LOGIN(Oliwia)Ich knallte die Tür hinter mir zu. Mein Puls hämmerte, mein Herz war schwer, aber mein Blick glasklar.Ich wollte Antworten.Aber wenn ich sie nicht bekam…Dann würde ich verdammt nochmal gut aussehen, während ich sie mir selbst holte.Ich schnappte mir mein Duschzeug, trat ins Bad und drehte das heiße Wasser auf. Der Dampf hüllte mich sofort ein wie eine Schutzschicht.Jede Berührung des Wassers brannte wie ein elektrischer Stromstoß über meine Haut. Ich schrubbte den Dreck des Tages ab – oder war es Schuld? Oder Zweifel?Scheiß drauf.Ich trocknete mich ab, stand nackt in mein Zimmer und riss die Schranktür auf. Mein Blick fiel sofort auf das Kleid.Schwarzes Leder. Kurz. Hauteng.Bis zum Oberschenkel. Ohne BH. Ohne Angst.Ich zog es an. Es passte wie eine zweite, sündige Haut.Ich stand vorm Spiegel, strich mir die Lippen rot, band meine Haare in einen lockeren, sexy Messy-Bun, ließ ein paar Strähnen rausfallen.Meine Augen – leicht geschwollen von den Tränen zuvor.Ich gr
(Oliwia)Ich wachte auf.Ein stechender Schmerz bohrte sich wie ein Splitter durch meine Stirn. Alles war verschwommen, dumpf, als wäre ich durch dichten Rauch gelaufen.Mein Herz pochte unregelmäßig.Etwas fehlte. Mein Atem stockte.Ich griff mir an den Hals –das Collier war weg.Mein Blick zuckte panisch zur Seite –und dann sah ich ihn.Aiden.Er saß auf dem Boden.Der Rücken lehnte an die Kommode.Sein Kopf leicht nach hinten gekippt.Die Augen geschlossen.Aber seine Hand hielt meine.Warm. Fest.Als hätte er Angst, ich würde wieder verschwinden.Er sah so…erschöpft aus.Seine dunklen Wimpern zuckten leicht, als würde er träumen. Oder kämpfen. Mit sich selbst.„Aiden…?“ Meine Stimme war kratzig. Belegt.Ich hatte das Gefühl, mein Kehlkopf wäre aus Sandpapier. Seine Augen rissen sich sofort auf.Dieses Grün. Jadefarben. Unheilvoll. Schön. Besorgt.„Oliwia…“Er richtete sich halb auf, rutschte näher ans Bett. „Du bist wach. Danke Gott, du bist wach.“Ich versuchte mich aufzusetzen,
(Aiden) Oliwia ist wieder da. Sie lebt. Sie ist zurück. Ich sprang auf, der Stuhl krachte nach hinten. Alle augen drehten sich zu mir. „Ich muss—Ich muss sie sehen“, keuchte ich. Meine Stimme war heiser, mein Puls ein Trommelfeuer. Viktor starrte mich an. „Warte, Bro—jetzt?!“ „JA JETZT!“ Kyle zog die Augenbrauen hoch. „Du glühst, Aiden. Wortwörtlich.“ Ich sah an mir runter. Meine Unterarme – von innen rot, fast golden. Das Feuer… es wollte zu ihr. Plötzlich – KLACK. Die Tür zum Hörsaal ging auf. Langsam. Wir drehten alle die Köpfe. Sie. Oliwia. In Leggings, weitem Hoodie, offene Haare. Ein Ausdruck in den Augen, den ich nicht deuten konnte. Kein Grinsen. Kein Lächeln. Oliwia ging. Mit diesen Schritten – locker, kontrolliert, provokant. Sie ließ sich zwischen zwei Typen fallen, die sofort Platz machten wie hypnotisiert. Dann, wie aus dem Nichts: Professor: „Miss Kowalska. Schön, dass Sie uns wieder beehren. Aber nur zur Erinnerung: Das hier ist nich
