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Kapitel eins – Kampf oder Flucht?

last update publish date: 2026-07-06 23:09:25

„Entsetzt“ war ein viel zu schwaches Wort, um ihren Zustand zu beschreiben. Sie lief purpurrot an, als sie sah, wie der Blick des Mannes an ihrem Körper hinabglitt. Ein Muskel an seinem Kiefer zuckte, und er wirkte wütend. Cara besann sich eines Besseren und bückte sich hastig, um ihr Handtuch aufzuheben. Sie wickelte es sich fest um den Körper, während er sie zornig beobachtete. War das ein Albtraum? Am liebsten hätte sie sich gewünscht, dass sich der Boden auftat und sie verschlang. Sie konnte nicht begreifen, woher dieser teuflisch gutaussehende Mann, der in ihren Träumen eine so große Rolle gespielt hatte, plötzlich aufgetaucht war! Sicherlich halluzinierte sie!

„Ist das irgendein verdammter Scherz? Was zum Teufel treibst du da? Zieh dir sofort etwas an!“, brüllte das wütende Objekt ihrer Träume. Seine derbe Ausdrucksweise riss sie in die Realität zurück. Er war absolut real, und sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Sie sah, wie sein Blick über sie hinwegstrich; er schien vor Wut zu kochen! Cara errötete bis zum Haaransatz, als ihr ihre halbnackte Erscheinung bewusst wurde. Dies war der peinlichste Moment ihrer bisher achtzehn Lebensjahre, und sie brachte es einfach nicht fertig, ihm in die Augen zu sehen. Warum passierten solche Dinge immer nur ihr?

„I-ich b-bitte u-um V-Verzeihung, S-Sir. I-ich h-hatte k-keine Ahnung, d-dass S-Sie h-heute a-ankommen w-würden“, stammelte sie irgendwie hervor, doch der Mann versperrte ihr den Weg; seine Augen schienen sich mit ihrer ganzen Intensität in sie hineinzubrennen. Er lachte – ein flaches, teuflisches Lachen, das sie bis ins Mark verspottete. Es war offensichtlich, dass er ihr kein Wort glaubte.

„Netter Versuch! Aber auf so billige Maschen springe ich nicht an“, stieß er hervor. Cara blieb vor Überraschung über seine grausamen Worte der Mund offen stehen. War er wirklich so gemein? Dachte er tatsächlich so über sie?

„Es ist nicht…“, setzte sie an, doch er unterbrach sie barsch mit einem Knurren.

„Wie kannst du es wagen, mein Badezimmer zu benutzen? Die Waschräume für das Personal befinden sich draußen – falls dir das noch nicht aufgefallen sein sollte. Verschwinde jetzt, bevor ich dich hinauswerfen lasse“, stieß er hervor und warf ihr einen Blick voller Verachtung zu, als wäre sie nichts weiter als Dreck auf der Straße. Cara spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie ging an ihm vorbei zum Bett und nahm mit zitternden Händen ihre zerlumpte Tasche auf. Während er dort stand und sie wütend beobachtete, setzte ihr Verstand aus. Sie war wütend auf sich selbst, weil sie ihre Stellung vergessen hatte. Wie konnte sie nur nicht daran denken, stattdessen die Toilette für das Personal zu benutzen? Ihre Wangen brannten vor Scham; mit gesenktem Blick ging sie zurück in den Waschraum, um sich anzuziehen. Der wütende Mann stand da wie eine Statue, ohne sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen!

War er der neue Besitzer dieses Anwesens? Cara seufzte, und all ihre romantischen Vorstellungen von diesem Mann verflüchtigten sich. Sie schlüpfte schnell in das glitzernde Kleid, das sie immer bei ihren Auftritten trug, und öffnete die Tür, um einen Blick hinauszuwerfen. War er noch da?

„Was zum Teufel hast du da an? Das Handtuch war anständiger als dieser Mist. Ich muss jetzt mit Freddie reden. Ich wollte, dass die Räumlichkeiten vor meiner Ankunft geräumt sind. Ich habe nie darum gebeten, dass mich Huren unterhalten. Bist du so nötig, dass du mich mit Gewalt verführen musst?“, herrschte er sie mit dröhnender Stimme an, die Cara vor Angst noch stärker zittern ließ.

