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LORI
„Kann nicht fassen, dass du unser Wochenende wirklich dafür cancelst“, murmelte Anselm und zerrte die letzte Sporttasche mit mehr Kraft als nötig vom Rücksitz.
„Es tut mir leid.“ Ich griff nach seiner Schulter und drückte sie sanft, in der Hoffnung, die Berührung würde ihn besänftigen. „Es ist mir komplett entfallen. Friederike hat mich heute Morgen erst wieder erinnert. Ich hätte es dir früher gesagt, wenn ich daran gedacht hätte.“
Er lächelte nicht, als ich ihm in den Bauch pikste. Er sah mich kaum an.
Friederike hatte mich vor Wochen eingeladen. Anselm und ich hatten schon Pläne gemacht. Irgendwie waren die Termine kollidiert, und ich hatte wieder einmal den Überblick verloren.
„Im Ernst, Lori?“ Seine Stimme wurde flach und gefährlich. „Du ziehst das wirklich durch?“
Ich blieb mitten auf dem Weg stehen. „Was soll das denn heißen?“
„Das heißt, jedes Mal, wenn deine beste Freundin mit den Fingern schnippt, werde ich zur Seite geschoben. Das dritte Mal diesen Monat.“ Er verschränkte die Arme, der Kiefer so angespannt, dass ein Muskel zuckte. „Unsere Pläne vergisst du ständig. Ihre nie.“
Hitze stieg mir ins Gesicht. „Das ist nicht fair. Es war wirklich –“
„Das ist ja das Problem“, unterbrach er mich, die Nasenflügel gebläht. „Du merkst es nicht einmal mehr. Ich bin immer der, der Verständnis hat. Der, der umplant. Der, der ‚ist schon okay‘ sagt, wenn es das nicht ist.“ Er schaute weg, die Schultern starr. „Ich hab es satt, immer der zu sein, den man am leichtesten absagen kann.“
„Anselm –“
„Vergiss es.“ Er drehte sich um und ging hinein, ohne die Tür für mich aufzuhalten.
Ich blieb stehen, die Lippen fest zusammengepresst, der Fuß tippte unruhig auf den Beton, während Frust und Schuld wie Stacheldraht in meiner Brust wühlten.
„Brauchst du Hilfe?“ fragte eine tiefe, samtige Stimme hinter mir.
Ich straffte mich schnell, spürte, wie meine Wangen warm wurden, und drehte mich um.
Herr Falke stand ein paar Meter entfernt in einem perfekt sitzenden Hemd, das Sakko lässig über einer Schulter, den Aktenkoffer in der Hand. Seine durchdringenden grauen Augen trafen meine – wie sie es schon seit der Schulzeit taten –, als könnte er direkt in mich hineinsehen.
„Guten Abend, Lori.“ Mein Name klang aus seinem Mund wie Samt. Er griff an mir vorbei, öffnete die Tür und bedeutete mir, zuerst einzutreten. Unsere Finger streiften sich. Ein elektrischer Schlag fuhr mir den Arm hinauf.
„Hallo, Herr Falke.“ Meine Stimme war leiser, als ich wollte.
Es waren nur ein paar Wochen vergangen, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte, doch es fühlte sich länger an. Früher in der Schule hatte ich ihn fast täglich gesehen. Jetzt kam ich nur noch her, wenn Friederike Gesellschaft am Pool wollte – und ich nahm jede einzelne Einladung an.
Wir traten in die kühle Eingangshalle.
„Bleibst du das ganze Wochenende?“ fragte er und sah mit ruhiger Belustigung auf mich herab.
Ich rückte den Riemen meines Rucksacks zurecht. „Ja.“
Er grinste, und seine Augen wurden spielerisch dunkel. „Gut. Ich hoffe, ihr Mädels habt viel Spaß.“ Sein Blick glitt für den Bruchteil einer Sekunde über meinen Körper, bevor er wieder mein Gesicht fand. Er beugte sich leicht vor. „Falls du irgendetwas brauchst … du weißt genau, wo du mich findest.“
Das tiefe Versprechen in seiner Stimme ließ meinen Bauch sich zusammenziehen. Er schob den Aktenkoffer höher auf die Schulter und ging die Treppe hinauf, wobei seine Finger erneut meine streiften – bewusst, absichtlich.
