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Daphne
Ich hätte wissen müssen, dass etwas nicht stimmte, in dem Moment, als der Raum anfing zu sich zu drehen, ohne dass ich mich bewegte. In einem Moment lache ich noch über etwas, das mein Freund Silas sagt, meine zweite Wodka-Soda schwitzt in meiner Hand, und im nächsten kippt der ganze Club zur Seite, als hätte der Boden vergessen, wie man eben bleibt. „Alles ok bei dir, Daph?“, fragt er und legt mir den Arm um die Schulter. „Ich glaube nicht …“ Die Worte kommen nur gelallt heraus. „Irgendwas stimmt nicht.“ „Warum trinkst du nicht noch einen Shot? Es ist dein Geburtstag. Ich weiß, dass du nicht viel verträgst, aber ich bin hier. Und wenn du drüber bist, kümmere ich mich um dich.“ „Nein.“ Meine Zunge fühlt sich drei Nummern zu groß an. „Irgendwas stimmt nicht mit mir.“ Heute ist mein neunzehnter Geburtstag, und Silas, mein Freund seit zwei Jahren, ist mit mir ausgegangen, um mit seinen Freunden zu feiern. Er meinte, es sei nur eine kleine Abwechslung, um mich aufzuheitern, weil ich mich am Nachmittag wieder mit meinem Vater gestritten hatte und deshalb aus dem Haus gegangen war. „Na gut. Ich denke, du hattest sowieso genau genug.“ Er hebt sein Glas. „Auf mein Mädchen.“ Und der Tisch hebt die Gläser mit ihm. Jayce. Philip. Der Rest von ihnen, alles Gesichter, die ich seit der Highschool kenne, und alle grinsen, als wäre das die beste Nacht meines Lebens. Vielleicht ist sie das ja. Ich kann es nicht mehr sagen. Es sind erst drei Drinks, die Clublichter verschmieren Gold und Blau auf den Gesichtern der anderen. Dann, irgendwo zwischen dem einen Song und dem nächsten, verändert sich etwas. Mein Magen dreht sich langsam um, wie ein angehaltener Atemzug, und der Tisch vor mir verdoppelt sich für einen Sekundenteilung, bevor er wieder zu einem wird. „Ich glaube, ich muss ins Bad“, sage ich, stehe schon auf und greife nach der Tischkante, um mich abzustützen. „Soll ich mitkommen?“, fragt Silas, aber er sieht mich nicht wirklich an. Er blickt an mir vorbei zu Jayce, und irgendetwas geht zwischen den beiden vor, das ich nicht mehr klar genug erfassen kann. „Nein. Ich komme alleine klar. Brauche nur eine Minute.“ Ich mache mich auf den Weg zum Flur hinten, dem mit dem dämmrigen bernsteinfarbenen Licht und der gedämpften Stille, an dessen fernem Ende das Toilettenschild leuchtet. Jeder Schritt fühlt sich an wie das Gehen durch Wasser. Als ich die Ecke erreiche, an der der Flur abbiegt, sucht meine Hand von selbst die Wand – denn die Wand ist das Einzige, was sich nicht bewegt. Ich höre Silas hinter mir, bevor ich ihn sehe, und bevor ich mich umdrehen kann, packt er meine Taille so fest, dass es Flecken geben wird. „Was machst du da? Lass mich los.“ Ich drehe mich um und drücke gegen seine Brust, aber meine Arme fühlen sich an, als gehörten sie jemand anderem – jemandem, der langsamer und schwächer ist als ich. „Lass los, Silas.“ „Ich werde dich jetzt endlich ficken, Daphne.“ Er sagt es so ruhig, dass es einen Moment dauert, bis es bei mir ankommt. „Und nicht nur ich. Wenn ich fertig bin, lasse ich meine Freunde nacheinander ran.“ Ich höre seine Freunde, bevor ich sie sehe. Jayces Lachen und hinter ihm Philip. Da macht es klick. Ich war nicht einfach nur benommen vom Alkohol. Ich vertrage zwar nicht viel, aber noch nie habe ich durch nur drei Shots Wodka die Kontrolle über meinen eigenen Körper verloren. Er hat mir etwas ins Getränk getan. Etwas, das meinen Körper heiß macht, eine Hitze, die sich tief in meinem Bauch sammelt, und ich fühle mich erregt. So sehr, dass ich unbedingt gefickt werden will, aber ich bin noch ausreichend bei Verstand, um zu wissen, dass ich ihm nicht nachgeben darf. „Was hast du mir ins Getränk getan?