Home / Werwolf / Mondgebundene Herzen / Kapitel 252: Die Übergabe

Share

Kapitel 252: Die Übergabe

Author: Viv Rex
last update publish date: 2026-09-18 14:03:22

Der Winter kam und ging, und mit dem Frühling kam der Tag, auf den Aurora ihr ganzes Leben gewartet hatte. Nicht mit Ungeduld, nicht mit Angst, sondern mit einer ruhigen, tiefen Gewissheit, dass die Zeit gekommen war.

Sie war jetzt fünfundvierzig Jahre alt. Ihr Haar trug die ersten silbernen Strähnen, und um ihre Augen lagen feine Linien, die von Jahren des Lachens und Weinens erzählten. Aber ihre Augen leuchteten noch immer wie an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal in die Berge gekommen war —
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 253: Für immer

    Die Jahre vergingen wie Blätter im Wind. Die Jahreszeiten wechselten, die Kinder wuchsen, und die Welt veränderte sich langsam, aber stetig. Der Bund der Fünf wurde größer — das Fischerdorf an der Küste war beigetreten, dann ein Rudel aus den südlichen Ebenen, dann eines aus den östlichen Hügeln. Die Schule der vier Gaben hatte Ableger in jedem Winkel der westlichen Lande, und überall, wo Wölfe lebten, kannte man die Geschichte der Silberwölfin, die aus der Welt der Menschen gekommen war, um eine neue Ära einzuläuten.Elara führte das Nightfang-Rudel mit einer Weisheit, die selbst die Ältesten staunen ließ. Sie war nicht nur eine Alpha, sondern eine Brücke — zwischen den Rudeln, zwischen den Welten, zwischen den Generationen. Sie reiste viel, unterrichtete in den Schulen, half, wo Hilfe gebraucht wurde, und kehrte immer wieder nach Blackthorn Hollow zurück, wo ihr Zuhause war.Kael und Maya hatten zwei Kinder — einen Sohn namens Liam und eine Tochter namens Selene. Liam war zwölf und

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 252: Die Übergabe

    Der Winter kam und ging, und mit dem Frühling kam der Tag, auf den Aurora ihr ganzes Leben gewartet hatte. Nicht mit Ungeduld, nicht mit Angst, sondern mit einer ruhigen, tiefen Gewissheit, dass die Zeit gekommen war.Sie war jetzt fünfundvierzig Jahre alt. Ihr Haar trug die ersten silbernen Strähnen, und um ihre Augen lagen feine Linien, die von Jahren des Lachens und Weinens erzählten. Aber ihre Augen leuchteten noch immer wie an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal in die Berge gekommen war — silbern, klar, voller Liebe.Elara war zwanzig. Sie hatte die Schule der vier Gaben abgeschlossen, hatte in Falkenhorst, an der Küste und in den Sümpfen unterrichtet und war zu einer jungen Frau herangewachsen, die die Gaben ihrer Mutter und ihres Vaters in sich vereinte. Sie konnte heilen, sie konnte lehren, sie konnte die Geisterebene betreten und verlassen, wie andere einen Raum betraten. Und sie war bereit.„Bist du sicher?“, fragte Aurora eines Morgens, als sie mit Elara am See saß. „Es ist

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 251: Die Wahl

    Die Jahre waren vergangen wie Wasser in einem Fluss. Elara war jetzt siebzehn, eine junge Frau mit silbernen Augen und einem Herzen, das größer war als die Berge, in denen sie aufgewachsen war. Sie hatte gelernt, ihre Gaben zu beherrschen — die Lebensmagie, das Lied der Wurzeln, die Sprache der Delfine. Sie hatte die Schule der vier Gaben besucht, hatte in Falkenhorst und an der Küste unterrichtet und war zu einer Lehrerin geworden, die selbst Mirin staunen ließ.Aber sie wusste, dass etwas fehlte. Etwas, das sie nicht benennen konnte. Etwas, das sie in ihren Träumen rief.An einem kalten Novembermorgen erwachte sie mit einem Bild vor Augen, das sie nicht losließ. Eine Brücke — nicht aus Stein, nicht aus Holz, sondern aus Licht. Und auf der anderen Seite der Brücke standen Gestalten, die sie kannte. Ihre Urgroßmutter Elara. Die Luna Prime, die sie im Ebereschenhain gesehen hatte. Und andere, die sie nicht kannte, aber deren Gesichter ihr vertraut waren.„Mama“, sagte sie beim Frühstüc

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 250: Das Erntefest der Rückkehr

