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Etwas geschieht

Author: Thecozywriter
last update publish date: 2026-08-13 19:50:19

Die drei leisen Schläge hingen noch in der Luft, als ich nach der schiefen Tür griff.

Jax versuchte nicht, mich aufzuhalten. Er trat nur näher, bereit. Thistles Krallen stachen durch meinen Ärmel, als ich die Tür gerade weit genug öffnete, um hinauszusehen.

Kora stand im Regen, das Haar an den Wangen klebend, die Schultern hochgezogen, als versuche sie, sich kleiner zu machen. In dem Moment, als sie mich sah, brach die Anspannung in ihrem Gesicht.

„Ich bin Thistle gefolgt“, sagte sie. „Ich wusste nicht, wohin sonst.“

Ich zog sie hinein und schloss die Tür gegen das Wetter. Wasser strömte von ihrem Mantel auf die Bretter. Sie wirkte ausgehöhlt, als hätte etwas seit dem letzten Mal, dass ich sie gesehen hatte, von innen an ihr gekratzt.

„Was ist passiert?“ fragte ich.

Sie schlang die Arme um ihren Bauch. „Heute Morgen habe ich den Namen meiner eigenen Straße vergessen. Ich stand lange vor meiner Tür, bevor er zurückkam. Dann, während ich dich gesucht habe, ist der Grund, warum ich unterwegs war, einfach… weggerutscht. Er ist zurückgekehrt, aber er fühlte sich dünner an. Als könnte er wieder gehen.“

Jax’ Stimme kam leise aus den Schatten an der Wand. „Dein Echo ist lauter als vor zwei Tagen.“

Koras Kopf drehte sich zu ihm. „Du kannst es hören?“

„Ja.“

Sie ließ einen zittrigen Atemzug aus und sah mich wieder an. „Es ist das Kind. Das, das verhungert ist. Früher hat es nur geflüstert, wenn ich allein war. Heute hört es nicht auf. Es sagt mir immer wieder, ich solle Essen verstecken. Es sagt, der Hunger komme zurück.“

Ich nahm ihre kalten Hände in meine. „Hier bist du vorerst in Sicherheit.“

Das Echo regte sich hinter meinen Rippen. *Nirgendwo ist sicher, solange Corbin sucht.*

Koras Blick wanderte zwischen Jax und mir hin und her. „Wer ist er?“

„Jax Glimmer“, sagte ich. „Er hört Echos. Er hilft mir.“

Sie musterte ihn einen langen Moment, dann nickte sie klein. Das reichte. Sie hatte meinem Wort immer vertraut.

Wir setzten sie auf die umgekippte Kiste. Thistle kletterte auf ihren Schoß und rollte sich dort zusammen, versuchte Wärme zu geben. Koras Hand lag auf seinem Fell, aber ihr Blick blieb fern.

„Ich habe vom Uhrturm gehört“, sagte sie. „Die Leute sagen, der Faden sei krank. Einige sagen, ein gewalttätiges Echo habe es verursacht. Ist es deins?“

Ich sah nicht weg. „Ja.“

Sie zog die Hände nicht zurück. „Dann bleiben wir zusammen. So wie immer.“

Jax behielt die Tür im Blick und lauschte. „Corbin Fen hat uns vor weniger als einer Stunde gefunden. Er kennt Lumi’s Namen. Er weiß, dass ihr Echo anders ist. Er hat andere mitgebracht. Wir sind geflohen, aber er wird nicht aufhören.“

Koras Mund verengte sich. „Die Unverwobenen. Ich habe sie auf dem Markt gehört. Sie sagen den Leuten, der einzige Weg, das Vergessen zu stoppen, sei, den Faden vollständig zu durchtrennen.“

„Sie irren sich“, sagte Jax. „Ihn zu durchtrennen wird alles auslöschen.“

*Es ist ihnen egal*, flüsterte das Echo mir zu. *In jeder Wendung wählt Corbin dasselbe Ende.*

Kora drückte die Finger an die Schläfen. „Das Kind zeigt mir immer wieder Bilder. Leere Regale. Eine verschlossene Tür. Hände, die nur noch Knochen sind. Ich glaube, es wird stärker, weil der Faden schwächer wird.“

Ich setzte mich neben sie. „Kannst du es zurückdrängen?“

„Ich versuche es seit Sonnenaufgang. Es ist, als würde ich versuchen, Wasser in den Händen zu halten.“

Der Regen hämmerte härter gegen das durchhängende Dach. Eine Weile war das einzige Geräusch das Wasser und unser Atmen.

Dann hob Jax den Kopf. „Jemand bewegt sich in der Nähe des Flusswegs. Mehr als einer.“

Ich stand auf. „Corbin?“

„Ich kann es noch nicht sagen. Aber sie kommen näher.“

Kora erhob sich mit mir, unsicher. Thistle sprang auf den Boden, das Fell gesträubt.

„Wir brauchen einen anderen Ausgang“, sagte ich.

Jax ging zur gegenüberliegenden Wand und schob einen Stapel verrotteter Bretter beiseite. Dahinter führte eine niedrige Öffnung unter dem erhöhten Boden hinaus zum Wasser. „Sie kommt am Flussufer heraus. Wir werden durchweicht, aber wir können dem Ufer nach Norden folgen, ohne die Hauptwege zu benutzen.“

Kora blickte auf die dunkle Lücke, dann auf mich. „Ich weiß nicht, wie lange ich das Kind ruhig halten kann. Wenn es mehr von mir nimmt, während wir rennen—“

„Dann trage ich dich, wenn es sein muss.“

Ein müdes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Das weiß ich.“

Jax hob die Hand. „Sie sind näher. Wir gehen jetzt.“

Er ging zuerst. Kora folgte. Ich kam zuletzt, Thistle schlüpfte hinter mir heraus. Der Raum unter dem Schuppen war eng und stank nach Schlamm. Kaltes Flusswasser durchtränkte meine Stiefel in dem Moment, als ich mich herauskroch.

Wir hielten uns niedrig am Ufer, versteckt von hohen Schilfrohren. Stimmen trieben durch den Regen über uns – Männer, die sich gegenseitig riefen und suchten.

Ich blickte einmal zurück. Durch das Schilf sah ich zwei Gestalten in den Bootsschuppen treten, den wir gerade verlassen hatten. Eine davon war Corbin.

*Er wird die Spur finden*, sagte das Echo. *Du hast weniger Zeit, als du denkst.*

Kora stolperte. Ich fing ihren Arm.

„Mir geht’s gut“, flüsterte sie, aber ihre Augen waren für eine Sekunde unscharf geworden.

„Was hast du gesehen?“

„Das Kind hat mir dein Gesicht gezeigt“, sagte sie. „Aber es war nicht dieses Gesicht. Es war älter. Und es hatte Angst vor mir.“

Jax blickte über die Schulter, Regen lief ihm über die Wange. „Wir können nicht anhalten. Vorn ist ein alter Sturmabfluss, der in die oberen Tunnel führt. Wenn wir ihn erreichen, können wir sie abschütteln.“

Wir drängten vorwärts. Der Regen wurde schwerer. Meine Kleider klebten an der Haut. Der dunkle Mund des Sturmabflusses erschien zwischen zwei eingestürzten Mauern.

Wir waren beinahe dort, als Kora abrupt stehen blieb.

Ihre Hand klammert sich so fest um mein Handgelenk, dass es wehtat. Als sie sprach, war ihre Stimme höher, dünner, jünger.

„Lumi“, sagte sie. „Ich habe so Hunger.“

Ich drehte mich um.

Die Augen, die mir entgegenblickten, gehörten nicht mehr ganz ihr.

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