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KAPITEL 47: DAS INTERVIEW

last update Veröffentlichungsdatum: 26.07.2026 22:46:52

Das Interview fand am Montag der folgenden Woche statt.

Noelle hatte drei Tage gebraucht, um den richtigen Journalisten zu finden, und das war keine Suche nach Freundlichkeit gewesen, sondern nach Ernsthaftigkeit. Sie wollte keinen, der Damian schonend behandeln wuerde, weil Schonung das Gegenteil von Glaubwuerdigkeit war. Sie wollte jemanden, der gute Fragen stellte und zuhörte, was die Antworten tatsaechlich sagten.

Sie fand ihn in der Person von Karl Steinbach, einem Wirtschaftsjournalist
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  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 50: WAS ZWISCHEN ZWEI MENSCHEN WAECHST

    Der Samstag kam mit Sonne. Echter, warmer Fruehlingstag, der erste, der nicht mehr zauderte, die Art Tag, an dem die Stadt aufwachte und sich erinnerte, dass der Winter vorbei war und dass das gut war. Frankfurt an solchen Tagen hatte eine Offenheit, die es an anderen Tagen nicht hatte, die Menschen auf den Gehsteigen langsamer, die Cafeterrassen gefuellt, die Welt eine Spur freundlicher, weil das Licht freundlicher war. Damian holte sie um zehn ab. Diesmal klingelte er. Das war neu. Die letzten Male hatte er eine Nachricht geschickt, ich bin unten, und sie war runtergekommen. Diesmal klingelte er, weil er klingelte, und sie oeffnete die Tuer und er stand im Treppenhaus, Hände in den Jackentaschen, mit dem ruhigen Ausdruck des Damian-an-einem-Samstag. "Du klingelst," sagte sie. "Ja," sagte er. "Das ist neu," sagte sie. "Ich klingele jetzt," sagte er, als waere das eine Entscheidung, die er getroffen hatte und die keiner weiteren Erklaerung bedurfte. Sie gingen. Kein Plan, wi

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 49: DER BRIEF UND DIE ANTWORT

    Marcus Hale antwortete nicht sofort. Das war erwartet worden, aber es war trotzdem das Schwerste, das Warten auf eine Antwort, die vielleicht nie kam oder die falsch kam oder die so lange auf sich warten liess, dass man begann, alle anderen Moeglichkeiten durchzudenken. Noelle war gut im Warten. Das hatte sie in zwei Jahren Bueroarbeit unter Damian Wolff gelernt, der nie fruehzeitig antwortete, wenn die Antwort Zeit brauchte, und der nie wartete, wenn die Antwort da war. Sie warteten drei Tage. In diesen drei Tagen passierte einiges. Isabelle Dumont bestaetigte, dass das Pariser Gericht die eingereichte Beschwerde angenommen hatte und dass ein Prozessdatum in vier Monaten angesetzt worden war. Das war schnell, fuer franzoesische Verhaeltnisse, was Isabelle damit erklaerte, dass der zustaendige Richter ein Mensch war, der Wirtschaftsvergehen ernst nahm und keine Zeit damit verschwendete, Verfahren auf unabsehbare Zeit aufzuschieben. Albrecht Renz schrieb eine kurze E-Mail, seine

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 48: DIE STRAFANZEIGE

    Das Buero roch nach fruehzeitigem Kaffee und dem stillen Druck eines Tages, der noch nicht entschieden hatte, was er sein wollte. Noelle kam um sieben Uhr achtzehn. Karl an der Schranke gab ihr keinen Morgengruss, sondern nur einen Blick, der sagte, dass er wusste, was heute Morgen los war, weil Karl immer wusste, was los war, und der Blick fuer sich sprach. Damian war im Konferenzraum auf dem zwoelften Stock. Felix war bei ihm. Der Anwalt, Stefan Richter, war per Videokonferenz zugeschaltet und erschien als praezises Rechteck auf einem der Laptops, ein Mann Anfang sechzig mit dem Gesicht von jemandem, dem man schwierige Dinge sagen konnte, ohne dass er damit aufhoerte, strukturiert zu denken. Noelle setzte sich. Niemand fragte, warum sie da war. Das war gut. "Die Anzeige," sagte Richter, ohne Vorbemerkung, weil er ein Mensch ohne Vorbemerkungen war, "basiert auf der Behauptung, dass Wolff und Crane vertrauliche Informationen aus dem Netzwerk von Hale Meridian entwendet und an

