Share

3

last update publish date: 2026-08-10 00:45:18

Kapitel 3

„Nora ...?“

Samuels Stimme bebte schwer.

Als könne er seinen Augen nicht trauen, stand er wie erstarrt vor der Haustür und blickte auf die Frau, die im vergangenen Jahr nur in seinen Erinnerungen weitergelebt hatte.

Nora lächelte schwach.

Ihr Gesicht war blass, ihre Lippen trocken und ihr Körper auffallend dünn.

Sie sah erschöpft aus, wie eine Frau, die lange gelitten und unerträgliche Qualen ertragen hatte.

„Ich bin zurück, Samuel.“

sagte sie leise.

Samuel brachte kein Wort heraus.

Er wusste nicht einmal, ob er wütend oder glücklich sein sollte.

Langsam hob er die Hand, als wolle er sich vergewissern, dass die Frau vor ihm keine Illusion, sondern Wirklichkeit war.

„...Was ist passiert?“

Seine Stimme klang heiser.

„Wo warst du die ganze Zeit? Du bist an unserem Hochzeitstag plötzlich verschwunden.“

Noras Körper zitterte, dann trat sie einen Schritt ins Haus.

„Es tut mir leid ... Ich habe das nicht freiwillig getan.“

Sie sprach weiter und kämpfte gegen ihre Tränen an.

„Jemand hat mich entführt. Ich wurde an einem Ort weit außerhalb der Stadt festgehalten ... und konnte nur knapp entkommen.“

Samuels Augen weiteten sich vor Schock.

„...Was hast du gesagt?“

„Ja ...“

Nora wischte sich die Tränen aus den Augen.

„Erst vor einer Woche konnte ich endlich fliehen, und es hat einige Zeit gedauert, bis ich zu dir zurückkehren konnte.“

Kaum hatte sie ihre Worte beendet, stürzte sie plötzlich auf Samuel zu und umarmte ihn.

„Ich habe dich vermisst ... Samuel.“

Einige Sekunden lang konnte Samuel keinerlei Reaktion zeigen.

Dann hob er langsam beide Arme und erwiderte schweigend die Umarmung der Frau, von der er geglaubt hatte, sie hätte ihn für immer verlassen.

Rebecca sah diese Szene, als sie aus der Küche kam.

In ihrer Hand hielt sie einen Teller mit frisch gebackenem Brot.

Sie blieb stehen, und ihr Blick fiel auf die beiden Menschen, die sich im Eingangsbereich umarmten.

Es fühlte sich an, als würde sich ihre Brust unter der Last des Schmerzes langsam zusammenschnüren.

Nora drehte den Kopf und sah Rebecca an.

Im selben Augenblick erlosch die Wärme in ihren Augen und machte einer eisigen Kälte Platz.

Rebecca hielt den Atem an.

„...Nora, du bist zurück.“

Nora löste sich aus Samuels Armen und starrte Rebecca mit scharfem Blick an.

„Warum?“

In ihrer Stimme lag deutlicher Spott.

„Freust du dich etwa nicht, dass ich zurück bin? Rebecca, tu jetzt nicht so unschuldig.“

Samuel sah sie an.

„...Was meinst du damit?“

Nora ging langsam auf Rebecca zu.

Ihr von den Spuren der Verletzungen gezeichnetes Gesicht war voller Wut.

„Ich weiß, wer mich entführt hat.“

Rebecca runzelte die Stirn.

„...Was soll das heißen?“

„Tu nicht so, als wüsstest du es nicht.“

Noras Stimme zitterte.

„Du warst es, Rebecca.“

Sie zeigte mit dem Finger auf Rebecca.

„Du hast Leute beauftragt, mich zu entführen. Du wolltest meinen Platz einnehmen, Samuel heiraten und Frau Wilson werden.“

Rebeccas Augen weiteten sich erschrocken.

„...Was?“

„Nein! Ich habe nie—“

„Genug!“

Nora schrie scharf auf.

„Glaubtest du wirklich, ich würde es nicht herausfinden? Du hast Samuel schon seit langer Zeit geliebt! Am Ende wolltest du mich beseitigen und meinen Platz einnehmen!“

Samuels Blick richtete sich auf Rebecca.

Misstrauen lag darin.

„...Rebecca.“

Seine Stimme war kalt.

„Stimmt das?“

Rebecca wich einen Schritt zurück.

Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

„Samuel, nein!“

Ihre Stimme war von Tränen erfüllt.

„Ich habe so etwas nicht getan!“

Nora fuhr unter Schluchzen fort.

