LOGINDieses Telefonat hatte mir tatsächlich einen Großteil meiner Fragen beantwortet.Leider hatte es gleichzeitig mindestens genauso viele neue aufgeworfen.Woher ich seinen Hoodie hatte, wusste ich inzwischen.Julian hatte mir erzählt, dass wir fast eine halbe Stunde auf das Uber warten mussten. Mir sei wohl ziemlich kalt gewesen. So kalt, dass ich am ganzen Körper gezittert hätte.Ihm dagegen war durch den Alkohol eher warm gewesen.Also hatte er mir kurzerhand seinen Hoodie gegeben.Eigentlich eine wirklich nette Geste.Trotzdem war ich mir ziemlich sicher, dass mir niemals so kalt gewesen sein konnte.Oder etwa doch?Die Frage, die sich viel hartnäckiger in meinem Kopf festsetzte, war eine ganz andere. Was hatte ich ihm gestern Abend eigentlich alles erzählt?Und warum hatte er überhaupt angerufen?Irgendetwas hatte er mir noch sagen wollen.Ich war mir sicher.Mitten im Satz hatte er plötzlich aufgehört, sich entschuldigt und gemeint, sein Chef wäre gerade hereingekommen.Erst in d
Okay … Was? Ich musste mich verhört haben. Erst einmal eins nach dem anderen. Es war also definitiv nicht Sara am Telefon. So viel stand fest. Aber ich musste mich trotzdem verhört haben. Prinzessin? Also wirklich. Ich war vieles. Chaotisch. Manchmal überfordert. Viel zu verkopft. Aber ganz sicher keine Prinzessin. Warum sollte ausgerechnet das mein Spitzname sein? „Bist du irgendwie umgefallen?“ Oh Gott. Er war ja immer noch dran. Warum hatte ich eigentlich nicht längst aufgelegt? Ach ja. Weil das unhöflich gewesen wäre. Und weil ich gerade viel zu beschäftigt damit war, komplett verstört zu sein. „Ähm … nein.“ Ich räusperte mich. „Ich bin noch da.“ Meine Stimme klang deutlich unsicherer, als mir lieb war. Dann hörte ich es wieder. Dieses tiefe, ehrliche Lachen. Es kam mir plötzlich seltsam vertraut vor. Anscheinend hatte er gestern Abend öfter gelacht. Sonst würde ich es jetzt wohl kaum wiedererkennen. „Ähm … warum rufst du an?“ Kaum hatte ich die Fra
Das Telefonat ging noch eine ganze Weile. Aber natürlich sprachen wir weder darüber, dass Sara gestern Abend fast 300 Euro für einen Mann ausgegeben hatte, den sie kaum kannte. Noch darüber, dass dieser Julian offenbar meine Nummer haben wollte. Für Sara war das Thema innerhalb weniger Sekunden erledigt. Sie hatte mich nicht einmal gefragt, ob sie meine Nummer überhaupt weitergeben durfte. Sie hatte es einfach getan. Zuerst redete ich mir noch ein, dass sie es nur getan hatte, weil sie Julian gestern ebenfalls kennengelernt hatte. Aber nein. „Katy, wer ist Julian überhaupt?“ Ich runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“ „Na ja … hast du gestern, als ich kurz auf der Toilette war, Markus nach einem Freund gefragt?“ Ich sagte nichts. „Hältst du es echt nicht mehr aus, alleine zu sein?“ Für einen Moment blieb mir tatsächlich die Luft weg. Das kam jetzt ausgerechnet von ihr? Von der Frau, die innerhalb weniger Stunden fast 300 Euro für einen Mann ausgegeben hatte, den sie k
Es war bereits 13:00 Uhr, als ich endlich wieder die Augen öffnete. Oh Gott. Hatte ich wirklich so lange geschlafen? Der gestrige Abend war definitiv länger geworden als geplant. Ich glaube, es war schon drei Uhr morgens gewesen, als ich endlich in meinem Bett lag. Die Frage war nur: Wie war ich überhaupt hierhergekommen? Und vielleicht noch wichtiger: Wie viele Cocktails hatte ich eigentlich getrunken? Die Antwort darauf kannte ich leider nicht. Was mich fast noch mehr beunruhigte: Ich wusste nicht einmal, wie ich das alles bezahlt hatte. Sara konnte es jedenfalls nicht gewesen sein. Sie hatte zusammen mit Markus ebenfalls ordentlich getrunken. Also hatte sie ihr Auto vermutlich stehen lassen. Hoffentlich. Allein der Gedanke daran machte mir ein bisschen Sorgen. Was war gestern eigentlich alles passiert? Ich versuchte, mich zu erinnern. Viel Erfolg, Katy. Mein Kopf lieferte mir nur einzelne Bilder. Eine Bar. Musik. Cocktails. Sara. Markus. Und dann … Nichts. Seufz
Markus war also wirklich gekommen. Wie um alles in der Welt hatte Sara das geschafft? Bevor ich dem Fremden endlich den Cocktail abnehmen konnte, schob Sara ihn kurzerhand ein Stück in meine Richtung. Nicht besonders vorsichtig – Hauptsache, der Stuhl neben ihr war frei. „Süßer, hier. Ich hab dir deinen Platz schon freigehalten.“ Mein Cocktail schwappte über. Ein paar Tropfen landeten auf dem Tisch. Und natürlich auch auf meinem Oberteil. Natürlich. Der Fremde reagierte sofort. „Oh Gott, sorry. Das war wirklich nicht extra.“ Er beugte sich zu mir herunter. „Ich hole dir etwas zum Saubermachen.“ Ich sah auf und traf seinen Blick. Braune Augen. Aber nicht einfach nur braun. Irgendetwas Goldenes schimmerte darin, wenn das Licht der Bar richtig darauf fiel. Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich allerdings nicht. Denn langsam drang durch, was Sara gerade gesagt hatte. Süßer? Ich drehte den Kopf zu ihr. Das konnte nicht ihr Ernst sein. „Sara, das m
Ich hatte keine Ahnung, wer dieser junge Mann war. Eigentlich hatte ich ihn kaum richtig angesehen. Alles, woran ich mich erinnern konnte, waren seine hellbraunen Haare, die ihm ständig ins Gesicht fielen, und der graue Hoodie, der offensichtlich mindestens eine Nummer zu groß war. Als er an mir vorbeiging, bemerkte ich plötzlich, wie sich der Geruch um mich herum veränderte. Für einen kurzen Moment roch es nicht mehr nur nach Bier, Zigaretten und verschütteten Cocktails. Da war noch etwas anderes. Warm. Ruhig. Sandelholz, vielleicht. Oder etwas Ähnliches. Ich konnte es nicht genau einordnen. Nachdem er auf mein hektisches Nicken nur gelächelt hatte und mit einem leisen „Warte kurz“ geantwortet hatte, verschwand er zwischen den Menschen. Ich atmete tief durch und versuchte, die Hitze aus meinem Gesicht zu vertreiben. Reiß dich zusammen, Katy. Es war nur ein fremder Typ. Warum also fühlte es sich an, als hätte ich gerade das peinlichste Gespräch meines Lebens geführt? Be







