LOGINCARMILLAS POV
Die Eisentore des Willows Estate ächzten, als sie sich öffneten, ein Geräusch, das ich seit genau fünf Jahren nicht mehr gehört hatte.
Als ich diesen Ort mit zweiundzwanzig verlassen hatte, war ich ein Mädchen mit Sternen in den Augen und einem Herzen voller Rebellion.
Ich hatte geglaubt, Liebe sei ein Schild, das mich vor der kalten Realität der Welt meiner Familie schützen könnte.
Jetzt, auf dem Rücksitz einer eleganten schwarzen Limousine, die der Anwalt meines Vaters geschickt hatte, erkannte ich, wie töricht ich gewesen war.
Während das Auto die lange, gepflegte Auffahrt hinauffuhr, atmete ich tief ein, um mich zu wappnen. Meine Finger glitten über die Kanten einer Mappe auf meinem Schoß … Elias’ medizinische Berichte. Er wurde im Krankenhaus noch zur Beobachtung behalten.
Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich sein angsterfülltes Gesicht im Moment vor dem Unfall vor mir.
Ich war nicht nur für mich selbst hier. Ich war hier für meinen Sohn.
„Wir sind angekommen, Miss Willows“, sagte der Fahrer, seine Stimme ohne jede Regung.
Ich stieg aus, die kühle Luft biss in meine Haut.
Ich atmete tief ein, schmeckte den vertrauten Duft von teurer Kiefer und altem Geld, und ging hinein.
Die prächtige Eingangshalle war genau so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Der Butler meines Vaters, Thomas, verneigte sich tief. Er wirkte nicht überrascht, mich zu sehen. In diesem Haus wurde alles erwartet.
„Ihr Vater ist im Arbeitszimmer, Miss Carmilla. Er ist jedoch nicht allein.“
Ich nickte und machte mich auf den Weg zu den Mahagonitüren am Ende des Flurs.
Ich war zu erschöpft, um mich dafür zu schämen, von jemandem wie Silas ausgenutzt worden zu sein, also war es egal, welche Spitzen mein Vater gegen mich richten würde, sobald ich durch diese Türen ging.
Ich stieß die Türen auf.
Der Raum war schwach beleuchtet, die Wände gesäumt von Tausenden lederbezogener Bücher.
Mein Vater, Arthur Willows, saß hinter seinem Schreibtisch. Er sah älter aus, sein Haar strahlend weiß, doch seine Augen waren immer noch genauso scharf.
„Du bist hier, Carmilla“, sagte er, ohne von seinen Papieren aufzublicken. „Das hatte ich erwartet.“
„Ich bin nicht für ein Wiedersehen hier, Vater“, sagte ich, meine Stimme ruhig trotz des Hämmerns in meiner Brust.
„Ich bin hier, um meinen Teil der Vereinbarung zu erfüllen. Meine Ehe ist vorbei, und damit ist die Sechsjahresklausel ausgelöst worden.“
„Weil du versagt hast“, sagte er und sah mich endlich an. „Du hast auf einen Mann gesetzt, der nichts hatte, und er hat dir genau das gegeben, was er besaß. Nichts.“
„Er hat mir einen Sohn gegeben“, entgegnete ich, meine Stimme wurde härter.
„Und er hat mir einen Grund gegeben, nie wieder schwach zu sein. Werden wir nun über das Erbe sprechen, oder wirst du weiterhin Vorträge über meinen schlechten Geschmack bei Männern halten?“
Ein leises, sanftes Lachen kam aus der Ecke des Raumes, in der Nähe des Kamins. Ich erstarrte. Mir war der Mann, der im Schatten saß, gar nicht aufgefallen.
Er stand auf, das Feuerlicht fing die scharfen Linien seines Kiefers und den teuren Schnitt seines marineblauen Anzugs ein.
Er war größer, als ich ihn in Erinnerung hatte, seine Präsenz erfüllte den Raum auf eine Weise, die Silas Cooper wie ein Kind in Verkleidung wirken ließ.
