LOGINEin scharfer Klingelton hallte durch Adrians luxuriöses Büro. Er hatte gerade erst einen Schluck Wein genommen, als er auf das Display sah und den Namen seines persönlichen Assistenten, Markus, entdeckte. Adrian drückte genervt die Annahmetaste.
„Ja, Markus. Was gibt es?“, fragte er mit tiefer, von Anspannung erfüllter Stimme. Markus’ Stimme am anderen Ende klang dringend und überstürzt. „Adrian... es gibt ein riesiges Problem. Nur zwei Tage vor der Präsentation der neuen Modekollektion haben die Investoren die Entwürfe des Designteams abgelehnt.“ Adrians Augenbrauen zogen sich sofort zusammen. „Abgelehnt? Was soll das heißen? Ich dachte, wir hätten letzte Woche die finalen Korrekturen verschickt?“ Man konnte hören, wie Markus nervös schluckte. „Das stimmt. Aber die Investoren sagen, den Entwürfen fehle... die ‚Seele‘, die sie suchen. Sie seien starr und leblos.“ Adrian stand von seinem Stuhl auf und begann im Raum auf und ab zu gehen. Sein Gesicht rötete sich vor Zorn. „Starr? Leblos? Wovon reden sie da für einen Unsinn? Sie selbst haben dem ursprünglichen Konzept zugestimmt!“ Markus’ Stimme wurde noch leiser, aus Angst, Adrians Wut vollends zu entfachen. „Die Investoren haben eine neue Bedingung gestellt. Die einzige Möglichkeit, unsere Zusammenarbeit fortzusetzen, besteht darin, dass... Frau Rosemary die aktuelle Kollektion entwirft.“ Stille trat ein. Adrian blieb stehen. Er biss die Zähne zusammen. „Was hast du gerade gesagt?“ „Die Investoren verlangen die Arbeiten von Frau Rosemary. Wenn sie diese Kollektion nicht übernimmt, haben sie gedroht, ihre Investitionen abzuziehen und zur Konkurrenz zu wechseln.“ „Verflucht!“ Adrian brüllte auf und schlug mit der Faust auf den Tisch. Das Weinglas drohte umzukippen. „Schon wieder Rosemary! Selbst nachdem ich sie hinausgeworfen habe, verfolgt mich ihr Name in meiner eigenen Firma!“ Markus’ Stimme war nun kaum noch ein Flüstern. „Es tut mir leid. Aber die Investoren sind entschlossen. Sie sagen, nur sie könne die Eleganz vermitteln, die sie erwarten. Ohne sie, sagen sie, sei die Präsentation zum Scheitern verurteilt.“ Adrians Fäuste waren so fest geballt, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Er atmete schwer vor Wut. „Das ist unmöglich... Rosemary wird nicht zurückkommen. Und ich werde sie niemals darum anflehen.“ Adrian beendete das Gespräch abrupt und schleuderte sein Smartphone auf das Sofa. Sein Gesicht war vor Zorn feuerrot. „Was ist los?“ Cassandras Stimme ertönte von der Tür aus. Sie trug ein blaues Seidenkleid und kam auf ihn zu. Ihr Haar war perfekt frisiert, und ihr Lächeln wirkte elegant, aber auch voller Berechnung. „Das geht dich nichts an“, fuhr Adrian sie an. Cassandra hob eine Augenbraue. „Dass du so mit mir sprichst, zeigt deutlich, dass etwas passiert ist. Sag es mir.“ Adrian stieß einen tiefen Atemzug aus und sagte mit zusammengebissenen Zähnen: „Die Investoren der Präsentation in zwei Tagen... sie haben alle Entwürfe abgelehnt. Sie akzeptieren nur Arbeiten von Rosemary.“ Cassandras Lächeln verschwand für einen kurzen Moment. „Rosemary?“ „Ja.“ Adrian rieb sich gereizt die Schläfen. „Diese Frau... selbst nachdem ich sie losgeworden bin, wirft ihr Schatten alles in den Schatten. Die Investoren drohen, den Vertrag zu kündigen, wenn sie nicht für diese Kollektion verantwortlich ist.“ Cassandra schwieg einen Moment. Dann krümmten sich ihre Mundwinkel langsam nach oben. Hinter ihrer süßen Stimme verbarg sich pure Genugtuung. „Das bedeutet also... ohne Rosemary wird dieses Projekt ein absoluter Reinfall?“ Adrian warf ihr einen scharfen Blick zu. „Ganz genau. Aber ich werde nicht vor ihr zu Kreuze kriechen und sie darum bitten.“ Cassandra trat an ihn heran und berührte sanft seinen Arm. „Dann überlass es mir.“ Adrian sah sie misstrauisch an. „Was soll das heißen?“ Cassandras Lächeln war voller Selbstvertrauen. „Du weißt, dass ich an einer der besten Modeschulen in Mailand studiert habe. Lange bevor ich in diese Stadt zurückkam, war die Modewelt mein ganzes Leben. Wenn die Investoren ‚Qualität‘ suchen, dann werde ich sie ihnen liefern. Etwas, das viel schöner ist als alles, was Rosemary je kreiert hat.