เข้าสู่ระบบÉric
Ich habe Mühe zu atmen. Nicht weil ich nervös bin – zumindest nicht nur. Es ist dieses verdammte Haus. Seit einiger Zeit scheint es mich zu verurteilen. Jede Wand, jedes Möbelstück, jede Stille wird zu einer stummen Anklage. Selbst die Alltagsgegenstände der Teppich, den Clara liebt, die Keramikvase, die wir aus Siena mitgebracht haben, die Vorhänge, die sie sorgfältig ausgesucht hat erinnern mich an das, was ich verraten habe.
Und heute Abend habe ich ein weiteres Gift in die Luft gegeben.
Jade.
Als sie aus dem Auto stieg, im Regen, mit diesem Lächeln, das sie so gut zu dosieren weiß… spürte ich, wie sich meine Kehle zuschnürte. Sie ist sowohl mein Fehler als auch meine Versuchung. Mein Untergang, vielleicht. Aber zu spät. Sie ist hier. Und jetzt muss ich Kompromisse schließen. Das instabile Gleichgewicht finden zwischen Kühnheit und Vorsicht, zwischen dem, was ich zeige, und dem, was ich verberge.
Clara.
Ihr Blick, als sie uns sah… ich kenne ihn. Es ist noch keine Wut. Noch nicht. Es ist diese scharfe Intuition, diese Art von sechstem Sinn, den Frauen haben, wenn sich etwas verändert. Sie weiß es nicht. Nicht genau. Aber sie spürt es. Und dieses "Spüren" ist tausendmal gefährlicher als ein direkter Verdacht.
Frauen spüren immer. Sie lesen, was man nicht sagt. Sie spüren Stille auf, so wie andere Blut riechen. Und Clara… Clara ist furchteinflößend, wenn sie zweifelt.
Ich sage mir immer wieder, dass ich kein Lügner bin. Dass ich das nicht bin, all das. Aber ich lüge. Und ich lüge gut. Zu gut. Es ist zu einer Kunst geworden, einem Rhythmus, einer geölten Mechanik. Ein gerader Blick, ein ruhiger Ton, eine Dosis fabrizierter Zärtlichkeit.
— Jade ist… meine Cousine.
Es kam in einem einzigen Atemzug heraus, fast mühelos. Ich habe es sogar geschafft, einen Hauch von Verlegenheit hineinzulegen, als ob ich mich schämen würde, ihr diese Anwesenheit aufzuzwingen.
Cousine. Von der Seite meiner Mutter. Es ist vage, weit weg, perfekt.
Und doch, in der darauffolgenden Sekunde, sah ich Claras Kiefer sich anspannen. Ihr Blick durchbohrte mich wie eine Klinge. Sie unterbrach mich nicht. Sie stellte keine Fragen. Aber sie sah mich an… wirklich an. Und da wusste ich: Sie ist dabei, die Teile eines Puzzles zusammenzusetzen, von dem ich dachte, es wäre unsichtbar.
Ich gehe die Treppe hinauf mit Jade. Ihre Tasche in der Hand. Meine "Cousine", mein Fehler.
Sie steigt langsam, ohne Eile. Sie gleitet mit ihren schlanken Fingern über das Geländer, sieht sich um wie eine Inspektorin. Sie fühlt sich hier nicht eingeladen. Sie tut so, als käme sie nach Hause.
— Es ist charmant hier, murmelt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
Charmant. In ihrem Mund klingt es wie eine höfliche Beleidigung. Sie findet den Ort zu eckig, zu gewöhnlich. Zu sehr Clara. Das hat ihr nie gefallen. Sie bevorzugt Unordnung, Bewegung, Instinkt.
— Du wirst hier schlafen, sage ich und stelle die Tasche im Gästezimmer ab.
Sie tritt ein, geht im Zimmer umher wie eine Hotelkritikerin. Ihr Blick streift die weißen Wände, die gebügelte Bettwäsche, den Bilderrahmen auf der Kommode (ein Foto von uns beiden, Clara und ich, in Lissabon… beißende Ironie).
— Sieht aus wie ein skandinavischer Einrichtungskatalog, haucht sie.
Sie sieht mich über ihre Schulter an. Da nehme ich ihr Parfüm wahr. Dieser süße, tiefe, fast animalische Duft, der mich idiotisch macht. Mein Bauch verkrampft sich unwillkürlich.
— Das ist Clara. Sie mag es, wenn alles an seinem Platz ist.
