LOGINDezember 2026
Blair
Ich sprang abrupt vom Sofa auf. Von allem, was ich erwartet hatte, war das nun wirklich das Letzte gewesen, was ich hören wollte.
„Aber –“
„Warte.“ Emma unterbrach mich und brachte mich zum Schweigen, bevor sie fortfuhr. „Ich weiß, dass das eine ziemlich beschissene Situation ist, aber versuch einmal, die Sache aus der Sicht deines Chefs zu betrachten. Ihr befindet euch nun schon seit einem Jahr in diesem kalten Krieg, also ungefähr genauso lange, wie du ihn kennst. Nach allem, was du mir bisher erzählt hast, vermeidet ihr beide jegliche Kommunikation, sofern sie nicht absolut notwendig ist. Und selbst dann führt sie immer noch zu Spannungen. Verstehst du, worauf ich hinauswill?“
Ich presste die Lippen zusammen. Ein Teil von mir ahnte bereits, worauf sie als Nächstes hinauswollte, und fühlte sich bei dem Gedanken unwohl.
„Vergiss einmal die Tatsache, dass ihr eure jeweiligen Teams inzwischen zwangsläufig voneinander getrennt habt“, sagte sie. „Ihr seid die wichtigsten Designer und Direktoren in seiner Firma. Seine beiden Goldesel und diejenigen, zu denen alle anderen aufsehen. Dass ihr euch ständig in den Haaren liegt und er gezwungen ist, mit jedem von euch einzeln zu sprechen, ist nicht richtig. Für ein Unternehmen ist das auf Dauer keine tragfähige Situation.“
Ich verstand es. Natürlich tat ich das. Als ich die Sache aus dieser Perspektive betrachtete, überkam mich eine Welle aus Scham und Schuldgefühlen.
„Bisher hat es doch ganz gut funktioniert“, brummte ich leise.
„Ich weiß, B.“ Sie seufzte, und ihr Gesichtsausdruck wurde wieder sanfter. „Aber vielleicht wird genau das jetzt berücksichtigt. Ich glaube nicht, dass dahinter irgendein großer Plan von Zayn steckt oder dass deine Arbeit mangelhaft ist. Vielleicht versucht dein Chef einfach nur, die Situation zu bereinigen. Möglicherweise glaubt er, dass ihr eure Spannungen überwinden könnt, wenn ihr unter Druck zusammenarbeitet. Wenn du das weißt, wäre es dann nicht besser, es wenigstens zu versuchen, anstatt dich dagegen zu sträuben?“
Ihre Worte hallten in meinem Kopf nach. Sie klangen genauso wie Gideons. So widerwillig ich auch war, ich konnte ihnen nicht widersprechen.
Da ich nichts darauf zu erwidern wusste, ließ ich mich erschöpft und ausgelaugt zurück aufs Sofa sinken.
„Denk einfach darüber nach. Außerdem ist es schon Dezember. Wir können es uns nicht leisten, dass du deine Zeit verschwendest“, sagte Emma, deren Stimme nun wieder fröhlicher klang. „Denk doch mal nach: Je schneller du den Vorschlag fertigstellst, desto eher kannst du herkommen und deinen kleinen Neffen endlich richtig sehen. Danny kann es kaum erwarten, seine coole Tante aus der Stadt zu treffen, die Innenarchitektin ist.“
„Danny ist doch noch ein Baby.“
„Na und? Ist das nicht umso besser?“ Sie lächelte. „Sobald du ihn nur einmal ansiehst, wirst du all deinen Stress vergessen – einschließlich dieses steifen Arschlochs Zayn Olsen.“
Ihre Worte waren als Neckerei gemeint, doch mir bildete sich ein Kloß im Hals. Denn sie hatte recht.
Ich vermisste sie so sehr und wollte sie endlich wieder persönlich sehen. Jason, Emma und ihr Baby. Meine Familie.
Eine tief sitzende Sehnsucht zog an meiner Brust und ließ mich schmerzlich spüren, wie sehr sie mir fehlten.
„Ich werde darüber nachdenken“, sagte ich schließlich. Emma nickte zufrieden, und die Anspannung in meiner Brust ließ etwas nach. Einige Sekunden später wanderte ihr Blick aus dem Bild.