Rafael Hawthorn.
Sein Blick traf meinen. Vor fünf Jahren hatte ich den Heiratsantrag seiner Familie abgelehnt. Ich hatte ihn einen „kaltblütigen Roboter“ genannt und ihm gesagt, ich würde lieber einen Bettler heiraten als einen Mann, der eine Ehe wie eine Fusion betrachtete.
„Es scheint, die Jahre der Qual in den Händen dieses Mannes haben deine Zunge geschärft, Carmilla“, sagte Rafael. Er ging auf mich zu und blieb nur wenige Schritte entfernt stehen. „Du siehst … anders aus.“
„Ich bin jetzt eine Mutter, Rafael. Ich habe keine Zeit für Spielchen.“
„Gut“, unterbrach mein Vater und stand auf.
„Denn die Willows und die Hawthorns spielen keine Spielchen. Rafael hat auf dich gewartet. Er braucht eine Ehefrau, um sein öffentliches Image für seine bevorstehende politische Kampagne zu stabilisieren. Du brauchst das Vermögen der Willows und die Macht, um Silas Cooper zu vernichten.“
Ich sah Rafael an. „Du bist derjenige, den mein Vater ausgewählt hat? Warum würdest du dem zustimmen? Du könntest jede Frau in dieser Stadt haben. Frauen, die nicht Jahre damit verbracht haben, ein Kind großzuziehen und das Unternehmen eines anderen aufzubauen.“
Rafael trat näher, seine Stimme sank zu einem tiefen Summen, das in meiner Brust vibrierte.
„Wir haben dieselben Feinde, also ist es nur vernünftig, dass ich eine Frau will, die gerade dabei ist, Cooper Fabrics Stein für Stein zu demontieren. Und ich denke, wir würden ein ziemlich perfektes Team abgeben.“
Ich sah auf die Mappe in meiner Hand. Ich dachte an Lilas selbstgefälliges Gesicht und daran, wie Silas unseren Sohn nicht besucht hatte.
„Ich habe Bedingungen“, sagte ich und sah Rafael direkt in die Augen.
„Ich bin Geschäftsmann“, erwiderte Rafael, ein Grinsen umspielte seine Lippen. „Ich erwarte nichts Geringeres.“
„Erstens“, begann ich und zählte an meinen Fingern ab. „Das ist eine Vertragsehe. Drei Jahre. Nicht länger.“
„Akzeptiert.“
„Zweitens. Mein Sohn, Elias, steht an erster Stelle. Er lebt mit uns und erhält die beste Pflege. Und du wirst ihn niemals, unter keinen Umständen, das Gefühl geben lassen, eine Last zu sein.“
Rafaels Ausdruck wurde für einen Bruchteil einer Sekunde weicher.
„Ich habe bereits arrangiert, dass uns morgen ein privater Logopäde im Krankenhaus trifft. Betrachte es als erledigt.“
Ich spürte einen Kloß im Hals, schluckte ihn aber hinunter. „Und drittens … ich will keine echte Ehe, also keine Intimität.“
Rafael schwieg einen Moment, sein Blick wanderte über mein Gesicht. Für einen Augenblick dachte ich, er würde ablehnen.
Dann trat er einen Schritt vor und schloss die Lücke zwischen uns, bis ich die Hitze spüren konnte, die von seinem Körper ausstrahlte.
„Wenn das dein Wunsch ist“, flüsterte er.
„Die eigentliche Frage ist jedoch, was passiert, wenn du dich in mich verliebst?“
Ich zuckte nicht zusammen. „Das wird nicht passieren, also musst du dir darüber keine Sorgen machen.“
„Wir werden sehen“, sagte er und griff in seine Tasche. Er zog eine Samtbox heraus und öffnete sie. Darin lag ein Diamantring.
Er nahm meine Hand. Seine Finger waren warm, und für einen Moment schoss ein Funke wie elektrischer Strom durch meinen Arm und ließ meinen Atem stocken. Er steckte mir den Ring an den Finger.