„Sie irren sich, ich …“, begann Cara, während ihr Tränen in die Augen stiegen. Er war wirklich ein Mistkerl. Seine Worte trafen sie mitten ins Herz, und die Tränen drohten zu fließen. Doch er unterbrach sie, bevor sie noch ein Wort sagen konnte.

„Verschwinde, sofort, bevor ich den Verstand verliere und dir gebe, weswegen du hierhergekommen bist. Du wolltest Geld, und ich könnte deine Dienste gebrauchen“, knurrte der Mann. Cara verlor jeglichen Wunsch, sich zu wehren oder ihn zu korrigieren. Seine letzte Drohung ließ ihre Augen vor Angst weit werden. Der Mann wirkte gefährlich, und in seinen Augen blitzte ein unverhohlenes Begehren auf, das er nicht einmal zu verbergen versuchte. Das machte ihr Angst. Ja, er wirkte mächtig und herzlos. Er würde seine Drohung zweifellos wahr machen.

„Ich bin nicht das, wofür Sie mich halten. Ich habe hier sauber gemacht, genau wie Mr. Davenport es verlangt hatte. Ich hatte keine Ahnung, dass Sie heute ankommen würden. Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Auf Wiedersehen!“, sagte Cara. Der Mann wirkte etwas verdutzt angesichts ihrer ehrlichen Antwort. Er hatte nicht erwartet, dass sie etwas zu ihrer Verteidigung vorbringen würde. Mit Tränen der Demütigung im Gesicht rannte sie so schnell sie konnte aus dem Haus. Am Tor sah sie den alten Ben Duncan, der gerade im Begriff war, seinen Dienst dort zu beenden.

„Tut mir leid, Cara. Mr. Donnelly ist völlig unerwartet aufgetaucht, und ich konnte dich nicht warnen“, entschuldigte er sich, als er ihr tränenüberströmtes Gesicht sah.

„Schon gut, Onkel Ben. Als ob ich ihn jemals wiedersehen würde! Ich habe drei Stunden lang meine Energie und Zeit damit verschwendet, das Haus zu putzen, und nicht einen einzigen Cent dafür bekommen“, seufzte sie. Ben Duncan führte sie zu seinem alten Lieferwagen.

„Das tut mir leid. Steig ein. Ich fahre dich zum Bahnhof“, bot er an. Cara lächelte und wischte sich die Tränen ab. Sie war dankbar, so schnell wie möglich von diesem Ort wegzukommen. Sie stieg auf den Beifahrersitz, und Ben fuhr los.

„So gekleidet solltest du nicht mit dem Zug fahren, Cara. Das Kleid ist viel zu auffällig und glitzernd; die Typen hier in der Gegend würden dich nur belästigen. Hier, zieh diese Jacke über deine Sachen“, sagte Ben Duncan, öffnete seine Jeansjacke und reichte sie ihr.

„Ich singe jeden Abend um sechs Uhr im Kingston Club, Onkel Ben. Das Kleid habe ich für den Auftritt bekommen“, sagte Cara seufzend. Dankbar zog sie die Jacke an. Sie war ihr zwar viel zu groß, aber das störte sie nicht.

„Wow, das ist wirklich klasse! Der Kingston Club gibt nicht jedem eine Chance. Die sind sehr wählerisch bei ihren Künstlern. Du musst es also wirklich draufhaben“, lobte Ben Duncan mit einem Lächeln. Cara hellte sich auf, und den Rest der Fahrt sprach sie nur noch über ihre Musik und das Singen. Ihre Augen leuchteten, und sie schien in eine ganz andere Welt abzutauchen.

Ihre Mutter, Sera Sullivan, war Musiklehrerin und hatte ihr schon seit ihrem zweiten Lebensjahr das Singen und das Spielen verschiedener Instrumente beigebracht. Doch dann ging es bergab, als ihr Vater, Henry Sullivan, des Diebstahls beschuldigt und entlassen wurde. Er hatte als Buchhalter bei einer angesehenen Firma gearbeitet, und der Skandal zerstörte ihre Zukunft. Sie mussten vor den Medien fliehen und führten seither ein anonymes Leben hier auf Long Island, wobei sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielten.

„Wir sind da, Cara“, sagte Ben. Cara seufzte und drehte sich zu dem alten Mann um.

„Danke, Onkel Ben. Wie soll ich dir die Jacke zurückgeben? Ich weiß ja gar nicht, wo du wohnst“, sagte sie besorgt.

