben sich Platz nehmen. Ich suchte mir selbst einen Platz etwas abseits, damit ich die drei nicht störte.

Erst als ich saß, bemerkte ich, dass kein einziges meiner Lieblingsgerichte auf dem Tisch stand.

Frau Bergmann strahlte Lilia und Julian an und legte Lilia immer wieder Essen auf den Teller.

„Sieh dich nur an, wie dünn du bist. Auch bei all der Forschung musst du auf dich achten. Julian hat mich extra gebeten, deine Lieblingsgerichte zubereiten zu lassen.“

Lilia lächelte schüchtern. „Vielen Dank, Frau Bergmann.“

Frau Bergmann hielt kurz inne. Dann sah sie mich mit einem etwas verlegenen Lächeln an.

„Clara, ich weiß leider gar nicht, was du gern isst. Dann musst du heute eben mit dem vorliebnehmen, was da ist.“

Julian legte mir etwas süßsaures Schweinefleisch mit Ananas auf den Teller.

„Sag mir nächstes Mal vorher, was du gern essen möchtest. Dann lasse ich es vom Hauspersonal zubereiten. Du hast ja auch keine besonderen Vorlieben. Nicht wie Lilia. Sie mag vor allem süßsaure Sachen – süßsaures Schweinefleisch mit Ananas, Rippchen in süßsaurer Soße. Solche Sachen, wie Kinder sie mögen.“

Ich senkte den Blick und starrte einen Moment auf die Ananas auf meinem Teller, gegen die ich allergisch war.

Fünf Jahre.

Wir waren seit fünf Jahren zusammen.

Und ich musste Julian immer noch ausdrücklich sagen, was ich mochte und was nicht.

Dass Julian dagegen Lilias Vorlieben so selbstverständlich aufzählte, führte mir mein eigenes Scheitern vor Augen.

Da meldete sich mein Handy mit einem kurzen Signalton. Mein Vorgesetzter schickte mir die Flugdaten: Abflug morgen früh um acht.

Eine tiefe Ruhe kehrte in mir ein. Endlich fühlte ich mich befreit.

Während des ganzen Essens rührte ich keinen Bissen an. Nicht einmal das bemerkte Julian.

Ich saß nur daneben und sah schweigend zu, wie harmonisch die drei miteinander umgingen.

Für mich war da kein Platz.

Und ich wollte auch keinen mehr.

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