„Die Ankündigung geht morgen früh hinaus“, sagte mein Vater zufrieden klingend.
„Die Willows-Erbin ist zurückgekehrt, und sie heiratet den CEO von Hawthorn Marketing. Silas Cooper wird nicht wissen, was ihn trifft.“
„Oh, er wird es wissen“, sagte ich und blickte auf den Diamanten an meinem Finger.
„Ich werde dafür sorgen, dass er jede einzelne Sekunde mit ansieht, wie seine Welt zusammenbricht.“
Rafael beobachtete mich, seine dunklen Augen undurchschaubar. „Willkommen zurück, Carmilla.“
Rafaels SichtDer schwarze Mercedes rollte über den nassen Highway zum forensischen Büro in der Innenstadt. Im Auto fühlte sich die Luft dick und schwer an.Ich hielt meine Hände fest ans Lenkrad geklammert. Meine Knöchel wurden weiß. Meine Kiefermuskeln blieben angespannt und hart.„Rafael", sagte Carmilla.Ihre Stimme war sanft. Sie durchschnitt meine Wut wie warmes Wasser auf Eis.Ich drehte schnell den Kopf. Carmilla saß neben mir auf dem Beifahrersitz. Sie trug ihren dunklen Wollmantel bis oben zugeknöpft. Ihre bernsteinfarbenen Augen sahen mir direkt in die Augen, ohne einen einzigen Tropfen Zweifel.„Du bist noch immer wütend", sagte sie.„Ich bin wütend", antwortete ich, meine Stimme sank tief in meiner Brust. „Isabella stand in einem öffentlichen Gerichtssaal mit gefälschten Briefen. Sie versuchte, dich an mir zweifeln zu lassen. Nach allem, was Silas dir angetan hat, nach jeder Mauer, die wir zwischen uns niedergerissen haben, benutzte sie meinen Namen, um dich zu verletzen.
Carmillas SichtDie Luft im Gerichtssaal roch alt. Draußen vor den hohen Bogenfenstern schlug grauer Regen gegen das Glas. Drinnen klickten Kameraverschlüsse wie zornige Käfer.Klick-klick, klick-klick.Isabella stand anderthalb Meter von unserem Verteidigungstisch entfernt. Sie trug einen leuchtend roten Wollmantel, der unter dem harschen Leuchtstofflicht die Augen schmerzte. Ihr Kinn war hoch erhoben. Sie sah aus wie eine Frau, die glaubte, sie hätte gerade einen Royal Flush an einem Pokertisch gespielt.In ihren behandschuhten Händen hielt sie drei Blätter cremefarbenes Papier.Die Briefe. Der Richter schlug einmal mit seinem schweren Holzhammer.Bumm.„Ordnung im Saal", sagte Richter Miller. Er war ein älterer Mann mit glatt gekämmtem grauem Haar und müden Augen, die aussahen, als wolle er zu Hause sein und Mittag essen. Er blickte von seinem hohen Holzpult hinunter auf Rafael. Dann blickte er hinunter auf mich.„Mr. Vance", sagte der Richter. „Ihr Anwalt hat eine fünfminütige Pau
Carmillas SichtAngelica saß mir gegenüber am Glastisch. Ihr Tablet-Bildschirm leuchtete sanft blau.„Die regionale Wäscheverteilung ist im Grünen", sagte Angelica, ihre Stimme leise und professionell.Ich blickte nicht vom Lederordner auf. „Überweisen Sie die verbleibenden Treuhandmittel auf das regionale Instandhaltungskonto. Behalten Sie zwanzig Prozent als Reserve für die Aufrüstung der Hafenbeleuchtung."„Erledigt", tippte Angelica auf das Glas. „Außerdem hat Isabellas offizielle Vertreterin einen formellen Antrag auf einen Familiengerichtstermin bezüglich der Offenlegung der pränatalen Gesundheit geschickt."Ich legte den roten Stift langsam auf das dunkle Holz.„Lehnen Sie den Mediationstermin ab", sagte ich. Meine Stimme war sehr ruhig. „Isabella hat sich für eine Boulevard-PR-Kampagne und anonyme pränatale Untersuchungen über sekundäre Delaware-Ablagen entschieden. Medizinische Geschichte vor dem Vertrag gehört der Geschichte an. Wenn sie finanzielle Unterstützung für das Kin
