Home / Romantik / Im Schatten deines Hasses / KAPITEL 91: DIE ENTBINDUNG

Share

KAPITEL 91: DIE ENTBINDUNG

Author: Déesse
last update publish date: 2026-05-31 07:16:59

Giulia

---

Neun Monate.

Ich habe sie gezählt, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Wehe für Wehe. Neun Monate, in denen ich meinen Bauch habe runder werden sehen, das Leben in mir habe wachsen spüren, mit dieser kleinen Präsenz gesprochen habe, die jedes Mal trat, wenn ich meine Hand auf meine gespannte Haut legte. Neun Monate, in denen ich mich gefragt habe, ob ich ihr gewachsen sein würde. Ob ich sie richtig lieben könnte. Ob ich nicht die Fehler meiner eigenen Mutter wiederholen würde, die Schwei
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 242 : Der Brief 2

    Ich stehe auf. Meine Beine sind schwer, meine Füße sind kalt auf dem Parkett. Ich gehe zurück zum Bett. Diego schläft noch, sein Gesicht friedlich, seine Hände offen. Er hat sich nicht bewegt. Er weiß nicht. Er weiß nichts.Ich schaue ihn an. Lange. Lange genug, um jedes Detail in mein Gedächtnis einzubrennen.Die Narbe auf seiner Wange, die, die er im Krankenhaus bekam. Fein, rosa, fast unsichtbar. Eine Erinnerung an die Explosion, an den Tod, der streifte, an das Leben, das weiterging.Die Augenringe unter seinen Augen, die seiner schlaflosen Nächte. Blau, tief, gegraben von den Albträumen, vom Alkohol, von der Angst.Seine halb geöffneten Lippen, die, die so viele Lügen gesagt haben, so viele Versprechen, so viele „Ich liebe dich". Seine Lippen, die mich geküsst, gebissen, verletzt haben. Seine Lippen, die ich nicht mehr küssen werde.Seine Hände. Seine Hände, die getötet, geschlagen, besessen haben. Seine Hände, die mich geh

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 241 : Der Brief

    ValentinaDie Nacht ist vor langer Zeit hereingebrochen. Die Stunden sind vergangen, langsam, dick, erstickend. Diego schläft neben mir, sein Atem langsam und regelmäßig, sein Körper warm an meinem. Er hat getrunken, heute Abend, um den Streit zu vergessen, um die Ohrfeige zu vergessen, um zu vergessen, was er getan hat. Er hat getrunken, um seine Scham zu ertränken, um seine Angst zu ersticken, um zu töten, was von ihm übrig ist.Er schläft wie ein Kind, wie ein Toter, wie ein Mann, der alles verloren hat und es noch nicht weiß.Ich schaue ihn an. Sein Gesicht ist friedlich, fast zärtlich. Die Muskeln seines Kiefers sind entspannt, seine Brauen sind nicht mehr gerunzelt, seine Lippen sind halb geöffnet. Seine Hände sind offen auf den Laken, seine Finger sind entspannt, seine Handflächen sind zum Himmel gedreht. Er sieht aus wie ein Engel, wie ein Heiliger, wie ein Mann, der nie jemandem etwas zuleide getan hat.Aber ich weiß. Ich weiß,

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 240 : Die Vorbereitungen

    Kleidung. Nicht die, die er mir geschenkt hat. Die, die ich vorher hatte, die, die ich behalten habe, die, die mich daran erinnern, wer ich war. Eine Jeans, an den Knien abgenutzt, mit Farbflecken. Ein Pullover aus Wolle, grau, weich, der nach Lavendel riecht. Eine Lederjacke, schwarz, die er hasst. Einfache, bequeme Unterwäsche, die ich selbst gekauft habe. Dicke Socken für den Winter. Wanderschuhe, solide, die Kilometer zurückgelegt haben.Meine Pinsel. Die, die ich versteckt habe, die, von denen er nicht weiß, dass ich sie habe, die, die mir erlauben, noch zu malen, zu erschaffen, zu existieren. Ich wickle sie in einen Stoff, ich lege sie auf den Grund der Tasche, wie Schätze, wie Waffen, wie Freunde. Pinsel verschiedener Größen, verschiedener Formen, mit Haaren, die von den Jahren abgenutzt sind. Pinsel, die Hunderte von Leinwänden bemalt haben, die Hunderte von Gesichtern gesehen haben, die Hunderte von Geschichten erzählt haben.Ein paar Leinwände. Die k

