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Chapter 6

Autor: Enny
last update Fecha de publicación: 2026-08-12 00:39:17

Kapitel 6

Ich starrte auf die auf meinem Schreibtisch ausgebreiteten Baupläne. 1402 Lakeview Drive.

Ich weinte nicht. Der Schock war zu tief für Tränen. Stattdessen bildete sich ein kalter Knoten in meiner Brust, der mir das Atmen erschwerte.

Ich schnappte mir meinen Laptop. Meine Hände zitterten, aber ich schaffte es, den Browser zu öffnen und mich in das öffentliche Immobilienregister der Stadt einzuloggen. Ich musste es mit eigenen Augen sehen. Ich musste herausfinden, ob Beatrice grausam zu mir gewesen war oder ob mein Mann tatsächlich so betrügerisch war.

Ich gab Zyrans Namen ein.

Die Ergebnisse erschienen sofort.

Da war es.

1402 Lakeview Drive, Penthouse B. Eigentümer: Zyran King. Gekauft: 12. Mai.

Genau vor fünf Jahren.

Ein Keuchen entwich meinen Lippen. Ich schlug den Laptop zu und bedeckte meinen Mund mit der Hand.

Er hatte es behalten. Fünf Jahre lang, während unserer gesamten Beziehung, unserer Hochzeit und unserer vier Ehejahre hatte er dieses Traumhaus, das er für eine andere Frau gekauft hatte, vor mir verborgen. Er hatte die Steuern und die Instandhaltung bezahlt und es für sie bereitgehalten.

Die Schlafzimmertür klickte auf.

Ich zuckte zusammen und wischte mir hastig die Augen. Zyran trat ein. Er hatte sein Sakko und seine Krawatte ausgezogen, und die beiden obersten Knöpfe seines Hemdes standen offen. Er sah müde aus.

„Mutter und Clara sind gerade gegangen“, seufzte er und ging zu seinem Kleiderschrank, um seine Uhr abzulegen. „Mina schläft endlich im Gästezimmer, im Haus ist es ruhig.“

Er sprach so beiläufig, als wären wir ein ganz normales Ehepaar, das über Gäste sprach.

Ich saß wie erstarrt am Schreibtisch, meine Hand lag flach auf den Bauplänen.

Zyran drehte sich um und bemerkte mich. Seine dunklen Brauen zogen sich zusammen.

„Roosevelt? Ist alles in Ordnung? Du siehst blass aus. Tut dein Knöchel wieder weh?“

Er kam auf mich zu. Sein Blick fiel auf die Baupläne, die über meinen Schreibtisch verteilt lagen.

„Du arbeitest spät“, sagte er sanft. Er streckte die Hand aus und strich mir vorsichtig eine lose Haarsträhne hinters Ohr. Seine Finger waren warm, doch seine Berührung brannte auf meiner Haut. „Ich habe dir gesagt, dass es dringend ist, aber du musst dich nicht völlig verausgaben. Das Design kann bis morgen warten.“

Ich blickte zu ihm auf. In seinen dunklen Augen lag etwas, das wie echte Sorge aussah. Wie konnte er so fürsorglich wirken, während er eine derart gewaltige Lüge verbarg?

„Zyran“, sagte ich. Meine Stimme klang selbst für mich leer. „Dieses Penthouse, das in der Lakeview Drive.“

Seine Hand sank von meinem Gesicht. Die Muskeln in seinem Kiefer spannten sich an.

„Was ist damit?“

„Es ist eine wunderschöne Immobilie“, sagte ich langsam und beobachtete jede seiner Reaktionen. „Der Grundriss ist sehr speziell. Es gibt ein maßgefertigtes Kinderzimmer, das mit dem Hauptschlafzimmer verbunden ist. Haben die vorherigen Besitzer das bauen lassen?“

Zyran sah weg und verlagerte sein Gewicht, während er die Hände in die Taschen steckte. Er konnte meinem Blick nicht standhalten.

„Ja“, sagte er glatt. „Die vorherigen Besitzer.“

Er verbarg nicht nur seine Vergangenheit, er belog mich aktiv, um Minas Komfort zu schützen.

„Es muss teuer gewesen sein, es so kurzfristig zu kaufen“, drängte ich weiter, während mein Herz raste. „Einen Kauf heute abzuschließen, muss stressig gewesen sein.“

„Mein Immobilien-Team hat sich darum gekümmert“, sagte er schnell. Er drehte mir den Rücken zu und ging in Richtung Badezimmer. „Ich werde duschen. Wir beide brauchen etwas Schlaf.“

Er schloss die Badezimmertür und ließ mich allein zurück.

Er hatte mir ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht gelogen, ohne den geringsten Anflug von Schuld.

Ich blickte auf meinen flachen Bauch hinunter.

Er wird auch uns belügen, dachte ich, während endlich eine bittere Träne fiel. Er wird sie immer an die erste Stelle setzen.

Am nächsten Morgen wartete ich nicht darauf, dass Zyran aufwachte.