“ Es ist nicht einmal mehr eine Frage. Meine Knie geben nach. „Du hast mich unter Drogen gesetzt.“ „Weil du dich nie darauf einlässt. Zwei verdammte Jahre und du hast mich nie an dich ran gelassen. Weißt du, wie schwer es war, vor dir weiter etwas vorzuspielen? So zu tun, als hätte ich Interesse an dir, obwohl das nie der Fall war.“ „Weiß sie wirklich nicht, dass deine ganze Beziehung mit ihr nur dazu da war, Bianca zu gefallen?“, sagt Jayce, und ich kann den Spott in seiner Stimme hören. Bianca? Meine Stiefschwester. „Was … was meinst du damit?“ „Jayce hat recht“, grinst Silas. „Ich bin nur mit dir ausgegangen, weil Bianca gesagt hat, sie würde erst mit mir gehen, wenn ich es schaffe, dir deine Jungfräulichkeit zu nehmen.“ In diesem Moment, genau dort mit dem Rücken an der Clubwand und einem Körper, der mir kaum noch gehört, verstehe ich es. Silas hat mich nie geliebt. All die Rosen und Versprechungen waren nur ein Theaterstück. Er hat es nur getan, um Bianca zu gewinnen. „Tja, da du sie nicht freiwillig hergibst und ich es leid bin, dich zu ertragen“, sagt Silas und zieht bereits an meinem Kleid, „nehme ich sie mir einfach.“ Ich versuche Nein zu sagen. Mein Mund formt das Wort, aber nichts kommt heraus, was wie eine Sprache klingt. Mein Rücken schabt an der Wand entlang, während ich nach unten gleite, seine Hände sind überall gleichzeitig, und irgendwo reißt Stoff – meiner – und ich kann nicht sagen, ob das Geräusch nah ist oder ob ich es vom Grund eines Pools höre. Dann schneidet eine Stimme durch den Lärm, als wäre sie das Einzige, was in diesem Raum noch real ist. „Lass sie sofort los.“ Silas dreht sich um, eher genervt als verängstigt. „Was ist dein Problem, Mann? Misch dich nicht ein.“ „Geh von ihr weg, oder ich zwinge dich dazu.“ Ich spüre den Kampf mehr, als dass ich ihn sehe. Ein Ächzen, ein Körper, der gegen etwas Festes knallt, Jayce, der flucht, Schritte, die hastig und leise davoneilen. Dann Stille, abgesehen vom Bass, der irgendwo hinter mir immer noch wummert, als gehörte er zu einer völlig anderen Nacht. Etwas Warmes legt sich über meine Schultern. Eine Jacke. Sie riecht nach Zeder und frischer Wäsche. „Alles klar bei dir, Kleines?“ Die Stimme ist jetzt näher, vorsichtig. Ich kann sein Gesicht vor meinen Augen nicht zusammenfügen, sehe nur dunkles Haar vielleicht, eine Kieferlinie, aber stattdessen halte ich mich an seinem Klang fest. „Bitte hilf mir.“ „Ich hab dich. Kannst du mir deinen Namen sagen?“ Meine Haut fühlt sich an, als stünde sie in Flammen, jeder Berührungspunkt mit der Welt ist zu laut, zu viel, und nichts davon ergibt einen Sinn – außer, dass ich nicht will, dass er aufhört, mich zu berühren. „Mein Körper … er brennt. Hilf mir.“ Er erstarrt völlig. Ich spüre es selbst durch den Schleier hindurch, wie seine Hände auf meinen Schultern innezuhalten. „Wurdest du unter Drogen gesetzt?“ Ich antworte nicht. Ich kann nicht. Die Frage ist zu groß und meine Gedanken gleiten immer wieder an ihr ab wie Wasser an Glas. „Hey.“ Seine Stimme wird schärfer, aber nicht unfreundlich, eher so, als versuche er, mich an etwas festzuhalten. „Bleib bei mir. Wie heißt du?