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4.

Auteur: Dannywrites
last update Date de publication: 2026-07-20 23:53:52

ISABELLA

Die nächsten vier Stunden verbringe ich damit, mechanisch Kaffee einzuschenken, Teller zu wenden und mich von purem Adrenalin und dem anhaltenden, verwirrenden Hochgefühl über den Zulassungsbescheid aus Greenville antreiben zu lassen – auch wenn die Situation mit Noah immer bedrohlicher wird.

Sobald meine Schicht vorbei ist, hänge ich meine Schürze an den Haken.

„Bis später, Drama-Queen!“, ruft Chloe mir hinterher, mit einem wissenden Lachen in der Stimme.

„Nenn mich nicht so!“, rufe ich zurück, schon halb aus der Tür. „Drama-Queen“ war noch ein weiterer Spitzname, den Noah mir gegeben hatte.

Leo winkt mir nur zu und schenkt mir ein sanftes, nerviges Grinsen. „Bis morgen, Minnie.“

Ich widerstehe dem Drang, ihm den Stinkefinger zu zeigen. Dieser Name wird noch mein Verhängnis.

Der Weg nach Hause ist kurz, aber der Stimmungsumschwung ist sofort da und brutal. „Zuhause“ ist kein Ort des Trostes; es ist ein sorgfältig angelegtes Minenfeld.

In dem Moment, in dem ich auf das kleine, ungepflegte Haus zugehe, verschwindet das beschwingte Gefühl und wird durch einen vertrauten Knoten der Angst in meinem Magen ersetzt.

Ich hasse dieses Gefühl. Das Gefühl, bei dem ich mich mental auf einen Kampf vorbereiten muss, nur um durch meine eigene Haustür zu gehen.

Ich drücke die Tür auf und versuche, leise zu sein. Kein Glück.

„Isabella! Was für eine Uhrzeit ist das denn?“

Mein Vater, James, steht sofort im Eingangsbereich. Er spricht nicht laut, aber seine Stimme ist kalt und präzise, wie ein verdammtes Skalpell. Er sitzt bereits in seinem Sessel, eine Zeitung in den Händen, doch seine Augen … dunkel und urteilend … sind auf mich gerichtet.

„Ich habe meine Schicht beendet, Dad“, antworte ich und versuche, meine Stimme ruhig zu halten. „Ich hatte heute eine Doppelschicht. Es war viel los.“

„Eine Doppelschicht?“ Meine Mutter, Greta, kommt aus der Küche und wischt sich die Hände an einem Geschirrtuch ab. Sie sieht müde aus, aber in ihren Augen liegt dieser vertraute, unterdrückte Groll. „Na ja, dafür wirst du doch bezahlt, oder? Um zu arbeiten. Also: Du kommst zu spät, du bist müde, und du tust immer noch nicht genug.“

Ich seufze nur. Da gibt es nichts zu gewinnen.

„Lass das“, unterbricht mich mein Vater und kneift leicht die Augen zusammen. „Dein Zahltag war gestern. Wo ist das Geld?“

Ich bereite mich innerlich darauf vor. Das ist der eigentliche Grund für diese Begrüßung.

„Papa, ich habe es dir doch schon gesagt, ich muss dieses Mal einen Teil davon zurückbehalten.“ Ich gehe zum Sessel hinüber und ziehe die knackigen Scheine aus meiner Brieftasche. Ich zähle die Hälfte dessen, was ich verdient habe. „Das ist für die Rechnungen, aber den Rest brauche ich. Ich fahre nach Greenville.“

Die Augen meiner Mutter weiten sich, und ein scharfer Blick huscht über ihr Gesicht. „Greenville? Was ist das denn jetzt wieder für ein Unsinn? Du hast schon genug Zeit und Geld mit diesen Bewerbungen verschwendet.“

„Ich wurde angenommen, Mama“, sage ich und versuche, die vertraute Angst zu verdrängen und an einem winzigen Stück meiner früheren Begeisterung festzuhalten. „Ich habe das Vollstipendium bekommen. Ich fahre hin.“

Die Stille im Zimmer ist bedrückend.

Mein Vater nimmt das Geld, das ich ihm angeboten habe, und stapelt es ordentlich auf dem Tisch. Er wirkt nicht beeindruckt. „Stipendium hin oder her, du wirst trotzdem einen Beitrag zum Haushalt leisten müssen, Isabella. Wir haben dich achtzehn Jahre lang beherbergt und ernährt. Du bist uns etwas schuldig.“ Er streckt die Hand aus und packt meinen Arm, sein Griff ist überraschend fest. „Gib mir den Rest des Geldes.“

Ich ziehe meinen Arm zurück. „Nein, Papa. Ich brauche es. Ich muss Sachen für das Wohnheim kaufen. Lehrbücher. Ich brauche eine Kaution.“

„Eine Kaution?“, spottet meine Mutter und verschränkt die Arme. „Wofür denn? Glaubst du etwa, du bist jetzt zu gut für die Uni-Wohnheime?“

Ich atme tief durch. „Die Wohnheime sind voll, Mama. Ich muss außerhalb des Campus wohnen. Die Miete ist … sie wird eine Menge kosten, selbst wenn das Stipendium die Studiengebühren abdeckt.“

Mein Vater steht auf, sein Blick ist einschüchternd. „Du erwartest also, dass wir für diesen ‚außerhalb des Campus‘-Luxus aufkommen, während du dich in deine schicke Ausbildung schwenkst? Auf keinen Fall. Jeder einzelne Dollar, den du verdient hast, bleibt in diesem Haus, bis du ausziehst. Und wenn du ausziehst, hinterlässt du nichts als Schulden.“

Er kommt auf mich zu, streckt mir die Hand entgegen, seine Augen fordern den Rest des Geldes ein.