(Aiden)Oxford, später Abend. Der Campus im Schatten.Der Regen hatte aufgehört. Die Pflastersteine glänzten feucht, das Licht der alten Laternen flackerte.Ich saß am Brunnen hinter dem Westflügel.Elijah, Viktor, Kyle – alle da. Doch keine Spur von ihr.Viktor verschränkte die Arme.„Als hätte sich die Luft um sie herum aufgelöst. Kein Blut. Kein Schatten. Kein verdammter Abdruck.“Seine Stimme war angespannt, nicht mal er konnte es fassen.Kyle kaute an seinem Daumen.„Das ist nicht normal. Nicht mal für uns.“Elijah stand etwas abseits.Dann sagte er es.„Vielleicht ist es besser, dass sie weg ist.“Ich drehte den Kopf zu ihm. Langsam.„Besser?“Meine Stimme klang ruhig, aber mein Feuer kochte schon unter der Haut. „Besser, Elijah? Ich hab sie geküsst. Nicht, weil ich’s wollte. Sondern weil mein Körper nicht anders konnte. Weil meine verdammte Magie sie WOLLTE.“Sie sagten nichts. „Und weißt du, was ich dabei gesehen habe? Brennende Felder. Leichenberge. Kinder mit aufgerissen
(Oliwia)Ich öffnete meine Augen. Finsternis. Nur mein eigener Atem, der flach ging.Meine Finger glitten fahrig über meinen Körper – ich trug noch den Bademantel.Den, den ich heute Mittag in Oxford angezogen hatte.Heute…?Ich versuchte aufzustehen, aber meine Beine waren wackelig.Der Raum war kühl. Mein Herz schlug laut in meiner Brust.Dann die Erinnerung.Aiden. Seine Lippen. Sein Griff an meinem Nacken.Sein verdammter Kuss.Und dann… das Fenster.Der Flug. Der Aufprall, der nie kam.Habe ich… das nicht überlebt?Bin ich…Tot?Ich tastete mich durch den dunklen Raum. Geräusche. Stimmen.Flüsternd. Streitend.Ich folgte ihnen wie in Trance, öffnete eine Tür, tastete an der Wand entlang nach dem Lichtschalter.Ein Klick.Grelles Licht. Ich blinzelte.Und erstarrte.Mein Zimmer. In Polen.Die vertrauten, verhassten Wände.Die alten Poster. Das zerbrochene Fenster.Der Schrank, der knarrte.Mein Bett, das zu klein für meine Träume war.Wie…?Dann die Stimmen. Lauter. Aggressiv.Mein
(Aiden) Fuck. Fuck! Ich riss die Augen auf. Mein Blick zuckte sofort zum Fenster. Zersplittert. Kalt. Leer. Oliwia war weg. Mein Herz schlug nicht mehr –es brannte. Die Bilder kamen zurück. Unaufhaltsam. Wie Nadeln ins Hirn. Dieser Kuss…Verzerrt. Roh. Göttlich. Verflucht. Ein Kuss, der mir die Seele aus dem Leib sog und sie mit Lava füllte. Meine Erektion war wie ein verdammter Amboss in meiner Hose –hart, heiß, lebendig. Sie hatte mich zerstört. Mit einem fucking Kuss. Dann –Bilder. Keine normalen Visionen. Sondern das Ende der Welt. Leichen. Verbrannt. Zerfetzt. Übereinander gestapelt wie Müll. Ein Kind ohne Unterkörper. Eine Frau mit aufgerissenen Augen, die ins Nichts starrten. Männer, deren Münder zugenäht waren – mit Stacheldraht. Ein ganzer Strand, bedeckt von Kadavern. Die Meere schwarz, tot, stinkend. Flammen züngelten durch Himmel aus Fleisch. Und mitten in dieser Hölle: sie. Oliwia. Aber nicht die, die ich geküsst hatte. Nicht die, die Gänsehaut auf