„Lori!“ rief Friederike von unten.
Ich atmete tief durch und ging ins Wohnzimmer hinunter, wo Friederike mit Stefan, Baldwin und Anselm auf der Couch saß. Sobald sie mich sah, sprang sie auf und griff nach meiner Hand.
„Ich freu mich so auf dieses Wochenende! Endlich mal richtig entspannen.“
Hanna holte zwei Tequila-Flaschen aus der Bar im Untergeschoss und ließ sich neben Baldwin auf die Couch fallen. „Bleibt ihr noch auf einen Drink?“
Stefan schaute auf sein Handy. „Die Party geht erst in ein paar Stunden los. Pregame?“
Die drei Jungs waren in derselben Verbindung – Sigma Alpha irgendwas. Sie feierten jedes Wochenende riesige Partys, bei denen die Leute sich abschossen, rumknutschten oder in der Notaufnahme landeten – manchmal alles auf einmal. Ich war schon zu oft dabei gewesen und langsam müde davon.
Die Jungs blieben etwa eine Stunde und leerten eine ganze Flasche Tequila. Ich sah zu, wie Anselm einen Drink nach dem anderen kippte, und war erleichtert, dass ich mich nach der Party nicht mehr mit ihm auseinandersetzen musste.
Ich nippte an meinem eigenen Drink, der Alkohol machte mich leicht schwindelig, als Herr Falke noch im Anzug die Treppe herunterkam. Er nahm sich ein Glas, seufzte, als seine Schultern sich entspannten, und schenkte sich ein.
Baldwin stand auf und schaute aufs Handy. „Seid ihr bereit, euch richtig zuzuschütten?“
Ich verdrehte die Augen, als Baldwin Hanna zum Abschied küsste und Stefan Friederike umarmte. Anselm gab mir nur ein Nicken und einen kurzen Druck auf die Schulter.
Kein Kuss. Nur dieser halbherzige Abschied. Ich sah ihm nach, ein Stirnrunzeln auf den Lippen. Die Haustür fiel hinter ihnen ins Schloss, und Friederike lachte.
„Die werden sich heute Nacht richtig abschießen.“ Sie nahm ihr Glas und eine Flasche Wein und nickte zur Treppe. „Komm.“
Hanna folgte ihr nach oben. Ich seufzte, noch immer verletzt von Anselms Kälte, und wollte ihnen folgen, als Herr Falke zu mir herübersah. Ich hielt seinen Blick einen Moment zu lange. Er wandte sich nicht ab, lehnte sich nur entspannt gegen die Bar.
Ich nahm meinen Drink und ermahnte mich, ihm nur ins Gesicht zu sehen. Nichts anderes.
Seine grauen Augen waren wieder spielerisch. „Stimmt etwas nicht, Lori?“ fragte er mit tiefer Stimme.
Ich öffnete den Mund, brachte aber kein Wort heraus.
Von oben rief Friederike: „Kommst du nicht?“
Ich blinzelte und trat zurück, versuchte, den Kopf freizubekommen. Ohne ein weiteres Wort ging ich an ihm vorbei zur Treppe.
„Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen“, meinte Herr Falke leise, als ich die erste Stufe erreichte. Seine Stimme war intim und leise in der leeren Eingangshalle.
Ich blieb stehen und schaute zurück.
„Dein Freund … er sollte dich besser behandeln.“ Seine Finger zuckten an seiner Seite, als müsste er sich zurückhalten, mich zu berühren. „Eine Frau wie du verdient es, die Priorität von jemandem zu sein. Nicht nur ein Nachgedanke.“
Seine Finger streiften meine erneut – langsamer, absichtlicher, viel zu lange. Er beugte sich vor, bis seine Lippen direkt neben meinem Ohr schwebten, sein warmer Atem auf meiner Haut.
