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Author: Helsa
last update publish date: 2026-06-17 21:55:53

ERWIN

„Heißt das nicht, dass du irgendwohin musst?“

Ich schenkte ihr ein langsames, schiefes Grinsen.

„Warte mal kurz …“ Verrell kniff die Augen zusammen. „Du bist der Typ, den ich letzte Nacht mit diesem nackten Obdachlosen gefunden habe.“

Scheiße. Ich erkannte den Detective sofort. Selbst ohne Geruch war die scharfe, misstrauische Energie, die von ihm ausging, unverkennbar. Was zum Teufel machte Luettas Bruder hier mit meinem Cousin?

Ich hielt mein Gesicht bewusst entspannt. „Ich glaube nicht
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  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   113

    ERWIN„Ich habe diese Website gefunden“, sagte ich zu Emil. „Ich hätte fast eine Mail geschickt, hab’s dann aber gelassen. Es wirkte wie ein Schwindel.“„Ich habe ein Dummy-Postfach angelegt und geantwortet“, sagte Emil. „Es gibt viele Dokumente auf der Seite, alle verschlüsselt. Selbst wenn ich sie lesen könnte, wäre es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“„Wie hast du dann die Sachen zum Blutsbund gefunden?“„Ich kann es dir nicht genau sagen. Die Dokumente waren verschlüsselt. Ich musste Schlüsselwörter eingeben und dann Gebühren zahlen, damit die entsprechenden Dokumente entschlüsselt wurden. Vielleicht hätte ich die Texte selbst durchsuchen sollen, aber …“ – er schauderte – „… ich konnte das Buch nicht noch einmal öffnen.“Ich hatte es schon versucht. Ich würde deutlich mehr Zeit zum Lernen brauchen, um es auch nur ansatzweise zu verstehen. Das musste mein Großvater aber nicht wissen. „Steht auf der Seite eine Übersetzung der Vampyr-Texte?“

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   112

    LUETTAIch seufzte, als ich mich neben Berna an meinen Arbeitsplatz setzte.„Alles in Ordnung?“, fragte sie. „Du siehst aus, als hättest du gerade ein schweres Trauma erlebt.“Schweres Trauma? Schweres Trauma sahen wir jede Nacht in der Notaufnahme. Trotzdem hatte mich die Auseinandersetzung mit Dr. Albrecht mitgenommen. Sie hatte wissen wollen, wie ihr Forschungsprojekt vorankam, und als ich sagte, ich hätte nichts Substanzielles gefunden, war sie ausgerastet. „Du bist wertlos.“ Dann hatte sie einen Hundert-Dollar-Schein aus der Tasche gezogen und ihn mir hingeschoben. „Ich sollte dich wohl besser bezahlen, sonst schleppst du mich noch vor den kleinen Gerichtshof, und dafür habe ich wirklich keine Zeit.“Wenigstens hatte sie mich nicht wegen Logan zusammengestaucht, wovor ich am meisten Angst gehabt hatte. Sie hatte nur gefragt, ob ich wüsste, wo er hingegangen sein könnte.Und wenigstens war ich jetzt hundert Dollar reicher.„Mir geht’s gut“, sagte ich. „Nur wieder eine Nacht mit de

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   111

    ERWINSobald ich den Schock überwunden hatte, dass Luetta sich die Vampyr-Texte genommen hatte, war ich eigentlich froh darüber. Ich hatte sowieso vor, sie zurückzubringen … nachdem ich sie gründlich studiert hätte.Das Buch war gar nicht so umfangreich, wie es auf den ersten Blick wirkte, denn die Worte waren auf dickem Pergament gedruckt. Dennoch war es lang – ungefähr so dick wie das Neue Testament.Eine Menge Altfranzösisch.Ich hatte etwas mehr über die Sprache recherchiert und festgestellt, dass Altfranzösisch vor allem eine gesprochene Sprache gewesen war. Sehr wenig Literatur aus dieser Zeit hat sich erhalten.Wer auch immer die Texte übersetzt hatte, hielt Altfranzösisch offenbar für eine gute Idee. Ich konnte dem nicht zustimmen.Ich blätterte die ersten Seiten durch. Es hätte genauso gut auf Griechisch geschrieben sein können.Zehn Online-Stunden in modernem Französisch brachten da nicht viel.Ohne deutlich mehr Kenntnisse würde ich diesen Band nicht lesen können.Nachdem i