„Du hast sogar meine Mutter bedroht. Ich habe ein ganzes Jahr in der Hölle verbracht ... während du die ganze Zeit mit meinem Mann zusammengelebt hast!“

„Hör auf, Nora!“

Rebecca schrie mit zitternder Stimme.

„Ich wollte nichts davon! Ich wusste nicht, dass du entführt worden bist, und ich habe Tante Alice niemals bedroht!“

Doch Nora flüchtete sich erneut in Samuels Arme und brach in Tränen aus.

„Ich hatte solche Angst ... Ich dachte, ich würde dich nie wiedersehen.“

Samuel ballte die Fäuste.

Plötzlich kehrte eine Erinnerung aus seiner längst vergangenen Universitätszeit in seinen Kopf zurück.

An jenen Tag, an dem er im zweiten Stock eines brennenden Gebäudes eingeschlossen gewesen war und ein Mädchen unter Einsatz ihres Lebens gerettet hatte.

Dieses Mädchen war Nora gewesen.

Später hatte er außerdem erfahren, dass sie dasselbe Mädchen war, das ihn bereits als Kind gerettet hatte. Deshalb hatte er sich selbst versprochen, Nora eines Tages zu heiraten, ganz gleich, was geschehen würde.

Ohne ein Wort zu sagen, zog Samuel Nora noch fester an sich.

Rebecca stand reglos da und beobachtete die Szene.

Ihre Augen füllten sich mit brennenden Tränen.

„...Also doch.“

Nur mühsam brachte sie die Worte hervor.

„Du ... glaubst ihr?“

Samuel sah sie ruhig an.

„Ich glaube Nora.“

Es waren kalte, unmissverständliche Worte.

„Dann hast du mich die ganze Zeit geliebt und all das geplant. Nur um Noras Platz einzunehmen.“

Endlich liefen Rebeccas Tränen über ihre Wangen.

Samuel zog Nora noch fester in seine Arme.

Rebecca konnte nicht länger an diesem Ort bleiben.

Sie drehte sich um und rannte die Treppe hinauf.

„Bumm!“

Die Zimmertür wurde heftig zugeschlagen.

Rebecca warf sich aufs Bett und brach in Tränen aus.

Es war unerträglich für sie, dass der Mensch, den sie mehr als jeden anderen liebte, kein einziges ihrer Worte glaubte.

---

Wenig später.

In der zuvor stillen Wohnung ertönte die Türklingel.

Nora, die mit Samuel im Wohnzimmer saß, erhob sich.

„Ich mache auf.“

Samuel ging langsam zur Haustür.

Als sich die Tür öffnete, stand eine Frau mittleren Alters vor ihm.

Ihr Haar war ordentlich hochgesteckt.

Es war Noras Mutter, Alice.

„...Mutter.“

Samuel murmelte überrascht.

Nora lief sofort zu ihrer Mutter und umarmte sie.

„Mama ...“

Alice sah ihre Tochter an und wandte ihren Blick anschließend Samuel zu.

„Samuel.“

fragte sie vorsichtig.

„Glaubst du Nora?“

Nora nickte unter Tränen in den Armen ihrer Mutter.

In diesem Moment.

Rebecca stand oben an der Treppe, hielt den Atem an und starrte auf die Frau, der sie vertraut und gefolgt war, als wäre sie ihre eigene Mutter.

Alice sah Rebecca einmal an und wandte sich dann mit schuldbewusstem Gesicht Samuel zu.

„...Es tut mir leid, Samuel.“

Ihre Stimme war leise und zitterte.

„Damals ... hatte ich wegen Rebeccas Drohungen keine andere Wahl.“

In diesem Augenblick.

Rebeccas ganze Welt brach zusammen.

„...Was hast du gesagt?“

flüsterte sie kraftlos.

Alice sprach unter Tränen weiter.

„Rebecca hat mir gedroht, Nora zu töten. Sie sagte, ich müsse dafür sorgen, dass Nora an ihrer Stelle verschwindet, sonst ...“

Sie schlug die Hände vors Gesicht.

„Ich wollte nur Nora retten.“

Nora umarmte ihre Mutter fest.

Alices Tränen wollten nicht versiegen.

„Ich wusste, dass das, was ich tat, falsch war. Aber damals hatte ich solche Angst. Rebecca setzte mich immer wieder unter Druck, nach ihrem Plan zu handeln.“

Rebecca konnte kein Wort sagen.

Sie bekam kaum noch Luft.

Es fühlte sich an, als würde sich die ganze Welt um sie drehen.

„...Tante Alice.“

Nur mit Mühe brachte sie die Worte hervor.

„Warum ... warum lügst du?“

„Halt den Mund.“

sagte Nora spöttisch.