„Und wenn er dich weiter so behandelt …“ Seine Stimme wurde zu einem tiefen, samtenen Knurren. „… dann wird irgendjemand aufhören, so höflich zu sein … und sich nehmen, was er zu dumm ist zu schätzen.“ Er zog sich gerade so weit zurück, dass sich unsere Blicke trafen. Seine grauen Augen waren dunkel, hungrig und gefährlich ehrlich. „Und wer weiß …“ Ein langsames, verruchtes Lächeln umspielte seine Lippen. „… vielleicht steht dieser Jemand schon direkt vor dir.“
LORIZu sagen, dass Friederike eine übertriebene Mutter war, wäre eine Untertreibung. Sie war wieder bei uns eingezogen, um Hanna und Baldwin mehr Platz zu geben, und veranstaltete jede Woche kleine Partys für das Baby. Es war süß, und ich war wirklich froh, dass sie sich so sehr verändert hatte – aber es war ein bisschen zu viel für mich, besonders weil ich jeden Tag platzen konnte.Meine Geduld war am Ende. Mein Rücken tat höllisch weh. Meine Brüste schmerzten. Ich wollte endlich gebären, damit ich in ein halbwegs normales Leben zurückkehren konnte.Ich hielt Wieland im Arm und schaute in zwei große Baby-Augen. Wieland sah fast genau wie Friederike aus, außer diesen Augen. Sie erinnerten mich an den Teufel. Aber damit würde ich wohl leben müssen. Anselm durfte mein Leben nicht mehr bestimmen.„Ein Monat“, sagte Friederike und stupste Wieland sanft auf die Wange, während er lächelte. Hartwin beobachtete uns vom anderen Ende des Küchentischs mit hochgezogener Lippe. „Du bist heute ein
LORI„Hat sie ihr Baby schon bekommen?“, fragte ich mit gerunzelter Stirn.Hanna schüttelte den Kopf. „Stefan ist bei ihr drin. Sie liegt in den Wehen.“Hartwin legte einen Arm um meine Taille. „Wie lange schon?“Hanna schaute zu Baldwin, dann zurück zum Flur und verzog das Gesicht. „Etwa fünfzehn Stunden jetzt. Sie müssten doch langsam fertig sein, oder?“ Hanna sah Baldwin fragend an, der nur mit den Schultern zuckte, weil er es natürlich auch nicht wusste. Neben ihm stand ein halb leerer Pappbecher Kaffee, an dem er seit einer Ewigkeit herumzupfte.„Friederike hat dreizehn Stunden gebraucht“, sagte Hartwin und blickte den Flur hinunter zu den Kreißsälen. Sein Daumen strich dabei unbewusst über meine Hüfte.Ich legte eine Hand auf meinen Bauch und spürte einen Tritt eines meiner Babys. Bald würde ich selbst dort liegen und nicht nur ein, sondern drei Kinder zur Welt bringen – was mich ziemlich erschreckte. Die Vorstellung ließ mir jedes Mal den Atem stocken, wenn ich zu lange darüber
LORIZwei Stunden in den Hochzeitsempfang hinein hatte ich mich in mein neues Kleid umgezogen, den ersten Tanz mit Hartwin gehabt und mit all meinen Freunden zu Abend gegessen. Wir sprachen über die Babys, die Hochzeit und die Flitterwochen, in die wir in zwei Tagen aufbrachen.Hartwin lehnte sich zu mir. „Triff mich im Flur“, flüsterte er. „In fünf Minuten.“Nachdem er sich vom Tisch entschuldigt hatte, nahm er sein Getränk und ging zu einigen Arbeitskollegen, wobei sein eisiger Blick auf mir ruhte.Fünf Minuten … fünf Minuten, und es gab keinen Zweifel, dass er mich in den Hinterraum bringen und mich wie versprochen hemmungslos nehmen würde.„Ich wünschte so sehr, ich könnte nach Griechenland fahren“, sagte Friederike und ließ sich in ihren Stuhl sinken.Sie neigte den Kopf, und ich sah, wie ihr Blick Stefan traf, der mit Baldwin und ein paar von Hartwins Verwandten auf der anderen Seite des Raums stand.Hartwin stellte sein Glas auf einem Beistelltisch ab. Ich stand auf, mein Herz