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   110

    LUETTA„Was ist das, Luetta?“, fragte Erwin leise.„Oh!“ Sie lächelte. „Das ist für dich.“Aber seine Stirn war gerunzelt. Er sah nicht glücklich über meine „Errungenschaft“ aus.„Woher hast du das?“„Ich … habe es mir ausgeliehen. Heute Morgen. Von Emil.“„Weiß er, dass du es genommen hast?“ Erwin schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Er lässt niemanden an dieses Buch. Luetta, was hast du dir dabei gedacht?“„Ich habe an dich gedacht. An all die Fragen, die du hast. Du lernst Französisch, um dieses Ding lesen zu können. Ich wollte helfen.“Er lief im Wohnzimmer auf und ab und fuhr sich mit den Fingern durch die ohnehin zerzausten Haare. Er war aufgebracht, wütend. Und alles, woran ich denken konnte, war, wie verdammt gut er dabei aussah.Was stimmte nicht mit mir? Wie hatte ich so einen dummen Fehler machen können?„Ich … es tut mir leid. Ich bringe es zurück.“„Nein.“ Er drehte sich zu mir um. „Was du getan hast, war falsch. Das weißt du so gut wie ich. Aber ich brauche dieses Buch

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   109

    ERWIN„Ich gebe dir so viel, wie du willst, Liebes.“„Ich weiß. Ich hätte nur nie gedacht …“ Sie schloss die Augen. „Ich hätte in einer Million Jahren nie geglaubt …“Es war kein Zufall, dass sie die Sätze nicht zu Ende sprach. Beendete sie sie in Gedanken? Ich wusste es nicht und würde nicht fragen.Unsere Bindung war real und stark.Irgendwo in ihrem Stammbaum gab es einen Vampir. Half ihr das, meinen Blutgeschmack auf meinen Lippen mehr zu schätzen? Der Gedanke wärmte mich. Vielleicht waren wir uns gar nicht so unähnlich.Ich liebte sie, und ich wusste ohne jeden Zweifel, dass sie mich liebte.Aber solange sie mich nicht wirklich als Vampir akzeptierte, konnte sie auch nichts Vampirisches in sich selbst akzeptieren. Und solange sie mich nicht wirklich als Vampir akzeptierte, würde unsere Beziehung nicht tiefer gehen.Wir würden nicht zusammenwohnen. Das hatte sie sowieso abgelehnt. Wir würden nicht heiraten, Kinder bekommen –Das Bild, das ich schon einmal gesehen hatte, tauchte wi

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   108

    LUETTADer Band der Vampyre Texts war groß und prachtvoll, in Leder gebunden, der Text auf dickem Pergament. Ich schleppte ihn aus Emils Haus zu meinem Auto und versuchte, so leise wie möglich zu sein. Deshalb lernte Erwin gerade Französisch – um dieses Buch lesen zu können. Um herauszufinden, was zwischen uns vorging und warum.Ich musste auf jede erdenkliche Weise helfen, auch wenn das bedeutete, dass ich es stehlen – nein, ausleihen – musste. Ich hatte vor, es zurückzubringen, sobald wir fertig waren.Trotzdem nagte das schlechte Gewissen an mir. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie etwas gestohlen. Zu Hause in Ohio hatte ich mit dreizehn einen Fünfzig-Dollar-Schein auf dem Boden eines kleinen Antiquitätenladens gefunden und ihn der Verkäuferin gebracht. Verrell hatte nur die Augen verdreht und gesagt, ich hätte sie gerade um fünfzig Dollar reicher gemacht.Stehlen war für mich keine Kleinigkeit.Leise kehrte ich in Erwins Schlafzimmer zurück. Er war immer noch in der Küche un

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   5

    ERWIN„Verschwinde aus meinem verdammten Kopf, du psychotische Schlampe.“Die Erinnerung traf mich wie ein Messer – ihr Gesicht über mir, kalte Hände auf meiner Haut, dieses grausame Lächeln, während sie sich nahm, was sie wollte.Ich taumelte von Luetta zurück und riss mir die Haare. „Nein – verda

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   4

    LUETTAErwin küsste mich, als hätte er zehn Jahre lang gehungert.Kaum klickte die Schlafzimmertür hinter uns ins Schloss, drückte er mich schon dagegen – sein harter Körper presste sich an meinen, eine Hand in meinem Haar vergraben, die andere an meiner Hüfte, als gehörte ich ihm allein. Sein Mund

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   3

    ERWINIch konnte ihren Herzschlag bereits schmecken.Jede verstreichende Sekunde machte den Hunger schlimmer.Nicht nur nach Blut – nach ihr.Ihr süßer, warmer Duft, der von Luettas Haut aufstieg, trieb mich in den Wahnsinn. Mein Schwanz war schon halb hart, bevor wir den Parkplatz überhaupt verlas

  • RUINIERT VON SEINEN REIßZÄHNEN   1

    LUETTADie Tür der Blutbank stand weit offen wie eine Wunde im sterilen weißen Flur. Frische Blutstropfen glänzten auf den Fliesen direkt dahinter – noch feucht, noch falsch.Ich war nur kurz aus der Notaufnahme heruntergekommen, um O-negativ zu holen. Unser Schussopfer in Trauma Eins kippte uns we

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