„Es ist viel zu ruhig. Ich werde langsam misstrauisch.“ Sie runzelte die Stirn und wandte sich wieder mir zu. „Ich muss nach Jason und Danny sehen und sicherstellen, dass sie keinen Unsinn anstellen.“
„Um wen machst du dir Sorgen? Um Jason oder das Baby?“, neckte ich sie.
„Ha, ha, sehr witzig.“ Sie verdrehte die Augen und lächelte warm. „Wir sprechen später weiter. Jason hat schon lange genug im übertragenen Sinne in der Hundehütte gesessen. Ich muss ihm sein Handy zurückgeben und ihn ein bisschen trösten.“
„Zu viele Informationen. Ich brauche keine Einzelheiten darüber, wie du das anstellen willst“, sagte ich. „Sag ihm, dass ich ihn lieb habe und ALLES gehört habe, einschließlich seines Modus als liebeskranker Hund. Er soll sich schon mal auf die Qualen vorbereiten, die ich ihm zufügen werde, wenn ich dort bin.“
„Ich werde ihn vorwarnen. Gute Nacht, B.“
„Gute Nacht, Em.“
Der Videoanruf endete, und mein Handybildschirm wurde schwarz. Nur mein Spiegelbild war noch im warmen Licht zu erkennen. Ich ließ das Handy sinken und blickte an die Decke, während Emmas und Gideons Worte in meinem Kopf kreisten.
Irgendwie sollte ich es innerhalb von weniger als einer Woche nicht nur schaffen, mich mit Zayn Olsen zu vertragen – zumindest vorübergehend einen Waffenstillstand zu schließen –, sondern auch noch gemeinsam mit ihm den Vorschlag auszuarbeiten und zu verbessern.
Wenn es doch nur so einfach wäre, wie sie behaupteten.
Bei unserem Verhalten konnte man leicht auf die Idee kommen, dass wir uns schon seit Ewigkeiten bekämpften und einen langjährigen Groll gegeneinander hegten, der sich über Jahre aufgebaut hatte. Besonders unter den neueren Mitarbeitern hatte ich solche Gerüchte gehört, auch wenn ich so tat, als bekäme ich nichts davon mit. Einige spekulierten, wir seien Jugendlieben gewesen, deren Beziehung in die Brüche gegangen sei – im Ernst? Wir waren mehrere Jahre auseinander und hatten nicht einmal dieselbe Universität besucht –, während andere glaubten, ich hätte ihn kurz nach seinem Eintritt um ein Date gebeten oder umgekehrt und eine Zurückweisung hätte unseren Streit ausgelöst. Die verbreitetste Vermutung war jedoch, dass ich eifersüchtig auf ihn gewesen sei, als er mit derselben Position wie ich zur Firma gekommen war, und Angst gehabt hätte, er könnte meinen Platz gefährden.
Nichts davon stimmte.
Anfangs hatte ich gar nicht vorgehabt, ihn zu hassen. Tatsächlich hatte ich ihn überhaupt nicht gehasst, als er zum ersten Mal bei Huntington angefangen hatte.
Zum ersten Mal hatte ich vor Jahren von ihm gehört, als ich gerade mein Studium beendet hatte und als Praktikantin arbeitete. Zayn Olsen war Absolvent einer renommierten Universität und einer der jüngsten Designer bei Rutner Interiors, einem hochfinanzierten Designunternehmen. In der Innenarchitekturbranche galt er praktisch als Geheimtipp, als jemand, den man unbedingt im Auge behalten sollte. Ich hatte dort kein Praktikum gemacht und ihn auch nie persönlich getroffen, doch innerhalb der Innenarchitekturszene der Stadt war sein Name einfach nicht zu überhören.
Allerdings hatte ich keine Zeit gehabt, ihn zu bewundern. Ich war viel zu beschäftigt damit gewesen, bei Huntington anzufangen und mit begrenztem Personal und knappen Ressourcen ein Projekt nach dem anderen zu übernehmen.
Dann, gerade als Huntington innerhalb der Branche eine solide Position erreicht hatte und zunehmend Anerkennung bekam, verbreitete sich plötzlich eine unerwartete Nachricht. Trotz seines Erfolgs bei Rutner hatte er überraschend gekündigt, obwohl er noch nicht einmal zwei Jahre dort gewesen war. Einen Monat später bat Gideon mich in sein Büro und teilte mir mit, dass Zayn als neuer Designdirektor zu Huntington kommen und gleichberechtigt neben mir arbeiten würde.