LORIWir standen in der Mitte einer weißen Steinbrücke auf Carolds Farm am Tag unserer Hochzeit. Die Brücke bot Blick auf einen See und meilenweite, blumenverzierte Landschaft direkt außerhalb der Stadt. Hartwin stand ein paar Meter entfernt mit dem Rücken zu mir für unseren First Look.„Okay“, sagte unsere Hochzeitsfotografin.Sie lächelte mich breit an. Ich rieb meine schwitzigen Hände aneinander und starrte auf seinen Hinterkopf. Ich hatte mich in letzter Minute für einen First Look entschieden, weil es intimer wirkte, Hartwin als Ersten in meinem Hochzeitskleid zu sehen, bevor alle anderen mich sahen.„Du kannst dich umdrehen, Hartwin.“Mein Herz raste, als Hartwin sich zu mir umdrehte. Alles schien langsamer zu werden. In seinen sich weiten Augen sah ich so viele Emotionen. Er versuchte, sein Grinsen hinter einem kleinen Lächeln zu verstecken, schaffte es aber nicht. Er holte tief Luft, musterte mich und schüttelte den Kopf.„Gott, Lori
LORI„Guten Morgen, Schatz!“, sagte jemand an meinem Bett.Ich murmelte Hartwins Namen ins Kissen und rutschte rückwärts, um ihn zu berühren. Alles, was ich spüren wollte, waren seine großen, starken Arme, die sich um meinen Körper schlangen, wie er mich an sich zog, sein Atem an meinem Ohr, sein Mund auf meiner Haut, sein Schwanz an meinem –Die Lichter gingen an und aus, und dann sprang jemand neben mir aufs Bett.„Aufwachen!“, sagte Hanna. „Deine Mom und Eckhart haben Frühstück für die Braut gemacht!“Ich blinzelte die Augen auf und sah Mom in ihrem Rollstuhl am Fußende des Bettes und Hanna praktisch auf mir in ihrem Pyjama.„Es ist mein Hochzeitstag“, flüsterte ich, setzte mich ein bisschen zu schnell auf, fing mich aber auf, bevor ich zurückfallen konnte. „Ich heirate heute.“Hanna half mir aus dem Bett, und wir gingen mit Mom in die Küche. Eckharts Küchentisch war voll mit French Toast, Pfannkuchen, Obst und Eiern – alles, was ich als Kind geliebt hatte, und alles, was mich heut
LORIHartwins Lippen strichen über meinen Nacken, seine Hand lag leicht um meine Kehle.„Hör nicht auf“, hauchte ich, meine Stimme leise und rau. Das Morgenlicht flutete durch das Fenster, und ich drückte meine Hüften zurück gegen ihn. „Bitte, hör nicht auf.“Es war Freitag, der Tag vor der Hochzeit, und Hartwin hatte sich freigenommen, um Zeit mit mir zu verbringen. Er fuhr mit der Hand über meinen Bauch und schob sie unter die Wölbung, um meine Klitoris mit den Fingern zu reizen. Wir hatten die ganze Woche nicht die Hände voneinander lassen können, doch Levin war mir immer wieder durch den Kopf gegangen.Ich war traurig für ihn, aber ich fühlte mich nicht schlecht, weil ich bereits vergeben war. Ich würde mich nie schlecht fühlen wegen Hartwin.Er stieß schneller in mich, seine Finger rieben festere Kreise um meine Klitoris.„Hartwin“, flüsterte ich und bog den Rücken durch.Hartwin atmete ruhig durch die Nase ein und legte seine Lippen an mein Ohr, während er sich in mich trieb. Ic