“ Adrian kniff die Augen zusammen. „Die Investoren haben explizit nach ‚Arbeiten von Rosemary‘ verlangt. Sie kennen ihren Stil. Das sind keine Amateure.“ Cassandra lachte leise und spöttisch. „Sie sind nur Gefangene eines ‚Mythos‘. Der Name Rosemary mag sie blenden, aber ich kann etwas erschaffen, das genauso gut oder sogar besser ist. Gib mir eine Chance, Adrian. Lass mich beweisen, dass ich sie ersetzen kann.“ Adrian schwieg. Wut, Stolz und Zweifel kämpften in ihm. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und sank tief in seinen Sessel. „Verdammt... es bleiben nur noch zwei Tage. Ich habe keine Zeit mehr für Verhandlungen.“ Cassandra lehnte sich an die Kante seines Sessels und sah ihm in die Augen. „Vertrau mir. Jetzt ist der Moment, in dem sich zeigt, wer wirklich an deine Seite gehört. Ich übernehme dieses Projekt. Wenn es ein Erfolg wird, wird jeder Rosemary vergessen. Alle werden sich nur noch an den Namen ‚Cassandra‘ erinnern.“ Adrian beobachtete sie lange und versuchte, in ihrem Ausdruck die Ernsthaftigkeit zu lesen. Cassandras Selbstsicherheit war zwar überzeugend, aber er wusste auch, dass die Investoren nicht so leicht zu täuschen waren. Doch sein Stolz überwog jede Logik. „In Ordnung“, sagte er kalt. „Du bekommst deine Chance. Übernimm das Projekt. Erschaffe etwas, das alles übertrifft, was Rosemary je gemacht hat. Aber wenn du scheiterst...“ Er beugte sich vor. Seine Augen waren scharf wie Messer. „...dann wirst du gemeinsam mit dieser Firma untergehen.“ Cassandras Lächeln verblasste kein Stück. „Ich werde nicht scheitern, Adrian. Ich werde beweisen, dass Rosemary der Vergangenheit angehört. Die Zukunft braucht mich an deiner Seite.“ Doch tief im Inneren quälte Adrian noch immer der Schatten von Rosemary. Die Worte der Investoren hallten immer wieder in seinem Kopf wider: „Wir vertrauen nur dem Gespür von Rosemary.“ Sein Stolz weigerte sich, es zuzugeben, doch Adrian erkannte eine unumstößliche Realität. Cassandra würde niemals Rosemarys Brillanz wiedergeben können. Doch traurigerweise war Adrian viel zu arrogant, um das laut auszusprechen.»Warum passiert das plötzlich, Markus?« Rosemarys Stimme zitterte, während sie die Briefe in ihren Händen durchlas. Auf dem kleinen Besprechungstisch türmten sich weiße Umschläge wie gefallene Blätter. Jeder trug dieselbe Botschaft: Rückzug von Kapital und Beendigung der Partnerschaft.Markus’ Miene war düster. »Ich weiß es auch nicht, Rose. Drei Großinvestoren haben mich heute Morgen angerufen. Sie sagten… es gebe Druck von oben. Sie fürchten, wenn sie dabei bleiben, könnte ihr Ruf Schaden nehmen.«Rosemary runzelte die Stirn. »Druck? Von wem?«Markus senkte den Kopf. »Sie wollten es nicht sagen.«Rosemary atmete lange und zitternd aus, dann erhob sie sich von ihrem Stuhl. Sie begann im Raum auf und ab zu gehen – einem kleinen Besprechungsraum, in dem einst Lachen und Energie widerhallten. Jetzt herrschte unheimliche Stille. Nur das Geräusch ihrer Absätze auf dem Holzboden durchbrach die Ruhe.»Es ist unmöglich, dass sie alle ohne Grund gleichzeitig aussteigen«, murmelte sie, ihre St
»HOLT DIESE REPORTER AUS MEINEM GEBÄUDE!«Cassandras wütender Schrei hallte durch das gesamte Bürogeschoss. Ihre Hände zitterten vor Wut, während der Fernseher fortwährend das Video wiedergab, das all ihre Lügen aufgedeckt hatte.Einer nach dem anderen zogen ihre Investoren ihr Kapital ab.Anrufe von Sponsoren überschwemmten sie – jeder verlangte Erklärungen, jeder drohte mit Vertragsauflösung.»Frau Cassandra«, stotterte ihre Sekretärin, bleich vor Angst, »die Medien warten in der Lobby.«»Sag ihnen, sie sollen gehen! Ich rede mit niemandem!«, brüllte Cassandra, griff nach einem Stapel Dokumente von ihrem Schreibtisch und schleuderte sie auf den Boden.Die erschrockene Sekretärin wich schnell zurück und ließ Cassandra allein mit ihrem Spiegelbild im Spiegel.Ihr einst makelloses Gesicht war kaum wiederzuerkennen – verschmierter Eyeliner, unordentliches Haar, wilde, blutunterlaufene Augen.»Das ist alles wegen ihr…«, zischte sie. »Rosemary Claire. Diese Frau hat mein Leben zerstört.«
