เข้าสู่ระบบÉric
Die Tür ihres Zimmers öffnet sich, noch bevor ich klopfe.
Sie wusste es.
Sie hatte auf mich gewartet, nackt unter einem geöffneten Kimono, wie eine Provokation. Keine unnötigen Worte. Keine falsche Bescheidenheit. Ihr Blick durchbohrt mich. Ich habe das Gefühl zu ersticken, schon bevor ich eintrete.
Ich mache einen Schritt.
Sie weicht langsam zurück, dreht mir den Rücken zu. Der Stoff gleitet kaum über ihre Schultern und enthüllt die perfekte Kurve ihres Rückens, ihren dargebotenen Nacken. Sie spricht immer noch nicht. Sie muss nicht. Alles in ihrem Körper, in ihrer Langsamkeit, in ihrer Art, mich präzise zu ignorieren, ruft mich.
Ich schließe die Tür. Es gibt nur noch uns. Die Luft ist warm, fast schwül. Eine gedimmte Lampe wirft ein sanftes Licht auf das zerwühlte Bett. Ein leichter Duft von schwarzer Feige und Weihrauch liegt in der Luft. Vertraut. Gefährlich. Als ob dieses Zimmer kein Ort wäre, sondern ein Riss.
Sie bleibt am Fußende des Bettes stehen, stellt ihr Glas auf den Couchtisch, dann dreht sie sich zu mir um. Langsam. Sie mustert mich ohne zu blinzeln.
— Du bist gekommen.
— Ich weiß nicht, warum.
— Doch, du weißt es.
Ihre Worte sind Nadeln. Sie durchbohrt meine Abwehrkräfte mühelos.
Ich antworte nicht. Ich hätte fliehen können. So tun, als wäre es nur ein Spiel gewesen. Aber ich bin bereits gefangen. Gefangen, seit sie mich an der Bar ansah. Seit sie meinen Vornamen mit dieser rauen Stimme aussprach, die aus einem verbotenen Traum zu kommen scheint.
Sie kommt näher. Langsam. Jeder Schritt lässt meine Gewissheit erzittern. Sie sieht mich nicht wie einen verheirateten Mann an. Sie sieht mich wie einen hungrigen Mann an. Und sie, sie ist das Festmahl. Eine heilige Gabe, die man nicht berühren darf, aber sie zwingt einen zuzubeißen.
Sie stellt sich vor mich hin, ihr Atem gegen meinen.
— Du wirst alles kaputt machen, Éric. Und du wirst es wieder tun.
Ihre Finger lockern den Knoten meiner Krawatte. Keine ihrer Bewegungen ist zögerlich. Sie zieht mich aus, als wäre es eine Szene, die sie schon oft in ihrem Kopf geprobt hat. Eine Szene, deren jede Zeile, jede Stille sie kennt. Mein Hemd fällt zu Boden, gefolgt von meinem Gürtel. Ich bewege mich nicht. Ich lasse sie gewähren. Ich habe aufgehört zu denken.
Ihr Blick gleitet langsam über mich, unerbittlich. Nicht um zu schmeicheln. Um zu zerstören. Sie weiß, dass ich ihr gehöre. Sie spürt es an meinem Atem, an der Spannung meiner Muskeln, an dieser Schwäche, die mich ganz durchströmt.
— Glaubst du noch, du hast eine Wahl?
Sie drückt mich sanft. Meine Beine stoßen gegen die Bettkante. Ich falle fast darauf. Sie setzt sich rittlings auf mich, der Kimono weit geöffnet. Ihre nackte Haut brennt auf mir. Ihre Schenkel umschließen mich wie eine sinnliche Ohrfeige. Sie beugt sich vor, und ihr Mund fällt auf meinen, ohne Schonung.
Es ist Chaos.
Ihr Geschmack ist stärker, als ich mir vorgestellt hatte. Wein, Gewürze, Haut und Feuer. Sie küsst mich, um zu besitzen, nicht um zu verführen. Sie nimmt mich. Ihre Zunge sucht die meine mit Wut, fordert. Ihre Hände krallen sich in mein Haar, kratzen meinen Nacken, machen mich verrückt. Sie will mich ganz, und sie entreißt mich mir selbst.