„Du warst wirklich gerissen, Rebecca. Aber am Ende sind all deine Verbrechen ans Licht gekommen.“

Samuel ballte die Fäuste.

Sein kalter, erstarrter Blick richtete sich auf Rebecca.

„...Also.“

Seine Stimme war tief und kalt.

„Das alles stimmt.“

Er trat einen Schritt auf sie zu.

„Du hast gedroht, Nora zu töten, nur um Frau Wilson zu werden?“

Rebecca liefen Tränen über die Wangen, und sie schüttelte hastig den Kopf.

„Nein!“

schrie sie verzweifelt.

„Ich habe niemals jemanden bedroht! Tante Alice, warum beschuldigst du mich zu Unrecht? Du weißt doch genau, dass ich nicht so ein Mensch bin!“

„Genug.“

Samuel unterbrach sie kalt.

„Du hast mich enttäuscht, Rebecca.“

Rebeccas Beine gaben nach, und ihre Kraft verließ sie.

Die Erkenntnis, dass der Mann, den sie liebte, ihr bis zum Ende nicht glaubte, zerstörte sie vollkommen.

Nora umarmte ihre Mutter erneut, während Freudentränen in ihren Augen standen.

Auch Alice schloss ihre Tochter fest in die Arme.

Rebecca konnte nur hilflos auf diese Szene blicken.

Sie hatte keine Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen.

Wenig später ergriff Nora Samuels Hände mit beiden Händen.

„Liebling.“

sagte sie mit einem sanften Lächeln.

„Ich bin zurück.“

Nachdem sie kurz Luft geholt hatte, fragte sie leise.

„...Du wirst dich von Rebecca scheiden lassen, nicht wahr?“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   110

    Kapitel 110In Rebeccas Wohnung zeigte die Uhr bereits acht Uhr abends.Rebecca ging im Wohnzimmer auf und ab und starrte unentwegt auf ihren Handybildschirm. Sie hatte Samuel schon fünfmal angerufen – keine Antwort. Ihr Atem ging schwer. Rebecca war wirklich außer sich vor Sorge.„Warum ist er immer noch nicht zu Hause? Vielleicht hat Samuel Reno einfach mitgenommen …“, murmelte Rebecca voller Panik.Wenig später klingelte Rebeccas Telefon. Samuels Name erschien auf dem Display.„Samuel!“, rief Rebecca und nahm sofort ab. „Wo bist du?! Es ist schon nach acht Uhr abends!“„Rebecca, es tut mir leid, dass ich Reno noch nicht nach Hause gebracht habe. Reno wollte vorhin noch ein Eis, und ich … ich wollte einfach mehr Zeit mit Reno verbringen. Ich weiß, dass ich kein Recht dazu habe, aber …“Rebecca fiel ihm scharf ins Wort. „Du kennst die Frist, die ich dir gegeben habe! Versuch es erst gar nicht, Samuel!“„Ich verstehe. Aber Rebecca, hör mir bitte erst zu. Reno war heute so glücklich. E

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   109

    Kapitel 109Am Ort ihrer Gefangenschaft scheuerten die Plastikseile seit Stunden an Noras Handgelenken. Die Haut der Frau war wund und schmerzte, doch Nora rieb das Seil unentwegt gegen die Kante des alten Eisenbettes. Immer wieder, geduldig, und schließlich …Klick.Das Seil lockerte sich.Noras Herz raste. Ihr Atem ging unregelmäßig, und ihre Hände zitterten, als sie die Knoten, die ihre Handgelenke und Fußknöchel fesselten, einen nach dem anderen löste. Anthony hatte sie wieder allein gelassen.Nora kroch auf das Fenster des Lagerhauses zu, dessen Holzbretter teilweise morsch waren. Nägel ragten nach außen, und der untere Teil des Fensters war von Spinnweben überzogen. Doch die Nachtluft drang durch die Ritzen.Mit großer Anstrengung brach Nora die Bretter mit einem abgebrochenen Eisenstück von einem Lampenhaken auf, das sie am Tag zuvor hinter einem Karton versteckt hatte. Das Ächzen des Holzes reichte aus, um die Frau den Atem anhalten zu lassen. Als die Öffnung breit genug war,