Damals störte mich das nicht. Ich war auch nicht gekränkt. Ganz im Gegenteil. Ich war begeistert.
Ich konnte durchaus zugeben, dass ich trotz der Anerkennung und des Stolzes nicht alles allein bewältigen konnte. Da ich seinen Ruf kannte, hoffte ich außerdem, ein wenig von ihm lernen zu können. Ich konnte zwar nicht ganz nachvollziehen, weshalb er von einem erstklassigen Unternehmen zu unserer Firma wechseln wollte, doch das hielt mich nicht davon ab, mich darauf zu freuen, ihn willkommen zu heißen.
Ich hatte mir sogar ausgemalt, wie es wohl werden würde. Wir würden als Partner zusammenarbeiten, gemeinsam mit dem Team Ideen austauschen, Witze über schwierige Kunden machen und Geschichten über unsere Ausbildung und bisherigen Erfahrungen erzählen.
Wir würden einander in den Büros besuchen und uns unter vier Augen unterhalten. Bis spät in die Nacht arbeiten und uns dabei immer näherkommen, bis …
Ich riss mich aus diesen Fantasien. Anders als die anderen waren sie einzig dadurch entstanden, dass ich sein zugegebenermaßen hübsches Gesicht gesehen hatte – auch wenn meine Meinung über dieses Gesicht inzwischen vollkommen im Keller war.
Alles in allem hatte ich damals eine ausgesprochen positive Meinung von ihm gehabt und wollte dafür sorgen, dass er sich willkommen fühlte.
Und das tat ich auch. An seinem ersten Arbeitstag war ich diejenige gewesen, die ihn empfing und ihm die Firma zeigte. Trotz meiner Nervosität war ich freundlich gewesen, hatte ihn den Mitarbeitern und den meisten Teammitgliedern vorgestellt und ihm alles erzählt, was mir einfiel.
Während des größten Teils der Führung hatte er geschwiegen und kaum auf meine Versuche reagiert, ein Gespräch anzufangen und ihn kennenzulernen. Ich war nervös geworden und hatte mich gefragt, ob ich vielleicht zu aufdringlich war. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass er einfach verschlossen und wortkarg war. Immerhin war alles neu für ihn.
Das hatte ich zumindest gedacht, bis wir bei der Besichtigung in seinem Büro angekommen waren. Dort musterte er mich plötzlich von Kopf bis Fuß, als würde er mich einschätzen wollen, und ergriff das Wort.
‚Ich weiß nicht, wie Sie in einer Aufmachung wie dieser … diese Position bekommen haben.‘, hatte er gesagt. ‚Verschonen Sie mich beim nächsten Mal mit Ihrem endlosen Geplapper und kommen Sie gleich zur Sache, sofern es überhaupt etwas zu sagen gibt.‘
Damals war ich völlig perplex und verletzt gewesen. Wäre es jemand anderes gewesen oder hätte ich mich in einer anderen Situation befunden, hätte ich nicht gezögert, ihm gehörig die Meinung zu sagen. Ich war schon immer stur gewesen und schnell auf hundertachtzig. Reife hin oder her.
Doch trotz dieser Eigenschaft war ich ruhig geblieben und hatte sogar Ausreden für ihn gesucht. Vielleicht war es nur eine beiläufige Bemerkung gewesen. Vielleicht war er einfach schroff oder gereizt gewesen.
Heute darüber nachzudenken, war einfach lächerlich.
In den darauffolgenden Tagen zerfielen all meine Ausreden. Er war kalt, launisch und feindselig. Jeder meiner Versuche, mit ihm zu sprechen, wurde abgeblockt. Selbst wenn ich Vorschläge machte oder ihn zum Mittagessen einlud, reagierte er sofort gereizt und wies mich kühl ab.
Fünf Tage. So lange hatte es gedauert, bis die anfängliche Begeisterung und meine Geduld nachließen. Und ausgerechnet beim denkbar schlimmsten Anlass war es so weit.
Dass er mich unter vier Augen abwies oder meine Art nicht mochte, war eine Sache. Doch dann fand unser erstes gemeinsames Meeting mit dem Team statt. Als ich Vorschläge für ein neues Projekt machte, lehnte er sie nicht nur ab, sondern machte sich auch noch vor all meinen Mitarbeitern über mich lustig.