Ich verließ das Safe House, bevor die Sonne vollständig aufgegangen war. Ich nahm ein Taxi direkt zur Lakeview Drive. Ich konnte nicht einfach in meinem Büro sitzen und diesen Ort anhand eines Stücks Papier entwerfen. Ich musste in dem Haus stehen, das mein Mann für seine erste Liebe gebaut hatte. Ich musste mich der Realität stellen, damit ich endlich aus meinen eigenen törichten Träumen erwachen konnte.

Das Gebäude war prächtig, ein hoch aufragendes Bauwerk aus Glas und Stahl. Der Sicherheitsmann übergab mir sofort die Schlüssel, als ich ihm meinen Ausweis und die Genehmigung meiner Designfirma zeigte.

„Penthouse B“, sagte der Sicherheitsmann höflich lächelnd. „Es ist eine wunderschöne Wohnung, Mrs. King. Obwohl sie schon ziemlich lange leer steht.“

„Ich weiß“, murmelte ich.

Ich fuhr mit dem privaten Aufzug in die oberste Etage. Meine Hände umklammerten meine Handtasche fest. Ich erwartete eine leere, staubige Wohnung.

Die Aufzugtüren ertönten und öffneten sich, und ein privater Eingangsbereich kam zum Vorschein. Ich steckte den Schlüssel ins Schloss und drückte die Tür auf.

Ich trat ein, und mir blieb der Atem weg.

Das Penthouse war nicht leer.

Es war vollständig eingerichtet, und es handelte sich nicht einfach um gewöhnliche Hotelausstattung. Es war atemberaubend schön. Das Morgenlicht erfüllte den Raum und hob das smaragdgrüne Samtsofa, den Couchtisch mit goldenen Akzenten und die handbemalte Blumentapete im Esszimmer hervor.

Ich ließ meine Handtasche fallen. Sie schlug mit einem lauten dumpfen Geräusch auf dem Boden auf.

Langsam ging ich in die Mitte des Wohnzimmers, meine Augen weit aufgerissen angesichts der schrecklichen Erkenntnis. Ich berührte die Rückseite des Samtsofas. Ich fuhr mit den Fingern über das Muster der maßgefertigten Seidenvorhänge.

Ich erkannte diese Vorhänge. Ich erkannte dieses Sofa. Ich kannte den exakten Farbton der Wände.

Vor fünf Jahren, als ich gerade erst Junior-Assistentin in meiner Designfirma gewesen war, hatte ich einen anonymen Auftrag erhalten. Ein wohlhabender Kunde wollte ein Penthouse für seine zukünftige Braut gestalten lassen. Es war mein allererstes Projekt, das ich allein durchführte. Ich hatte mein Herz, meine Seele und all meine romantischen Träume hineingelegt, um das perfekte Liebesnest für ein Paar zu erschaffen, das ich nicht einmal kennengelernt hatte.

Ich sah mich im Raum um, während sich alles um mich herum zu drehen schien.

Zyran hatte mich nicht einfach gebeten, das Haus seiner Ex-Freundin zu dekorieren.

Er hatte mich hierhergebracht, um genau das erste Zuhause zu zerstören, das ich jemals entworfen hatte... damit ich ihr ein neues bauen konnte.

Aber die Frage war: Weiß er, dass ich damals diejenige war, die dieses Haus eingerichtet hat?

Ich weinte nicht im Penthouse. Ich weigerte mich, mich vom Geist der Vergangenheit meines Mannes zerbrechen zu lassen.

Stattdessen holte ich tief Luft, zog mein Handy heraus und rief meinen leitenden Bauunternehmer an.

„Ich brauche sofort ein Team im Penthouse B“, sagte ich mit ruhiger und kalter Stimme. „Wir reißen alles heraus. Entfernt den Samt, reißt die Tapete herunter. Ich will, dass es bis morgen früh bis auf den Beton entkernt ist. Wir gehen auf einen sterilen, ultramodernen minimalistischen Stil. Alles weiß und ohne Wärme.“

Wenn Zyran wollte, dass ich seiner Ex-Freundin ein Zuhause baute, würde ich ihr ein Museum geben. Ich würde jede Erinnerung an die Liebe auslöschen, die ich vor fünf Jahren fälschlicherweise in diesen Ort gegossen hatte.

Und genau das tat ich.

Zwei quälend lange Wochen lang stürzte ich mich in das Projekt. Ich arbeitete von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, kämpfte gegen die morgendliche Übelkeit und die Erschöpfung an, die mir in den Knochen saß. Ich mied Zyran so gut ich konnte und benutzte die knappe Deadline als Ausrede.

Ich spielte das Spiel perfekt. Ich lächelte, wenn Mina nach einem größeren Kleiderschrank fragte. Ich nickte höflich, wenn Zyran vorbeikam, um den Fortschritt zu überprüfen. Ich bewahrte mein Geheimnis, mein Baby, sicher hinter meinem Schweigen.

Endlich war es fertig.

Mina zog aus dem Safe House aus, und Zyran und ich kehrten in unser Haupthaus zurück.