Sie setzt sich ganz auf mich, ihr Becken gegen meins. Mein Atem stockt. Sie wiegt sich kaum, gerade genug, um mich die Kontrolle verlieren zu lassen. Ich spüre alles. Jede Vibration ihres Körpers gegen meinen. Jeden Seufzer, den sie mir stiehlt.
Ihre Nägel graben sich in meine Schultern. Sie dominiert mich. Nicht in einem Machtspiel. In einer Selbstverständlichkeit. Sie ist das Feuer, ich bin das Holz. Sie ist der Sturm, ich bin der Mann ohne Obdach.
— Du siehst mich an, als wäre ich dein Untergang, murmelt sie.
— Weil du es bist.
Sie lächelt. Ein langsames, fleischfressendes Lächeln.
Und dann gibt sie sich hin. Völlig. Grausam. Langsam.
Sie wölbt sich, bietet sich dar und setzt sich durch. Ihr Körper gegen meinen wird zu einem Krieg ohne Waffenstillstand. Sie sucht nicht Zärtlichkeit, sie will mir wehtun, mich zeichnen, mich verfolgen. Und ich… ich will das. Ich will, dass sie eine Spur hinterlässt. Dass sie alles andere ersetzt. Dass sie Clara auslöscht, meinen Namen, meine Moral.
Ich verliere alles.
Ich verliere den Atem, als sie sich an mich presst.
Ich verliere das Gleichgewicht, als sie mich am Hals küsst.
Ich verliere meinen Glauben, als sie gegen meinen Mund stöhnt.
Ich verliere mich in ihr. Freiwillig.
Und als sie endlich bebt, in einem wilden Spasmus, ihre Haare an ihrer Stirn kleben, ihre Kratzer auf meiner Haut, ihr Geschlecht gegen meins in einem fiebrigen Rhythmus, gebe ich mich auf. Ich breche zusammen. Ich erschöpfe mich in ihr, als wäre es das letzte Mal, dass ich etwas Echtes fühlen würde.
Wir bleiben liegen. Nackt. Verschmolzen. Schweißgebadet.
Sie gleitet mit ihrem Kopf auf meine Brust. Mein Herz pocht, dass es mir fast die Rippen sprengt. Meine Kehle ist trocken. Ich will sprechen, aber ich finde kein Wort, das nicht falsch klingt.
Sie murmelt:
— Jetzt kannst du nicht mehr zurück.
Und sie hat recht.
Ich bin gefallen.
Nicht verliebt, schlimmer: süchtig.
Ich streiche geistesabwesend über ihre Hüfte. Ihr Atem beruhigt sich, aber ich kann nicht mehr normal atmen. Alles scheint unwirklich. Und doch ist es der lebendigste Moment, den ich seit Jahren erlebt habe.
Ein Schauer durchfährt mich.
Nicht vor Kälte.
Vor Klarheit.
Ich habe gerade etwas zerbrochen. Etwas, das sich nie wieder zusammenfügen wird.
Clara schläft jetzt sicher. Vielleicht denkt sie an mich. Vielleicht hat sie sich heute Abend gesagt, dass es Zeit wäre, dass wir reden. Dass wir uns wiederfinden.
Aber es ist zu spät.
Ich bin woanders. Weit weg. Sehr weit weg von unserem ehelichen Bett, von unserer Wohnung mit den zu weißen Wänden und den zu höflichen Stillen.
Ich bin in einem Hotelzimmer, in der Tiefe eines Körpers, den ich noch nicht verstehe, der mich aber bereits besitzt.
Und ich weiß tief in mir, dass ich wiederkommen werde.
Immer wieder.
Und immer wieder.