Natürlich würde ich mir so etwas nicht gefallen lassen. Und so verpasste ich ihm unter den schockierten und entsetzten Blicken aller Anwesenden zwei Ohrfeigen und schoss zurück. Ich explodierte geradezu vor Wut, während er mich mit einem völlig verblüfften, wie erstarrten Gesichtsausdruck anstarrte.
Sollte mich jemand fragen, was ich damals gesagt hatte, als ich vor Wut rot sah, könnte ich mich nicht mehr daran erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich wütend und unzufrieden davonging, ihn bei Gideon meldete und kurz darauf aus dem Gebäude stürmte – die Arbeitszeit war zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei.
Nach einem Wochenende, an dem ich mich erst einmal beruhigt hatte, kehrte ich ins Büro zurück und stellte fest, dass er verschwunden war. Ein Teil von mir fragte sich, ob er gekündigt hatte oder ob Gideon ihn gefeuert hatte. Eine halbe Woche verging, bevor er zurückkam und sich öffentlich entschuldigte. Sein Gesichtsausdruck war dabei so kalt, dass es offensichtlich war, wie wenig aufrichtig diese Entschuldigung gemeint war. Erst als Gideon mit mir sprach, verstand ich, was dahintersteckte.
Es tat ihm nicht leid. Er tat es nur, um sich Gideons Gunst zu sichern.
Danach versuchte ich nur noch, ihm aus dem Weg zu gehen. Wir arbeiteten getrennt, und ich ignorierte seine aufgesetzten Gesten, die glücklicherweise zwei Wochen später ganz aufhörten.
Trotzdem bemühte ich mich weiterhin um einen höflichen Umgang. In meinen Augen mochte er zwar ein Arschloch mit seinem, zugegeben, ziemlich zweckmäßigen Geschmack in Sachen Design sein, aber er war dennoch mein Gleichgestellter, ein talentierter Designer und ein wertvolles Mitglied von Huntington. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Gideon ihn davon überzeugt hatte, zu uns zu kommen, aber ich wollte die Sache auch nicht unnötig aufs Spiel setzen. Selbst wenn wir nicht zusammenarbeiten konnten, so konnten wir zumindest irgendwie nebeneinanderher arbeiten.
Das dachte ich jedenfalls, bis er das Schlimmste tat, was man sich nur vorstellen konnte.
An diesem Tag war ich gerade dabei, die Bedingungen mit Mr Bentley auszuhandeln, einem neuen potenziellen Kunden, der ausdrücklich nach mir verlangt hatte, nachdem ich ihn mit mehreren überzeugenden Angeboten und Vorschlägen per E-Mail umworben hatte. Er hatte ein neues Bürogebäude gekauft und mich damit beauftragt, es zu Büroräumen umzubauen. Damals war das zweifellos ein großer Auftrag gewesen, den ich mir durch meine eigenen Bemühungen gesichert hatte.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits mehrere Videokonferenzen abgehalten und planten gerade, uns das Gebäude gemeinsam anzusehen. Ich war so überglücklich darüber gewesen, dass die Nachricht schließlich auch Zayn erreicht hatte. Damals hatte ich mir nichts dabei gedacht – bis sich bei unserem ersten persönlichen Vorgespräch, als sie ins Büro kamen, plötzlich alles änderte.
Mitten in der Besprechung war ich hinausgegangen, um noch einige zusätzliche Musterpläne zu holen, und kam dabei an Zayn vorbei. In meiner Eile hatte ich ihm beiläufig erzählt, dass Mr Bentley und einige seiner Mitarbeiter im Besprechungsraum saßen, bevor ich weiterging. Als ich wenige Minuten später zurückkam, musste ich feststellen, dass Mr Bentley und sein Team bereits verschwunden waren.
Zuerst war ich verwirrt gewesen. Ich fragte sogar herum, um herauszufinden, was passiert war, doch niemand, den ich antraf, war dabei gewesen oder wusste etwas. Erst als ich Mr Bentley eine E-Mail schickte und seine vernichtende Antwort erhielt, kam die ganze Wahrheit ans Licht.
Und alles führte zu Zayn.
Zayn. Verdammt. Olsen. Er hatte mein Projekt sabotiert. Laut Mr Bentley war Zayn nach meinem Weggang hereingekommen und hatte sie von ihrem Vorhaben abgebracht. Dabei hatte er meine Arbeit schlechtgemacht und mich als eine ‚übereifrige Praktikantin mit großer Klappe, aber ohne jegliches Können‘ bezeichnet. Daraufhin hatten sie beschlossen, dass Huntington nicht das Richtige für sie war, und sich an ein anderes Unternehmen gewandt.