Sie kommt näher. Langsam. Zu nah. Und ich weiß, was sie tut. Sie spielt. Wie immer. Sie liebt es, Grenzen zu verschieben, an Ränder zu stoßen.
— Und du, Éric?, flüstert sie. Magst du das? Wenn alles an seinem Platz ist?
Ich könnte ihr antworten. Einen Witz machen. Sagen, dass ich Ordnung mag, dass sie mich beruhigt. Aber ich sage nichts. Denn die Wahrheit ist, dass ich nicht mehr weiß, was ich mag. Was ich will.
Ich sehe sie an.
Und in ihrem Blick sehe ich dieses vertraute und gefährliche Ding: die Macht. Die, die sie über mich hat. Die, die ich ihr lasse.
Wir berühren uns nicht. Nicht hier. Noch nicht. Das wäre zu früh. Zu offensichtlich. Aber sie streift meine Hand, sanft. Und diese flüchtige Berührung wiegt tausend Liebkosungen auf. Weil sie verboten ist. Und weil wir es wissen.
— Bleib brav, bringe ich mit zugeschnürter Kehle hervor.
Sie lacht. Leise. Ein fast zärtliches Lachen. Und dieses Lachen folgt mir, als sie die Tür hinter sich schließt.
Ich gehe wieder nach unten.
Clara ist im Wohnzimmer. Aufrecht wie eine Statue. Ihre Teetasse in den Händen, aber sie trinkt nicht. Sie ist erstarrt. Ich kenne sie. Sie denkt nach. Sie analysiert.
Ich setze mich neben sie. Lege eine Hand auf ihr Bein, wie immer. Eine eingeübte, wiederholte Geste, ohne Wärme.
— Sie bleibt ein paar Tage. Bis sie sich gefangen hat. Sie hat nicht wirklich Halt mehr.
Sie antwortet mir nicht. Sie sieht Jade an, die sich im Sessel niedergelassen hat. Absolut bequem. Zu bequem. Sie schlägt die Beine übereinander, beobachtet den Raum, atmet die Atmosphäre ein. Sie eignet sich die Räume allein durch ihre Anwesenheit an.
Ich fühle mich gefangen zwischen zwei Welten. Der, die ich mit Clara aufgebaut habe. Stabil. Vorhersehbar. Und der, die ich mit Jade ausgelöst habe. Instinktiv. Wild. Unkontrollierbar.
— Zimt. Ich liebe es.
Dieser Satz durchbohrt mich.
Ich drehe langsam den Kopf. Clara auch.
Ihr Blick ruht auf mir. Eiskalt. Forschend.
Sie hat verstanden.
Der Zimttee ist ihrer. Ihr Morgenritual. Niemand sonst trinkt ihn hier. Ich habe Jade noch nie welchen angeboten. Und doch… sie erkennt ihn. Sie benennt ihn.
Ich räuspere mich. Eine Ausweichbewegung.
— Ich hole noch ein Scheit Holz für den Kamin.
Ich fliehe. Buchstäblich. Mein Herz hämmert in meiner Brust. Ich gehe in die Garage, lehne mich gegen die Wand.
Verdammt.
Es entgleitet mir. Zu schnell. Jade spielt zu hart. Clara ist zu hellsichtig. Und ich… ich bin dem, was ich in Gang gesetzt habe, nicht gewachsen.
Später geht Clara ohne ein Wort nach oben.
Ich bleibe in der Küche. Lange. Starre auf die Fliesen. Höre das Ticken der Uhr. Frage mich, wie lange ich schon lüge. Und warum ich nicht aufgehört habe. Vielleicht, weil ich Clara trotz allem noch liebe. Oder vielleicht, weil ich Angst vor ihr habe. Angst davor, was sie tun würde, wenn sie es wüsste.
Und Jade… sie ist ein Ausbruch. Ein Abgrund, ein Hunger.
Ich gehe nach oben. Langsam. Wie ein Verurteilter.
Clara liegt auf der Seite. Rücken zugewandt. Sie atmet leise, oder tut so. Ich gleite ins Bett. Ihre Wärme erreicht mich kaum. Ich strecke die Hand aus. Lege sie auf ihre Hüfte. Sie bewegt sich nicht.
Mein Herz zieht sich zusammen.
Jade ist nur ein paar Meter entfernt. Eine Etage höher.
Und ich bin hier. Neben einer Frau, die mich noch liebt, ohne zu wissen, dass ich gerade alles zerstöre.
Ich bin gefangen in einem Labyrinth, das ich selbst gezeichnet habe.
Und was ich heute Abend fühle, ist weder Triumph noch Vergnügen. Es ist ein Schwindel.