    Der September brachte kühle Nächte und goldene Tage, und mit ihm kehrte der Alltag in die Bergwacht zurück. Die Schule öffnete wieder ihre Türen, die Kinder strömten aus ihren Häusern, und Elara wurde von ihren Freunden überschwänglich begrüßt, als hätte sie eine Weltreise hinter sich — was sie im Grunde auch hatte.Timo, der in den Monaten ihrer Abwesenheit einen Wachstumsschub gemacht hatte und jetzt fast so groß war wie Aurora, hob sie hoch und wirbelte sie durch die Luft. „Du hast uns gefehlt!“, rief er. „Ohne dich war der Unterricht langweilig!“„Ich habe euch auch vermisst“, sagte Elara, als sie wieder auf dem Boden stand. „Aber ich habe Delfine gesehen. Echte Delfine!“„Erzähl mir alles“, sagte Timo, und die beiden verschwanden im Handumdrehen in Richtung See, wo Elara ihre Geschichten loswerden konnte.Aurora sah ihnen nach und lächelte. Es war schön, wieder zu Hause zu sein. Das Meer war ein Geschenk gewesen, aber die Berge waren ihr Zuhause. Und sie wusste, dass sie nie wied

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 249: Der Abschied vom Meer

    Der August brachte den letzten warmen Tage und die ersten Anzeichen des nahenden Herbstes. Die Nächte wurden kühler, und der Wind trug den Geruch von Veränderung heran. Aurora wusste, dass es Zeit war, nach Hause zu gehen — zurück in die Berge, zurück in die Schule, zurück zu all den Menschen, die auf sie warteten.Doch der Abschied fiel schwerer, als sie erwartet hatte.Elara hatte das Meer in ihr Herz geschlossen. Jeden Morgen war sie mit Nia zum Wasser gelaufen, hatte mit den Delfinen gespielt und mit den Wellen gesprochen. Sie hatte gelernt, die Gezeiten zu lesen, die Fische zu rufen und die Stürme zu spüren, bevor sie kamen. Sie war nicht mehr nur eine Tochter der Berge. Sie war eine Tochter des Meeres geworden.„Muss ich wirklich gehen?“, fragte sie eines Morgens, als Aurora begann, ihre Sachen zu packen.„Ja, mein Schatz“, sagte Aurora sanft. „Aber wir kommen wieder. Versprochen.“„Wann?“„Bald. Vielleicht im nächsten Sommer. Oder früher, wenn du das Meer vermisst.“Elara dacht

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 248: Das Lied der Delfine

    Der Juli brachte warme Tage und ruhige Nächte, in denen das Meer leuchtete wie flüssiges Silber. Elara und Nia waren unzertrennlich geworden — sie verbrachten jede freie Minute zusammen, liefen am Strand entlang, sammelten Muscheln und sprachen über Dinge, die nur sie verstanden.Eines Morgens, als die Sonne gerade über den Horizont stieg, kam Nia zu Elara gerannt, ihre blauen Augen weit vor Aufregung.„Sie sind da!“, rief sie. „Die Delfine! Sie wollen dich kennenlernen!“Elara sprang auf. „Wirklich?“„Wirklich! Sie haben es mir gesagt. Sie sagen, du leuchtest wie der Mond, und sie wollen wissen, warum.“Aurora, die am Feuer saß und Tee trank, sah auf. „Delfine?“„Nia spricht mit ihnen“, erklärte Elara, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. „Sie sind ihre Freunde. Und jetzt wollen sie mich kennenlernen.“Aurora sah zu Darian, der mit Ayla am Rand des Dorfes sprach. Sie überlegte, ob sie Elara gehen lassen sollte. Das Meer war gefährlich, die Strömungen stark, und Elara

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 4: Der Morgen im Rudel

    Lily wachte auf, weil Sonnenlicht durch das Fenster fiel. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann kamen die Erinnerungen zurück. Der Wald. Jake. Die Werwölfe. Das Dorf.Sie setzte sich im Bett auf und schaute sich um. Das Zimmer war schön. Holzwände, weiche Decken und ein großer Kleider

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 3: Die Ältesten

    Lily saß noch lange im Wohnzimmer und starrte ins Feuer. Die Flammen tanzten ruhig, aber in ihrem Kopf drehte sich alles. Werwölfe. Gefährtenbund. Mond. Jake. Das alles klang wie eine verrückte Geschichte aus einem Buch. Aber sie war hier. In einem fremden Haus. In einem Dorf, das auf keiner Karte

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 2: Der Weg ins Unbekannte

    Lily versuchte erneut, ihren Arm aus Jakes Griff zu befreien. Seine Finger waren warm und stark, aber sie taten ihr nicht weh. Trotzdem hatte sie große Angst. „Lass mich los!“, sagte sie laut. „Ich will nach Hause!“ Jake schaute sie nur an. Seine goldenen Augen leuchteten im Mondlicht. Er antwor

  • Mondgebundene Herzen   Kapitel 1: Zurück zu Hause

    Der Regen fiel gleichmäßig in Blackthorn Hollow. Er kam leise und grau vom Himmel und machte die alten Bäume dunkel und nass. Lily Morgan hielt das Lenkrad fest, während sie die schmale Straße hinauf fuhr. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und kehrte nach sechs langen Jahren in die Hütte ihrer Groß

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status