“ „Daphne“, bringe ich hervor. „Daphne. Okay. Hast du dein Handy? Gibt es jemanden, den ich anrufen soll?“ Ich schüttle den Kopf, oder ich glaube zumindest, dass ich es tue, der Raum dreht sich so oder so. „Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, wo es ist.“ „Okay. Okay, das ist schon in Ordnung, das kriegen wir hin.“ Er hockt sich hin, sodass seine Stimme auf Höhe meiner ist, und selbst so verwirrt, wie ich bin, fällt mir auf, dass er mich nirgendwo berührt, wo er mich nicht schon berührt hat; er lässt seine Hände nicht wandern, obwohl all dieses Feuer unter meiner Haut ihn darum bittet. „Ich lasse dich nicht hier zurück. Ich muss dich an einen sicheren Ort bringen, alles klar? Kannst du gehen, oder muss ich dich tragen?“ Der Boden antwortet für mich. Meine Knie knicken ein, und er fängt mich auf, bevor ich aufschlage. „Also tragen.“ Er hebt mich hoch, als wöge ich nichts. Mein Kopf fällt an seine Schulter, und selbst diese kleine Bewegung schickt eine Hitzewelle durch mich, unerträglich und verwirrend; mein Körper reagiert auf Empfindungen, die mein Verstand viel zu vernebelt ist, um sie einzuordnen. „Lass mich nicht los“, höre ich mich sagen, nur dass es nicht wie ein Danke klingt, sondern wie etwas anderes – etwas, das mein Körper will, was ich aber von einem Fremden unmöglich wollen darf, während ich nicht einmal stehen kann. „Ich lasse nicht los“, sagt er. „Aber ich brauche, dass du etwas verstehst, Daphne, und ich muss, dass du mich das sagen hörst, selbst in diesem Zustand. Ich werde dich nicht anfassen. Nicht heute Nacht. Nicht, während du so bist.“ Ich verstehe nicht, warum das wichtig ist. Jede Faser in mir schreit nach dem Gegenteil. „Bitte … fick mich.“ „Ich ficke keine Kinder, und schon gar keine, die unter Drogen stehen und nicht Nein zu mir sagen können.“ Seine Stimme schwankt nicht, aber ich spüre, wie sich etwas in seinen Armen anspannt, als hätten ihn diese Worte mehr gekostet, als sie sollten.DaphneEr reißt schon sein Shirt auseinander, bevor ich den Atem fangen kann. Knöpfe fliegen über den Boden, als der Stoff aufreißt. Er zuckt es ab und wirft es beiseite. Dann sind seine Hände am Handtuch und reißen es mit einem harten Zug fre. Es fällt weg und ich liege nackt auf seinem Bett, nichts zwischen uns.Er steht da und starrt.„Verdammter Christ“, murmelt er, Stimme rau. „Du bist perfekt.“Seine Augen ziehen über jeden Zentimeter von mir. Meine Titten, die weiche Kurve meines Bauchs, das nasse Chaos zwischen meinen Beinen, die Narbe am Oberschenkel, die er schon auswendig kennt. Hitze flutete mein Gesicht, aber ich bedecke mich nicht. Ich will, dass er hinschaut.„So verdammt perfekt.“Er schiebt die Jogginghose hinunter. Sein Schwanz springt frei, dick und schwer, der Kopf bereits glänzend von Präcum, das den Schaft hinunterläuft. Meine Augen weiten sich. Er ist größer als alles, was ich mir vorgestellt habe, Adern stehen am Länge hervor, das Gewicht lässt ihn einmal gegen
DaphneIch ziehe sein Shirt aus und bringe es an mein Gesicht, drücke die Nase hinein und atme tief ein.Fuck. Christ. Er riecht so gut.Whiskey, saubere Seife, etwas Rauchiges darunter, das ich nicht ganz benennen kann. Ich stehe eine Sekunde zu lange da, bevor ich es weglege und unter die Dusche trete.Das Wasser ist eiskalt und genau das brauche ich gerade. Bis mein Kopf klarer wird und mit der Klarheit kommen Stücke der Nacht, an die ich mich nicht erinnern will. Die, in der mein Freund mich beinahe mit seinen Freunden angegriffen hat.Ich will meine Jungfräulichkeit verlieren.Aber nicht an diesen nutzlosen Typen, dem ich Jahre meines Lebens gegeben habe.Vielleicht an ihn.Den heißen Fremden.Vielleicht sollte ich ihn bitten, mit mir zu schlafen. Diesmal nüchtern.Ich kenne seinen Namen nicht. Ich weiß nicht, was er macht oder wo er außerhalb dieses Hauses lebt. Das sollte mir mehr Angst machen, als es tut.Stattdessen fühlt es sich an wie das Sicherste an ihm.Kein Nachspiel. K