ÉloïseDie Kälte des Glases an meinen Handflächen, an den Spitzen meiner Brüste, die sich dagegen drücken, ist ein brutaler Schock. Dahinter die Leere, die Stadt, die Welt. Vor mir, in der dunklen Spiegelung, sehe ich unsere umschlungenen Silhouetten, seinen dunklen, kraftvollen Körper, der sich über meinen beugt. Es ist obszön. Es ist wunderschön.Er dringt wieder in mich ein, von hinten, und der Winkelwechsel ist eine Offenbarung. Ein tieferer, direkterer Druck. Ein langer, tiefer Laut entweicht meinen Lippen. Meine Augen schließen sich, öffnen sich wieder, starren auf unser verschwommenes Spiegelbild. Ich will sehen. Ich will sein von Lust verzerrtes Gesicht sehen, seine Hände, die weiß umklammern, die Kurve meines hingegebenen Rückens.Er beugt sich über mich, sein Oberkörper klebt an meinem Rücken, sein Mund an meinem Ohr.»Sieh«, keucht er. »Sieh uns an. Das ist es. Die Kehrseite der Kulissen. Die Wahrheit ohne die Musik. Die Wahrheit ist die Musik.«Sein Rhythmus beschleunigt s
ÉloïseSein Flüstern, ›Meine Musik‹, hallt noch in mir nach, ein durchgehender Bass unter der Haut, als ich spüre, wie sein Atem gleichmäßiger wird, sein Körper sich im Schlaf schwerer an meinen lehnt. Aber meiner weigert sich der Vergessenheit. Ich bin wach, vibrierend, jeder Nerv noch weißglühend. Die Nacht ist eine große, gespannte Stille um unsere feuchte Nische, und diese Stille ist nun ein Instrument. Ein Instrument, das ich zum Klingen bringen will.Ich löse mich mit unendlicher Langsamkeit, hebe seinen Arm, der mich umschlingt, gleite aus dem Kreis seiner Wärme. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut lässt mich schaudern, ein köstlicher Kontrast nach dem Ofen unserer Körper. Am Bettrand stehend sehe ich ihm beim Schlafen zu. Im Zwielicht ist er eine Landschaft aus Hügeln und beschatteten Tälern, entspannten Muskeln, errungenem Frieden. Aber ich kenne den Ausbruch unter der Erdkruste.Ich ziehe mich nicht an. Die Nacktheit ist meine Uniform, meine Rüstung, mein Zustand der Wahr
ÉloïseEr ist nackt vor mir, sitzend, und ich bin noch teilweise bekleidet. Der Kontrast ist atemberaubend. Ich sehe alles an ihm. Die geballte Kraft seiner Oberschenkel, die offensichtliche Spannung seines Verlangens, die Muskeln seines Bauches, die unter der Erwartung angespannt sind. Aber ich sehe auch die Zeichen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Schatten, die Blässe seiner Haut dort, wo die Sonne nie hinkommt. Er ist vollkommen real, vollkommen menschlich. Das ist nicht mehr mein Theater. Das ist mein Heiligtum.Ich knalle meine Jeans auf, lasse sie mit einem Rascheln des Stoffes an meinen Beinen hinabgleiten, das die Stille zu zerreißen scheint. Ich bleibe einen Augenblick in Unterwäsche stehen, gerade lange genug, um zu sehen, wie sein Blick sich verzehrt. Dann ziehe ich sie aus. Die Nachtluft auf meiner völlig entblößten Haut ist eine gewalttätige, köstliche Empfindung.Ich trete vor. Ich stelle ein Knie auf das Bett, zu jeder Seite seiner Hüften, und setze mich auf seine O
ÉloïseDie Zeit vergeht nicht mehr, sie pulsiert. Seine Hand auf meinem Haar ist ein Ankerpunkt in einem Ozean latenter Empfindungen. Jeder Atemzug, den ich nehme, hebt meinen Kopf leicht gegen seine Knie; jede Ausatmung ist ein winziges Loslassen. Ich könnte so eine Ewigkeit bleiben, in dieser Schwebe am Übergang, wo das Verlangen kein Pfeil mehr ist, sondern eine Flut, langsam, unaufhaltsam.Dann bewegt sich seine Hand. Seine Finger zeichnen den Umriss meines Ohrs nach, eine zerbrechliche Kurve, der er mit der Ehrfurcht eines Archäologen folgt. Der Schauer ist nicht brutal. Er ist tief, schießt von diesem Punkt aus und breitet sich unter meiner Haut aus wie Tinte im Wasser. Ich halte den Atem an. Seine Finger wandern hinab, gleiten an meinem Kiefer entlang, streifen den rasenden Puls an der Basis meines Halses. Er sagt alles ohne ein Wort. Er sagt: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Ich erinnere mich an die Landkarte deiner Wut, und jetzt will ich die deines Friedens.Ich drehe den Kopf