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   108

    Kapitel 108Bani keuchte noch immer im Flur des Wohngebäudes, als Samuel mehrmals hintereinander auf den Fahrstuhlknopf drückte.„Herr Samuel, werden wir—“Samuel antwortete nicht. Sobald sich die Tür öffnete, rannte er in Richtung Parkplatz und griff sofort nach dem Lenkrad seiner schwarzen Limousine. Die Reifen quietschten; der Wagen raste davon und ließ Bani allein zurück.Bani atmete nur schwer aus und schüttelte den Kopf.Auf dem Rücksitz des Taxis hielt Reno seinen Roboter umschlungen und blickte seine Mutter besorgt an.„Mama, fahren wir zum Flughafen?“Rebecca schüttelte den Kopf – das Gesicht der Frau wirkte blass. „Wir besuchen zuerst Oma, mein Schatz.“Das Taxi bog in Richtung des Privatkrankenhauses der Familie Zayden ab, in dem Betty behandelt wurde. Rebecca drückte Renos Finger.Das GPS auf dem Armaturenbrett zeigte Dutzende von Taxi-Standorten an; Samuel konzentrierte sich auf die Straßenkamera. Plötzlich erblickte er weit voraus eine weiße Limousine mit blauen Streifen

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   107

    Kapitel 107Die Sirene eines Streifenwagens heulte in der Ferne – niemand wusste, wohin er unterwegs war –, während Samuels schwarze Limousine rücksichtslos auf Rebeccas Wohnung zusteuert. Bani zappelte unruhig auf dem Fahrersitz, doch was seine Hände wirklich zum Zittern brachte, war eine neue Benachrichtigung auf seinem Handybildschirm.„Herr Samuel, die Ergebnisse aus dem Labor sind da“, sagte er und fuhr kurz an den Straßenrand. Er zeigte ihm ein Foto des DNA-Berichts.Samuel überflog ihn rasch: Vaterschaftswahrscheinlichkeit 99,9999 % – Testperson A: Samuel Wilson, Testperson B: Reno Barra Castillo. Die Welt um ihn herum schien stillzustehen. Samuel stockte der Atem.„Reno … ist also mein Sohn“, flüsterte Samuel heiser. Seine Handfläche ballte sich um die Hälfte des Anhängers.„Herr Samuel, wir können Fräulein Rebecca noch einholen!“, rief Bani aus.Samuel schreckte aus seiner Erstarrung hoch und nickte heftig. „Gib Gas, Bani! Auf zu Rebeccas Wohnung!“Der Fahrstuhl des Wohngebäu

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   106

    Kapitel 106Morgentau hing noch an den Blättern im Stadtpark, als Rebecca Reno an die Hand nahm und das kleine Amphitheater betrat. Der Junge war schläfrig – seinen Mini-Roboter hielt er fest umschlungen –, während Rebecca eine dünne, cremefarbene Mappe an sich drückte.Sie blieben an der am weitesten entfernten Marmorbank stehen. Rebecca holte tief Luft und tätschelte sanft Renos Schulter. „Gleich, wenn Mama mit Onkel Samuel spricht, kannst du ein bisschen spielen, ja?“Reno nickte. „Okay, Mama.“ Er lief zum Sandkasten und gesellte sich zu zwei anderen Kindern, die eine Festung bauten.Wenige Minuten später schallten gleichmäßige Schritte auf dem Kiesweg. Samuel erschien in einem langen, dunkelblauen Mantel; seine Augen hefteten sich sofort auf Rebeccas Gestalt. Er hielt für einen Moment inne – eingedenk all der Entschuldigungen, die er sich die ganze Nacht über zurechtgelegt hatte.„Rebecca …“, grüßte Samuel leise und trat näher.Rebecca stand auf und gab Samuel keine Gelegenheit, d

  • Mr. CEO, Ihre Frau ist zurück!   105

    Kapitel 105In dem Lagerhaus am Rande der Stadt wurde es wieder still, sobald die Eisentür von außen geschlossen wurde.Drinnen quietschten die Ketten an den Stühlen, als Nora sich aufbäumte.„ANTHONY! SINDY! LASST MICH FREI!“, schrie Nora, ihre Stimme heiser. Ihre Worte hallten von den Blechwänden wider, doch es kam keine Antwort. Nora biss sich auf die Lippe, bis sie blutete, und heulte vor Frustration auf. „Ihr werdet das bereuen – Samuel wird kommen und nach mir suchen!“ Nora war sich so sicher.Im Hinterhof des Lagerhauses lehnte Sindy mit dem Rücken an Anthonys Lieferwagen.„Du bist wirklich herzlos, deine Frau so allein zu lassen“, murmelte Sindy.Anthony schob die Mappe mit dem Scheidungsvertrag in seinen Rucksack. „Wenn man ihr keine Lektion erteilt, wird Nora niemals aufgeben; sie macht vor nichts halt. Sie glaubt, sie könne jeden manipulieren.“Sindy warf einen Blick auf die Tür des Lagerhauses. Noras Schreie wurden leiser und wandelten sich schließlich in ein Schluchzen. „

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status