DaphneMeine Augen fühlen sich an, als wären sie zugeklebt worden. Ich zwinge sie trotzdem auf, und die Decke über mir ist falsch – zu hoch und in einem Grau gestrichen, das ich nicht kenne.Ich liege einen Moment lang still und versuche, die letzte Nacht wieder zusammenzusetzen. Der Club. Der Schwindel. Silas’ Hände an mir, seine Stimme, die Dinge sagte, an die ich mich noch nicht erinnern will. Die Stimme eines Fremden, die durch den Lärm schnitt. Danach nichts mehr. Nur Fragmente, Hitze, eine Jacke, die nach Zeder roch.Das ist nicht mein Zimmer.Ich setze mich zu schnell auf, und die Welt kippt, bevor sie sich wieder fängt. Ich sehe an mir herab. Ich trage ein Hemd, schlichtes Weiß, viel zu groß, das von einer Schulter hängt und irgendwo auf der Mitte meiner Oberschenkel endet. Nicht meins.Ich hebe die Bettdecke an, mein Herz schlägt mir bis zum Hals, während ich bete, keine Spuren von Blut zu finden – nichts, was darauf hindeuten könnte, dass ich meine Jungfräulichkeit verloren
JulianIch trage Daphne ins Haus. Sie schmiegt sich an mich, als wüsste ihr Körper bereits genau, wie der meine geformt ist; die Arme um meinen Hals geschlungen, das Gesicht an meine Kehle gepresst. Ihr Atem geht unregelmäßig, viel zu heiß.Kein einziges Mal halte ich inne, um mich zu fragen, was ich da eigentlich tue, als ich sie in mein Haus bringe. Ein Haus, in das ich seit Katrinas Weggang keine Frau mehr gelassen habe.Vielleicht will ein Teil von mir einfach nur sicherstellen, dass sie in Sicherheit ist. Ich konnte ein Mädchen, das vollgepumpt mit irgendwelchen Substanzen ist – schutzlos ausgeliefert, was auch immer da draußen sein mag –, kurz vor Mitternacht nicht einfach alleine lassen.„Chef.“ Luca steht am Fuß der Treppe. „Sie haben einen Anruf. Katrina Voss.“„Nicht jetzt, Luca. Wimmle sie ab.“Ich bleibe nicht stehen. Ich spüre, wie sein Blick zwischen mir und dem halbnackten, zitternden Mädchen in meinen Armen hin und her wandert. Er stellt keine Fragen.„Sie sagt, es sei
DaphneIch hätte wissen müssen, dass etwas nicht stimmte, in dem Moment, als der Raum anfing zu sich zu drehen, ohne dass ich mich bewegte.In einem Moment lache ich noch über etwas, das mein Freund Silas sagt, meine zweite Wodka-Soda schwitzt in meiner Hand, und im nächsten kippt der ganze Club zur Seite, als hätte der Boden vergessen, wie man eben bleibt.„Alles ok bei dir, Daph?“, fragt er und legt mir den Arm um die Schulter.„Ich glaube nicht …“ Die Worte kommen nur gelallt heraus. „Irgendwas stimmt nicht.“„Warum trinkst du nicht noch einen Shot? Es ist dein Geburtstag. Ich weiß, dass du nicht viel verträgst, aber ich bin hier. Und wenn du drüber bist, kümmere ich mich um dich.“„Nein.“ Meine Zunge fühlt sich drei Nummern zu groß an. „Irgendwas stimmt nicht mit mir.“Heute ist mein neunzehnter Geburtstag, und Silas, mein Freund seit zwei Jahren, ist mit mir ausgegangen, um mit seinen Freunden zu feiern. Er meinte, es sei nur eine kleine Abwechslung, um mich aufzuheitern, weil ic