„Papa, ich schwöre, das ist für meine Zukunft. Ohne dieses Geld kann ich mir das Studium nicht leisten“, flehe ich, meine Stimme bricht ein wenig. „Es ist ein Viertel der Miete, das ist nicht zu viel, aber ich brauche es trotzdem.“

„Ein Viertel der Miete? Bring mich nicht zum Lachen“, schnaubt meine Mutter. „Du lebst in einer Fantasiewelt. Gib ihm das Geld, Isabella. Sofort.“

Ich starre die beiden an. Der Mangel an Stolz, die völlige Abwertung meiner Leistung, der Fokus nur darauf, was sie mir abknöpfen können … es ist alles so vorhersehbar, und doch tut es immer noch weh. Deshalb bedeutet mir das Stipendium alles. Es ist mein Ticket hier raus.

Schließlich ziehe ich die restlichen Scheine hervor und knalle sie auf seine wartende Handfläche, während Wut und Groll in mir hochkochen. „Da. Zufrieden? Reicht das, um euch noch einen Monat über die Runden zu bringen?“

Mein Vater zählt das Geld noch einmal, sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert. „Diese Einstellung ist unnötig, Isabella. Du wirst noch etwas Respekt lernen, bevor du dieses Haus verlässt.“

„Ich gehe aufs College, Papa. Das ist keine Strafe“, murmele ich und kämpfe gegen die Tränen an.

„Das wird es sein, wenn du pleite gehst und kriechend zurückkommen musst“, sagt meine Mutter mit einem grausamen, zufriedenen Blick in den Augen. „Jetzt musst du die Küche aufräumen. Du bist spät nach Hause gekommen, also kannst du das wieder gutmachen, indem du den Abwasch machst.“

„Aber ich habe gerade eine Doppelschicht hinter mir!“, protestiere ich und werfe die Hände in die Höhe.

„Und jetzt bist du zu Hause“, stellt mein Vater schlicht fest – das letzte Wort in dieser Angelegenheit. „Tu, was deine Mutter sagt.“

Entmutigt drehe ich mich um und gehe in die Küche, Tränen brennen in meinen Augen. Die Teller stapeln sich hoch, und die Spüle ist voller fettigem Wasser. Während ich schrubbe, kann ich an nichts anderes denken als an meine Miete.

Ein Viertel der Miete.

Ich muss mein Geld zurückbekommen. Ich muss es einfach. Ohne Kaution kann ich nicht einziehen. Ich kann mir nicht einmal ein Schloss für meine Tür kaufen.

„Das ist doch lächerlich“, murmele ich vor mich hin, während ich einen besonders hartnäckigen Topf schrubbe.

Nachdem ich mit dem Abwasch fertig bin, ziehe ich mich in mein kleines Schlafzimmer zurück und schließe leise die Tür. Ich hole meinen Laptop heraus und starre auf die E-Mail, den herrlichen, lebensverändernden Zulassungsbescheid.

Dann öffne ich einen neuen Browser-Tab.

*Wohnmöglichkeiten außerhalb des Campus in Greenville.*

*Gesetze zur Kaution bei Wohnungen.*

*Wie man heimlich aus dem Elternhaus auszieht.*

Meine Hände zittern, während ich tippe. Ich werde einen Weg finden. Ich muss es einfach. Und ich muss sofort mit Hardin über das Geld sprechen. Vielleicht kann er mir die Kaution vorstrecken. Vielleicht könnte ich es ihm zurückzahlen. Er wird es verstehen. Das tut er immer.

Ich nehme mein Handy in die Hand, um ihm eine SMS zu schreiben, zögere aber. Der Gedanke, meine finanzielle Katastrophe noch zu der ohnehin schon komplizierten Situation mit Noah hinzuzufügen, lässt mich zögern. Vielleicht sollte ich bis morgen früh warten.

Nein. Ich kann nicht warten.

*Ich:* Schatz, ruf mich an. Es ist dringend. Es geht um die Kaution. 😔

Ich werfe das Handy auf das Bett, mir schwirrt der Kopf. Ich muss hier raus.

Die Luft in diesem Haus ist erstickend. Ich brauche Raum zum Atmen und zum Planen. Und ich muss mir überlegen, wie ich nicht nur Greenville überstehen werde, sondern auch die bevorstehende Mitbewohnersituation mit dem Mann, der mich Minnie nennt und dessen Bauchmuskeln ich offenbar heimlich bewundert habe.

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