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 47: DAS INTERVIEW

    Das Interview fand am Montag der folgenden Woche statt. Noelle hatte drei Tage gebraucht, um den richtigen Journalisten zu finden, und das war keine Suche nach Freundlichkeit gewesen, sondern nach Ernsthaftigkeit. Sie wollte keinen, der Damian schonend behandeln wuerde, weil Schonung das Gegenteil von Glaubwuerdigkeit war. Sie wollte jemanden, der gute Fragen stellte und zuhörte, was die Antworten tatsaechlich sagten. Sie fand ihn in der Person von Karl Steinbach, einem Wirtschaftsjournalisten, der seit achtzehn Jahren fuer verschiedene Publikationen schrieb und der bekannt war fuer Interviews, die nicht nett waren, aber fair. Damian hatte keine Einwaende gehabt. "Er stellt unbequeme Fragen," hatte Noelle gesagt. "Gut," hatte Damian gesagt. "Dann kann ich unbequeme Antworten geben." Das Interview fand in einem neutralen Raum statt, nicht im Buero der Firma und nicht in Steinbachs Redaktion, sondern in einem gemieteten Raum in einem Konferenzhotel, der keinen Heimvorteil fuer ei

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 46: WAS BLEIBT

    Tobias Kreuz wurde freigestellt. Das war die Entscheidung, die Damian traf, nach einem langen Gespraech mit Felix am Donnerstagabend und einem weiteren mit dem Firmenjuristen am Freitagmorgen. Keine sofortige Kuendigung, weil das rechtlich komplex war und weil Damian kein Mensch war, der ueberstuerzte Schritte machte, wenn Zeit blieb, es richtig zu machen. Aber Freistellung, bis die Situation vollstaendig geklart war, und eine klare Kommunikation an Tobias Kreuz, was das bedeutete. Tobias hatte den verschluesselten Kanal gezeigt. Felix hatte in vier Stunden herausgefunden, wohin er fuehrte. Nicht zu Marcus Hale direkt. Zu einer Person, die mehrfach fuer Hale Meridian gearbeitet hatte. Das war nicht dasselbe wie ein Beweis, aber es war ein weiteres Stueck des Musters, das sich zunehmend schloss. Isabelle Dumont wurde informiert. Sie war nicht ueberrascht. "Das ist ihre Methode," sagte sie, als Noelle sie anrief. "Sie versuchen immer, von innen zu arbeiten. Das verringert das Ri

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 45: DIE INTERNE QUELLE

    Damian las den Artikel. Er las ihn einmal, sehr langsam, mit der Art Aufmerksamkeit, die er allem gab, das wichtig war. Dann legte er das Telefon hin und schaute auf seinen Schreibtisch, und Noelle stand vor ihm und Felix stand leicht dahinter, und keiner von ihnen sprach, bis Damian fertig war mit dem, was in ihm vorging. Das dauerte ungefaehr dreissig Sekunden. Dann: "Eine interne Quelle," sagte er. "Oder jemand, der vorgibt, eine zu sein," sagte Noelle, weil das wichtig war. "Der Unterschied ist rechtlich relevant," sagte Felix. "Fuer den Artikel. Nicht fuer uns. Fuer uns ist die Frage, ob jemand in der Firma tatsaechlich Informationen weitergegeben hat, und wenn ja, wer." Damian schaute auf den Artikel. "Interne Spannungen," las er. "Talente, die verloren gegangen sind." Er legte das Telefon hin. "Wir haben in den letzten drei Monaten niemanden verloren. Kein einziger Mitarbeiter hat die Firma verlassen." "Das ist eine Luege," sagte Noelle. "Entweder wusstes der Journali

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