LOGINDer erste Posten hatte keinen Namen, nur zwei Buchstaben und eine Zahl. Doch in dem Moment, als der Auktionator ihn ankündigte, wurde der gesamte Ballsaal still.„Los eins. Eine elfteilige Debütkollektion mit exklusiven Lizenzrechten für die ersten zwölf Monate.“Der Auktionator war ein großer Mann mit silbernem Bart und einer tiefen, glatten Stimme. Er tippte den Hammer gegen seine Handfläche, bevor er fortfuhr.„Die Kollektion wurde unter den Initialen V.L. eingereicht. Wir beginnen bei zwei Millionen Dollar. Bekomme ich zwei Millionen?“Hinter ihm begann ein Laufstegvideo auf der Leinwand.Elena hatte dieses Video vierzigmal im Konferenzraum von Thorne gesehen. Samantha hatte eine Zigarette nach der anderen am Fenster geraucht, während Ethan auf dem Teppich saß und Gummibärchen aß.Selbst nach so vielen Wiederholungen zog sich ihr Magen immer noch zusammen.Die Models erschienen auf dem Bildschirm, gekleidet in Schwarz, Tintenblau und einem auffallenden Weißton. Sie gingen einen ka
„Wenn du diese Schuhe anziehst, kündige ich.“„Du arbeitest nicht für mich, Sylvia.“„Dann kündige ich als deine Partnerin. Ich erzähle jedem, was passiert ist. Ich setze sogar eine Pressemitteilung auf.“Sylvia hielt die Ballerinas hoch, als hätte sie soeben eine tote Maus in der Küche gefunden. Es waren schwarze Lederschuhe mit runden Zehen, ein Paar, das Elena im Frühling für vierzig Dollar gekauft hatte, weil sie bequem waren und nicht wehtaten.„Du trägst ein Mitternachtsblaues Seidenkleid mit Schleppe. Mit diesen Schuhen kannst du das nicht anziehen.“„Die anderen kann ich sechs Stunden lang nicht tragen.“„Du kannst alles sechs Stunden lang tragen, wenn du jemanden genug hasst.“„Ich ziehe keine sechs Zentimeter hohen Absätze auf einem Marmorboden an, wenn ich noch Nähte habe, die bei jeder Bewegung wehtun, als wäre da noch ein Baby drin. Ich mache das nicht, Sylvia. Ich falle vor vierhundert Leuten flach auf die Nase, und dann musst du Samantha erklären, warum ihre Debütkollek
Der Umschlag war ungewöhnlich schwer, fast so, als wäre etwas Lebendiges darin. Er war cremefarben mit Goldrändern, versiegelt mit schwarzem Wachs, das in Form einer Feder gestempelt war. Elena öffnete ihn mit einem Spachtel an dem einzigen funktionierenden Tisch in der Mühle. Sobald sie das Siegel durchtrennte, rutschte ein kleineres Objekt heraus und landete auf den Bauplänen. Es war eine schwarze Maske, leicht genug, um sie bequem zu tragen, mit einer einzelnen langen Feder, die sich von der linken Schläfe weg bog. „Das ist fantastisch!“, rief Sylvia von der Tür her. Sie war zehn Minuten früher angekommen, trug einen Wollcape und brachte den Geruch von Kaffee mit. Beides hatte sie nicht abgelegt. „Die Vergoldete Maske“, fuhr sie fort. „Niemand kommt zu dieser Veranstaltung, ohne eine zu tragen. Du darfst deinen Namen nicht preisgeben, du darfst deinen eigenen Schmuck nicht tragen, und wenn sie dich dabei erwischen, dass du dein Telefon benutzt, bieten sie dir ein Glas Champagn
Samantha Lee kniete auf dem Boden ihres Ateliers, hielt in der einen Hand ein Stück Stoff und hatte sechs Stecknadeln zwischen den Lippen, als sie das Klingeln hörte.Sie hatte keine Klingel. Sie hatte sie 2009 abmontiert.Das bedeutete, dass wer auch immer die Treppe hinaufstieg, ohne Erlaubnis eingetreten war und offenbar beschlossen hatte, ihre Ankunft auf ihre eigene Art anzukündigen.„Miss Lee.“Samantha nahm die Nadeln nacheinander aus dem Mund und steckte sie in das Kissen an ihrem Handgelenk.Die Stimme kam von hinter ihr. Sie war fest und kühl, mit diesem geschliffenen Akzent, der mit Geld und jahrelanger teurer Ausbildung einherging. Samantha hatte ihn auf drei Beerdigungen und einem Galaabend gehört.„Mrs. Vane“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Ich bin mitten in einer Anprobe.“„Hier ist niemand.“„Das Kleid ist im Moment meine Kundin.“Die Schaufensterpuppe neben ihr trug ein elfenbeinfarbenes Duchesse-Satin-Kleid, das gerade bis zum Boden fiel. Sie stand schweigend da u
„Da liegen zwei Komma vier Millionen Dollar auf deinem Konto, und du bezahlst deine Nanny mit der Kreditkarte“, sagte Dominic. „Du tust so, als gäbe es dieses Geld gar nicht.“„Rede leiser.“„Sie ist siebzig, Ellie!“„Sie ist sechzig.“ Elena zog den Arm aus seinem Griff.Er hatte sie praktisch am Ellbogen drei Blocks weit gezerrt, mit ihr elf Stockwerke in einem Aufzug gefahren, der nach Bohnerwachs roch, und jetzt standen sie in einem Flur vor einer mattierten Glastür. Auf dem Messingschild stand: N. MILLER, ATTORNEY AT LAW.Ihr ganzer Körper schmerzte. In den Haaren hatte sie Gipsstaub, und an einem Ärmel klebte ein eingetrockneter Strich von Marcus’ Möhrenbrei. In den letzten zwei Tagen hatte sie vielleicht fünf Stunden geschlafen, die meiste Zeit davon aufrecht auf einem Zementsack in der Mühle.„Ich muss Mitarbeiter bezahlen, ein Dach über dem Kopf behalten und eine Frist einhalten. Ich habe keine Zeit für eine Standpauke.“„Du hast eine Lösung, die auf deinem Konto liegt.“„Ich
Das Magazin lag aufgeschlagen auf dem Schminktisch, zwischen einem Lippenstift und einem Tiegel Creme, der elfhundert Dollar gekostet hatte. Julian hätte es nicht angefasst, wenn auf der Seite nicht ein Mantel zu sehen gewesen wäre, der seine Aufmerksamkeit fesselte.Er war nach oben gekommen, um seine Frau abzuholen. Der Ball im Whitlow sollte um acht beginnen, und es war bereits nach halb acht. Chloe war seit vierzig Minuten im Badezimmer, benutzte den Föhn und hörte Radio.Julian saß auf dem kleinen Hocker in ihrem Ankleidezimmer, die Fliege lose um den Hals. Er stützte die Hände zwischen den Knien und lauschte dem gedämpften Pop-Song, der durch die Badezimmertür drang.Beim Frühstück hatte er Chloe nach der Überweisung über zwei Millionen Dollar gefragt.Sie hatte gelacht und ihm gesagt, es sei nur eine Anzahlung für einen Lieferanten.„Halcyon ist die Firma meiner Stylistin, Liebling. Glaub mir, du würdest einschlafen, wenn ich dir all die Einzelheiten erklären wollte.“Dann hatt