„Behalt sie ruhig, Kleine. Wenn ich sie wiederhaben will, besuche ich dich eines Tages im Kingston Club“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Cara lächelte ihn an.

„Abgemacht, ich werde auf dich warten“, sagte sie und stieg mit einem Lächeln auf den Lippen aus.

„Lächle öfter. Das steht dir besser“, sagte Onkel Ben und fuhr winkend davon. Cara nahm den Zug und schlief vor lauter Erschöpfung während der Fahrt ein. Sie schreckte hoch und stellte fest, dass sie kurz vor Hempstead Village war. Als sie auf den Club zuging, leuchteten ihre Augen auf, als sie die riesige Schlange für die Tickets zu ihrer Show sah. Je mehr Tickets verkauft wurden, desto höher fiel ihre Gage aus. Rudolph Sterling bezahlte sie stets direkt nach ihrem Auftritt, abhängig von den Ticketverkäufen. Sie betrat das Gebäude, gesellte sich zu den Musikern und bereitete sich hinter der Bühne vor.

„Hey Cara, du bist fünf Minuten zu spät. Rudy hat schon nach dir gefragt“, informierte sie Cole, der am Schlagzeug saß.

„Oh, war er sauer?“, fragte Cara mit großen Augen.

„Irgendwie schon, aber bleib ganz entspannt. Er hat es sicher schon wieder vergessen. DJ Remi ist gerade bei ihm im Büro“, zwinkerte Carlton, der die Leadgitarre spielte.

Garry, der Bassist, kicherte wissend. „Nehmen wir unsere Plätze ein, Leute. Remi wird ihn nicht lange beschäftigen können. Er hat in letzter Zeit ein besonderes Auge auf Cara geworfen“, bemerkte er.

„Ist er nicht zu alt für Cara?“, fragte Cole und verdrehte die Augen. Cara ignorierte ihr albernes Geplänkel einfach; es gehörte zum Alltag, und sie war es gewissermaßen schon gewohnt.

„Kann ich mich bitte auf meinen Auftritt konzentrieren, Leute?“, tadelte sie die Männer. Obwohl sie das einzige Mädchen in der Gruppe war, versuchten sie nie, sie irgendwie zu dominieren. Die Jungs waren alle mindestens sechs bis acht Jahre älter als sie und taten alles, um sie zu unterstützen. Cara war froh, mit ihnen aufzutreten!

Die Show begann, und sie legte ihr ganzes Herz in die Songs, während sie gekonnt die Rhythmusgitarre spielte. Das Publikum tobte, als sie Selena Gomez’ „Feel Me“ anstimmte, gefolgt von Celine Dions „My Heart Will Go On“. Dann setzte sie sich wie eine echte Diva auf einen hohen Barhocker vor das Mikrofon, spielte Gitarre und sang „Forever and For Always“ von Shania Twain. Die Zuschauer wiegten sich auf ihren Plätzen und summten die Melodie mit. Mit geschlossenen Augen und einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen ahnte sie gar nicht, wie faszinierend und unschuldig sie dabei wirkte.

Schließlich öffnete Cara die Augen und stand auf, um ihren Auftritt mit einer eigenen Komposition zu beenden: „Love Me Like There’s No Tomorrow“. Es war ein Lied, das sie vor sechs Monaten komponiert hatte! Die Menge jubelte und spendete ihr stehende Ovationen. Caras Augen füllten sich mit Freudentränen; sie war überwältigt von der Resonanz. Der Vorhang begann sich zu schließen, und sie verneigte sich ein letztes Mal an diesem Abend vor dem Publikum.

Rudolph Sterling kam herein und bat alle hinaus, da bald die DJ-Stunde beginnen sollte.

Als Cara auf Rudolph Sterlings Büro zuging, eilte Cole auf sie zu. „Hey, Cara! Jemand hat das für dich geschickt“, sagte er außer Atem und reichte ihr ein Päckchen.

„Für mich? Was ist das?“, fragte sie aufgeregt. Cole zuckte mit den Schultern und ging davon, während Cara voller Spannung versuchte, das Päckchen zu öffnen. War es ein Geschenk eines Musikfans? Vielleicht hatte jemandem ihr Auftritt heute Abend gefallen und man hatte ihr eine nette Kleinigkeit geschickt. Doch als sie das Päckchen öffnete, weiteten sich ihre Augen vor Schreck.

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