Es war Freitagabend. Das Haus war still. Zum ersten Mal seit Wochen war kein schrilles Kichern aus dem Gästezimmer zu hören. Es gab keine überraschenden Besuche von Beatrice.

Ich stand vor dem Spiegel in unserem Hauptschlafzimmer und strich meinen Seidenmorgenmantel glatt. Mein Bauch begann gerade, eine kleine, kaum sichtbare Wölbung zu zeigen. Ich legte meine Hand darauf und spürte plötzlich einen Funken Hoffnung.

Mina ist weg, dachte ich. Sie hat jetzt ihren eigenen Platz. Vielleicht ist der Albtraum vorbei. Vielleicht kann ich ihm heute Abend endlich von dir erzählen.

Die Schlafzimmertür öffnete sich, und Zyran kam herein.

Er sah unglaublich gut aus. Er hatte seine Krawatte abgelegt, und sein dunkles Haar war leicht zerzaust. Als er mich dort stehen sah, wurden die angespannten Linien um seinen Mund weicher, und tatsächlich lächelte er.

„Das Haus gehört endlich wieder uns“, sagte Zyran und stieß einen langen Seufzer aus, während er seine Aktentasche auf den Sessel stellte.

Er kam zu mir, und mein Herz machte den vertrauten Sprung in meiner Brust. Er streckte die Hand aus und legte sie sanft an meine Wange, während sein Daumen über meine Haut strich.

„Du hast unglaubliche Arbeit geleistet, Roosevelt“, sagte er sanft und sah mir in die Augen. „Mina liebt das Penthouse und fühlt sich dort sicher. Danke dafür. Ich weiß, dass es nicht einfach war.“

Ich schmiegte mich an seine Berührung und schloss für einen Moment die Augen.

„Ich wollte einfach nur, dass wir wieder zur Normalität zurückkehren, Zyran. Ich habe... uns vermisst.“

„Ich habe uns auch vermisst“, flüsterte er.

Er küsste meine Stirn.

Dann zog er sich zurück und griff in die Tasche seines Sakkos. Er holte eine elegante schwarze Schachtel heraus und legte sie in meine Hand.

„Ich weiß, dass der Brand und der Stalker unseren Hochzeitstag ruiniert haben“, sagte Zyran mit gesenkter Stimme. „Ich war in letzter Zeit nicht der aufmerksamste Ehemann. Aber ich wollte es wiedergutmachen. Auch für uns ein Neuanfang.“

Mein Atem stockte, als ich die Schachtel langsam öffnete.

Darin lag auf weißem Satin eine atemberaubende Diamantkette mit einem tropfenförmigen Anhänger. Die Edelsteine fingen das Licht des Kronleuchters ein und funkelten prächtig. Sie war elegant und perfekt.

„Zyran...“, hauchte ich, während mir Tränen in die Augen stiegen. „Sie ist wunderschön, danke.“

„Nur das Beste für meine Frau“, sagte er lächelnd und sah zufrieden aus. „Ich werde jetzt schnell duschen. Leg sie an, und dann essen wir unten zu Abend, nur wir beide.“

Er drehte sich um und ging ins Hauptbadezimmer, wobei er die Tür hinter sich schloss. Bald erfüllte das Geräusch von fließendem Wasser den Raum.

Ich stand dort und presste die Schachtel an meine Brust. Eine glückliche Träne rann über meine Wange.

Er sorgte sich. Er sorgte sich wirklich.

Nixie hatte sich geirrt, Beatrice hatte sich geirrt. Er hatte nur einer alten Freundin geholfen, aber ich war seine Gegenwart und seine Zukunft.

Ich stellte die Schachtel auf meine Kommode und ging zum Sessel hinüber, um sein Sakko aufzuhängen, damit es keine Falten bekam.

Als ich das schwere Designer-Sakko anhob, rutschte etwas aus der Brusttasche und flatterte zu Boden.

Es war ein kleines Stück dickes Papier mit einem Wappen. Eine Quittung.

Ich bückte mich und hob es auf, weil ich es wegwerfen wollte. Doch das Logo oben fiel mir ins Auge.

Tiffany & Co.

Mein Lächeln wurde breiter.

Er war heute nur für mich zu Tiffany gegangen.

Neugierig überflog ich die aufgedruckten Zeilen, um zu sehen, wie viel er für seine Entschuldigung ausgegeben hatte.

Doch als ich weiterlas, verblasste mein Lächeln schnell.

Die Wärme in meinem Blut verwandelte sich in Eis.

Auf der Quittung standen zwei Artikel.

Artikel 1: Diamant-Anhänger in Tropfenform

Preis: 45.000 $

Ich schluckte schwer und ließ meinen Blick zur nächsten Zeile wandern.

Artikel 2: Maßgefertigter Diamant-Ewigkeitsring (Größe 5)

Gravur: Für immer Deine, Z.

Preis: 250.000 $

Ich starrte auf das Papier, bis die Zahlen vor meinen Augen verschwammen.

Größe 5?

Meine Ringgröße war 7.

Mina?, dachte ich wütend.

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