LéoDie Spannung der Werkstatt hat sich nicht aufgelöst. Sie hat sich verwandelt. Sie schwebt zwischen uns wie ein elektrischer Dunst, während wir in den Abendstraßen nebeneinander hergehen. Niemand spricht davon, nach Hause zu gehen. Niemand schlägt vor, sich zu trennen. Die Musik hat eine Tür geöffnet, und wir sind auf die andere Seite gegangen. Jetzt müssen wir neu lernen, dieselbe Luft zu atmen.»Ich sterbe vor Hunger«, sage ich schließlich und breche das Schweigen, das kein Schweigen war, sondern ein Summen von klingenden Saiten in unseren Köpfen.Ich betrachte sie aus den Augenwinkeln.»Und du musst erschöpft sein. Du hast deine Reserven geleert.«»Erschöpft? Vielleicht. Leer? Nein.«Sie schüttelt den Kopf, ihr Haar fängt den orangefarbenen Schein einer Laterne ein.»Ich bin zum Bersten voll. Von all dem, was herausgekommen ist. Ich brauche … etwas anderes. Etwas Konkretes. Wärme.«»Dann komm.«Ich nehme sie nicht bei der Hand. Die Berührung wäre zu direkt, zu brutal nach dem Kl
LéoMir wird klar, dass ich die Fäuste balle. Dass meine Nägel sich in meine Handflächen graben. Die Werkstatt ist zu einem Schlachtfeld geworden, und ich bin der einzige Zeuge, der einzige, der den Ursprung jedes Splitter, jeder klanglichen Wunde kennt. Es ist unerträglich. Es ist notwendig.Sie senkt endlich ihre Geige. Ihr Atem ist kurz. Sie sieht mich an, und ihr Blick ist nicht mehr der des Komponisten oder des Interpreten. Er ist nackt. Fragend.»Ist das … ist das das?«, fragt sie mit kaum hörbarer, von der Anstrengung gezeichneter Stimme.Ich antworte nicht sofort. Wie soll ich sagen, dass es schlimmer ist? Dass es besser ist? Dass es genau richtig ist? Die Musik hat den Knochen unter dem Fleisch unseres Konflikts freigelegt.»Es ist mehr als das«, sage ich schließlich, meine Stimme heiser. »Du hast gespielt … was ich nicht sagen konnte. Was unter der Wut war.«Ein Schauder durchläuft Clara.»Mein Gott«, murmelt sie. »Sie haben eine ganze Nacht auf Ihren nackten Nerven aufgenom
ÉricIch wusste, dass es passieren würde.Ich wusste es von dem Moment an, als ich sie verließ, fünf Tage zuvor, noch zitternd, noch von ihr gezeichnet. Es war keine Flucht, keine Erlösung. Es war nur ein Aufschub.Seitdem hat alles seinen Geschmack verloren.Der Kaffee.Die Gespräche, Claras Haut.
ÉricDas Büro bedrückt mich.Mehr denn je.Dabei bin ich hierhergekommen, um zu fliehen. Aus dem Zimmer. Vor Clara. Vor der Erinnerung an den Vorabend, an ihre sanfte Stimme wie ein Urteil, an ihren gemessenen Atem im Dunkeln. Vor allem, um Jade zu entfliehen. Ironische Gemeinheit: Sie ist es, die
ÉricEs ist fast vier Uhr morgens, als ich das Hotel verlasse.Der Flur ist still, mit dickem Teppichboden ausgelegt, der meine Schritte dämpft, als ob selbst der Ort sich meiner schämen würde. Der Aufzug fährt langsam hinunter, zu langsam. Mein Spiegelbild in den Metallwänden zeigt mir ein verwisc
ÉricIch kann nicht schlafen.Die Stille im Schlafzimmer ist fast erdrückend. Man hört nichts, außer Claras regelmäßigem Atem, die neben mir ausgestreckt liegt. Oder vielleicht tut sie nur so. Clara hat diese Art, sich zurückzuziehen, ohne Lärm zu machen, lautlos zu verschwinden, aber ihre Abwesenh