Ein schrecklicher Schwindel.
ÉloïseDie Kälte des Glases an meinen Handflächen, an den Spitzen meiner Brüste, die sich dagegen drücken, ist ein brutaler Schock. Dahinter die Leere, die Stadt, die Welt. Vor mir, in der dunklen Spiegelung, sehe ich unsere umschlungenen Silhouetten, seinen dunklen, kraftvollen Körper, der sich über meinen beugt. Es ist obszön. Es ist wunderschön.Er dringt wieder in mich ein, von hinten, und der Winkelwechsel ist eine Offenbarung. Ein tieferer, direkterer Druck. Ein langer, tiefer Laut entweicht meinen Lippen. Meine Augen schließen sich, öffnen sich wieder, starren auf unser verschwommenes Spiegelbild. Ich will sehen. Ich will sein von Lust verzerrtes Gesicht sehen, seine Hände, die weiß umklammern, die Kurve meines hingegebenen Rückens.Er beugt sich über mich, sein Oberkörper klebt an meinem Rücken, sein Mund an meinem Ohr.»Sieh«, keucht er. »Sieh uns an. Das ist es. Die Kehrseite der Kulissen. Die Wahrheit ohne die Musik. Die Wahrheit ist die Musik.«Sein Rhythmus beschleunigt s
ÉloïseSein Flüstern, ›Meine Musik‹, hallt noch in mir nach, ein durchgehender Bass unter der Haut, als ich spüre, wie sein Atem gleichmäßiger wird, sein Körper sich im Schlaf schwerer an meinen lehnt. Aber meiner weigert sich der Vergessenheit. Ich bin wach, vibrierend, jeder Nerv noch weißglühend. Die Nacht ist eine große, gespannte Stille um unsere feuchte Nische, und diese Stille ist nun ein Instrument. Ein Instrument, das ich zum Klingen bringen will.Ich löse mich mit unendlicher Langsamkeit, hebe seinen Arm, der mich umschlingt, gleite aus dem Kreis seiner Wärme. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut lässt mich schaudern, ein köstlicher Kontrast nach dem Ofen unserer Körper. Am Bettrand stehend sehe ich ihm beim Schlafen zu. Im Zwielicht ist er eine Landschaft aus Hügeln und beschatteten Tälern, entspannten Muskeln, errungenem Frieden. Aber ich kenne den Ausbruch unter der Erdkruste.Ich ziehe mich nicht an. Die Nacktheit ist meine Uniform, meine Rüstung, mein Zustand der Wahr
ÉloïseEr ist nackt vor mir, sitzend, und ich bin noch teilweise bekleidet. Der Kontrast ist atemberaubend. Ich sehe alles an ihm. Die geballte Kraft seiner Oberschenkel, die offensichtliche Spannung seines Verlangens, die Muskeln seines Bauches, die unter der Erwartung angespannt sind. Aber ich sehe auch die Zeichen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Schatten, die Blässe seiner Haut dort, wo die Sonne nie hinkommt. Er ist vollkommen real, vollkommen menschlich. Das ist nicht mehr mein Theater. Das ist mein Heiligtum.Ich knalle meine Jeans auf, lasse sie mit einem Rascheln des Stoffes an meinen Beinen hinabgleiten, das die Stille zu zerreißen scheint. Ich bleibe einen Augenblick in Unterwäsche stehen, gerade lange genug, um zu sehen, wie sein Blick sich verzehrt. Dann ziehe ich sie aus. Die Nachtluft auf meiner völlig entblößten Haut ist eine gewalttätige, köstliche Empfindung.Ich trete vor. Ich stelle ein Knie auf das Bett, zu jeder Seite seiner Hüften, und setze mich auf seine O
ÉloïseDie Zeit vergeht nicht mehr, sie pulsiert. Seine Hand auf meinem Haar ist ein Ankerpunkt in einem Ozean latenter Empfindungen. Jeder Atemzug, den ich nehme, hebt meinen Kopf leicht gegen seine Knie; jede Ausatmung ist ein winziges Loslassen. Ich könnte so eine Ewigkeit bleiben, in dieser Schwebe am Übergang, wo das Verlangen kein Pfeil mehr ist, sondern eine Flut, langsam, unaufhaltsam.Dann bewegt sich seine Hand. Seine Finger zeichnen den Umriss meines Ohrs nach, eine zerbrechliche Kurve, der er mit der Ehrfurcht eines Archäologen folgt. Der Schauer ist nicht brutal. Er ist tief, schießt von diesem Punkt aus und breitet sich unter meiner Haut aus wie Tinte im Wasser. Ich halte den Atem an. Seine Finger wandern hinab, gleiten an meinem Kiefer entlang, streifen den rasenden Puls an der Basis meines Halses. Er sagt alles ohne ein Wort. Er sagt: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Ich erinnere mich an die Landkarte deiner Wut, und jetzt will ich die deines Friedens.Ich drehe den Kopf