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 239 : Die Vorbereitungen

    ValentinaDie Schuhschachtel ist ganz hinten im Schrank, unter Stapeln von Kleidung, die ich nie trage. Kleider, die Diego mir geschenkt hat, Kostüme, die ich nicht gewählt habe, Schuhe, die ich nicht wollte. Geschenke eines Mannes, der mich besitzen, mich formen, mich nach seinem Bild erschaffen wollte.Ich schiebe die Kleidung beiseite. Meine Hände berühren den Karton, rau, müde. Ich greife ihn, ich ziehe ihn heraus. Die Schachtel ist schwer, schwerer als ich sie in Erinnerung habe. Sie enthält alles, was mir von meinem früheren Leben bleibt. Alles, was mir von mir bleibt.Ich öffne sie.Der Geruch von altem Karton steigt mir in die Nase, vermischt mit dem von Papier, Tinte, Erinnerungen. Das Geld ist da. Bündel von Scheinen, eng, kompakt, die nach Papier und Geheimnis riechen. Fünftausend Dollar. Was ich heimlich gespart habe, Verkauf für Verkauf, Leinwand für Leinwand. Was ich beiseitegelegt habe, ohne je zu wissen warum, wie ein Ins

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 238 : Die goldene Gefangene 2

    Kein Bankkonto mehr. Das Geld, das ich hatte, das wenige, das ich mit meinen Leinwänden verdient hatte, ist weg. Verschlungen von Diegos Schulden, von den Kosten des Hauses, von den Geschenken, die er mir gemacht hat und die ich nie wollte. Kleider, Schmuck, Reisen. Dinge, die mir nicht gehören, die mir nie gehört haben.Mir bleibt, was ich in meiner Tasche habe, was ich versteckt habe, was ich heimlich gespart habe. Fünftausend Dollar. Das ist wenig. Das ist viel. Das ist alles, was mir von meinem früheren Leben bleibt.Kein persönliches Telefon mehr. Das, das ich vorher hatte, mein echtes Telefon, mit meinen Kontakten, meinen Fotos, meinen Erinnerungen, ist in einer Schublade, irgendwo, oder vielleicht wurde es weggeworfen. Ich erinnere mich nicht mehr. Ich erinnere mich an nichts. Die Tage ähneln sich, die Nächte ähneln sich, die Stunden löschen sich eine nach der anderen aus.Keine Bewegungsfreiheit mehr. Die Wachen beobachten mich, wenn ich hinausgehe. Sie fragen, wohin ich gehe,

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 237 : Die goldene Gefangene

    ValentinaDas Haus ist leer.Das ist nicht wahr, natürlich. Es gibt Wachen im Hof, ihre dunklen Silhouetten unter dem fahlen Licht der Scheinwerfer. Es gibt Männer in den Fluren, ihre Schritte gedämpft durch die dicken Teppiche. Es gibt Dienstboten in den Küchen, die Mahlzeiten zubereiten, die niemand isst. Diego ist irgendwo, in seinem Büro, trinkt und schlägt gegen die Wände, zerstört sich selbst Stück für Stück, so wie er mich zerstört hat.Das Haus ist voller Menschen, voller Geräusche, voller Leben.Aber es ist leer. Leer von dem, was zählt. Leer von Freiheit. Leer von mir.Ich sitze im Zimmer, die Akte vor mir, die Beweise auf dem Bett ausgebreitet wie Leichen, wie Erinnerungen, wie Verurteilungen. Fotos, Notizen, Stundenabrechnungen. Alles, was ich gefunden habe. Alles, was ich notiert habe. Alles, was beweist, dass Chiara gewinnt, dass Diego verliert, dass ich sterbe.Aber ich schaue sie nicht an. Ich kann sie nicht mehr anschauen. Meine Augen sind müde, mein Kopf ist schwer,

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 4: Das Bankett der Schatten (1)

    GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 3: Die Asche (2)

    LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 2: Die Asche (1)

    GiuliaIch löse mich von der Wand und eile mit schnellen Schritten davon, flüchte mich in die Toiletten. Ich schließe mich in einer Kabine ein, das Herz rast. Ich presse meine Handflächen gegen meine Augen, um die drohenden Tränen zurückzuhalten. Sie dürfen hier nicht fließen. Nicht in seinem Gebäu

  • Im Schatten deines Hasses   Kapitel 1: Die Überreste

    GiuliaDer Regen schlägt gegen die Fenster des Großraumbüros wie eine unaufhörliche Mahnung. Jeder Tropfen scheint dasselbe Wort zu skandieren: warum, warum, warum. Ich starre auf meinen Computerbildschirm, die Zahlen tanzen vor meinen Augen, ohne dass mein Gehirn sie erfassen kann. Meine Welt best

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status