Es traf mich wie ein Lastwagen und durchbrach all meine Schutzmauern. Dieses Gefühl, völlig überrumpelt worden zu sein, und vor allem der Schmerz waren etwas, das ich nicht vergessen konnte. In vielen Branchen herrschte ein harter Konkurrenzkampf, und die Innenarchitektur bildete da keine Ausnahme. Doch die ungeheure Beleidigung und der Verrat durch jemanden, den ich als Kollegen betrachtet hatte, taten weh.
Also stellte ich ihn in seinem Büro zur Rede. Ich wollte es einfach nicht glauben. Dass jemand so hinterhältig sein konnte, und besonders jemand wie er, der bereits genug Auszeichnungen vorzuweisen hatte. Er würde doch wohl kaum so grausam sein und mich sabotieren und beleidigen.
Doch zu meiner Überraschung schämte er sich nicht einmal dafür, es zuzugeben. Im Gegenteil, er wirkte selbstgefällig und behauptete, er hätte mir damit einen Gefallen getan. Ich rastete aus und stellte ihn zum ersten Mal direkt zur Rede. Der Streit eskalierte immer weiter, bis er schließlich jene Worte aussprach, die ich niemals vergessen würde.
‚Bist du wirklich so verzweifelt auf der Suche nach einem Projekt? Warum? Damit endlich jemand für dich klatscht und dir sagt, wie talentiert du bist? Damit du dich bestätigt fühlst? Das ist kein Ehrgeiz. Das ist Verzweiflung, und es ist erbärmlich.‘, hatte er gesagt.
‚Ich hätte gedacht, jemand wie du hätte wenigstens ein bisschen Selbstachtung und wüsste, wo sein Platz ist. Aber da habe ich mich wohl geirrt.‘
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Dezember 2026BlairKaum hatte ich den Flur betreten, schwieg ich und beschränkte mich darauf, die wenigen Leute zu grüßen, die mir gelegentlich entgegenkamen.Meine Gedanken kreisten immer noch um seine Worte, als ich um die Ecke bog und beinahe mit Gina zusammenstieß, meiner Assistentin und Freundin.„Heilige Scheiße, Blair! Ich habe dich gesucht“, rief sie aus. „Josh brauchte deine Rückmeldung zum Prima-Projekt. Ich habe ihnen gesagt, dass du in Mr Palmers Büro bist, aber … du siehst ziemlich angepisst aus.“„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du redest, Gina“, erwiderte ich und ging an ihr vorbei.„Jep, definitiv angepisst“, murmelte sie. Ich ignorierte sie, während sie neben mich trat und ihren Arm um meine Schultern legte.„Na los, raus damit.“ Sie zog leicht an mir. „Was ist passiert?“Ich spitzte die Lippen. Ein Teil von mir wollte tatsächlich darüber reden. Gina war die Einzige, die von meinem Vorhaben und dem geheimen Projekt wusste. Meine Gereiztheit hatte ohnehin
Dezember 2026Blair„Entschuldigen Sie, Sir, aber bei allem gebührenden Respekt … Was genau soll ich tun?!“Völlig perplex starrte ich den Mann vor mir an.Es war bereits Dezember. Weihnachten rückte näher und eigentlich war alles wunderbar. Ich freute mich schon riesig auf die bevorstehenden Feiertage, darauf, zu verreisen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Noch wichtiger war jedoch, dass sich mir eine einmalige Gelegenheit eröffnet hatte, die ich mir noch vor den Feiertagen sichern konnte.Genau deshalb konnte ich jetzt, nach wochenlanger Planung, beim besten Willen nicht glauben, was er da sagte.Gideon Palmer, der Präsident der Huntington Corporation und mein Chef, seufzte am Schreibtisch mir gegenüber.„Es ist genau so, wie ich es gesagt habe, Miss Valentine“, erklärte er sachlich. „Sie werden bei diesem Geschäftsvorschlag mit Mr Olsen zusammenarbeiten.“Es war das zweite Mal, dass er es sagte, und trotzdem trafen mich die Worte erneut mit voller Wucht. Ich konnte es ein