LéoDie Spannung der Werkstatt hat sich nicht aufgelöst. Sie hat sich verwandelt. Sie schwebt zwischen uns wie ein elektrischer Dunst, während wir in den Abendstraßen nebeneinander hergehen. Niemand spricht davon, nach Hause zu gehen. Niemand schlägt vor, sich zu trennen. Die Musik hat eine Tür geöffnet, und wir sind auf die andere Seite gegangen. Jetzt müssen wir neu lernen, dieselbe Luft zu atmen.»Ich sterbe vor Hunger«, sage ich schließlich und breche das Schweigen, das kein Schweigen war, sondern ein Summen von klingenden Saiten in unseren Köpfen.Ich betrachte sie aus den Augenwinkeln.»Und du musst erschöpft sein. Du hast deine Reserven geleert.«»Erschöpft? Vielleicht. Leer? Nein.«Sie schüttelt den Kopf, ihr Haar fängt den orangefarbenen Schein einer Laterne ein.»Ich bin zum Bersten voll. Von all dem, was herausgekommen ist. Ich brauche … etwas anderes. Etwas Konkretes. Wärme.«»Dann komm.«Ich nehme sie nicht bei der Hand. Die Berührung wäre zu direkt, zu brutal nach dem Kl
LéoMir wird klar, dass ich die Fäuste balle. Dass meine Nägel sich in meine Handflächen graben. Die Werkstatt ist zu einem Schlachtfeld geworden, und ich bin der einzige Zeuge, der einzige, der den Ursprung jedes Splitter, jeder klanglichen Wunde kennt. Es ist unerträglich. Es ist notwendig.Sie senkt endlich ihre Geige. Ihr Atem ist kurz. Sie sieht mich an, und ihr Blick ist nicht mehr der des Komponisten oder des Interpreten. Er ist nackt. Fragend.»Ist das … ist das das?«, fragt sie mit kaum hörbarer, von der Anstrengung gezeichneter Stimme.Ich antworte nicht sofort. Wie soll ich sagen, dass es schlimmer ist? Dass es besser ist? Dass es genau richtig ist? Die Musik hat den Knochen unter dem Fleisch unseres Konflikts freigelegt.»Es ist mehr als das«, sage ich schließlich, meine Stimme heiser. »Du hast gespielt … was ich nicht sagen konnte. Was unter der Wut war.«Ein Schauder durchläuft Clara.»Mein Gott«, murmelt sie. »Sie haben eine ganze Nacht auf Ihren nackten Nerven aufgenom
ÉricIch kann nicht schlafen.Die Stille im Schlafzimmer ist fast erdrückend. Man hört nichts, außer Claras regelmäßigem Atem, die neben mir ausgestreckt liegt. Oder vielleicht tut sie nur so. Clara hat diese Art, sich zurückzuziehen, ohne Lärm zu machen, lautlos zu verschwinden, aber ihre Abwesenh
ÉricIch wusste, dass es passieren würde.Ich wusste es von dem Moment an, als ich sie verließ, fünf Tage zuvor, noch zitternd, noch von ihr gezeichnet. Es war keine Flucht, keine Erlösung. Es war nur ein Aufschub.Seitdem hat alles seinen Geschmack verloren.Der Kaffee.Die Gespräche, Claras Haut.
ÉricDas Büro bedrückt mich.Mehr denn je.Dabei bin ich hierhergekommen, um zu fliehen. Aus dem Zimmer. Vor Clara. Vor der Erinnerung an den Vorabend, an ihre sanfte Stimme wie ein Urteil, an ihren gemessenen Atem im Dunkeln. Vor allem, um Jade zu entfliehen. Ironische Gemeinheit: Sie ist es, die
ClaraDer Himmel ist tief, schwer wie meine müden Augenlider. Ein feiner Regen zeichnet graue Adern auf die Scheiben der Fensterfront und verschwimmt den Blick auf den makellos geschnittenen Garten, den ich im Laufe der Jahre selbst angelegt habe. Jedes Beet, jeder Busch hat eine Geschichte. Stunde