»Rose, bist du dir sicher?« Markus’ Stimme klang angespannt über den Tisch hinweg. Das kleine Büro, das sie gemietet hatten, wirkte inzwischen eher wie ein Schlachtfeld. Vor Rosemary stand ein Laptop aufgeklappt – bereit, ein Video zu streamen, das Cassandra für immer zerstören könnte.Rosemary starrte schweigend auf den leuchtenden Bildschirm. Ihr Atem ging schwer; ihre Augen waren rot und geschwollen, ihr Gesicht gezeichnet von Prellungen und Erschöpfung. Doch ihre Entschlossenheit brannte heller als die Angst in ihrer Brust.»Ich habe bereits alles verloren, Markus«, sagte sie leise. »Meinen Ruf, meine Familie, meinen Großvater… selbst die Menschen, die ich einst liebte. Was gibt es noch zu fürchten?«Markus studierte ihren Ausdruck. »Du stellst dich der mächtigsten Frau in dieser Stadt. Cassandra wird nicht stillsitzen.«Ein schwaches, müdes Lächeln huschte über Rosemarys Lippen. »Sie kann niemanden zerstören, der bereits so tief gefallen ist.«—Jenen Nachmittag stand Rosemary vo
»Rose, bist du sicher, dass du das allein durchziehen willst?« Damiens Stimme klang schwer, kaum hörbar über das Brummen des Autos, das durch die dunkle Nacht raste.Rosemary saß auf dem Beifahrersitz, ihr Gesicht beleuchtet vom schwachen Schein der Straßenlaternen. Ihre Hände umklammerten eine braune Mappe – jene, die sie in Leos verlassenen Büro gefunden hatten – mit dem ersten echten Beweis, der Cassandra zu Fall bringen konnte.»Ich kann mich nicht weiter verstecken, Damien. Wenn ich jetzt nicht handele, werden alle für immer glauben, dass ich schuldig bin.«Damien atmete scharf aus und blickte sie an. »Ich will nur nicht, dass du erneut verletzt wirst. Cassandra ist nicht wie andere Menschen. Sie hat Geld, Macht und politische Verbündete. Das weißt du.«Rosemary starrte geradeaus, ihre Stimme fest. »Vielleicht hat sie all das. Aber sie hat kein Gewissen. Und ich… ich habe noch immer die Wahrheit.«Das Auto hielt vor einem alten Gebäude – einst Cassandras Designstudio. Die Außenbe
»Glaub nicht, du könntest mich mit einem billigen Video zerstören, Rosemary!«Cassandras Stimme hallte durch ihr dunkles Büro, scharf und giftig. Das Klacken ihrer hohen Absätze auf dem Marmorboden wurde von dem unnachgiebigen Ticken der Uhr begleitet – ein Geräusch, das in der angespannten Stille der Nacht wie eine Explosion wirkte.Ihre persönliche Assistentin Mira stand zitternd vor dem riesigen Schreibtisch, übersät mit Akten und Telefonen, die ununterbrochen mit Nachrichten zu Eilmeldungen vibrierten.»Frau… das Video hat sich überall verbreitet. Der Hashtag #JusticeForRosemary liegt auf Platz eins im Trend. Mehrere Marken beginnen –«»Halt die Klappe!«, fuhr Cassandra sie an.Ihre blutunterlaufenen Augen brannten vor Wut. Sie griff nach einem Glas Wein auf dem Schreibtisch, trank es in einem Zug aus und schleuderte es dann gegen die Wand.Glas zerschellte und verstreute sich auf dem kalten Marmorboden.»Niemand wagt es, mich herauszufordern, ohne den Preis dafür zu zahlen«, zisc
»Steh nicht nur herum, Damien! Das Feuer breitet sich aus!«Rosemarys Stimme brach im Regenguss, ihr Atem ging stoßweise, ihr Körper zitterte vor Kälte. Panik brannte in ihren Augen, heller als die Flammen hinter ihnen.Damien packte ihren Arm und zog sie vom einstürzenden Haus weg. »Wir müssen weg! Sie könnten jeden Augenblick zurückkommen!«Rosemary drehte sich um – das kleine Haus, das noch vor Stunden Sicherheit vermittelt hatte, war nun nichts als brennendes Holz und erstickender Rauch. Tränen, vermischt mit Regen, zogen sich rußbefleckt über ihre Wangen.»Glaubst du, wir können so ewig weiterlaufen, Damien? Sie werden nicht aufhören, bis ich zerstört bin.«Damiens Augen verhärteten sich, seine Stimme war leise, aber entschlossen. »Dann hören wir auf zu laufen. Wir fangen an, zurückzuschlagen.«Rosemary blinzelte ihn an, fassungslos. »Zurückschlagen? Du willst Krieg gegen Cassandra? Sie hat Macht, Geld, Einfluss! Und wir…«Sie blickte an sich hinunter – ihre zerrissene Kleidung,