Carmillas SichtDer dunkle Mercedes rollte kurz vor Sonnenaufgang durch die eisernen Tore unseres Anwesens.Der Himmel verwandelte sich von dunklem Grau zu blassem Blau über der Baumlinie. Im Haus fühlten sich die stillen Flure schwer und sicher an, rochen schwach nach Zitronen-Bodenwachs und frischem Kaffee, der aus dem Küchenflügel aufstieg.Ich zog meinen schwarzen Mantel nicht sofort aus. Ich ging direkt über den Galerieteppich zum Kinderzimmerflügel.Rafael ging langsam hinter mir, Schlüssel klimperten leise in seiner Handfläche. Ich schob die Kinderzimmertür zehn Zentimeter auf.Sanftes Atemgeräusch füllte das warme Zimmer. Marcus, Rosalind, und Grace schliefen Seite an Seite unter leichten cremefarbenen Decken. Im Eck-Kinderbett lag Elias flach auf dem Rücken, eine kleine Hand nahe seiner Wange gekrümmt, atmete langsam und tief, ohne dass ein Traum sein Gesicht berührte.Ich stieß einen langen Atemzug aus, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn angehalten hatte. Der feste Knote
Rafaels SichtDer dunkle Mercedes raste die Autobahn entlang wie eine Kugel. Die Straßenlaternen verschwammen zu langen gelben Feuerstreifen auf dem nassen Asphalt.Im Wageninneren blieb die Luft still und schwer.Carmilla saß neben mir auf dem Beifahrersitz. Ihre Hände lagen flach auf ihren Knien.Ihre Augen starrten geradeaus durch die Windschutzscheibe, verfolgten die Skyline-Türme, die scharf und dunkel gegen die grauen Wolken aufragten.Mein Handy summte auf der Mittelkonsole.Bzz-bzz. Ich warf einen Blick auf den Bildschirm. Eine Eilmeldung von Miller: Taktische Einheiten haben die Treppenhausausgänge in Untergeschoss vier gesichert. Drei Ziele in die Enge getrieben, nahe Frachtaufzug B. Halten die Position.Ich drückte auf die Freisprechtaste am Armaturenbrett. „Haltet die Position, bis ich die Schwelle überschritten habe. Kein Eingreifen ohne Sichtbestätigung."„Verstanden, Boss", antwortete Miller.Der Innenstadtturm von Vance-Global stand hoch und kalt. Die Lichter auf dem V
Carmillas SichtAngelica stand in der offenen Tür und hielt das leuchtende Tablet, als könnte es ihr die Hände verbrennen. Das rote Licht des Bildschirms flackerte über ihr blasses Gesicht.Maya lächelte und lehnte sich gegen die Kante des Ledersessels zurück. Ihre Hände waren leer und ruhten flach auf den Taschen ihres Mantels. Sie sah nicht mehr wie eine Gefangene aus. Sie sah aus wie ein Geist, der soeben den letzten Hebel umgelegt hatte.„Wer hat den Tresor in der Innenstadt geöffnet?“, fragte ich. Meine Stimme war sehr leise. Sehr tonlos.Angelica schluckte schwer. „Die Kabelnachrichten zeigen eine Liveübertragung aus dem vierten Untergeschoss von Vance-Global. Die Haupttür des Tresors steht weit offen. Jemand hat einen Master-Override-Token in das Hauptterminal gesteckt.“Ich sah zu Maya hinunter. „Du hast den Token nicht. Der Token befindet sich in meinem Wandsafe hinter der Mahagoniverkleidung.“Maya lachte leise. Es klang trocken und kalt, wie Winterblätter, die über Beton kr







